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Jüdische Zeitung · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JUDKHE ZEITUNG £&8£ .N.F1TJ?^!: :4iPJ™ oRBfiN^ ■ erscheint wöchentlich. — Redaktion. Administration und Inseratenaufnahme: Wien, N.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden B m :ä .lieh von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ® reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, vierteljähr. K 2.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. S.—. Vierteljahr. ® ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 13.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 133.404. Telefon 22.075. B Nr. 36 Wien, Freitag, den 6. September 1912 VI. Jahrgang Wien ~ der Ort des nädisten Kongresses. Eine freudige Botschaft kommt von der Jahreskonferenz, welche dieser Tage in Berlin abgehalten wurde. Das Plenum des Zentralausschusses der zionistischen Weltorganisation hat beschlossen, den 11. Zionistenkongreß im August 1913 in Wien abzuhalten. Es ist kein kleinlicher zionistischer Lokalpatriotismus, wenn wir diesen Beschluß mit besonderer Genugtuung registrieren. Ist doch die Abhaltung des zionistischen Kongresses in Wien in mehrfacher Hinsicht von größter Bedeutung und die Wiener Zionisten, die sich jahrelang bemüht haben, dies Ereignis herbeizuführen, haben alle Ursache, sich des endlichen Erfolges zu freuen. Ein Kongreß in Wien bedeutet nichts weniger, als daß die höchste im Golus mögliche Kraftentfaltung der zionistischen Bewegung zum erstenmal in einem jüdischen Zentrum stattfindet. Denn Wien ist ein solches, und zwar in mehrfacher Hinsicht. E)a kann man . sogar sägen7 daß in keiner Stadt der Welt so typische Vertreter aller Entwicklungen des Judentums zu finden sind, wie in dieser. Will man den Prozeß eines durch Sucht nach Karriere, Betätigung der Talente etc., forcierten Assimilationsstrebens studieren, so kann dies nirgends besser geschehen, als in der Stadt der Sieghardt, Gustav Mahler, Adler, Redlich usf.; will man den LIrtypus des jüdischen Schmock-Journalisten erforschen, so braucht man nur die Redaktionen der Wiener Zeitungen zu besuchen, von denen die „Neue Freie Presse“ und die „Arbeiter-Zeitung“ allen Schmocken der Welt als Muster gelten, und ähnliches gilt von den Typen jüdischer Bank- und Finanzmänner. Will man die Dekadenz des jüdischen Geistes, seine Zersetzung gegenüber den Einflüssen moderner Kultur illustrieren, so kann die Stadt der Weininger, Kraus etc. die besten Objekte dafür liefern; interessiert man sich für die Eigenart, mit welcher jüdische Schriftsteller in der deutschen Literatur walten, so werden die Schnitzler und Wassermann die besten Beispiele darstellen. Wil| man wissen, bis zu welchem Grad der Rückständigkeit und Reaktion die „liberalen“ Juden im eigenen Hause wirtschaften, so wird keine Kultusstube der Welt unserer Wiener den Rang ablaufen können. Aber auch die Erneuerung des Judentums hatte in Wien ihre Wiege. Man mag es als seltsam bezeichnen, wenn Zionisten, welche die Einheit aller Juden der Welt auf Grund des Primats der Abstammung, der Rasse, betonen, von Einflüssen des Milieus, sprechen, aber es läßt sich doch behaupten, daß etwa in Deutschland oder Rußland ein Herzl nicht hätte erstehen können. Nur wer als stolzer Westeuropäer den Siegeszug des Antisemitismus in Wien miterleben konnte, der einizigen Weltstadt, in der er die politische Macht erobert hat, konnte auf den Dreyfußprozeß so reagieren wie Herzl. Nur, wer im früheren Wien — und nirgend anders war dies möglich, in Berlin z. B. ist seit der Mendelsohnzeit stets die Taufe das Entrebillet in die Gesellschaft gewesen — ganz ahnungs- und voraussetzungslos die Vereinbarkeit gut jüdischen Gefühles und deutschen Bewußthseins angenommen hatte, konnte überhaupt durch den Wiener Pöbelantisemitismus der Achtziger- und Neunzigerjahre so im Innersten verletzt werden wie Herzl. Nur hier ist auch der Boden für die seltsame Mischung von Grazie des Geistes und wuchtigem Temperament, die in Herzl war. Was Wien zu einem markanten jüdischen Zentrum macht, das ist vor allem1 seine Lage, durch die es der Treffpunkt der zwei Hauptgruppen des Judentums, der westeuropäischen, assimilierten, mehr oder minder dekadenten und teilweise snobistischen und der noch religiösen, latent nationalen und noch mit einem Fuße im Ghetto stehenden Ostjuden ist. Dazu kommt, daß Wien die Hauptstadt eines Staates ist, in dem trotz der Macht der Antisemiten, mangels einer genügend großen Zahl andersnationaler Intelligenzen, die jüdischen nicht entbehrt werden können. Für dieses ist Wien die vorbildliche Stadt. Das sind die Gründe, warum in Wien sämtliche Entwicklungen des Judentums wie in keiner anderen Stadt veranschaulicht werden können. Die berühmten vier Schichten, die Ruppin in seinem Buche skizziert, sind hier alle vertreten: In der Brigittenau und in der Lecpoldstadt findet sich die erste Schicht in Masse; östliche Juden, die fast nur jüdisch sprechen, entweder ganz proletarisiert sind oder Zwergexistenzen darstellen. Diese Schicht erhält immer neuen Zuzug vom Osten und wird von immer größerer Bedeutung für die Wiener zionistische Bewegung. Hier findet sich auch die zweite Schicht, jene Ostjuden, welche bereits die Landessprache erlernt haben, die Religion abzustreifen beginnen und schon anfangen, sich zu assimilieren. Jenseits der Donau beginnt das Reich der dritten Schicht, jener meist wohlhabenden Kaufleute, Advokaten und Aerzte, welcher sich der Religion nur mehr an hohen Feiertagen erinnern, weder hebräisch noch jü^sdiir ..verstehen, deren Söhne aber schon fast ausnahmslos zur vierten Schichte zu zählen sind, jene, welche nur mehr aus Pietät am Judentum hängen, mit dem sie gar nichts mehr verbindet, die häufig Mischehen eingehen und bei denen selbst die Taufe nichts seltenes mehr ist. Hierher gehören die reichsten, sowie die intelligentesten Kreise der Judenschaft. So bietet Wien eine einzigartige Musterkarte des Judentums von heute und auch nach der bloßen Zahl kommen wenige Städte der unseren, mit ihren zirka 200.000 Juden gleich. Wien bietet daher einen ganz einzigartigen Resonanzboden für einen Zionistenkongreß. Es ist deshalb mit Bestimmtheit zu erwarten, daß die Wirkung des Kongresses in Wien eine außerordentliche sein wird. So weit er auf Nichtjuden Eindruck machen wird, kann man selbstverständlich nur das Beste erwarten. Kein ruhig und vernünftig denkender Deutscher kann den. Bestrebungen des Zionismus feindlich gegenüberstehen und bis heute hat sich auch noch kein einziger prominenter Wortführer des deutschen Volkes gegen Bilofchmucn für das jiidifdie Mm in volMtffer ftünffl. Ausführung. Verlag „Jüdische Zeitung“, Wien, II, Stefaniestraße 12. Gibt es einen künstlerischen und charakteristischen Schmuck für das jüdische Heim? Durch Herausgabe von „Palästina im Bild" erscheint diese Fiage endlich in bejahendem Sinne beantwortet. Bisher mußte man darauf verzichten, durch Kunstwerke jüdi- — sehen Charakters seinem Heim ein schönes und dabei eigenartiges Gepräge zu verleihen, seinen heranwachsenden Kindern nachhaltige Eindrücke jüdischen Wesens zu vermitteln. Was der Markt bot, war unbedeutend, geschmacklos, das gebildete Auge verletzend. Nun aber haben wir den so schmerzlich vermißten jüdischen Bildschmuck und er kann den Vergleich mit dem aller anderen Völker ruhig aufnehmen, nllp Kunstblätter 50 cm. X 60 cm. — Als gerahmtes Wandbild und in der Mappe vollendet wirkend. Auf feinstem dicken Japanpapier; . Ml ■ - Q> — mit geprägter Facete und Unterschrift in Kunstdruck. — Lagernde Sujets: 1. Jaffa in Sicht 2. Alt-Jaffa. 3. Herzlstraße in Tel-Awiw. 4. Wächter der Kolonie Rechoboth. 5. Schule aus! im hebräischen Gymnasium. 6. Pflüger in der Kolonie Rochoboth. 7. Hauptstraße in Petach Tikwah. 8. Jugendspiele im hebr. Gymnasium. 9. Yementische Silberschmiede. 10. Tempelplatz in Jerusalem. 11. Gräber im Tal Kidron. 12. Bergstraße von Jerusalem nach Sichern. 13. Königsgräber in Jerusalem. 14. 83 jähriger Kolonist mit Urenkel am Pflug in der Kolonie Sichron Jakob. 15. Kunstgewerbeschule Bezalel. 16. Alt-Jerusalem. 17. Bergstraße in Judäa. 18. Herzlcypresse bei Mozzah. 19. Heueinfuhr in Kinereth. 20. Szenerie in Rosch-Pinah. 21. Nordufer des Tiberiassee 22. Durch die Jordansquellen. 23. Talmudschule in Meron. 24. Alte Sarazenenbrücke über den Jordan. Preise: 1 Blatt nach Auswahl K 5.—, 10 Blätter nach Auswahl K 45.—, alle 24 Blätter samt Prachtmappe K 100.— - Bestellungen (Angabe der Bildernummer genügt) an die „Jüdische Zeitung“, II., Stefaniestraße 12. Illustrierter Prospekt gratis. Lieferung gegen Vorausbezahlung oder Nachnahme.

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