Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 35 (30.8.1912)
- Date
- 1912-08-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 ditvon 125.000 K, eine ruthenische von Kronen 125.000, eine ruthenische von 30.000 Kronen und eine jüdische einen Kredit von kaum 1000 Kronen., Ebenso liegen die Verhältnisse in der galizischen Sparkasse, welche von einem Arzte verwaltet wird und auch die Hypothekenbanken beobachten in ihrer Verwaltung antisemitische Grundsätze.- .Wenn aber diese geradezu Schmachvollen Verhältnisse kritisiert werden, da erhebt sich die polnische Presse, als ein einig Volk von Brüdern und zetert über jüdische Undankbarkeit und zionistische Denunziationen und droht, dah die Polen die „Geduld verlieren“ könnten, Bange machen gilt aber nicht, denn schlimmer als es ist, kann es ja nicht werden, « * * Die Landtagswahlreform steht wieder auf der Tagesordnung, Seinerzeit haben wir hervorgehoben, daß der polnisch-ruthenische Ausgleich möglicherweise ohne und gegen die Juden geschlossen werden könnte. Unsere Voraussage scheint sich leider zu bestätigen, denn im Laufe der Verhandlungen und aus den verschiedenen Aeußerungen der polnischen und ruthenischen Politiker erfuhr man sehr vieles, aber von Juden und Judenrechten war keine Rede. Es kann nicht einmal behauptet werden, daß die Vernachlässigung der Juden durch dienicht- ' jüdischen Parteien erfolgt. Das ruthenische Landesausschuß-Mitglied Abg. Kiweluk hat vielmehr in Volksversammlungen die Juden aufgefordert, die Einführung einer nationalen jüdischen Kurie zu verlangen und zu diesem Zwecke eine rege Propaganda zu entfalten. In diesem Bestreben, sagte Landesausschuß Kiweluk, werden die Juden von den Ruthenen unterstützt werden. Immerhin, ob der rutheniSch-polnische Ausgleich bald zustande kommt oder erst in weiter Ferne liegt, ist es angezeigt, das Interesse der jüdischen Bevölkerung für die Landtagswahlreform zu erwecken und rege zu erhalten. Denn es wäre geradezu katastrophal, wenn die politischen Ereignisse das jüdische Volk in Galizien unvorbereitet finden würden. Am 15, September 1. J. wird in Drohobycz eine Konferenz der zionistischen HocKschüler stattfinden. Die Einberufer dieser Konferenz sind die Provinzvereinigungen „Bar-Kochba“ (Sta - nislau), „Techija“ (Brody), „Bar-Kochba“ (Tarnopol), „Komitee der Stryjer Hochschuljugend“, „Makkabäa“ (Drohobycz), „Makkabäa“ (Rze- Szow), „Agudath Herzl“ (Przemysl). Die Tagesordnung der Konferenz lautet: „Die gegenwärtige Lage der zionistischen Hochschuljugend Galiziens“; „Palästinaarbeit“; „Selbstbildung“; „Gegenwartsarbeit im Lande“; „Organisation der zionistischen Studentenschaft“. Das vorberei - tende Komitee hat einen Aufruf versendet, in welchem die Verflachung der zionistischen Bewegung unter der zionistischen Hochschuljugend konstatiert, eine Demokratisierung der zionistischen Arbeit verlangt und die Forderung, unter das Volk zu gehen, erhoben wird. Aut die Ergebnisse der Konferenz, welche als Zeichen einer gesunden Reaktion gegen zweifellos vorhandene Uebelstände betrachtet werden muß, werden wir zurückkommen. Aus dem jüdlldien Geben. Rechenschaftsbericht des' Vereines „Mensa iudaica academica“ in Wien, IX. Pramergasse 31. Der Verein wurde am 25. März 1911 gegründet. Die erste Aufgabe war, dem Vereine eine materielle Grundlage zu schaffen. In diesem Bestreben unterstützte ihn die jüdische Oeffentlichkeit durch Zuwendung von Spenden. Bereits am 1. November 1911 konnte die Mensa academica Judaica in einem Lokale des 9. Bezirkes, Pramergasse 31, eröffnet werden. Die weitere Entwicklung der Mensa academica gestaltete sich erfreulicherweise leicht, da einerseits die Zahl der Frequentanten von Tag zu Tag stieg, andererseits die jüdische Bevölkerung von nun an der Mensa das regste Interesse entgegenbrachte. Am 31. Jänner veranstaltete die Mensa eine Festakademie mit Ball, die ihr ein Reinerträgnis von K 427 einbrachte. Univ.- Prot. Dr. M. Hajek gründete einen Fond zur Verteilung von Gratismarken an bedürftige jüdische Hochschüler, der seither durch namhafte Beiträge vergrößert wurde. Durch die Spende von K 2000 aus dem Nachlasse des Albert Freiherrn von Rothschild hat der Verein in der abgelaufenen Tätigkeitsperiode die größte Förderung erfahren. Und nun mögen die trockenen Zahlen folgen, die mehr als alle Worte für die Notwendigkeit und Existenzberechtigung ..der Mensa sprechen. Seit 1. November 1911 wurden in der Mensa academica Judaica 53.550 Mahlzeiten verabreicht, was einem Durchschnitt von 255 Frequentanten pro Tag entspricht. Den Mitgliedern des Vereines gewährte letzterer das Mittagmahl zum Abonnentspreis von 52 h, das Nachtmahl für 40 h, den Gästen zum Preise von 56 h und 44 h. Es wurden zu Mittag 150 g und zum Nachtmahl 120 g Fleisch, zwei Gemüsebeilagen und Suppe verabreicht. Der Preis für eine Mehlspeise betrug 12 h. Während der Zeit des Bestandes wurden an unbemittelte Kollegen Gratismarken im Gesamtbeträge von K 404.— verteilt. Der Verein schließt die Tätigkeit des ersten Jahres mit einem Umsatzkapital von K 43.312.78. den Juden, die ihr Volkstum pflegen wollen, deshalb ihr Wohnrecht in Deutschland oder ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volk im politischen Begriff abzustreiten. Die Bereicherungen der Gesamtkultur durch jüdisches Wesen können nur um so besser wirken, je rassiger, je „natürlicher“ sie sind. Und gerade die Juden, die selbst ihre Volksverschiedenheit von den Nichtjuden energisch betonen, werden um so mehr begreifen, daß wir keine Verschleierung, daß wir im Gegenteil einen betonenden Ausdruck dieser Rasseverschiedenheit auch bei all jenen jüdischen Betätigungen wünschen, bei denen völkische Imponderabilien sind. Das Jutentum wollen sie stärken, das Judentum veredeln, an das Judentum also wenden sie sich', dann geht es erst recht nicht an, dah ihre Zeitungen und Zeitschriften, ihre Theater, ihre Veranstaltungen welcher Art immer sich aus Geschäfts- oder Machtwillen geben, als wären sie Vertreter des gesamten vorwärtsstrebenden Deutschtums. Eine unverdeckte jüdische Kulturpflege dagegen könnte mit der ihres Nichtjudentums bewußten deutschen so freundschaftlich nebeneinander und große Strecken lang Zusammengehen, wie die jeden anderen fremden Volkstums. Die besonderen jüdischen Werte würden um so besser gelten, je reiner sie sind, .wie schon jetzt der jüdische Witz durch das „Mauscheln“ nicht verliert, sondern gewinnt. Eine Bemerkung, die ich durchaus und die ich abgewandelt auch für das jüdische Pathos meine. Ich z. B. habe das „Gewaltschreien“, über das wir aus Unkenntnis lachen, in _ einer befreundeten Judenfamilie über einer ' Leiche mit angehört und dabei hier zum ersten Male erlebt, wie ergreifend jenes jüdische Pathos auch heute noch tönen kann, das aus der gegenwärtigen Deutsch juden-Literatur verschwunden scheint. Die Sprache müßte wohl hebräisch oder „yidisch“ sein, aber es gibt ja Uebersetzer. Der Gedanke, man wolle unser Volk jüdisch „verwalten“, fiele bei solcher Literatur tnade-' in Israel ganz weg, und so würde sie von vielen auch unbefangener gewürdigt. Welches Volk ist den an und für sich zugänglicher für fremde Werte als wir! Gegenwärtig liegen die Dinge nach unsern Eindrücken so, daß gerade diejenigen Juden aut weniger allgemeine Sympathie rechnen können, die ihr Volkstum auflösen wollen. Man sieht vielfach die Notwendigkeit nicht ein, da ja auch der rassenbewußte Jude, so lange er unserem StaaTsverbande angehört, staatlich ein Deutscher ist, dem keiner das Recht verweigern kann, in staatlichen Angelegenheiten mitzuraten und mitzutaten. Man glaubt auch in sehr weiten Kreisen nicht recht an die Möglichkeit. Obgleich doch in allen Völkern, bei denen die Judenemanzipation weit zurückliegt, die Aehnlichkeit von Wirt- und Gastvolk gewachsen ist! Wie dem sei: es kann doch wohl dem Juden und dem Halbjuden nicht vorgeschrieben werden, zu welchem Volke sein Wille geht. Geht er zu uns, so ist’s doch wohl seine Sache, zu versuchen, wie weit er’s im Sichanpassen und Sicheinfügen bringt. Nur wolle der Jude seinerseits unsere Meinung darüber, wa sman als das Stärkere in ihm empfindet, ob das Deutsche oder das Jüdische, uns Nichtiuden überlassen. Sonst erscheint er aufdringlich. Wer sich Samuel Lublinski oder Jakob Löwenberg oder Abraham Kohn nennt, ist uns Denkenden nun einmal sympathischer, als wer seinen Namen „mausert“. Vorläufig wenigstens —vielleicht fühlt eine Zukunft anders, die unter Verschleierungen weniger zu leiden hat. (Fortsetzung folgt.) Die politische Bewegung. Der Appell der „Jüdischen Zeitung“ an unsere Gesinnungsgenossen, die Ferien nicht ungenützt zu lassen und während derselben an dem Ausbau unserer Organisation weiterzuarbeiten, ist nicht ungehört verhallt. Insbesondere in Mähren und Schlesien haben eine Reihe von Versammlungen und Vertrauensmänner-Versammlungen stattgefunden, welche deutlich zeigten, daß auch bisher uns fernstehende jüdische Kreise, durch die politische Entwicklung in Oesterreich bekehrt, sich nun zum jüdisch-demokratischen Programme des „Jüdischen Nationalverein“ bekennen. In Ausführung der Beschlüsse der letzten „Politischen Konferenz“ fanden in Prerau, M äh r.-W e i ß k irch en, Mähr.- Ostrau, Proßnitz, Göding und Bie- 1 i t z Vertrauensmännerversammlungen respektive Vortragsabende statt, in denen Gg. Doktor Kadisch die politische Lage beleuchtete, unser Programm entwickelte und zur Ausführung der Beschlüsse der „Politischen Konferenz“ aufforderte. Die Anwesenden erklärten sich mit den diesbezüglichen Ausführungen einverstanden und wurden in allen den früher erwähnten Orten entweder Komitees gewählt oder Vertrauensmänner nominiert, welche die lokalen Organisiationsarbeiten in die Hand zu nehmen und den steten Kontakt zwischen Provinz und Wien aufrecht zu erhalten sich bereit erklärten. Parallel mit diesen Vortragsabenden veranstalteten die Ferialverbindungen „Massadah“ in Weißkirchen, „Hessiana“ in Ostrau, „G i s k a 1 a“ in Proßnitz, „Gamal a“ in Göding und „Emunah“ in Bielitz Seminare, in denen Gg. Dr. Kadisch über die Grundprobleme des Judentums und des Zionismus, über die Palästinakolonisation, die Kulturfrage, das Nationalitätenproblem im Zusammenhang mit dem Antisemitismus und schließlich über die jüdisch-österreichische Politik sprach. An die Vorträge schlossen sich überall rege Diskussionen an. Antisemitismus und Esperanto. Der Berichterstatter der „Welt“ schreibt: „Vorige Woche hielten die Esperantisten aus der ganzen Welt ihren jährlichen Kongreß in Krakau ab. Auch verhältnismäßig viele Juden, Anhänger der internationalen Esperanto-Sprache, beteiligten sich an diesem Kongreß, und so kam es auch dort bald zu einer kleinen „Judenfrage“. Bei der feierlichen Eröffnung des Kongresses hielten Vertreter von 22 Nationen Ansprachen und begrüßten im Namen ihrer Nation den Kongreß. Nun meldete sich eine Gruppe jüdischer Esperantisten und verlangte, daß ein Redner auch im Namen des jüdischen Volkes den Kongreß begrüßen solle. Der Sekretär des Kongreß-Komitees, H. Dr. Blumenstock, ein Assimilationsjude, erklärte ihnen aber, daß den Juden kein Recht zustehe, für sich einen Redner zu stellen, weil uoch „die Juden keine eigene Sprache haben“. Znr gcL BcadUnng! Die Jüdische Zeitung“ vom 11. September d. J. erscheint als Neujahrsmimtner und wird eine eigene Rubrik Neujahrsgratulationen für RoftfrHafdionoii 5673 (rTJWT enthalten. Unsere Leser und Gesinnungsgenossen werden zweifellos diese günstige Gelegenheit benützen, um auf bequeme Weise allen ihren Bekannten und Freunden ihre Glückwünsche darzubieten. Ein Inserat dieser Größe kostet K 3.—, wovon ein Teil dem JNF zufließt. Diese Nummer wird auf Wunsch an drei aufgegebene Adressen gratis versendet Für die Versendung dieses Nummer an jede weitere Adresse sind je 10 h zu entrichten: Wir Ersuchen um umgehende Uebersendung der Aufträge. „Jüdische Zeitung“ Administration, Wien, 1L, Stefaniestraße 12.