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Jüdische Zeitung · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 35 ügfe Mi-, Smrti liisWiisrtisliiisliitR jjfc Ludwig Lazar Wien, IX., Kolingasse Nr. 13, Liechtensteinstraße 6 empfiehlt sein großes Lager in allen Fecht-, Turn-, Sport-, Tennis-, Fußball-, Hockey-, Militär- und Beamten-Uniformsorten in billigster bis feinster Ausführung und gewährt allen Mitgliedern sämtlicher akad. Verbindungen, Turn- und Sportvereinen 10% Rabatt auf die auf jedem Stück ersichtlich gemachten Preise. Nun wandten sich . die jüdischen Esperantisten an den Gründer der Esperanto-Bewegung,; Br.: Zamenhof, der ja, wie bekannt, auch ein Jude ist, und verlangten seine Intervention in dieser Angelegenheit. Aber auch Dr. Zamenhof lehnte diese gerechte Forderung mit dem Bemerken ab: „Ich bin zwar selbst Jude. Sagen kann ich es aber nicht, weil das der Esperanto- Bewegung schaden würde.“ Und so geschah es, daß die Vertreter der kleinsten und unbedeutendsten Völker zum Worte kamen, im Namen der Juden hatte aber niemand das Recht, zu' sprechen. . Die Rolle, die Dr. Zamenhof überhaupt im Kongresse spielt^ war für unsere Verhältnisse sehr charakteristisch. Zamenhof selbst scheint sich als Jude zu fühlen; er läßt sich aber von seinen Anhängern und insbesondere von den Polen als Polen feiern. Im Kongresse selbst hielt Dr. Zamenhof eine große Rede und erklärte, daß er sich nunmehr' von der Leitung der Esperanto-Bewegung im Interesse der Sache zurückzutreten gezwungen sehe. Dr. Mikolajski, der Präsident des Krakauer Kongresses, erklärte nun in einer Lemberger polnischen Zeitung: „Dr. Zamenhof tritt von der Leitung zurück, weil er meint, daß er dadurch die Verbreitung des Esperanto hindere, daß er, ein Jude, an der Spitze der Bewegung steht. Seiner Meinung nach werden sich viel breitere Kreise dem Esperanto anschließen, wenn nicht ein Jude diese Bewegung führen würde.“ Zu bemerken ist noch, daß die jüdischen Esperantisten in einem der Krakauer Bethäuser einen Gottesdienst in der Esperanto-Sprache veranstalteten, in welcher ein auswärtiger jüdischer Prediger, ein Kongreßteilnehmer, die Predigt hielt. Den Gottesdienst leitete Dr. Thon zum Teil in der Esperanto-Sprache.“ Besuch des neuen Gouverneurs von Jerusalem in den jüdischen Kolonien von Palästina. Vor 14 Tagen wurde, wie bereits berichtet, in der Kolonie Rischon-Lezion ein jüdischer Wächter in seiner Wachthütte ermordet aufgefunden. Wahrscheinlich hatte es der Mörder auf das gute Gewehr des Wächters abgesehen und hatte sich in der Nacht hinterrücks herangeschlichen und getötet. Da die lokale Behörde nicht energisch genug zur Ergreifung des Mörders schritt, wandten sich die Kolonisten durch Vermittlung des Herrn Antebi an den neuen Gouverneur von Jerusalem, Muchidi Bey, der vor 14 Tagen sein Amt angetreten hat. Der Gouverneur nahm sich der Sache sogleich mit größtem Nachdruck an und fuhr in Begleitung des Herrn Antebi selbst in die Kolonien. Er besuchte Rechoboth, Rischon-Lezion und Pethach-Tikwa und sprach über den fortgeschrittenen Zustand der Kolonien, über die Intelligenz der Kolonisten und über die Ordnung in den'-inneren Angelegenheiten, seine höchste Bewunderung aus. In Rischon-Lezion berief er die Kolonisten zu einer Versammlung in das Beth- Am und setzte ihnen in einer längeren Rede auseinander, welche Maßregeln sie zur Verstärkung ihrer Sicherheit ergreifen sollten, um Fälle, wie-den vorhergehend erwähnten, unmöglich zu machen. Er riet ihnen, bei der Regierung um das Recht nachzusuchen, sich als Munizipalität zu organisieren. Dadurch würden sie das Recht bdcommen, eigene jüdische Fejdwächter und Gendarmen' änzustellen, um sich dadurch absolute Sicherheit zu verschaffen. Außerdem riet er ihnen, die Ermächtigung der Regierung zur Errichtung eines Telephonnetzes zwischen den Kolonien anzusuchen, damit im Notfälle die Wächter der einen Kolonie leicht nach Her anderen Kolonie berufen werden können. Er' versprach den Kolonisten, daß, wenn sie ihre "Gesuche "an ihn richten, er dieselben ohne weiteres genehmigen würde. Er empfiehlt denjenigen Kolonisten, die noch nicht ottomanisch seien, sich naturalisieren zu lassen, weil sie dadurch in den Besitz aller staatsbürgerlichen Rechte kämen. . .Der Pascha hat zwei volle Tage in den Kolonien zugebracht und hat bei der Fahrt von Rischon-Lezion nach Pethach-Tikwa auch das Stadtviertel Tel-Awiw und das hebräische Gymnasium besucht und seine große Befriedigung über das von den Juden hier Geschaffene ausgedrückt. Die Reise des Paschas hat unter den Kolonisten eine lebhafte Bewegung hervorgerufen, und viele Kolonisten, die sich bisher nicht entschließen konnten, um ihre Naturalisation bei der {Regierung einzureichen, haben sich jetzt dazu •entschlossen. Es scheint, daß endlich, nachdem man lange Zeit vergebens auf eine verständige Würdigung der jüdischen Arbeit in Palästina' seitens der Regierung gewartet hat, jetzt endlich ein besseres Verständnis, dafür vorhanden ist. Natürlich müß das ein neuer Ansporn sein, auf dem betretenen Wege fortzufahren und weiterhin alle unsere Kräfte für die Entwicklung Palästinas einzusetzen. Das Angola-Projekt. Lissabon. Die Stimmen, welche sich gegen die Ansiedlung von Juden in Süd-Angola hier erheben, berufen sich im wesentlichen darauf, dab durch die Ansiedlung größerer jüdischer Massen im portugiesischen Kolonialgebiet der gefürchtete Einfluß der Großmächte wachsen könnte, da diese Juden aus europäischen Ländern stammen. In der Presse wird besonders ein „Das Hochland Von Judäa“ überschriebener Leitartikel in der großen Lissaboner Zeitung „Diario de Noticias“ vom 29. Juli sehr beachtet, in dem u. a. ausgeführt wird, daß aus einer solchen ausgedehnten Niederlassung bedeutender jüdischer Massen auf den Hochländern von Süd-Angola für Portugal Verwicklungen und Gefahren entstehen können, die man wohl überlegen müsse. Der Verfasser des Artikels schreibt, daß ihn keinerlei Animosität gegen die Juden beherrsche, keinerlei Haß, Abneigung oder auch nur ein Schatten schlechter Laune gegen jene intelligenten, arbeitsamen, entbehrungsreichen und bewunderungswürdig widerstandsfähigen jüdischen Leute; daß er im Gegenteil stets hohe Achtung vor den großen intellektuellen Fähigkeiten und der zivilisatorischen Mitarbeit jenes zerstreuten Volkes gehabt habe. Nur die hohen Interessen des Ansehens und der souveränen Integrität eines Größer-Portugal veranlaßten ihn, sich gegen eine große Zahl .ausländischer Kolonisten .auszusprechen. Von Kennern des Landes und der jüdischen Wänderungsverhältnisse wurde der Ansiedlungsplan des bekannten Dichters Zangwill von vornherein für phantastisch gehalten. Es ist eine durch langjährige Erfahrühg bestätigte Tatsache, dajß die Juden sich sehr wohl zu Ackerbauern und Pflanzern eignen, daß sich aber größere jüdische Massen aus Europa nicht in der Weise verpflanzen und ansiedeln lassen, wie Zangwill undseine „Jewish Territorial-Organisation“ dies erstreben. In Palästina schreitet die jüdische Kolonisation vorwärts, weil sie dort mit der nationalen Bewegung des Zionismus zusammenhängt In anderen Ländern dagegen wenden die Juden sich der Großstadt und großstädtischen Berufen zu. Urteil eines Unbefangenen über die zionistische Arbeit Ein Mitarbeiter schreibt uns: In dem vor kurzem erschienenen Buche: „Fahrten ins Blaue. Ein Mittelmeerbuch von Oskar A. H. Schmitz, Verlag Georg Müller in München, 1912“, findet sich bei Beischreibung Palästinas folgende Stelle: Auch die zionistischen Kolonien ,deren Stamm meist aus Rußland eingewandert ist, in deren höherer Schicht jedoch deutsche Juden dominieren, muß man bewundern. Wie durch ein Wunder ist unter ihnen wieder die hebräische Sprache lebendig geworden. In Tel-Awif habe ich ein hebräischen Gymnasium besucht und mit Interesse einer französischen Stunde beigewohnt. Buben und Mädchen werden zusammen erzogen. In Jerusalem sucht die jüdische Kunstschule Bezalel die alten Gewerbe des Landes unter - feinsinniger Leitung zu erneuern. Noch interessanter sind vielleicht die ländlichen Kolonien, wo man studierte Männer und Frauen, Brillen auf der Nase, Landwirtschaft betreiben sieht. Die von Baron Rothschild begründete Kolonie Rischon le Zion besteht aus freundlichen, mitten in Weinbergen gelegenen Häusern und lebt von einer ausgedehnten Weinbereitung. Im Gegensatz zu den müßig herumlaufenden Juden in Kaftan mit den grotesken Ohrlöckchen, sucht die zionistische Bewegung den Krebsschadendes palästinischen Judentums zu bekämpfen, die.Chaiuka, jenes von Frommen aller Länder gespendete Almosen, das einer großen Zahl äußerlich ebenso schmutziger wie aristokratisch-gesinnter Müßiggänger erlaubt, ohne Arbeit zu leben und sich ganz und gar sterilen, theologischen Spekulationen zu überlassen. Vereinsnadipiditen. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfen-Verband.) Dienstag, den 3. September a. c. 8 Uhr abends), findet im Verbandslokal, II. Taborstraße 11b ein Vortrag des Herrn jur. Josef Fischhof statt. Thema: Revolutionen und deren Wirkungen. Gäste willkommen. Wien (Verein jüd. jugendlicher Arbeiter). Sonntag, den 1. September d. J. findet im Prfvatlökale des Cafe Stefanie, II. Stefaniestraße 2, pünktlich um 10 Uhr vormittags eine Versammlung des Vereines statt, in der ein Bericht über die IV. Jugendkonferenz in Lemberg und gleichzeitiger Stellungnahme über ,«deren Ergebnis stattfinden wird. Gäste willkommen. (Kein Trinkzwang.) Wien(Herzl-Klub). Dienstag, den 3. September 1912 präzise s/48 Uhr abends Schlüßvortrag des Gg. . Simon Advokat über „Die Zukunft der Juden“ nach Werner Sombart mit anschließender Diskusion. Ort: „JüdischesVolksheim“, II. Stefaniestr. 12. (Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen.) — Sonntag, den 1. September a. c. Ausflug (Tagespartie) nach Rodaun- BETHAUS KOM1TE im Jüdischen Volksheim djh m Wien, II., Stefaniestraße 12. BethaussRnzeige! An den hohen Feiertagen *Tl£D. DYnrWPlWT . wird int „JÜDISCHEN VOLKSHEIM“ II., Stefaniestraße 12 ein Gottesdienst abgehalten. Sitzkarten zu 10, 6 und 4 Kronen gelangen täglich mit Ausnahme des Samstages zwischen 6—8 Uhr abends zum Verkauf. Da die Anzahl der Bethaus-Sitzplätze eine Beschränkte ist, werden die p. t. Gesinnungsgenossen ersucht sich wegen Sitzkarten sofort vormerken zu lassen. Das Bethaus-Comit& im „Jüdischen Volksheim“ II., Stefaniestraße 12. Soeben erschienen! Neue Satiren Neu! Aus dem Inhalte: £ Die göttliche Selma, Pollak v. Parnegg, Der T Stolz von Göding, Die Nase des Ladislaus u. a. & Preis K 1.20, Porto 10 h. £ X t—.. Nur gegen oder Nachnahme (45 ti mehr) durch die „JudisGhe Zeitung“. Wien. 11)3, Steioniestro&e 12. ▲ 092115

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