Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
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Nr. 33 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 ky den wahren Tätern auf die Spur kam. Da man seine frappanten Indizien nicht gut ignorieren konnte, so entschloß man sich, wenn auch ungern, dazu, eine erneute Untersuchung des Knabenmordes anzuordnen, schwor aber dem unquemen Wahrheitsjäger bittere Rache. Und so wurde denn plötzlich gegen den gewesenen Kriminalbeamten das Verfahren wegen eines angeblich vor Jahren begangenen Dienstverbrechens eingeleitet. Aut diese Weise sollte die Zuverlässigkeit seiner Enthüllungen in Zweifel gezogen werden. Dieser Tage wurde nun Krassowsky verhaftet. In der Muße der Einzelhaft: wird er Betrachtungen über die Aufgaben und Pflichten eines russischen Kriminalbeamten anstellen können. Massenausweisungen von Juden. Odessa : Wir stehen zurzeit in einer Aera großzügiger Ausweisungen, die alles in den Schatten stellt, was seit den großen Moskauer Ausweisungen von 1891 ein bis zum Delirium gesteigerter Judenhaß aut diesem Gebiete geleistet hat. Neben den Ausweisungen aus dem Kreise Telschi, aus den Gouvernements Grodno und Jekaterinoslaw, haben uns diese Tage eine neue Ueberraschung gebracht, die auch in der Aera der jüngsten großrussischen „nationalen“ Politik ihresgleichen sucht. Die patriotische Siegespalme errang sich diesmal der ,Chersoner Gouverneur, Herr von Grevenitz. Er annullierte einfach aus eigener Machtvollkommenheit das bekannte Stolypinsche Wohnrechtszirkular, und verfügte über mehr als 10.000 Juden, die kraft dieses Zirkulars auf dem Lande leben, die kurzfristige Ausweisung. Daß die Vollstreckung dieser harten Maßregel den völligen wirtschaftlichen Ruin für die Betreffenden, die von dem in dieser Kornkammer Rußlands sehr ausgedehnten Getreidehandel leben, bedeuten würde, braucht nicht erst gesagt zu werden. Mann sollte aber glauben, dab die Rüchsicht aut die Interessen der Landwirtschaft der mit der freien Konkurrenz eines lebhaften Vermittlerdienstes die günstigen Absatzbedingungen abgeschnitten werden, unsere weißen Satrapen von dieser unsinnigen Aktion abhalten würde. Allein, unsere idealistisch gesinnten. Vaterlandsretter kennen keine merkantilen Interessen, wenn die Ehre und der Ruhm des Vaterlandes aut dem Spiele stehen. Besonders bedroht ist die jüdische Bevölkerung von Nikolajew, wo von 23.000 Juden etwa die Hälfte verjagt werden dürften. Die zionistische Bewegung in Amerika. New-York: In den letzten Wochen fanden 'zwei zionistische Tagungen statt, die den Fortschritt der zionistischen Bewegung in Amerika deutlich illustrieren. Die kanadischen Zionisten hielten in Ottawa ihre Jahreskonvention ab, die von 350 Delegierten besucht war. Aus von Städten. Er ist ein Ausfluß der Frömmigkeit und war pour ainsi dire un accessoire oblige des ceremonies de la semaine sainte. In Toulouse wurde die Ohrfeigenzeremonie im zwölften Jahrhundert durch eine Abgabe abgelöst, die von den Juden in der Vorstadt von Toulouse alljährlich zu Nutz der Kanoniker von Saint-Saturnin zu hinterlegen war. Außerdem zahlten die Toulouser Juden vom Ende des 12. bis Mitte des 14. Jahrhunderts eine jährliche Steuer von 44 (damaligen) Pfunden Wachs für die Altarkerzen am Osterfest. Von Johann Ecks Ains Judenbüchelein ist das 20. Kapitel der Schmach und Unehre gewidmet, die von den Juden den Bildnissen des Gekreuzigten, Mariae und der Heiligen zugefügt werden. Es folgt darin ganz der Beweisführung, wie sie in der Schrift von der „Entehrung und Schmach der Bildung Mariae“ vorliegt. Er führt aus, daß Juden, die aus Gesundheitszwecken das Christenblut nicht nötig hätten, doch aus Haß die Christenmorde begingen. Er erzählt die folgenden Legenden, die Mißhandlung eines Christenbiides in Beirut zur Zeit Konstantins des Aelteren, eines Kruzifixes zur Zeit des Papstes Pelagius im Jahre 587, desgleichen unter Kaiser Phokas aus dem Jahre 614. Kaiser Honorius und Theodosius hätten den Juden ihren Festesbrauch verboten, ein Kreuzesbild zur Schmach des christlichen Glaubens zu verbrennen. Darauf folgt kurz die Geschichte aus dem Hennegau, wo der Jude verbrannt worden ist: Wie zu der zeit des grossen Karls ain Jud die bildnus Christi gestochen hat. Dann folgt die Geschichte aus Konstantinopel von dem durch einen Juden in den Brunnen gestürzten den Berichten und Referaten ging hervor, daß es in Kanada mehrere Tausend gut organisierter Zionisten gibt, die seit ihrer letzten Tagung etwa 60.000 M. für zionistische Zwecke aufbrachten. Der stellvertretende Premierminister von Kanada, Mr. George H. Perlev, hielt eine enthusiastisch aufgenommene Rede, in der er von dem vorzüglichen Eindruck berichtete, den die jüdischen Kolonien in Palästina aut ihn gemacht hätten. Die ca. 20.000 Zionisten .der Vereinigten Staaten entsandten ihre Vertreter nach Cleveland4 Auf dieser Tagung wurde festgestellt, dab die amerikanische Judenheit immer größeres Interesse an der jüdischen Arbeit in Palästina gewinnt. So richtete Mr. Nathan Straus, der bekannte Philanthrop, ein Begrüßungsschreiben an die Konferenz, in welchem er im Hinblick auf seine jüngste Reise nach Palästina und seine dort errichteten Stiftungen den Wunsch aussprach, in Amerika viele Nachahmer zu finden. Ein Wort des ungarischen Unterrichtsministers. Budapest : Bekanntlich strebt gegenwärtig die ungarische Judenheit mit erfreulicher Energie die Erlangung der konfessionellen Autonomie an. Jüngst sprach eine Deputation beim ungarischen Unterrichtsminister, Grafen Johann Zichy, vor, um ihn für die Sache zu gewinnen. Graf Zichy antwortete in einer längeren, wohlwollenden Rede, der wir folgende markante Sätze entnehmen, die ungemein bezeichnend sind: „Sie können überzeugt sein, dab das Schicksal des Judentums auch in dieser Frage in die Hände des Judentums selbst gelegt ist. Insoferne Sie mit dem Gewichte, mit dem einheitlichen Willen auftreten können und wollen, die zu der vollständigen Ausgestaltung einer derartigen Angelegenheit notwendig sind, werde ich mit größter Freude zu ihrer Unterstützung herbeieilen und an der Verwirklichung ihrer Autonomie mitwirken.“ Es ist interessant, daß die Regierung selbst die Juden des Landes darauf hinweist, wie sie nur durch eine einheitliche, die ganze jüdische Bevölkerung umfassende Organisation zu ihrem Rechte gelangen könne, und daß alles Petitionieren fruchtlos bleiben müsse, wenn nicht gleichzeitig ein, starker, von der Gesamtheit getragener Wille fordere, was des Volkes ist. Der Bescheid des ungarischen Ministers erinnert an die Aeußerung des ehemaligen cisleithanischen Ministerpräsidenten Baron Bienerth gegenüber Adolf Stand, in der er bedeutete, die Regierung sei insolange außerstande, den jüdischen Forderungen gerecht zu werden, als sie nicht mit einer legitimierten Vertretung, welche die Gesamtheit hinter sich habe, verhandeln könne. Bilde. Daran schließt Eck einen Ausfall gegen die gottlosen Christen und Spieler an, die auch Bilder blutig gestochen und geschlagen haben, endlich gegen die seellosen Christen, die zu Amuletten und Zauberei die an Wegscheiden stehenden Christusbilder zertrümmern und Teile an sich nehmen. „Darum bleiben die crucifix selten gantz die auf dem wegschaid stand.“ Die Frage, ob und wann dann diese nicht auch bluten, kommt dem fanatisch-gläubigen und abergläubischen Dr. Eck natürlich überhaupt nicht bei.; Die Feindseligkeit der Juden sei so groß, daß sie die Figur des Kreuzes nicht sehen mögen, und wo sie nur Holz oder Stroh kreuzweis liegen sähen, zerträten sie es mit den Füßen. Wenn sie im Felde an einem Kreuz vorübergehen, so lassen sie das Kreuz auf der linken Seite; wenn’s niemand sieht, bespeien sie es oder werfen mit Steinen und Kot danach, und freuen sich über die Bilderstürmer, die den Verdacht von ihnen ablenken. Sie schmähen die Kirchen und Kirchhöfe, die darin Begrabenen und die Heiligen „wie der Pfefferkorn zu Berlin in der h offstuben gesagt zu S. Christoph eis bildnuß. Du langer schalk! was trägst du für ain hürenkind.“ Im Anschluß daran erzählt Eck noch zwei weitere Verletzungen der Christusbilder aus den Zeiten des Papstes Pelagius und des Kaisers Phokas ohne Angabe einer Quelle: „So hat zu Zeiten Pelagii des ersten ain Jud das crucifixbild haimlich mit ainer wär durch stochen: da ist blüt heraußgangen / vnd den Jude bespretzt: do diß die Christe gesehe / do habe sie jhn verstainigt. Anno 587. dan die Mögen die Juden beider Reichshälften aus diesen Enunziationen der verantwortlichen Minister die Lehre ziehen! Ein aufsehenerregendes Testament. London : Das Testament des vor einigen Wochen verschiedenen Sir Edward Sassoon, ist geöffnet und dem englischen Publikum sein Inhalt bekanntgegeben worden, da in England dem Gesetz zufolge jedes Testament der öffentlichen Kritik unterliegt. Sir Edward Sassoon hinterläßt seinem Sohne die ansehnliche Summe von 22 Millionen Mark in bar und ein großes Vermögen in Immobilien, aber keinen Groschen für wohltätige Zwecke. Da in England alle Wohlfahrtsanstalten, wie Kranken-, Siechen- und Waisenhäuser nicht vom Staat, sondern von der Gesellschaft unterhalten werden, ist es üblich, daß jeder reiche Mann den öffentlichen Wohlfahrtsanstalten einen Teil seines hinterlassenen Vermögens (oft das ganze Vermögen) bestimmt. So hat der vor kurzem verstorbene jüdische Lord Wandsworth sein ganzes Vermögen im Betrage von 30 Millionen Mark Wohlfahrtsanstalten vermacht. Die wohlhabenden Juden des Landes sind von jeher für ihre generösen Testamente berühmt. Die Tatsache, daß der verstorbene Sir Edward Sassoon von dieser Regel abgewichen ist, hat in speziell jüdischen Kreisen peinliches Aufsehen erregt. Die allgemeine, speziell die konservativ-antisemitische Presse hat das Sassoonsche Testament scharf kritisiert, aber am peinlichsten hat die Tatsache berührt, daß der verstorbene Sassoon sein egoistisches Testament mit einer unangebrachten Kritik an dem englischen Erbschaftssteuergesetz begründet. Weil Legate, so heißt es im Testament, auch diesem Gesetz unterworfen sind, zieht er es vor, nichts für wohltätige Zwecke zu vermachen. Auch habe er während seines Lebens genug gegeben. Die Presse ist dieser Ausrede mit der Antwort begegnet, daß er auch während seines Lebens in England genug verdient habe. Auch die Art wie er seinen Erben mahnt, dem Geschäft nachzugehen, hat sehr mißfallen, man sagt hier, dab ein solches Testament für das Judentum nur Antipathien erwecken könne. Die Schließung des jüdischen Theaters in Whitechapel. London: Die vor kurzem angekündigte bevorstehen Schließung des jüdischen Theaters in Whitechapel ist vor einegen Tagen auch wirklich erfolgt. Das Theater hat nur drei Monate ein jämmerliches Dasein gefristet, da es mit einer ungeheueren Schuldenlast angefangen hat. Von den 12.000 ausgegebenen Shares (jede Share 1 Pfund Sterling) sind nur 4.000 abgesetzt worden und auch diese sind nicht ganz bezahlt, denn die Whitechapeler jüdischen Schneider, die am meisten Shares gekauft haben, arbeiten nur fünf Christe gienge de blüt tropfen nach biß sie dz crucifix funde Vnder de Kaiser Phoca hat ain Jud auf de feld mit aine spies das crucifix durch rennt: da ist wunderbarlich blüt herauß gerunne: das auch auf den Juden das blüt spritzt / dar durch er ergriffen / vnd getödt ward. Anno Domini. 614.“ Die Marienlegenden fließen, wie wir an einigen der erzählten sahen, oft in gleichgeartete Christuslegenden über. Sie alle sind fromme Volksdichtungen, die oft und wohl meist ohne Tendenzmacherei entstanden, die aber darum nicht minder unbewußt die herrschende Geistesrichtung zum Ausdruck bringen. Diese aber gilt ausschließlich der Kräftigung und Bekräftigung des Glaubens. Die Wunder geschehen, um den Glaubensinhalt zu bestätigen. So geschehen ganz besondere Zeichen und Wunder, teils um die starre Ungläubigkeit der Juden bloßzustellen, teils um einzelne im Gegensatz zu ihrem gottesmörderischen Volke brave Juden durch Bekehrung zur seligmachenden Kirche von den ewigen Höllenqualen zu retten. So lesen wir in dem Leben des heiligen Basilius, daß dieser seinen wackeren jüdischen Arzt Joseph zum Christentum nicht zu bekehren vermochte. Als Basilius aber dicht vor dem Sterben war, und Joseph bereits dies gesagt hatte: „Eine Sonne wird heute mit der andern untergehen“, läßt dieser sich endlich dazu herbei, zu erklären, daß er sich mit seinem ganzen Hause taufen lasse, wenn er ihn am andern Morgen noch am Leben finde. Das Wunder geschieht. Basilius! verläßt das Bett, tauft in der Kirche den Juden, legt sich wieder nieder und entschläft zu ewigem Schlummer.