Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 31 (2.8.1912)
- Date
- 1912-08-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 31 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 rückgewiesen und wird uns zurückweisen, wenn wir unser Volkstum nicht verleugnen und bei Völkern, die uns noch brauchen können und unsere Mitarbeit noch dulden müßten, um die Gnade betteln, mit ihnen unter ihrer Fahne zu ihres;— uns sonst noch so feindlichen — Volkes Ruhme. So taten es auch bisher nicht wenige der Unsrigen, die Preise errangen, Ruhm ernteten, aber — nicht als Juden. Denn sie sind keine, Juden, sic sind bloß mosaischer Konfession, und Konfession ist — Privatsache, auf die man verzichten und die man weglegen oder ablegen kann. Das ist es, was uns erbittert; das ist der Kampf, den wir zu Ende führen müssen, den Kampf um Anerkennung unseres Volkstums, unserer Nationalität. Denn es ist ein Kampf um die Ehre des jüdischen Namens. Erst wenn wir in diesem Kampfe gesiegt haben, können wir es wagen, in die Reihe der anderen — viel jüngeren — Nationen einzutreten, wenn sie zu. edlem Wettkampfe sich versammeln; erst dann können und werden wir teilnehmen an den olympischen Spielen, um es zu beweisen, daß das älteste Volk es an Lebenskraft mit dem jüngsten aufnimmt.“ Ich hatte im Eifer der Rede nicht gemerkt, wie aus den Augen Judas alle Heiterkeit von vorhin verschwunden war, wie diese Augen mich nun anblickten, ernst und bewegt. „Und seid ihr gerüstet für diese Spiele? Werdet ihr sie nicht beschämt verlassen müssen? Verstehet ihr zu ringen und zu reiten, das Fechten und Schießen, das Rennen und Schleudern?“ „Wir üben uns, stählen unseren Körper, schärfen unser Auge, machen unsere Arme gelenk, um deiner — du unser Führer und Meister, unser Held und Vorbild — würdig zu werden. Dir wollen wir gleichen an begeisterter, opferfreudiger, aufopferungsbereiter Liebe zu unserem Volke, wie an Rüstigkeit und Ausdauer im Kampfe.“ Ich blickte auf, um in seinen Augen zu lesen. Die Augen waren aber abgevvendet. Sie blickten in die Ferne, blickten nach dem Osten — und ein tiefer, namenloser Schmerz lag in ihnen, und eine bange Frage, die-man nicht-auszusprechen wagt aus Furcht.vor — der Antwort. Ich. las'die Frage in diesen Augen. Sie galt dem Lande, dem Boden, in welchem der Makkabäer Gebeine ruhen, der Juda Makkabis Heldenblut aufgesaugt hatte, dem Boden seiner Kämpfe und Siege. Dorthin blickten die Augen, und verschwunden war aus ihnen jegliches Interesse für olympische Spiele. Sie fragten bloß, wortlos, schmerzbewegt. Und ich erwiderte, so gut ich es vermochte. „Herr, sei unbesorgt. Nichts könnte uns an diesen jüdischen Erdboden vergessen machen. Wir vergessen ihn nicht: „Es verdorre meine Rechte, wenn ich dein vergäße, Jerusalem! Wir lieben cs vom ganzen Herzen, mit ganzer Seele. Diese unsere Liebe ist es ja, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind. Sie hat uns aufgerichtet, sie verleiht unserem Leben und Streben Inhalt und Ziel. Die Liebe zu diesem Lande, dem Einzigen, dem Unseren. Unsere Kraft dieser unserer Liebe. Unser, ohne daß wir es irgendwem wegnehmen, von irgendwem erobern wollten. Wir verabscheuen das .Erobern1, diesen öffentlichrechtlich erlaubten Raub und Diebstahl; und wollen keinem etwas nehmen, nur geben. Diesem Lande wollen wir alles geben, was Liebe zu geben vermag, und wollen es wohnlich gestalten für die, denen es teuer ist wie uns. — Aber auch dort, und dort erst (recht, wollen wir nicht vergessen der — olympischen Spiele. Dort soll uns ein junges, kräftiges Geschlecht erwachsen; kühn und stark. Und schon wächst es heran. Schon tummelt es sich — das Volk der jungen, freien, aufrechten Juden in den Straßen und auf den Fluren. Schon veranstalten sie Spiele, um ihre junge Kraft zu ,erproben. Und gchon naht die Zeify in der wir nicht die Zugelassenen sein werden, sondern die Einladenden, die Vertreter aller Völker bei sich zu Gaste sehen, um ihnen zu zeigen, was man vermag, wenn man zuhause ist.“ Juden, rüstet für die nächsten olympischen Spiele! F. Bus dem jüdifdien Reben. Mr. Nathan Straus über Palästina , und den Zionismus. New York: Die Föderation der amerikanischen Zionisten hielt Anfang vorigen Monats ihre Jahresversammlung in Cleveland ab. Unter den Zuschriften, die dort zur Verlesung gelangten, befand sich auch ein sehr interessantes Schreiben des bekannten jüdischen Philanthropen Nathan Straus, dessen Bruder Isidor Straus bekanntlich bei der Katastrophe der „Titanic“ ums Leben gekommen ist. Mr. Straus schreibt an die amerikanische Zionistenföderation u. a.: „Bei meinem jüngsten Besuch in Palästina machte der gewaltige Fortschritt im Vergleich zu den Zuständen bei meiner früheren Palästinareis'e vor sieben Jahren einen überaus tiefen Eindruck auf mich. Ueberall treten die Wirkungen von Dr. Herzls Geist und den großen Idealen, die er in Jung-Israel wachgerufen hat, deutlich zutage. Dr. Magnes, der Ihrer Versammlung beiwohnt, wird Ihnen über unsere Bemühungen zur Besserung der Lage berichten ... In den letzten drei Monaten war mein ganzes Sein vom Gedanken des Zionismus beherrscht, und ich habe eine Fülle von Plänen für das Wohl des Heiligen Landes erwogen. Infolge unseres jüngsten Mißgeschicks (der Titanic-Katastrophe) waren jedoch meine Nerven derart angegriffen, daß ich unfähig war, sogleich, wie es mein Wunsch gewesen wäre, ans Werk zu gehen. Aus diesem Grunde fühle ich mich auch außerstande, in öffentlicher Versammlung zu sprechen.“ Zur Lage der Juden in Jemen. Jerusalem : Alle Zeitungsberichte über die schrecklichen Verfolgungen, unter denen die Juden in Jemen zu leiden haben, verblassen gegenüber der Wirklichkeit. Die Lebensbedingungen der Juden in dieser Provinz sind bis zum Aeußersten unerträglich geworden. Es ist wahr — die Juden haben zu allen Zeiten viel erdulden müssen von Seiten der mohammedanischen Bevölkerung, aber die jetzige Lage ist unhaltbarer als je. Eine der Bedingungen des zwischen Izzet Pascha, dem Befehlshaber der ottomanischen Truppen im Jemen, und dem Imam Jachja geschlossenen Friedens lautete dahin, daß das Gerichtswesen in diesem Lande reformiert werden müsse, und daß un- Lande reformiert werden müsse, und daß unzu berufen seien. Dies ist aber nur scheinbar geschehen. Viele Juden, Männer und Frauen, wurden in letzter Zeit verhaftet und in ganz ungerechtfertigter Weise eingekerkert. Um die Willkür zu kennzeichnen, mit der man bei der Festnahme der Juden verfährt, sei folgender Fall angeführt: Ein jüdischer Drechsler wurde auf Befehl des Gerichtes von Cheri unter der Anklage verhaftet, er gebe sich mit Zauberkünsten und mit Umtrieben gegen die mohammedanische Regierung ab. Das Gericht verurteilte ihn zu einer langen Freiheitsstrafe. Man legte ihm Hände und Füße in Ketten und unterzog ihn im Gefängnis allen möglichen Foltern. Und niemand ist da, der für diesen Unschuldigen Gerechtigkeit fordert. Vor Zeiten gab es im Jemen einen seltsamen Brauch, wonach kein Jude zur Rechten eines Arabers gehen durfte. Dieser mittelalterliche Brauch ist jetzt wieder eingeführt worden, und wehe dem Juden, der an der Seite eines Arabers betroffen wird. Er wird in der grausamsten Weise mißhandelt. Außerdem wird den Juden strengstens verboten, einen Turban, Strümpfe und überhaupt saubere Kleidung zu tragen. Auch müssen sie zwangsweise die Straßen und Abtritte der Araber säubern und die jüdische Gemeinde hat obendrein die Kosten dieser Säuberung zu bezahlen. Gegenwärtig wird von den Juden eine außerordentliche Steuer von 1000 Reals pro Jahr erhoben. Diese Steuer soll ihnen aber nicht nur für jetzt, sondern auch für die letztverflossenen vierzig Jahre auferlegt werden. Am Vorabend des Passahfestes drangen die Leute des Imam Jachja in das Judenviertel zu Sanaa ein, verhafteten al.'e angesehenen Männer und warfen sie ins Gefängnis. Dabei drohten sie ihnen mit dauernder Haft, wenn sie die besagte Steuer für 40 Jahre nicht entrichten würden. Eine Abordnung der Gemeinde begab sich nun zu Izzet Pascha und ersuchte ihn, zugunsten der Juden zu intervenieren. Der General veranlaßte darauf den Imam Jachja, ihnen die Freiheit wiederzugeben — wenigstens für die Dauer des Festes. Dies geschah denn auch. Die grausamen Verfolgungen werden aber jetzt fortgesetzt. All diese Vorfälle vermögen nur einen schwachen Begriff von den Leiden unserer armen Brüder in Jemen zu geben, und machen es erklärlich, daß nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung von Nordjemen sich zur Auswanderung nach Palästina anschickt, wo bereits mehrere hundert Familien in den jüdischen Kolonien als Landarbeiter Beschäftigung gefunden haben. PapteuNactoicMen. Offizielle Mitteilungen des Zentralkomitees für Westösterreich. Zentralfond. Eingänge für den Zentralfond vom 15. bis 31. Juli 1912. Böhmen (Reichenberg): „Theodor Herzl“ K 10.—, Emil Deutsch, Jos. Tänzer, Jos. Prinz, Alfr. Rabl, Peter Schnabel, Dr. Berka, Fr. Milka Kraus, O. Fantl ä K 5.—, Heinr. Goldstein K 2.- , Alfr. Breslauer, Max Fikulstker ä K 1.—; Summe K 54.-. Mähren und Schlesien (Prossnitz): Rob. Zweig K 10.—, Siegfried Pollak K 5.—, SIg. bei Herzlfeier K 14.01 (Troppau) Hugo Schlesinger K 20.—, Diverse K 10.—; Summe K 59.01. Gesamteingang aus Westösterreich K 5901.37 (Böhmen K 2473.64, Innerösterreich K 2164.70, Mähren und Schlesien K 1263.53). Mitteilungen des Vorstandes des „Jüdischen Nationalvereins in Oesterreich“. Der Vorstand des Jüdischen Nationalvereines beriet in seiner Sitzung vom 25. Juli über die Durchführung der Beschlüsse der letzten Politischen Konferenz. Es wurde beschlossen. mit dem Zionistischen Landeskomitee in Lemberg, mit der Jüdischen Nationalpartei in Czernowitz und mit dem Zionistischen Landeskomitee in Czernowitz wegen Einberufung eines gesamtösterreichischen politischen Parteitages in Verbindung zu treten und vorzuschlagen, den Parteitag Mitte Oktober nach Wien einzuberufen. — Es wurde auch der Beschluß gefaßt, an alle zionistischen Organisa- Westösterreichs mit dem Ersuchen heranzutreten, geeignete Persönlichkeiten als Vertrauensmänner des Jüdischen National Vereines namhaft zu machen. Spenden für das jüdische Volkshehn. Barber statt Prozeßkosten an Dr. Plaschkes K 5.—, Seinfeld für Block K 2.50, Laker durch Barber K 3.50. DOPPEL- MALZ* Austria-BrauereiWien-Neudorf. ■Ir-. An. Opganisationsstatut des zionistüdieit Lanöesuepbanöes \w tdestosteneidi» § 1. Der zionistische Landesverband Westösterreich ist der Landesverband im Sinne des § 3 des Kongreßstatuts für die in den österreichischen Kronländern mit Ausnahme Galiziens und der Bukowina wohnenden Mitglieder der Zionistischen Kongreßorganisation. § 2. Der Landesverband gliedert sich in Vereine (Schekelzahlergruppen). § 3. Die Vereine werden in Distriktsorganisationen zusammengefaßt. Innerhalb des Landesverbandes Westösterreich werden die drei Distriktsorganisationen Böhmen, Innerösterreich, und Mähren-Schlesien unterschieden. Sämtliche Vereine (Schekelzahlergruppen) in Böhmen bilden die böhmische, sämtliche Vereine in Mähren und Schlesien die mährisch-schlesische, alle übrigen die innerösterreichische Distriktsorganisation. § 4. Organe des Landesverbandes sind: a) der westösterreichische Zionistentag; b) das zionistische Zentralkomitee für Westösterreich. c) das zionistische Zentralbureau für Westösterreich. § 5. Der Zionistentag (Delegiertentag) ist die höchste beschlußfassende und legislative Körperschaft im Landesverband im Sinne der §§ 9 und 10 des Kongreßstatuts. § 6. Der ordentliche Zionistentag findet mindestens jedes 2. Jahr statt. Ort, Zeit und Tagesordnung bestimmt im Rahmen dieses Statuts das Zentralkomitee. § 7. Wenn die in diesem Statut vorgesehenen De'egiertentage zweier Distriktsorganisationen (Distriktstage) oder mindestens 10 Verbandsvereine mit einer Mitgliederanzahl von mindestens 1000 Schekelzahlern den Antrag aut Einberufung eines außerordentlichen Zionistentages stellen, hat das Z. K. einen Zionistentag, der binnen 6 Wochen nach Einlangen des Antrages beim Z. K. zu eröffnen ist, einzuberufen. Aut die Tagesordnung des Zionistentages sind die von den Antragstellern gewünschten Gegenstände zu stellen. § 8. Das Z. K. ist berechtigt, jederzeit einen außerordentlichen Zionistentag einzuberufen. § 9. Das aktive und passive Wahlrecht der Schekelzahler für den Zionistentag ist abhängig von der Zahlung der Landesparteisteuer samt eventuellen Distriktionszuschlägen und von der Zugehörigkeit zu einem Verein, das aktive Wahl-