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Jüdische Zeitung · 1912-07-19 · 29 (19.7.1912) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 29 nowitz kein Unglück zu erblicken. Wir wünschen vielmehr, daß diese Separierung eine gründliche werde. Dann könnten diese Schulen Jüdisch-national und nicht jüdisch-konfessionell werden, dann könnte man den Lehrplan nach eigenem Gutdünken festsetzen, die Kinder in jüdischem Geiste erziehen und müßte nicht auf Kosten jüdischer Steuerzahler, an Schulen mit erdrückender jüdischer Majorität christlich-deutsche und ant,- semitische Oberlehrer anstellen — um gegen das bestehende Gesetz zu handeln. Die ganze Frage hat leider einen konfessionellen Beigeschmack bekommen und die liberalen Zeitungen können darum den Mund voll nehmen. Die Frage hat aber gar keinen konfessionellen Hintergrund! Nur infolge der Anomalie der gemeinsamen jüdischdeutschen Wahlkurie hat die Affäre einen konfessionellen Charakter annehmen können. Charakteristisch ist, daß ähnlich wie seinerzeit bei der Wahlkurie, auch jetzt von einem Ghetto gesprochen wird, in das die jüdischen Kinder gepfercht werden sollen. Das aber ist, so wie damals, auch heute purer Schwindel! Warum bezeichnet man die bereits bestehenden polnischen, ruthenischen und rumänischen Schulen in Czernowitz nicht als polnische , ruthenische und rumänische Ghetti? Traurig ist es, daß sich viele Juden durch diese sinnlose Phrase von einem neuen Ghetto irreführen lassen. Die kommenden „konfessionellen“ jüdischen Schulen in Czernowitz wären an dem Tage, als der Czernowitzer Gemeinderat die Nationalisierung der kommunalen Volksschulen beschloß, national-jüdische Volksschulen geworden. Daß die unselige Verkuppelung mit den Deutschen erfolgte, ist eine Frucht assimilatorischer Saat gewesen. Da aber die Vereinigung der Juden und Deutschen in eine Wahlkurie unnatürlich und innerlich haltlos war, so mußte auch die Vereinigung der deutschen und jüdischen Schulen in die Brüche gehen. Das hat die Entwicklung bewiesen und wir, die wir die nationale Autonomie und nationale Gleichberechtigung der Juden erstreben, sehen in einer jüdischen Schule, die wir national und nicht konfessionell gestalten werden, weder einen Rüdeschritt noch ein modernes Ghetto. Rundschau. Gemeinderat Max Frank gestorben. Am 11. Juli starb der Wiener liberale Gemeinde- und Kultusrat Max Frank im Alter von 49 Jahren. Der Verstorbene wurde seinerzeit im ersten Wahlkörper des ersten Bezirkes nach einer heftigen Agitation gegen einen getauften liberalen Kandidaten gewählt. Max Frank sympathisierte vor Jahren mit der zionistischen Bewegung, war sogar Mitglied des zionistischen Zentralvereines. Da er jedoch anscheinend das Wesen des Zionismus, der unbedingt jüdischnational und streng demokratisch ist, nicht vollständig erfassen konnte, schloß er sich bald wieder seinen früheren politischen Freunden, den offiziellen Juden, an. Dadurch geriet er jedoch in eine Zwitterstellung und wurde auch von den Kultus- und liberalen Juden nicht als einer der Ihrigen betrachtet. Das zeigte sich bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde, bei welcher Gelegenheit sich die assimilierten .Wiener Kultusräte für Hofrat Rappapört gegen ihn entschieden. Frank war ein tüchtiger Fachmann auf dem Gebiete der Finanzverwaltung und war langjähriger Finanzreferent der Wiener Kultusgemeinde. Kisch und Katz. Beide sind selbstverständlich Journalisten, deutschnational und wohnen in Prag. Nur ist Kisch radikaler und Katz mäßig gelernter Deutschböhme. Diese treudeutschen Mannen liegen jetzt in männermordendem Streit. Die Ursache ist der beiderseitige Zweifel an der deutschen Gesinnungstüchtigkeit des anderen und der Anlaß der Sokolkongreß. Die Tragikomödie, deren dramatischen Abschluß ein blutiger Zweikampf aut Säbel zwischen Kisch und Katz bildet, läßt sich in folgende Akte einteilen. Im ersten Akt kommen die Sokolen nach Prag und die deutschen Studenten benehmen sich bübisch, indem sie sich während des Festzuges in die Masse drängen und den heiligen deutschen Bummel absolvieren wollen. Bei dieser Gelegenheit. beziehen sie, um den Studentenjargon zu gebrauchen, Dresch. Der zweite Akt gewährt uns einen Einblick in zwei Prager Redaktionen deutscher Zeitungen, der radikalen „Bohemia“ und des gemäßigten „Prager Tagblattes“, ln der ersten sitzt der Oberrabbinersohn Kisch, in der zweiten der Israelite Katz, welcher seiner bescheidenen Meinung zaghaften Ausdruck gegeben hatte, daß sich die deutschen Studenten angesichts der tschechischen Menge Mäßigung hätten auferlegen sollen. Der deutschradikale Rabbinersohn Kisch schreibt Pech und Schwefel wider den Verräter Katz, der durch seine J4altung das Deutschtum geschändet hat. Im dritten Akt wogt der Federkrieg zwischen Kisch und Katz in atembeklemmender Weise. Die beiden Helden fordern einander und zum Schlüsse fließt rotes Semitenblut zu Ehren und zum Heile des Prager Deutschtums. Diese, vom Leben aufgeführte Tragikomödie sollte überall in Theatern aufgeführt werden. Allerdings gehört zur Aufführung eine eigene Szenerie.- Lebenswahr wäre folgende: auf der einen Seite deutscharische Studenten, welche unausgesetzt „Hepp Hepp“ rufen und auf der anderen tschechische Bauern, welche mit der Rechten auf die Deutschen Kisch und Katz hinweisend, arme Landjuden aus ihren Dörfern treiben. Im Zuschauerraume aber müßten lauter Juden sitzen, denn nur sie allein tragen die Kosten dieser assimilatorischen Tragikomödien. Jüdische Spieler. — Eine freisinnige Lasterhöhle. Schmerz und Beschämung muß den jüdischen Leser erfassen, wenn er die Wiener Polizei- und Gerichtssaalberichte zu Gesicht bekommt. Täglich gibt es Aushebungen von Spielernestern und . Prozesse gegen ertappte Hazardeure, Falschspieler und Turfschwindler, und fast alle Angeklagten und ihre Helfer sind Juden. Da nützt kein Beschönigen! Wer nur einmal den Rennplatz besucht und einen flüchtigen Blick in die Spielzimmer der Kaffeehäuser geworfen hat, wird konstatieren müssen, daß sie fast ausschließlich von Juden bevölkert werden, und die Spielwut zur jüdischen Volksseuche ausgeartet ist. Ueber Hunderte jüdischer Familien bringt sie den materiellen Ruin. Aber das materielle Uebel ist klein im Verhältnis zum Unheil, das die Spielkrankheit in moralischer Hinsicht anstiftet. Sie hat in weiten jüdischen Kreisen alle Begriffe von Anständigkeit und Ehrenhaftigkeit heillos verwirrt. Der Kaufmann, der Arzt und Advokat verbringt seine Zeit in Gesellschaft von abgestraften Dieben und Betrügern und paßt sich ihren Bräuchen an. Er verliert bald jedes andere Interesse und sein höchstes Ziel ist es schließlich, ebenso kniffig tind gerieben zu werden, wie Seine in Unehren ergrauten Kumpane. Der Spieler in seiner typischen, mit nervöser Rohheit gepaarten Energielosigkein repräsentiert die traurigste jüdische Gestalt in der1 Großstadt. Würdig reihen sich die häufig wiederkehrenden Typen an; der Angestellte, welcher das änvertraute Geld statt am Samstag zur Bank am Sonntag zum Totalisateur trägt, und die Frau, welche den Spielaufwand durch’ „Gefälligkeiten“ erwirbt. ' , Die Bekämpfung der Spielwut bei den Juden wäre nationale Arbeit in des Wortes edelster. Bedeutung., Allerdings ist, soweit die ältere Generation in .Betracht kommt, wenig Erfolg zu erwarten. Bei den Jungen ist einzusetzen! Als Faktoren kommen hiebei in erster Linie die Jugendkorporationen in Betracht. Einen 'großen Erfolg hat die jüdischnationale Organisation bereits zu verzeichnen: die in den national jüdischen Sport- und Turnvereinen korporierteri jungen Leute bleiben größtenteils von der Spiel- ‘ seuche verschont. Es wäre nur zu wünschen, : daß in den übrigen Organisationen im gleichen Sinne auf die Mitglieder eingewirkt würde. * * * Vor kurzem wurde in Wien eine Spiel? höhle niedrigster Sorte .ausgehoben, und zwar im Cafe Ortner in der Praterstraße. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß dort ,s.eit langem ein wüstes Spielertreiben herrscht. Existenzen werden vernichtet und Beutelschneider ärgster Sorte treiben ungeniert ihr Handwerk. Der Besitzer, Herr Ortner, ist liberale Bezirksrat. So wirken diese Herren „fürs öffentliche Wohl“! Es ist zweifelhaft, wer hinter dem anderen zurücktreten soll: der christlichsoziale.' Politiker, der gleichzeitig Bordellwirt ist, oder, der liberale Würdenträger, der den Ertrag einer Spielhölle einstreicht. Man kann den liberalen Führern Dr. Ofner und Dr. Schwarz- H i 11 e r zu ihren Erfolgen gratulieren. In einer Wahlkampagne haben sie den Leopoldstädterh zwei ausgesuchte Kandidaten präsentiert: einen Ritualmordhelden und einen Spielhöllenwirt., Juden als Teilnehmer an den olympischen Spielen. Es ist ein Beweis für die Unverdörbenheit ■ und ’ große Anpassungsfähigkeit der jüdischen Rasse, daß sich in dem kurzen Zeiträume sejt der Emanzipation, welche die Tore des Ghettos sprengte, die zweite und dritte Generation physisch so entwickelt hat, daß viele Juden auf dem Sportgebiete glänzende Leistungen aufweisen können. Die bedeutendsten Schwimmer; Fechter, Ringer in vielen Ländern sind Juden. Die Sportbewegung unter den Juden hat besonders seit dem Auftreten und unter dem Einfluß der zionistischen Bewegung einen großen Aufschwung genommen. Bei den vorigen olympischen Spielen errangen viele Juden erste Preise. Auch bei den diesjährigen Spielen in Stockholm behaupteten Juden — allerdings nicht als Ju; den, sondern als Amerikaner, Ungarn etc. — erste Plätze. So ist auch der erfolgreichste mitteleuropäische Konkurrent im Pentatlon (Fünf- Meinl Maltin - Kakao Ersetzt die Flelsebmahrvng Kräftigt den Organismus Ist außerordentlich billig LEBENS-VERSICHERUNGS - GESELLCHSAFT WIEN, I., ASPERNPLATZ I. Im eigenen Palais. —Versilbertes Kapital zirita 380 Millionen. — Prämienreseroe zirha 113 Millionen. — Billigste Prämien und Kulanteste gaiingungen. Engagiert Jederzeit tOditige, leistungsfähige Hgenten bobe BezOge. BnsMnlteerteilt Oie 6eneralagentsdiaft Bien, 1,, Hspernplatz 1 (fieiter: DaoiO HebenzaM). Für Ostgalizien u. Bultowina: Suböirehtion Qöbl Taubes, Lemberg. NIEDERLÄNDISCHE

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