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Jüdische Zeitung · 1912-07-19 · 29 (19.7.1912) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Sflfig NRTIDNRL E5 DRGRN ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufriahme: Wien, II.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ m reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexethplare 20 h. Postsparkassenkonto 133.404. Telefon 22.075. ■ Nr. 29 Unsere neuen PalästinabilOer:: Die Palästinabilder werden in folgenden Ausgaben ediert: a) Albums. Album;I enthält Ansichten von Jaffa bis Jerusalem. Album. Ü enthält Ansichten von Jerusalem bis Haifa. Album III enthält Ansichten von Haifa nach Damaskus. Jedes Album enthält 60 Bilder in vornehm ausgestatteter Holzmappe. b) Wandbilder. Größe 48X58 cm., 24 Sujets. 1. Jaffa in Sicht 2.AltJaffa.3.-Herzl-. Straße, in Tel Awiw. 4. Wächter der Kolonie Rechoboth. 5. Schule aus! im hebräischen Gymnasium. 6. Pflüger in der Kolonie Redhoboth. 7. Hauptstraße in Petach Tikwah. 8. Jugendspiele im hebr. Gymnasium. 9. Yemenitische Silberschmiede. 10. Tempelplatz in Jerusalem. 11. Gräber im Tal Kidron. 12. Bergstraße v. Jerusalem nach Sichern. 13. Königsgräber in Jerusalem. 14. 85jähriger Kolonist mit Urenkel am Pflug in der Kolonie Sichron Jakob. 15. Kunstgewerbeschule Bezalel. 16. Alt- Jerusalem. 17. Bergstraße in Judäa. 17. Herzlcypresse bei Mozzah. 19. Heueinfuhr in Kinereth. 20. Szenerie in Rosch-Pinah. 21. Nordufer des Tiberiassee. 22. Durch die Jordansquellen. 23. Talmudschule in Meron. 24. Alte Sarazenbrftcke über den Jordan. c) Fensterbilder. (Diapositive) Sujets nach -Wahl aus den Albums, ln elegantem Nickelrahmen mit Garnitur und Seidenschnüren. Preise: Albums ä K 1(X—; die 3 Albums zusammen K 25.— (Subskriptionspreis) ' nur bis 15. August 1912). Wandbilder ä K 5.—, 10 Bilder K 40.— (Subskriptionspreis bis 15. ' August 1912). Alle 24 Bilder K 100.— in schöner Leinenmappe (Subskriptionspreis bis 15. August 1912). Bestellungen und Anfragen an die JQöifdie Zeitung, U)Ien, II., Sfefaniesfp. 12 Telephon 22.075. Wien, Freitag, den 19. Juli 1912 L\. .' ■ ’. Konfessionelle Schulen. Der Czernowitzer Stadtschulrat hat am 10. Juli folgenden Beschluß gefaßt: „ln die Klassen mit deutscher Unterrichtssprache an den kommunalen Volksschulen in der Althgasse, Dreifaltigkeitsgasse, Russische Gasse und Landhausgasse sind die christlichen Kinder wegen Schwierigkeiten in der Erteilung des Religionsunterrichtes vom Beginn des Schuljahres 1912 nicht einzuschulen.“ Dieser Beschluß des Czernowitzer Stadtschulrates hat eine Vorgeschichte. In den deutschen kommunalen Schulen überwiegt die Zahl der jüdischen Schüler bei weitem die der christlichen. Dem Reichsvolksschülgesetze gemäß sollten die Oberleherer dieser Schulen Juden sein, da die Majorität der Schüler jüdisch ist; Dem widersetzten sich aber die Deutschen in Czernowitz und verlangten, daß die Ausschreibung der Oberlehreristellen entgegen dem Gesetze ohne Konfessionski aus ej erfolgen solle. Die Juden erklärten sich bereit, den Deutschen Oberlehrerstellen zu konzedieren, verlangten jedoch, um nicht die Schaffung eines Präzedenzfalles zuzulassen, eine gesetzmäßige mit Konfessionsklausel versehene Ausschreibung. Bei Verleihung der Stellen sollte mit Zustimmung der jüdischen Schulratsmitglieder von dem Erfordernis der jüdischen Konfession Abstand genommen werden. Mit diesem Vorschläge waren aber die Deutschen nicht zufrieden und um in einigen Schulen auf künstliche ■Weise ei ine christliche Majorität zu schaffen, faßte der Stadtschulrat, respektive seine christliche Majorität unter dem Vorwände von Schwierigkeiten bei Erteilung des Religionsunterrichtes den eingangs zitierten Beschluß. Nach dem Vorhergesagten muß also bei Besprechung dieses Beschlusses zweierlei streng auseinandergehalten werden: erstens die Gesetzmäßigkeit sowie die politischenVorausset Zungen, zweitens der Inhalt und die Folgen des Beschlusses. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Beschluß dem geltenden Gesetze widerspricht. Es ist weiters ein schlimmes Zeichen, daß ein derartiger Beschluß, der eine Demütigung der Juden bezweckt, von der christlichen Mehrheit gefaßt werden konnte. Charakteristisch ist es, daß die Antragsteller Prälat S'chTnid, Professor Kaindl und Mayer — Deutsche sind. Und gerade die Deutschen verdanken in der Bukowina ihren Einfluß nur den Juden, welche der Landeshauptstadt den Charakter einer deutschen Stadt verleihen. Es ist ferner ein böses Symptom, daß die anderen christlichen Stadtschulräte den Deutschen zu Hilfe kamen, obwohl alle Nationalitäten in Czernowitz, namentlich die dort ansäßigen Ruthenen und Polen den Juden zu besonderem VI. Jahrgang Danke verpflichtet sind, weil die Juden die Forderungen dieser Gruppen immer in uneigennützigster Weise unterstützt haben. Der Beschluß ist somit nur auf Grundlage eines stillen oder ausgesprochenen Einvernehmens der christlichen Schulräte zustande gekommen. Und dieses Moment fordert darum seitens der jüdischen Vertreter die schärfste Abwehr heraus. Wir zweifeln nicht, daß alle nötigen Schritte unternommen werden und sind auch überzeugt davon, daß die Czernowitzer Juden Mittel und Wege finden werden, den auf Kosten der jüdischen Gleichberechtigung in Czernowitz tobenden deutschen Uebermut zu brechen. Sind somit die politischen Voraussetzungen, welche zu diesem Beschlüsse geführt haben, für uns Juden sehr lehrreich und für unsere weitere Politik bestimmend, so würde die Wirkung eines solchen —nehmen wir für einen Augenblick an — durchgeführten Beschlusses etwas darstellen, worin wir entgegen der Auffassung der assimilatorischen und liberalen Presse gar nichts Schauderhaftes zu erblicken vermögen. Man setze nur an Stelle der Worte „konfessionelle Schule“ die Worte „nationale Schule“ und der ganze Schrecken ist für uns verflogen. Schließlich ist dieser Beschluß nur eine natürliche Folge der Idee von einer nationalen Autonomie. In der Bukowina bestehen für alle Völker nationale Wahlkurien. Nur die Juden sind — eine Folge des frevelhaften Treibens der jüdischen Assimilanten Wiens und Galiziens sowie der Oesterr eichisch-israelitisch en Union — gegen ihren und der Deutschen Willen in die deutsche Wahlkurie als israelitisch-deutsche Majorität gepfercht und hiebei benachteiligt worden. In Czernowitz bestehen seit einigen Jahren nationale Schulen. Sogar die Czernowitzer Polen, welche eine ganz geringe Minorität darstellen, haben in Czernowitz eine öffentliche kommunale polnische sVolksschule. Nur die jüdischen Schüler sind — eine Folge der die Juden schädigenden Wahlkurie — mit den deutschen in gemeinsame deutsche Schulen vereinigt worden. Daß diese Vereinigung die Juden zugunsten der Deutschen belastet, ist klar; denn auf Kosten der jüdischen Schüler haben die Deutschen Anspruch auf Lehrer-, Oberlehrerstellen, und vielfache Subventionen. Während jedoch alle anderen Nationalitäten in Czernowitz ihre Kinder‘in ihren nationalen Schulen in nationalem Sinne erziehen, wird die jüdische Majorität in den deutschen Schulen zuliebe der verschwindenden deutschen Minorität in deutschem, und zwar deutschnational-christlichem Geiste erzogen. Aus diesem Grunde vermögen wir in dieser Separierung der christlichen Schüler an den deutschen Schulen in Czer-

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