Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. üt reich geschleppt zu werden, wo das ■ Bekenntnis zum Judentum völlig entrechtet. Die Juden werden heute von den Russen nach dem Ausspruch eines russischen Ministers zu einem Drittel ausgehungert, zu einem1 Drittel zu Tode gehetzt (in Gefängnissen, in Sibirien usw.), zu einem Drittel verjagt. Die Wertschätzung des polnischen Juden in Deutschland ist nicht viel größer, ln Amerika hat er sich zwar bewährt, wie Roosevejt, Taft u. a. bestätigen, wie z. B. auch jüngst der Münchener Schulmann Kerschensteiner in längeren' Auslassungen ausführte. -Daß die preußische Re-t gierung aber keine Sympathien für die östlichen Juden hat, ist bekannt. Trotzdem will sie die jüdischen Weber von Balutz und Lodz kommen lassen, um billigere und willfährigere Arbeitermassen der Großindustrie zuzuführen. Die deutsche Arbeiterschaft hat einen seiner Hauptkämpfe gerade in der Bergwejksindustrie auszufechten. Eine bodenständige einheitliche deutsche Arbeitermasse Wird sich ganz anders! in den Lohnkämpfen halten können als ein Proletariat aus allerlei religiös, kulturell und politisch differenzierten Gliedern, die nebenher noch völlig abhängig .von jedem Schutzmann, von der Regierung und 'dem1 Winken eines Bergwerksdirektors sind.; Natürlich geschieht jdies ganze finstere Unternehmen unter dem Segen etwelcher Juden, ja einige gebärden sich in jüdischen Zeitungen (orthodoxer Richtung), als ob die Judenfrage gelöst wäre. Vor allem sind es die Veranstalter einer Zusammenkunft, die Pfingsten zu Kattowitz stattfand, wo der Handel sanktioniert wurde. Auf diese Tatsachen!, die 'noch 'nicht allgemein bekannt sind, ein Auge zu haben, wird gut sein. Denn es ist vielleicht noch möglich, sowohl die Freunde des arbeitenden deutschen Volkes wie auch die wirklichen echten Vertreter der Judenheit auf Vorgänge aufmerksam zu machen, die nur der Dividendenpolitik der Bergwerke Vorteile zu bringen imstande sind. Den jüdischen Arbeitermassen wird durch solche Machen- ■schaften weder der'friedendes eigenen Herdes, noch Sicherheit für die Zukunft und Freiheit gegeben. Die deutschen Arbeiterorganisationen werden ebenso ihr eigenes gerechtes Interesse vertreten, wie das der heranzuschleppenden rechtlosen russischen Juden, wenn sie gegen diesen Menschenhandel mit aller Kraft Front machen! ParteisNachrichten. Offizielle Mitteilungen [des Zentralkomitees für Westösterreich. Zentralfond. Eingänge für den Zentralfond vom 18. bis 30. Juni. Böhmen: (Prag) (Robert Guttmann K 3.65; (Teplitz) Heinrich jSchütz K 10.—. Innerösterreich: (Wien) Moritz Böhm K .10.-. Mähren und Schlesien: (Bielitz): Hermann Reich K 20.—; J. Löwenberg, Dr. O. Schanzer, Ing. M. Klipper ä K 15.—; Adjunkt Wolf, Dzieditz, F. Rabinowicz ä K 10.—; Ing. Baumgarten K 6.—; Alfred Rabinowicz K 5.—; Hassbachar a conto K 4.—, Summe K 100.—. (Brünn) Slg- Spitzer: Dr. H. Schönhof, Fritz Kohn ä K 2.—, Ebel, Kohn, Dir. Wiesner, Petersohn, Bachrach, Deutelbaum, Ries, Siebenschein, Zweigenthal, Schuschny, „Rossia“ ä K 1.—; Fr. Frischer K 0.80; Zuckermann K 0.50; Summe 16.30. Slg. „Veritas“: Dr. Feldmann K 30.—; Dr. Herdan ,K 20.—; Dr. Schreier K 10.—; Dr. Pidk, Dr. (Th- Haas ä K 6.—; Dr. A. Weiner K 5.—; ,Ing. Troller K 5.—; Summe K 82.—. Blocksammlung: Otto Hajek K 7.—; Egon Haas K 6.30; Wolt Kl.—; Weiss K 2.50; Schulhof K 1.60; Büchner K 1.40; davon an Spesen ab K 5.—; Summe K 14.80. Gesamteingang aus Westösterreich K 5675.32; Böhmen K 2345.10, Innerösterreich K 2154.70, Mähren und Schlesien K 1175.52. DOPPEL-MALZ BIER. Austria-Brauerei Wien-Neudorf. JÜDISCHE ZEIT ÜNG .. .... Hus dem iudiidien Eine Konferenz . in Frankfurt am Main. Sonntag, den 30. Juni fand in Frankfurt am Main eine gemeinschaftliche Konferenz der Vertreter des Ika und. der Komiteemitglieder des galizischen Vereines „Selbsthilfe“ statt. Nach erschöpfender Debatte erklärte die Vertreter der „Ika“, daß sie einen Betrag von sechs Millionen Kronen für Kulturzweck«;, billige Wohnungen und Kreditbewilligungen in Galizien aufzuwenden gedenken. Die entsprechenden Arbeiten sollen schon in der nächsten Zeit beginnen. Eine Lehrerkonferenz in Lemberg. Montag, den 1. Juli fand in Lemberg eine Konferenz der hebräischen Lehrer statt, welche sich mit der wirtschaftlichen Lage der im hebräischen Lehramte Beschäftigten befaßte. Es wurde beschlossen, eine obligatorische Lebens-: Versicherung einzuführen und durch verschiedene Maßnahmen die ökonomische Lage der hebräischen Lehrer zu heben. Zur Frage der Erneuerung des russiscliamerikanisehen Handelsvertrages. Petersburg: Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten Sasonqw überreichte dieser : Tage dem amerikanischen Botschafter die Mei- . nungsäußerung der russischen Regierung betreffs der Erneuerung des im vorigen Jahre gekündigten russisch-amerikanischen Handelsvertrages. In dem Schriftstück wird ausgeführt, daß es für die russische Regierung eine Sache der Unmög- , lichkeit sei, die Beschränkungen für die nach Rußland reisenden Juden amerikanischer Staatsangehörigkeit aufzuheben.;So sehr Rußland den Vereinigten Staaten entgegenzukommen wünsche, könne es in diesem Punkte,„der seine wichtigsten staatlichen Interessen berühre, keinerlei Zugeständnisse machen. — 1 Der Wahlrechtsraub an den russischen Juden. Petersburg: 'Bekanntlich hat der Senat in einer seiner jüngsten Sitzungen die Bestimmungen des russischen Dumawahlgesetzes dahin . ausgelegt, daß die Juden,'denen der Aufenthalt außerhalb des Ansiedlungsrayöns nur /bedingungsweise gestattet ist, vom1'Wahlrecht ausgeschlossen bleiben. Auf Grund dieser „Erläuterung“ gehen z. B. die Zahlreichen jüdischen Handwerker, die außerhalb dte Ansiedlungsrayöns wohnen dürfen, sofern sie ihr'Handwerk nicht ausüben, des Wahlrechtes ^verlustig. Wahlberechtigt bleiben außerhalb der AnsäßigkeitsZone nur die absolvierten jüdischen Akademiker und die Kaufleute erster Gilde. Demzufolge verlieren das Wahlrecht ji. a. in Petersburg 6000 jüdische Wähler, in Moskau ungefähr die gleiche Zahl, in Kiew 7000, in Charkow etwa 1000 usw. Von der Entziehung des Wahlrechtes werden auch viele jüdische Zahnärzte, Chirurgen und Pharmazeuten betroffen, die das Wahlrecht bisher ünangefochausübten. Wie die oppositionellen Zeitungen berichten, geht die „Erläuterung“ des Senats auf einen Beschluß der im Mai d. J. in Petersburg abgehaltenen Konferenz der Gpuverneure zurück, die einberufen wurde, um iuber die „Mache“ der bevorstehenden Dumawählen zu beraten. "Hierbei sprachen manche Gouverneure die Ansicht au% eine Schwächung der ’ oppositionellen Parteien könne nur erreicht werden, wenn die Zahl der jüdischen Wähler bedeutend herabgemindert werde .... Friedensschluß im türkischen Judentum. Konstantinopel: Die Zwistigkeiten, die seit längerer Zeit zwishen dem Großrabbiner Haim Nahum und den Anhängern des vor kurzem Zurückgetretenen Laienrates (Medschliss dchismani) bestanden, können als beigelegt gelten. Die Konstantinopeler Bene-Berith-Loge war seit längerer Zeit bemüht, den Frieden wieder Seite 5 herzustellen, und dies ist ihr anscheinend auch gelungen. Die jüdische Nationalversammlung (Medschliss umumi) tritt im Laufe der Woche zusammen, um einen neuen Laienrat zu ^vählen. Auf Initiative der Bene-Berith-Loge ist nun zwischen den Anhängern der assimilatorischen und der jüdisch-nationalen Partei ein Abkommen getroffen worden, wonach Vertreter beider Gruppen in den neuen Medschliss dschismani gewählt werden sollen. Erfreulicherweise scheint auch der Großrabbiner bereit, die Streitaxt zu begraben. Dies geht unter anderen daraus hervor, daß Rabbi Nahum den Preßprozeß, den er gegen den Redakteur der spaniolischen Zeitung „El Judio“, Herrn Elnecave, angestrengt hatte, nun endlich zurückgezogen hat. Schekeltag in Jaffa. Jaffa: Am 13. Juni veranstalteten die Jaffaer Zionisten den ersten Schekeltag, der ein recht günstiges Ergebnis aufwies. Bemerkens- Wert ist, daß die jemenistischen Juden Jaffas in großer Zahl und mit freudiger Begeisterung den Schekel entrichteten und damit ihre Zugehörigkeit zur zionistischen 'Organisation dokumentierten. Auch in den jüdischen Kolonien sollen demnächst Schekeltage veranstaltet werden. Die Kolonie Mesha. Mesha: Unsere Kolonie, die erst vor zirka 9 Jahren begründet wurde, liegt am Fuße des Berges Tabor, der die Ebene Jesreel beherrscht. Sie ist etwa 2—3 Stunden von dem1 Kolonien Jemma, Merchawja und Sedjera entfernt und zeichnet sich durcn ihren fruchtbaren Boden aus. Noch vor zwei Jahren zählte sie 23 Kolonistenfamilien, heute ader wird sie von 37 Ackerbauerfamilien und 5 Familien anderen Berufes bewohnt. Wie in allen galiläischen Kolonien bildet auch in Mesha der Körnerbau den Hauptwirtschaftszweig der Kolonisten. Viehzucht wird in geringem Maßstabe getrieben, immerhin produauziert die Kolonie soviel Geflügel und Milch, als zu ihrem eigenen Bedarfe notwendig ist. Die Kolonisten besitzen auch einen Wald und guten Weideboden, wodurch die Haltung von Schafen und Ziegen ermöglicht wird. Ein wichtiges Institut haben die Kolonisten vor zwei Jahren durch die Begründung einer Darlehenskasse ins Leben gerufen. Den Kredit hat die Darlehenskasse von der Ica bekommen, heute aber verfügt sie schon selbst über ein Kapital von 11.000 Francs und führt ihre Geschäfte auf eigene Rechnung. Auch eine Viehversicherungsgenossenschaft existiert in Mesha und hat im vorigen Jahr den Kolonisten 88w/o des Wertes des gefallenen Viehes zurückvergütet. In diesem Jahre hoffen wir nicht schlechter als voriges Jahr abzuschiießen. Um den Kolonisten alle Waren billig zu verschaffen, haben wir einen Konsumverein gegründet. Jede Aktie kostet 100 Frcs. und niemand darf mehr als 5 Aktien kaufen. Die Bilanz des ersten Jahres haben wir mit einem1 Umsatz von 20.000 Frcs. abgeschlossen. Bis jetzt pflegten wir Wasser aus der von der Kolonie fünf Minuten entfernten Quelle zu schöpfen. Schon lange haben wir den Augenblick ersehnt, Wasser zu Hause zu haben und nicht jeden Augenblick mit den Faß zur Quelle fahren zu müssen. Nun sind (wir in der glüchlichen Lage, diesen Wunsch verwirklicht zu sehen. Durch einen Elektromotor, der von der Quelle 15 Meter entfernt ist, wird das Wasser in ein großes Basin hinaufgepumpt, und Haus und Garten sättigt sich an Wasser. Derselbe Motor betreibt auch eine Getreidemühle. Besitzer dieser Mühle sind die Koolnisten, die den Kostenpreis von 15.000 Frcs. von der zionistischen Bank, der Anglo-Palästine Company, auf vierjährige Auszahlung bekommen haben. Der Initiator aller dieser Verbesserungen ist Herr David Kohn. Seit einigen Monaten ist in unserer Kolonie der Wunsch nach Anlage von Pflanzungen sehr rege geworden. Hoffentlich wird auch dieses! Streben bald der Verwirklichung entgegengeführt werden. Soeben erschienen! i fl * * Beda. Neue Satiren Aus dem Inhalte: Die göttliche Seltna, Pollak v. Parnek, Der Stolz von Göding, Die Nase des Ladislaus tt.a. Preis K 1.20, Porto 10 h. Nur gegen Voreinsendung oder Nachnahme [45 h mehr] durch die „Jüdische Zeitung“, Wien, 113» Stefaniestrasse 12 w.w.w.w.ww.w.w.w.wtMmmw.w.w.mw.WMWJKwM& K K * IP •I i \ i : \ 'fl II f i 1