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Jüdische Zeitung · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 27 - , Die Juden in der italienischen Armee. r Ueber-die Rolle, die die Juden im Tripoliskriege'. spielen, bringt die „Settimana Israelitica“ interes^nte Einzelheiten: Eine Reihe von Juden nimmt .höhe, militärische Stellungen ein, wie der frühere Kriegsminister, General Ottolenghi, der Divisionsgeneral Coen in Livorno, der Divisionsgeneral Carpi in Bologna und andere. Beim Ausbruch des Krieges meldeten sich viele Israeliten als Freiwillige; so trat der Leutnant Segre von Bologna, dessen Regiment nicht nach Lvbien ging, als gewöhnlicher Freiwilliger bei einem ausrückenden Regiment ein, nur um den Feldzug mitmachen zu können, ebenso der Leutnant Coen von Modena und andere. Viele Juden sind terner gefallen oder haben sich durch Tapferkeit vor dem Feinde hervorgetan. Der Leutnant Levi Bianchini nahm unter sehr schwierigen Verhältnissen ein Blockhaus bei Benghasi, Kapitän Angelo Frank leistete beim Angriff auf Tobruk Hervorragendes. Hauptmann Pugliese (der schon früher mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet war) brachte unter heftigstem Feuer bei Benghasi Depeschen und blieb, obschon verwundet, bis zum Ende des Kampfes im Sattel. Leutnant Del Vecchio endlich fiel bei Ainzara. In der römischen Synagoge wurde dieser Tage für fünf gefallene Juden eine Totenfeier abgehalten; außerdem liat die jüdische Gemeinde von Turin einen Preis von 1030 Franken für denjenigen jüdischen Soldaten ausgesetzt, der zuerst die goldene Tapferkeitsmedaille nachhause bringen wird. Ebenso halten die italienischen Rabbiner fortdauernd bestimmte Gebete für den Krieg und den Sieg Italiens. Verzeichnis der Kolonien, welche seit 1908 gegründet oder neu eingerichtet Wurden. Judäa. Chui da t(Station Sedsched zwischen Jaffa und Jerusalem). Nationalfondsbesitzung für Anpflanzung des Herzlwaldes, seit 1909 in Bewirtschaftung. Ben - Schämen (arab. Bet-Arif bei ■i.ydda), seit 1910 neu bewirtsdiaftet als Arbeiterfarm, u. a. Pflanzungen der„Oelbaumspende“; seit 1911 Bezalelkolonie von Jemenitern. Ain-Ganim, Arbeiterkolonie vor Petadi- Tücwah; gegründet 1908 vom Odessaer Komitee. Kephar-Saba, eine Stunde von Petach- Tikwah, mit Hilfe des Vereines „Esra“ vorbereitet 1910. Dschemama (bei Raphia, Südpalästina, nahe der Grenze, jüdische Kolonie) von einer Gruppe russischer Juden 1911 begründet. Samaria (und Galiläa. A11 i t, von der ICA 1909 gegründet, auch landwirtschaftliche Versuchsstation. Mizpah', [Oberhalb von Tiberias, von der ICA 1908 gegründet. Bedsehen .{nahe von Jemma), von der ICA 1910 eingerichtet. Merdiawja (El-Fuleh), Jesreelebenej genossenschaftliche Siedlung nach Oppenheimer, eingerichtet 1911.' Kineret (am Tiberiassee), erste Farm des Jüdischen Nationalfonds, gegründet 1908. Dagania i(Umdjuni), östlich vom Jordan, gegenüber von Kineret, genossenschaftliche Ansiedlung, gegründet 1910. Medsfchdel (ehemals Magdala) in der Ebene Genessar, privatgesellschäftlicfie Gründung 1909. Moledeth m'ro Es wird die hebräischen Leser auf die einzige hehr. Monatsschrift für die Jugend „Moledeth“, die in Jaffa, Palästina erscheint, aufmerksam gemacht Dieselbe ist zu abonnieren durch das Palästina-Informationsbüro Wien, IX., Türkenstraße 9 und durch die „Jüdische Zeitung“. Auch einzelne Hefte sind zu haben in der Redaktion der „Jüd. Zeitung“. Abonnements-Preis: Jährl.: 13 Frcs., halbjhr.: 6.50 Frcs, Einzelheft: 1.50 Frcs. Vereinsna&pühten. Wien. (Jüdischer Mädchenklub.) In Weidlingau-Had. a. Wb. findet am 6. Juli d.. J. ein Blumentag, den ein Gartenfest abschließt, statt. Das Reinerträgnis wird zum Teile dem Nationalfonds, teils dem jüd. Kinder-Spitale in Palästina, teils dem veranstaltenden Vereine, dem „Jüd. Mädchenklub, Wien“ zufallen. Wir laden nun zum Feste selbst, als auch zum Beitritt in das Komitee ein. Für ein gutes Programm ist hinreichend gesorgt, da die Herren Beda, Stransky, Farkas etc. ihre gütige Mitwirkung zugesagt haben. Komitee - Anmeldungen an Ella Ger st 1, Weidlingau-Had., Hauptstraße 94. Entreekarten K 1.50. An der Abendkasse K. 2.—.. Studentenkarten K 1.—. Beginn" ides: Festes S Uhr abends. Karten im Nationalfond - Bureau, IX., Türkenstraße 9 und bei Frl. Ella Gerstl erhältlich. Wien. („Herzl-Klub“.) Es sei den Mit- Mitgliedern des „Herzl-Klub“ und der J. S. mitgeteilt, daß der Beschluß gefaßt wurde, am Sonntag, den 7. Juli a. c. gemeinsam und kor- ■ porativ das Grab Herzls aufzusuchen. Wir treffen uns präzise halb 10 Uhr vormittags bei ' der Endstation des 40 er-Wagens der Elektrischen. — Nächster Vereinsabend, große „Herzl- Feier“, Dienstag, den 9. d. M. Jüd. Volksheim. . Wien. Allgemeiner Jüd. Arbeiterverein „Poale Zion“. Monatsprogramm1 für ■Juli: Samstag, den 6. ds.: Gen. Kr umliolz:; Rückblick auf die Vergangenheit des jüdischen Volkes. Ort: Cafe Stefanie, Beginn 8 Uhr abends. Sonntag, den 7. und Sonntag, d. ' 21.: Ausflüge in die Umgebung (Wiens, verbunden mit Diskussionen und Unterhaltungen. Zu- . sammenkunftsort für die Ausflüge: Station Schottenring der Stadtbahn. Zeit: 2 Uhr nac h jn i 11 a g s. Zu allen Veranstaltungen werden (Genossen und. Freunde herzlichst :eingeladen. Brünn,. Jüdisches. Technikerheim. Für das (Studienjahr 1911/12 gelangen im jüdischen Technikerheim, jBrünn, vorläufig 10 Freiplätze zur Besetzung. Entsprechend belegte Gesuche sind bis 15. September 1912 an den Ausschuß des Un tc r s t ü t zu n g s v e r e i n für mittellose jüdische Techniker Brünn, zu senden, woselbst Jnähere Auskünfte!zu erfahren sind. Wien (Herzl-Klub). Am 19. Juni fand im Vereinslokale des Herzl-Klubs (Jüd. Volksheim) die erste Generalversammlung statt, die sehr zahlreich besucht War. Herr Simon Advokat, der Präsident des abtretenden, provisorisch gewählten Ausschusses eröffnete, begrüßte die Anwesenden und hielt dann anläßlich der Wiederkehr des Jahrestages) der blutigen Wahlen in Droliobycz eine längere Rede. Hierauf erstattete Herr Aron Schwefrtf inger den Rechenschaftsbericht, aus dem zu ersehen ist, daß der „Herzl-Klub“ seit seinem sechswöchentlichem Bestände 1 große, von mehr als 400 Personen besuchte und 8 kleinere Versammlungen, in denen die Gg. Gg. Df. Abeies, Simon Advokat, Ludwig Batö, Moritz Geiger, Dr. Kadisch, cand. phü. Gustav Kohn, cand. med. Nathan Korn, Dr. Plaschkes, Moses Waldmann und Dr. Weiner sprachen, veranstaltetel Außerdem fand ein kleiner literarischer Abend statt, an dem Gg. Jonas Osterer Rosenfeld'sche Gedichte rezitierte. Ferner berichtete Herr Schwertfinger über eine vom1 Ausschüsse eingeleitete Sammlung zu Gunsten von 3 jungen PalästinaausAvanderern. Herr Grün berichtete über die Kässa. Herr Glanz stellt den Antrag auf Erteilung des Absolutoriums. Herr Advokat im Namen des abtretenden Ausschusses auf Ernennung der Herren Ludwig Batö und Dr. Hermann Kadisch zu /Ehrenmitgliedern in Anbetracht der hervorragenden Verdienste, die sich diese Herren bei Gründung des Vereines erworben haben. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. "Hierauf Wurden die Neuwahlen vorgenommen;, gewälzt wurden die Herren: Simon Advokat zum1 Präsidenten, Moritz Geiger zum I., Josef Stein zum II. Vize-Pr,äsidenten, Aron Schwertfinger zum L, Jonas Osterer zum II. Schriftführer, Walter Grün zum I., Heinrich Goldberg zum II. Kassier, Samuel Landau, Benno Landmann, Israel Advokat, Arje Gelbard, Julius Löwenbein zu Beisitzern. Osias Ury und Imre Kemeny zu Kassarevisoren. Herr Simon Advokat dankte im eigenen und im Namen der anderen Funktionäre für die Wahl und versprach, daß der neugewählte Ausschuß alles daransetzen wird, um das in ihm1 gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen« Nachdem noch Herr Dr. Kadisch für seine und für die Wahl des Herrn Batö gedankt hatte, wurde die glänzend verlaufene Generalversammlung geschlossen. Zeitfdiriftenfdiau. „Der Kampf“. Sozialdemokratische Monatsschrift, Heft Nr. 9. Ein außerordentlich inter-' essantes Heft, das viele Fragen der österreichischen Politik behandelt. Heinrich Weber schreibt über den Wahlrechtskampf in Ungarn: Jahrhunderte lang war der Inhalt der ungarischen Politik der Kampf zwischen der Adelsoligarchie und der Krone. In. diesem Kampf haben beide Teile versucht, das Volk auf seine Seite zu bringen. So zuletzt auch in der "Wahlreformfrage. In dieser aber sehe das Volk deutlich, daß es von beiden Teilen verlassen sei und nimmt (nun sein Schicksal selbst in die Hand. Friedrich Austerlitz charakterisiert in treffender Weise die „Deutschbürgerlichen von heute“ in. ihrer ganzen Jämmerlichkeit. „Feig zur Opposition und feig zur Regierungspartei“. Die Leute haben nichts im Kopf' als die Erhaltung der Mandate. Natürlich kann Austerlitz es nie unterlassen, den Antisemiten den Mangel an echtem Antisemitismus vorzuwerfen. So auch diesmal. Der Nationalverbändler „schimpft zuhause über die Judenpresse und schmiert sich in Wien an jeden jüdischen Reporter heran“.. R e n ne r schreibt über das Elend des Reiches, den Bankerott der Landesfinanzen, den böhmischen und galizischen Ausgleich, ider italienischen Universitätsfrage und kommt zum Schluß, daß der Dualismus die Hauptschuld;an den verfahrenen Verhältnissen trägt, wenn er auch dies nicht so rund heraussagt, wie in früheren Publikationen. Otto Bauer polemisiert in dem Artikel „Der Arbeiter und die Nation“ gegen Straßer, der das Prinzip des wirtschaftlichen Klassenkampfes über das Nationsgefühl stellt, während der Jude Bauer das deutsche Nationalgefühl der deutschen Sozialdemokraten verteidigt. Indes Straßer offensichtlich mit seiner : Anschauung den wahren Marxismus vertritt, behauptet Bauer, dieser sei in seiner Anschauung verkörpert. Bauer zeigt auch in diesem Artikel seine große intellektuelle Gewandtheit, die aber . diesmal den Mangel einer charaktervollen Grundanschauung nicht verhüllt. Erst kürzlich liat Bernstein in den „Soz. Mon.“ scharf mit Bauer polemisiert und ihm willkürliche Konstruktionen . vorgeworfen. Auch von den ruthenischen Sozialdemokraten wurde er kürzlich Avegen seiner Darstellung der ruthenischen Parteiverhältnisse angegriffen ■ und so scheint sein Prestige stark : im wanken zu sein. Gegen diese letztgenannten; Angriffe verteidigte ihn lg. D a s z y n s k i in dem Artikel „Galizische Parteifragen“ > in dem er Bauer darin Recht gibt, daß es kein ruthenisches Proletariat gibt — er nennt eine Zahl von bloß 2500 ruthenischen Industriearbeitern und beteuert, wie ehrlich er es mit . den ruthenischen Forderungen meint. Nun, wir | Juden haben {die {nationale Objektivität {des Herrn . Daszynski kennen gelernt und glauben ihm daher auch diese Beteuerungen nicht. Herr Diaimand schreibt über die Liebesgaben in Oesterreich einen ziemlich unklaren Artikel. Während er aber die Empfänger der Liebesgaben in Böhmen, Mähren und Schle- sien (namentlich aufzählt — es sind lauter Adelige : — vermeidet er dies in Galizien und der Bukowina, wahrscheinlich aus holder Rücksichtnahme aul die Schlachzizen, denen er seit den Wahlen Dank schuldig ist. Das Verweisen auf eine polnische Broschüre nützt dem deutschen Leser nicht, und so sorgt auch Diamand, daß die „Sonderstellung Galiziens“ gegenüber profanen nichtpolitischen Augen auch auf nichtpolitischem Gebiet gewahrt bleibt. Adolf Braun schreibt über „G ewerkschaf tliche Forderungen“, Otto Wittner über Nestroy in einer sehr lesenswerten Studie, in der er nur ein bißchen zu sehr durch die Parteibrille sieht. Interessant ist der „Kampf“ auch darin, was er nicht bringt. Vor kurzem ist in Deutschland d.er Sozialist Hildebrand aus der Partei ausgeschlossen worden, Aveil er seine wissenschaftlichen Ansichten nicht durchaus nach der Parteischablone zustutzen wollte. Darüber erhob sich ein lebhafter 'publizistischer Kampf. Die „Sozialistischen (Monatshefte“ brachten schon fünf Artikel über diesen aufsehenerregenden Vorfall — nur die Wiener Genossen schweigen und äußern in diesem1 prinzipiell wichtigen Streit kein Sterbenswörtchen. An unsere p. t. Abonnenten! Mit dieser Nummer beginnt ein neues Abonnement. Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung der Z ritung keine Unterbrechung eintrete. Wir machen aufmerksam, daß das Postsparkassenkonto Nr. 104.067 (Jüdische Zeitung, Ges. m. b. H.) gelöscht wurde. Einzahlungen wollen daher nicht {mehr auf Erlagscheinen dieses Kontos (das Geld geht sonst an den Einzahlenden zurück) gemacht werden. Dieses neue Postsparkassenkonto hat die Nummer 133.404 (Jüdische Zeitung). Erlagscheine (Nr. 133.404) sind den rückständigen Abonnenten direkt per Post zugegängen. Verwaltung „Jüdische Zeitung“ Wien, IIJ3, Stefaniestraße Nr. 12. Liste der Überläufer. Vom 25. Juni bis 2. Juli 1912. Pless Elsa, 1887, Ebersberg, ledig, Beamtin, IV. Schelleingasse 5. — Pollatschek Elsa, 1892, Chocin (Böhmen), ledig, Modistin, IX. Pramergasse 29. — KäbsoAvitz Betty, 1878, Wien, ledig, Privat, IX. HebragasSe 9. — Weizmann Hedwig, 1893, Wien, ledig, Musiklehrerin, III. Erdbergerstraße 69. — Kappel Moriz, 4878, Wien, ledig, Hotelangestellter, ijll. Erdbergerstraße 93. — Robitschek Jakob, "1864, Wien, verheiratet und getrennt, Inkassant, XVII. Hauptstraße 103.. — Herzog Marianne, J898, Wien, ledig, III. Ditscheinergasse 0. ■— Weiribergar Moriz, 1886, Budapest, ledig, JI. Hilelrstraße 14. — Jiszda Hermine, 1895, j Wien, ledig, Private, XXI. Leopoldauerstraße 81. . , ,

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