Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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jP'Seite 4 JÜDISCHE zMÜNÖ Nr. 27 Das konnte der slavische Sokolkongreß besser zeigen als es jeder deutsche Tumertag vermag. Deshalb war er auch für die Juden lehrreich. Der Triumphzug der Sokolen umfaßte mehr als 23.000 Sokolen. Die Wenigen Juden, die mitzogen, wurden unschwer erkannt — ein deutli- Beweis dafür, wie erfolgreich die „Assimi - lation“ ist. An den Sokolkongreß schlossen sich die durch die deutschen Tagesblätter Prag und Wiens furditbar übertriebenen Aussdireitungen gegen die deutschen Kouleurstudenten. Die jüdisch-liberale Presse versudit aus den Zwischenfällen politisches Kapital zu schlagen. Und da die Juden an der Entwicklung der politischen Lage in Oesterreich ein unmittelbares Interesse haben, da sidi die Mehrzahl der nationalen Kämpfe auf den RüCken der jüdischen Minderheiten abspielt, sei hier mit allem Nachdruck festgestellt, daß die „Krawalle“ — die übrigens fast ganz unbemerkt verliefen — von den deutschen Studenten förmlich provoziert wurden. Aus den paar Rippenstößen, welche die sich drängenden Couleurstudenten . abbekamen, — weniger als Couleurstudenten denn als lästige Störer der Ordnung — machen die deutschen Hetzblätter Aussdireitungen des tsdiechischen Volkes oder gar der Sokolen gegen die Couleurstudenten. Das sind lügnerisdie politische Manöver. Die Sokolen und auch Tsdiedien bemühten sich den Studenten den Weg freizumachen. Wenn einer der Studenten gefallen und leicht verletzt Wurde, so ist es wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, daß die eigenen Couleurbrüder ihn getreten haben. Daß einzelne RRufe gegen das rücksichtslose und provokatorische Vorgehen der deutschen Studenten laut wurden, ist begreiflich. Das soll deshalb festgestellt werden, weil unsere geliebte liberale Presse wieder einmal die Ruhe stört. Natürlich sind unter den „M'ärty rerri“'der deutschen Sache auch einige Israeliten. Sie haben keine Ahnung davon, wie Sicherlich ihre Heldentaten sich ausnehmen. Zur Ehre des deutschen Volkes haben sie sich bespucken oder gar au7 den Fuß treten lassen. Dabei ist es gar nicht zu eruieren, ob . sie diese Liebkosungen wirklich vom slavischen Gegner oder vielleicht zufällig von einem antisemitischen deutschen Studenten davongetragen haben. Juden in preu&ildien Bergwerken. Dr.- Thailhaber schreibt in der Berliner „Welt am ,Montag“: Zu den rechtlosen Galiziern, Ausländem, die unter der Fuchtel der Auswei¬ Sie sind bedeutend mehr! Kulturdokumente sollte man sie nennen. Ich glaube auch nicht, daß Beda lachenden oder gar boshaften Sinnes seine Bilder entwirft. Ich stelle mir vor, daß er dabei tiefernst und traurig ist. Wenn er die verschiedenen lächerlichen Figuren aufseinen Film’bannt, so folgt er einem kategorischen Imperativ und nicht einem spielerischen Hang. Bedas Bücher sind darum sittliche Bücher im besten Sinne des Wortes. Unbarmherzig wird in ihnen Lächerlichkeit und Verkommenheit des innerlich faulen Assimilationsjuden gebranntmarkt. Mag sich dieser Typus wo immer befinden — an der Spitze einer Zeitung oder einer Bank, als Star an einer berühmten Bühne, als Führer von Parteien — Beda nähert sich unversehens, knipst ihn ab und überliefert ihn der schwersten Strafe, der Lächerlichkeit. Die Beda'sche Methode, diesem Typus an dem Leib zu rücken, ist 'wirksamer und sachgemäßer als die vielen anderen, (welche durch ’ Pathos oder anatomisches Sezieren denselben- Zweck verfolgen. Bei Beda hat der behandelte Stoff die Form geschaffen und deshalb sind diese Gedichte auch künstlerisch wertvoll. Beda ist jedoch nicht minder scharfsinnig für allgemein menschliche als " für jüdisch-assimilatorische Lächerlichkeiten. Das neue Beda-Buch liefert dafür zahlreiche pnd treffliche Beweise. Es ist überflüssig, dem neuen Buch Glück aut den Weg zu Wünschen. Seine zwei Vorgänger haben ihm einen bequemen Weg gebahnt. Möge es gleich seinen älteren Brüdern reinigend und erfrischend in der durch die Assimilation verpesteten Atmosphäre des Judentums Wirken.- sung ganz dem Bunde der Arbeitgeber und der Staatsbehörden preisgegeben sind, sollen nun auch russische Juden kommen. Man will sie als Bergarbeiter „zulassen“. Die preußische '.Regierung hat zwar die Auswanderer stets durch Deutschland ziehen lassen, wenn sie Schiffskarten unserer, nicht der englischen, Schiffsgesellschaften besaßen, im übrigen aber sind d'e russischen Juden vogelfreies Wild', die jeden Moment ausgewiesen oder in das Zarenreich per Schub zurückgeschickt wurden. Dort aber können iund Wollen sie nicht bleiben, — in einem Staat, der selbst die Pogrome veranstaltet, 5 Millionen Juden das freie Land nimmt und sie in wenigen Städten des , sogenannten Ansiedlungsrayons izusammenpfercht. Da hilft jetzt? auf einmal mit seiner berühmten Gastfreiheit der preußische Staat: er gestattet, daß.Juden aus d e m Os t e n an die deutschen Bergwerke verhandelt werden. Allerdings unter zwei Bedingungen. u; .1. daß ‘£ie stets Ausländer bleiben und auf den Erwerb (der -.deutschen Staatsangehörigkeit' bei jeder Dauer der’ Beschäftigung an den Bergwerken Verzichten , ,2. daß sie alljährlich 4 Wochen sich außer Landes aufhalten 'müssen. , Jeder Staat und'jedes Volk haben das Recht, sich andere Völker,' „Barbaren“, vom' Leib zu halten. Ob es schön ist, auch politische Flüchtlinge glatt auszuliefern, darüber -möchte ich heute nicht streiten. Aber'die Form, in der Regierung und Bergwerksunternehmer die Einwanderung der östlichen Juden inszenieren, ist skandalös. Warum darf auf einmal der polnische Jude, der für gewöhnlich nicht einmal Schächter einer jüdischen Gemeinde werden kann, in Massen sich in Oberschlesien (aufhalten und dem1 deutschen Arbeiter Konkurrenz machen? Nicht erst seit 'dem letzten Streik ist die „Unsicherheit“ü-..der deutschen Bergleute offenkundig. Wenn .gerade die besten Zeiten für eine fette Dividende ';sind, spucken rote und manchmal sogar christliche Gewerkschaften den Unternehmern in die..Suppe., Deshalb sind diese, eüfrig darauf aus, '„bessere“ Arbeitssklaven > zu r finden, die mit allem zufrieden sein müssen.! Man muß gestehen: die preußische Regierung hat (es nicht leicht. Sie, die einem Juden kein Amt gibt, soll nunmehr fremde Israeliten willkommen heißen! -'■'' Die Aktiengesellschaft für Bergbau- und Eisenhüttenbetrieb (gezeichnet (durch Gebhardt u. Kluge) hat auf einmal eine gleich mächtige Ein Monument für einen berühmten Märtyrer der Inquisition in Lissabon. In Lissabon wird, wie wir dortigen Blättern Lentnehmen, demnächst auf dem vornehmsten Platze der Stadt, auf welchem1 sich auch die Kathedrale befindet, ein Monument zum Andenken des portugiesischen Dichters Antonio Jose da Silva enthüllt' werden. Antonio Jose da Silva wurde im Jahre* 1705 in Rio de Janeiro als Sohn eines berühmten jüdischen brasilianischen Advokaten am 8. Mai geboren. Beide Eltern waren Marannen, die mit Gewalt zur Taufe geführt wurden. Im’ Alter von acht Jahren kam Antonio Jose entsprechend einem Edikte des! Königs Johann des Fünften, wonach sämtliche verdächtigen und geheimen Juden Brasiliens in die Hauptstadt Portugals gebracht werden mußten, nach Lissabon, wo sie unter ständiger Aufsicht der Inquisition standen. Hier studierte, er die Rechtswissenschaft, widmete jedoch' den größten Teil Seiner Zeit seinen poetischen Neigungen (und dem Studium! der Literatur. Seihe Poesie brachte ihn (auch zuerst in Konflikt mit der heiligen Inquisition. Im Alter von kaum1 21 Jahren wurde er in den- Kerker geworfen und am1 18. September 1726 als Ebraizzante zum erstenmal der Tortur unterzogen. Von da ab beginnt die große Serie der unbeschreiblichen Qualen für ihn und seine Familie. Einer hochstehenden Protektion verdankte er seine Befreiung und heiratete gleichfalls eine Marannin namenS Leo- . nore Maria Carvallo, Tochter der Hanna Henfiques, welch letztere ihr Leben auf dem Scheiterhaufen lassen pnußte: _ Antonio Jose da Silva Menschenliebe. Sie sorgt sich darum, daß Juden „koscher“ essen und den „Sabbat“ halten können, interniert Sie „gegen feindliche Bestrebungen“', (damit jhnen nichts passieren kann, in eigenen Baracken, ,und schließt in liebenswürdigen Briefen Verträge ab mit Handlungen auf Lieferung von tausenden von Arbeitern, die bis zu 3 und 4 Mark den Tag verdienen können, ialso bei großer Arbeitsleistung 1000 Mark pro Jahr. Dieses Arbeitsheer von Ausländern ist natürlich völlig recht- und schutzlos und muß es immer bleiben. . Als Ausländer ist jeder der Gefahr ausgesetzt, bei der geringsten Veranlassung ' ausgewiesen zu Werden. Wehe dem, der als „rot“ verschrieen ist. Man kennt eine Menge ■ von Fällen, (wo Fremde trotz jahrzehntelanger; unbescholtener Führung ,und Arbeit in Deutschland bei der geringsten Regung für das Koalitionsrecht sofort in die ihnen inzwischen fremd gewordene „Heimat“ gehetzt wurden. Bei Streiks ist der Ausländer der geborene. Streikbrecher. Er kann nicht feiern und Streikunterstützung annehmen,, da er sonst sofort zurücktransportiert wird, was der ■unglückliche Jude, der einmal Rußland verlassen hat, unter allen Umständen zu 'meiden sucht. Der russische Jude ist aber auch, wenn, er krank oder altersschwach ist, keine Be- ' lastung für die Krankenkasse der Bergwerke. Wir wissen, daß die größte Krankheits- und Sterb- 1 lichkeitszahl bei den Bergleuten vorkommt, daß sie ganz besonders der Hilfe und hygienischen Fürsorge bedürfen. Statt dessen bietet sich nun billiges Schachtfutter: wenn ihre Knochen mürbe .geworden, läßt man sie in Polen verfaulen. Sovbald so ein Kaftanjude über die Grenze geschafft .worden ist, kräht kein Hahn nach ihm. Menschen, die Jahr und Tag unter deutschen Ver- (hältnissen gelebt haben, sollen dann plötzlich' (Wieder zu .Russen gestempelt werden. Selbst! Kinder, die in Schlesien geboren Wurden, die •die deutsche Sprache sprechen, sind dann verdammt, mit in das dunkelste Selbstherrscher- ■ms Ml-Monl J. Gif tj Wien, II., StefameitraQe Nr. 14. Telephon interurban 13702. ■ 70 modemst eingerichtete Zimmer von K 2.80 aufwärts. In nnmittelb. Nähe des Nordu. Nordwestbahnhofes, 5 Minuten vom Stadtzentrum. BADEN bei Wien, Antonsg. 13, Franzensstr. 34. Telephon interurban 217. 400 Personen fassend schöner Naturgarten. Elektrisch beleuchtet. Große Veranden und Säle vis-ä-vis dem Kurpark. .Große Speisesäle zur Abhaltung von Hochzeitsdiners und anderen festlichen Veranstaltungen. Pension nach Uebereinkommen. Exquisite Küche und Keller. widmete sich nun ganz der Poesie. Frei wie in seinem Denken war er auch in seinen Schriften. Und das Sollte sein Verderben sein. Er geriet das zweitemal in den Kerker, diesmal mitsamt seiner jungen Gattin und seiner greisen Mutter. Seine sämtlichen Schriften, seine Gedichte, Lustspiele und Dramen, welche in jener Zeit sich der größten ‘Popularität erfreuten, wurden auf den Index gesetzt und öffentlich verbrannt. Am 19. Oktober 1739 starb Antonio Jose da Silva, nachdem er den Torturen aller Grade unterworfen War, auf dem Campo de La in Lissabon den Feuertod des Märtyrers. „Der Tod dieses Menschen ist der blutigste Justizmord, der jemals im Namen Gottes verübt worden ist, und ist ein ewiger Schrei eines Opfers, das im Namen der Religion 'dem1 Moloch zugeworfen wurdet,“ sagt Theophilo 'Braga in seinem Werke „O Theatro Portughese“. Antonio Jose da Silva ist der eigentliche Schöpfer des portugiesischen Dramas, und genoß bei seinen Zeitgenossen ein so großes Ansehen, daß er noch viel später zum' Heilden eines in Portugal sehr beliebten Dramas „Antonio Jose“ Von Domingos Jose Gonga Loes Guimares und feines historischen Romanes „O Juden“ von Camillo Castel Lobranco wurde. Das Piedestal des Monumentes stellt einen großen brennenden Scheiterhaufen dar, dem (der Märtyrer im1 Gewände der Deliquenten zuschreitet. Darüber das Sinnbild des Lustspiels und darüber erhebt sich die fedle Gestalt des „Juden“; .Die Enthüllung dieses Monumentes Wird mit. großen Feierlichkeiten verbunden 'sein.