Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG stellen wir das Gesamtinteresse der jüdischen Bevölkerung von ganz Oesterreich entgegen. Auf die Dauer die ersteren dem letzteren vorzuziehen, wird eine Frivolität sein, deren Verantwortung zu tragen wir keine Lust haben. Hierauf begründete Dr. Ehrlich ausführlich folgende auf die Organisation bezüglichen Thesen: 1. Die Konferenz erklärt die Notwendigkeit der einheitlichen Leitung der jüdischen Politik in Oesterreich, spricht ihr Bedauern über die Auflösung der Reichsexekutive aus und erwartet die Schaffung einer lebensfähigen politischen Zentralstelle für Oesterreich. 2. Die Leitung der Politik der österreichischen Zionisten obliegt dem „Jüdischen Nationalverein für Oesterreich“. Es wird allen Zionisten zur Pflicht gemacht, in allen ihren politischen Aktionen im Einvernehmen mit dem „Jüdischen Nationalverein“ vorzugehen. 3. An der Organisation dieses Vereines wird mit Rücksicht auf das geltende Vereinsgesetz vorläufig nichts geändert. Es sind jedoch in allen Orten mit einer größeren jüdischen Bevölkerung Vertrauensmänner des Vereines 'zu bestellen1, welche die Aufgabe haben, allen öffentlichen Angelegenheiten ihrer Gemeinden ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, über alle wichtigen Vorfälle politischer Natur an den Vorstand des Nationalvereines zu berichten und ihn zu beraten, Mitglieder für den Verein zu werben!, einen ständigen Kontakt mit ihnen aufrechtzuerhalten und deren politische Tätigkeit zu überwachen. 4. Die Konferenz erklärt die Berufung in der Provinz wohnender Gesinnungsgenossen in den Vorstand des Nationalvereines für notwendig, um eine engere Verbindung zwischen den Gesinnungsgenossen herbeizuführen und um den Ausbau des Vorstandes des JüdL sehen Nationalvereines zu einem jüdischen Nationalrat vorzubereiten. In der Diskussion über die beiden Referate ergreift zunächst Og. Genossenschafts- Vorsteher Plaschkes das Wort. Er fordert insbesondere die Organisierung des Gewerbe - Standes, die Förderung des jüdischen Handwerkes und die Inaugurierung einer umfassenden jüdischen Wirtschaftspolitik. Der nächste Redner Dr. Leschner (Troppau) regt die Schaffung politischer Komitees in den Orten, wo zionistische Distriktskomitees ihren Sitz haben, an. Jm übrigen begründet er die von der Troppauer Organisation vorgesdilagenen Thesen zu den beiden Referaten. Obering. Stricker führt aus: J,Es stehen Programm und Organisation zur Diskussion. Zum ersten Punkte will ich nicht sprechen, weil wir schon ein Programm haben, Es ist vielleicht lückenhaft. Ich habe bemerkt, daß manche Leute ihre eigene Unfähigkeit und Bequemlichkeit mit der Schwäche des Programms zu entschuldigen suchen. Wenn man zu bequem ist, zu agitieren, sich zu exponieren, dann muß ganz einfach das Programm herhalten. Wenn man zusammenkommt und nicht positive Beschlüsse fassen will, dann sagt man, daß das Programm unvollständig sei und noch dies und das fehle. Es hat aber noch nie eine gegnerische Gruppe gegeben, die das Programm des Jüd. Nationalvereines bekämpft hätte. Deshalb spreche ich' auch über das Programm nicht. Es hat nur den einen Fehler, daß es imbekannt ist. Für Aenderungen ist noch im Laufe der Entwicklung Zeit genug. Die erste Bedingung ist, daß Wir die Organisation in Einklang mit unserem1 Programm bringen. Unsere Organisation krankt an einer inneren Lüge. Das jüd.-nat. Programm' "besagt!, daß es nur ein jüdisches Volk in Oesterreich gibt, pur eine jüdisch-nationale Partei, deren; alle Angehörige gleiche Interessen haben. Wir haben aber eine Organisation, die diesen Satzungen geradezu ins Gesicht schlägt. Redner schließt: „Ich wünsche, daß die Männer, welche die Leitung innehaben, rücksichtslos für die Wiederherstellung der Einheit in der Partei kämpfen und daß die wertvollste Kräfte die jüd. Jugend, wieder in den Dienst der jüdischen Sache gestellt werde.“ Abg. Dr. S t r a u c h e r: „Ich hätte gewünscht, daß die heutige Parteikonferenz, angesichts einer größeren Versammlung ihre Beratungen hätte abhalten können. Denn es werden uns heute von mehrfacher Seite so viele Wahrheiten verkündigt. Es sind so viel Prograrnmgesichtspunkte entwickelt ,Und eine so intensive . Agitation geleistet (worden, daß sie in einer größeren Versammlung puf fruchtbaren Boden gefallen Wäre. Wir haben ein ganz ausgezeichnetes Programm, auch die Organisation ist keine schlechte, der (Mangel besteht in Mangel an Einzel- und Massenagitation. Ich stehe auf1;dem Standpunkte, nur intensive, zielbewußte Agitation wird die Einheit des jüdischen Volkes herbeiführen, praktisch' reale Arbeit, Agitation Von Mann zu Mann. Wir sind eine arme Partei,' weil wir keinen Anhang in den Kreisen der Reichen haben. Bei anderen Nationen heißt es: „richesse oblige“. : Redner schließt: „Es muß auch bei uns jeder Parteigenosse' verpflichtet sein, die Parteisteuer zu bezahlen. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn meine Worte nützliche Anregungen gegeben haben Sollten. Denn ich stand und stehe auf dem Boden des rein jüdischnatio- (nalen und zionistischen Programmes!“ Nachmittagssifzung. ''■""Am Nachmittag sprachen noch, nach' Verlegung des Einlaufes, die Gg. Schwarz (Graz), Architekt LaschRoWitz (Tarnow), welcher Anträge betreffend die Organisierung des Handwerkerstandes einbringt, Dr. Re i k (Friedek- Mistek), Dr. Plaschkes, Ing. Löwenbein u. m. a. Hierauf schrittman zur Abstimmung; Die von. den Referenten vorgeschlagenen Thesen wurden mit erdrückender Majorität gegen die Stimmen einiger mährisch-schlesischen Delegierter und zwar die' Thesen des Dr. Kädisch unverändert; die des ,Dr. Ehrlich mit dem’ von Dr. Straucher zu These 3 gestellten Zusatzantrage, an allen Orten mit größerer jüdischer Bevölkerung jüdisch-nationale Vereine zu begründen, angenommen. Desgleichen finden Annahme folgende Anträge und Resolutionen. Resolution Ob.-Ing. Stricker: Die politische Konferenz beauftragt den Vorstand des „Jüdischen Nationalvereines“ die Arbeit für die Herstellung der gesamtösterreichischen nationalen Organisation ungesäumt und energisch in Angriff zu nehmen. Durch Agitation in der Presse und in der jüdischen, insbesondere in der zionistischen Oeffentlichkeit, durch Anregung von Willensäußerungen der bestehenden jüdischen Organisationen in Westösterreich, Galizien und der Bukowina, sind die Widerstände, welche der Zusammenfassung aller nationalgesinnten Elemente, in einer einzigen Organisation entgegensehen, zu brechen. Zusatzantrag Pr. Winterstein (Mährisch- Ostrau) : Die Einberufung des gesamtösterreichischen Parteitages hat in allernächster Zeit, womöglich im Einvernehmen mit der galizischen und bukovvinensischen Parteileitung zu erfolgen. Sollte eine Einigung nicht zustande kommen, dann hat der jüdische Nationalverein selbständig vorzugehen. Zusatzantrag Ing. Kramer (Wien): Die am 30. Juni tagende politische Konferenz fordert die Leitung des Jüdischen Nationalver¬ Nr. 27 eines auf, ehetunlichst einen politischen gesamtösterreichischen Parteitag einzuberufen. Zusatzantrag Dr. W i n t e r s t e i n zur These III : In (Städten,; in denen zionistische Vereine existieren, sind die Aussdiüßmitglieder der Zionvereine zu Vertrauensmännern zu bestellen. Die Anträge des Architekten Laschkowitz betreffend die Organisierung des Handwerkerstandes werden dem Jüdischen Nationalverein als Anregungen überwiesen. Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung „Presse“ referierte Gg. Dr. Friedrich Löhner. Seine ausgezeichneten Ausführungen gipfelten in der Aufforderung, die „Jüdische Zeitung“ das Organ des „Jüdischen Nationalvereines“ auf das eifrigste zu fördern. An das Referat des Dr. Löhner knüpfte sich eine rege Debatte, die (stellenweise stürmisch Wurde. Zum Schlüsse wurde folgender Antrag des Gg Dr. Löw’mit Stimmeneinhelligkeit angenommen. 0,Dip heutige politische Konferenz spricht den Redakteuren der „Jüd. Zeitung“, , die in .aufopferungsvoller und uneigennütziger Weise seit Jahren das Blatt leiten, den besten Dank und. volles Vertrauen für ihre Tätigkeit aus“. Ing. Oskar Kramer referierte hierauf über Agitationsfond. (Er beschränkte sich auf eine kurze Begründung folgender mit erdrückender Mehrheit angenommener Anträge. 1. Außer dem . Mitgliedsbeitrag wird für Deckung der Ausgaben der Parteiorganisation ein Parteibeitrag, gemeinsam eingehoben. 2 .Die Festsetzung der Höhe des Parteibeitrages erfolgt durch Beschluß des'Parteitages. 3. Dem Parteitage obliegt die Kontrolle über die Verwendung der Parteibeiträge und werden Kontrollore vom Parteitag bestimmt. 4 .Der Mindestbeitrag für jedes Parteimitglied ist 25 Heller monatlich. 5. Die Einhebung erfolgt mittelst Parteimarke und ist die Leistung mittelst dieser Parteimarke auf einer' Mitgliedskarte zu liquidieren. 6. Die Einhebung der Parteibeiträge erfolgt durch den Vertrauensmann allmonatlich, welcher diese Beiträge an die Parteileitung zu überweisen hat. 7. Aus den Parteibeiträgen Werden bestritten: sämtliche Auslagen für Organisation und Agitation, die Erhaltung eines Sekretariats etc. Nach Maßgabe der Eingänge können für Zweigorganisationen Dotierungen erfolgen. 8. Die Konferenz erblickt in der Schaffung eines Wahlfonds eine dringende Notwendigkeit. 9 . Neben den Parteibeiträgen sind von jedem Parteimitgliede Beiträge für den Wahlfond einzuheben, die im Einvernehmen mit den Vertrauensmännern festgesetzt Werden. Das Referat über „Kulturarbeit“ entfiel wegen Verhinderung des Referenten. Nachdem seitens der Versammlung dem Vorsitzenden Dr. Ehrlich und dem Schriftführer Gg. Sitzmänn für die Leitung der Konferenz der Dank ausgesprochen Wurde, schloß Dr. Ehrlich um' 8 Uhr abends die. Beratungen. für gesunde u.kranRe Kinder sowie Magenleidende. Verhütet (Lbeseitigt Brechdurchfall. Diarrhoe. 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