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Jüdische Zeitung · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 26 Inferenz 4er jüdischen Sdudkomitees Bulgariens, Vom 24. bis zum 27. Mai d. J. tagte in Sofia die erste Konferenz der jüdischen Schiilkomitees Bulgariens Del gierte aus den meisten Gemeinden, in denen jüdische Schulen vorhanden sind, »nahmen an dieser Konferenz teil. Alle froßen jüdischen Gemeinden des Landes, wie ofia, Philippopel, Rustschuk, Varna, T. Pazardjik, Widdin im Ganzen mehr als 80% der jüdischen Bevölkerung Bulgariens waren auf der Konferenz »durch 16 Delegierte vertreten. Vom1 Ministerium des VöHcsiintemchtes wurde Herr Dr, jB. Manoff, der Leiter der Abteilung für Elementarunterricht als offizieller Vertreter entsandt Die Konferenz wurde von Herrn Dr, Marco Romano, Vorsitzender des Philippopeier Sdiiilkomitees, (mit einer Rede eröffnet, in welcher er (kurz die Geschichte des jüdischen Schulwesens während, der letzten Jahrzehnte, schilderte. Zum Schlüße führte er aus, daß den, jüdischen Schulen in Bulgarien die Aufgabe Zufälle, die jüdischen Kinder zu guten bulgarischen Bürgern (und guten Juden zu erziehen. Vor Beginn der Tagesordnung wurde von der Konferenz beschlossen, dem König telegraphisch die Loyalität der jüdischen Bevölkerung Bulgariens auszusprechen, Die Antwort des Königs läutete: „Dr. Marco Romano, Vorsitzender der Konferenz der jüdischen Schulkomitees in Sofia. Bin tiefgerührt von den stets unveränderlichen Gefühlen der Loyalität und Ergebenheit, Welche Sie (mir im1 Namen des bulgarischen .Judentums aussprechen und die mir heute von besonderem Werte sind, da sie mir, bei einem Ereignis Wie der Eröffnung der Konferenz der jüdischen Sdiulkomitees ausgesprochenwerden. Die Einberufung dieser Konferenz Zeigt Wie sehr die Führer meiner treuen Untertanen vom Stamme Israels mit mir und meiner Regierung (über den großen Wert der Bildung für den Fortschritt und Wohlstand der Völker (übereinstimmen und ich danke Ihnen gleichermaßen für die Unlerjänigkeitsgefühle, Wie auch für Ihre edle Initiative.“ Der König. Die. Konferenz besprach' erschöpfend alle Fragen des jüdischen Unterrichtswesens Im1 Lande, und beriet auch über die Mittel zu dessen Organisation, Stabilisierung und Vierbesserung, -Der wichtigste einstimmig gefaßte Beschluß der Konferenz lautet: Das bulgarische Judentum hat die. Pflicht jüdische Schulen zu erhalten. Ferner nahm1 die Konferenz mit 14 gegen : 2 Stimmen folgende Resolutionen an: Die jüdischen Schulen, welche im Sinne der Artikel J12, 27, 30 und 44 des Gesetzes für, Volksunterncht die Kinder zu guten bulgarischen Bürgern (zu (erziehen haben, sind ferner verpflichtet: 1. (den Kindern eine jüdische, nationalreligiöse Erziehung (zu geben; 2. (die spaniolische Umgangssprache durch die hebräische zu ersetzen. 3. den jüdischen Kindern eine den Aufgaben' des täglichen Lebens entsprechende Bildung zu geben, wobei sie die Ausnahmslage der Juden in (der Gesellschaft zu berücksichtigen haben. * . > Zur Ausführung der angenommenen Resolution (wurden unter anderen folgende Beschlüsse gefaßt: Für die Kindergärten, in Welchen der Unterricht nach der Fröbriinethode erteilt werden stall, ist als Umgangssprache die hebräische bestimmt. In den Elementarschulen und Progymiiasien soll : vöTlMiältlich das Programm des Ministeriums für VölksMiiterricht (befolgt Werden, mit dem' Bulgarischen als Unterrichtssprache. Der jüdisdte national-religiöse Unterricht soll dem1 Geiste der Resolution entsprechen. In den Elementarschulen soll keine fremde Sprache unterrichtet werden. Es (wurde beschlossen, im Monat Juli eine Konferenz der jüdischen Lehrer, zwedcB Ausarbeitung eines allgemeinen Programmes für alle jüdischen Schulen des Königreiches einzuberufen. Ferner Wurde beschlossen, alle drei Jahre eine Lehrerkonferenz (und dann eine Konferenz der ' Schulkomitees pinzuberufen. Betreffs finanzieller Erhaltung der jüdischen Schulen faßte die Konferenz folgenden Beschluß: ‘ Die jüdischen Schulen, sind jüdische Gemeindeinstitutionen öffentlichen Charakters und müssen als solche, von allen Mitgliedern der jüdischen, Gemeinde unterstützt werden. Der künftige Gemeindekongreß des König- . reiches hat, auf diesem Prinzip basierend, den .Modus zu bestimmen, durch welchen: die jüdi- : Sehen Schulen materiell zu sichern sind. ♦ * « Betreffs der Gön'eindeköngreßfrage äußerte sich' die Konferenz folgendermaßen: Da das jüdische Schulwesen in Bulgarien mit Kompetenz und Sanktion nur durch einen Kongreß der bulgarischen Juden geregelt Werden kann, und der Modus, nach Welchen dieser Konfgreß leinberufen Werden soll, in den Statuten [vom J.ahre »1900 vorgesehen ist, beschloß die Konferenz, im' Interesse des Schulwesens, das [kompetente Ministerium des Aeußeren und Kultus; zu »ersuchen; einen Kongreß der bulgarischen 'Juden (einzuberufen. i Zuletzt beschäftigte sich die Konferenz mit der Tätigkeit des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis,;in bezug auf das jüdische Schulwesen im1 Lahde (und sprach sich folgendermaßen aus: 1 1» Laut Artikel 6 und 17 der Statuten von 1900 gehört zu den Pflichten des Großrabbiners [ die Erhaltung und Stärkung der jüdischen Schulen: die 12 jährige diesbezügliche Tätigkeit des Dr. Ehrenpreis als Großrabbiners der bulgari- sehen Juden, war negativ.; 2. Das jüdische : Schulwesen in Bulgarien »kann nur von einem Kongresse aller bulgarischen .Juden organisiert und geregelt werden, deren (Delegierte laut Anordnungen der Statuten vom (Jahre 1900 direkt von der jüdischen Bevölkerung [deS Landes gewählt wurden. Die Tätigkeit des »Dr. Ehrenpreis als Größrabbiner war stets darauf (gerichtet, die Einberufung des Kongresses nicht; »zustande kommen zu lassen und wodurch die iOrganisierung und-,Regelung des jüdischen Schulwesens im Lande unmöglich gemacht wurde, j 3. Das Konsistorium, dessen Vorsitzender (Pr. Ehrenpreis ist, eiklärte, daß sich der Kongreß [mit dem1 •jüdischen. Schulwesen nicht ‘zu befassen ‘hat Hierdurch wollte es demselben den Charakter einer ällgem'einen jüdischen Sache nehmen, 'damit es vom' Kongreß, von. der einzigen Institution, die es mit Autorität und Sanktion re- : glementieren könnte, nicht geregelt Werden soll. DOPPEL-MALZ BIER Austria-BrauereiWlen-Neudorf. 4. Dr. Ehrenpreis Suspendiert die Statuten für das Großrabbinat vom Jahre 1900, wodurch er das bulgarische Judentum in einen Zustand der Anarchie brachte und dadurch einen in jeder Beziehung schädigenden Einfluß auf das Schulwesen ausübte. In Anbetracht des Obenerwähnten wurde folgende Resolution gefaßt: Die Konferenz findet, daß die 12jährige ÄmtsWirksämkeit des Dr. Ehrenpreis als Größrabbiner Bulgariens für das jüdische Schulwesen unheilvoll (war. Diese Resolution ist dem’ Herr Minister des Aeußem und Kultus wie auch1 dem' Minister des Volksunterrichtes zu. überreichen. ParfefsNachricfifen. Die politische Konferenz. Thesen zum1 Referat „Ausbau der Organisation“. Von Dr, Jakob Ehrl ich: 1. Die Konferenz eiklärt die Notwendigkeit der einheitlichen Leitung der jüdischen (Politik in Oesterreich, spricht ihr Bedauern; über die Auflösung der Reiöhsexekutive aus und; erwartet die Schaffung einer lebensfähigen po-‘ litischen Zentralstelle für Oesterreich. 2. Die Leitung der Politik der österreichischen Zionisten obliegt dem1 „Jüdischen »Nai tionalverein für Oesterreich“, Es wird allen Zionisten zur Pflicht gemacht, in allen ihren politischen Aktionen im Einvernehmen mit dem; „.Jüdischen Nationalverein“ vörzugehen, 3. An der 'Organisation dieses Vereines wird mit Rücksicht auf das geltende Vereinsgesefc vorläufig (nichts geändert. Es sind jedoch irt allen Orten mit einer größeren jüdischen Be- (völkeruiig Vertrauensmänner des Vereines zii bestellen, welche die Aufgabe haben, allen öffentlichen Angelegenheiten ihrer Gemeinden ihre Aufmerksamkeit »zuzuwenden, über alle wichtigen Vorfälle politischer Natur an den Vorstand des; Nationalvereines |zu berichten und ihn zu bfr- : raten, Mitglieder für den Verein zu werben, einen •ständigen Kontakt mit ihnen aufrechtzuerhalten und deren politische Tätigkeit zu überwachen. 4. Die Konferenz erklärt die Berufung in der Provinz wohnender Gesinnungsgenossen in den Vorstand des Nationalvereines für notwendig, 'um eine engere Verbindung zwischen den Gesinnungsgenossen herbeizuführen und um' den Ausbau des Vorstandes des Jüdischen Nationalvereines zu einem1 jüdischen' Nationalrat vorzubereiten. Mitteilungen des iimerösterr. DK. Herzl-Gedenkfeier. Der Zion. Zentralverein veranstaltet ,anläB-; I lieh des 8. Todestages unseres ^Führers Th-eo--: dor H e r z l Donnerstag, den 4» Juli, 1/28 Uhr (abends, im Stadttempel, I., ßeitenstettengasse, (einen Trauergottesdienst. [ Der gemeinsame Besuch . des Grabes am [Döblinger Friedhof findet Sonntag, den 7. Juli, Wien, II., StelaniestraBe. Nr. 14. Tdepbon interurbän 13702. 70 modemst eingerichtete Zimmer von K 2.80 aufwärts. :In unmittelb. Nähe des Nordu. Nordwestbahnhofes, 5 Minuten vom Stadtzentrum. 'BADEN bei Wien, Aiitonsg. 13, Franzensstr. 34. Telephon interurban 217. •' 400 Personen fassend schöner Näturearten. 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Drei Griechen und drei Juden wurden damals nach; Kohstantinopä gebracht und dort vor ein Tribunal gestellt Die Gerichtsverhandlung schloß mit dem Freispruch der Juden. (Im1 Jahre 1851 hatte die jüdische Gemeinde in [Rhodos viel unter den folgen eines Erdbebens' zu leiden. 'Sie (entsandte damals ihren Rabbiner Radlamim Franco nach Europa, um für die Wiedererrichtung des: Judenvierteis Spenden zu sammeln. Die Sammlung ergab 40.000 Francs. Im Jahre 1855 wurde rin Teil der Judenstadt infolge der Explosion des Pulverturms zerstört Die Juden von Rhodos besitzen zwei große berühmte Synagogen. Die eine wurde im Jahre 1440 von der Artillerie zerstört und später auf Befehl des Papstes Sixtus IV. wieder aufgebaut Die zweite große Synagoge führt den Namen Kehillath Seholom. Sie würde im Jahre 1593 von Rafael Margola erbauet, und um» das neunzehnte Jahrhundert von Mosche Menasche rekonstruiert. Eine dritte kleine Synagoge führt den Namen de Camondo, zum Andenken an den Grafen Abraham de Camondo, der sie erbauen ließ. Ueberdies» gibt es mehrere kleine Bethäuser und Lehrstuben, Die Juden in» Irland. Unter den Irländern hat sich eine Volkslegende erhalten, Wonach der Prophet Jeremias nach' der Zerstörung des Tempels mit einer jüdisch, Prinzessin aus dem Köriigshause David auf einem1 Schiffe, das teure Kostbarkeiten aus dem' Tempel' mit sich führte, Palästina verlassen habe. In den irischen Wässern, sei das Schiff gescheitert und dem» Sinken, nahe gewesen. Der Prophet und die Prinzessin Wunden gerettet. Später heiratete die'Prinzessin in Irland, und von ihr Stamme auch die königliche Familie Englands ab. Einer der kostbarem Edelsteine, Welche die jüdische Prinzessinmit sich brachte, sei der englischen Krone eingefügt Worden und Sei bis an den heütigen Tag das kostbarste JiTwel, welches in der Westminster-Abtei gehütet wird. Dieser Legende War es im’ Mittelälter zum Teile zu »danken, daß die Juden in Irland vor Verfolgungen, -geschützt waren.. Im Jahre 1628 fanden sich' in der Hauptstadt Irlands, 1 Dublin, Ungefähr 200 Juden* Im1 .Jahre 1747 wurde im irländischen: Parlament ein Gesetz gesChäffeh, welches den Juden ermöglichte, Bürgerrechte in Irland zu erlangen. Dieses Gesetz Wurde jedoch in der Praxis kaum» dürchgeführt, hätte aber die Wirkung, daß auch1 in! England ein »ähnliches -Gesetz geschaffen (wurde. Gegenwärtig (befinden sichin Dublin 2700 jüdische Seelen, in ‘-Belfast 1200, Ueberdies'gibt es noch» Gemeinden in Cork, ‘London, Derry, Water, Ford und Lürgan. Die Juden Irlands spielen eine ziemlich bedeutende Rolle. Vor einigen Jahren »wurde Sir Otto Jaffe zum Lordmayor und Sheriff von Belfast und Luis Harris zum Älderman in Dublin gewählt. Später ging dieste Ehrenstelle {atif Keinen Söhn A, Harris über» Ueberdies Wurden wiederholt Juden, in'das englische Unterhaus entsendet. »Ein jüdischer Diplomat. Der 'türkische Krieg mit ‘ der RepüBlik Venedig um den Besitz der Insel Gypern 'im Jahre 1570 ist wesentlich durch die Bemühungen eines jüdischen Arztes beigelegt worden. ‘Damals Wurde die Weltpolitik von Konstaritiriopel aus gemacht und dieser jüdische Arzt ist eine Art' kleiner Bismarck gewesen; Salomon AschkenaSy, so hieß dieser Mann, war Hofarzt des Königs Sigismund II. von Polen (1548—72) und später türkischer Diplomat. Abkömmling einer deutschen ‘Familie aber in Udiriä in Italien ansäßig, kam' er in seiner früheren Jugend 'nach Kräkaü,

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