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Jüdische Zeitung · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 26 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 10 Uhr vormittags, statt. Zusammenkunft der Teilnehmer beim Friedhofseingang um i/olO Uhr vormittags. Schekelagitation. Dfe Uebernehmer von Schekelblocks werden UTri So.fortige Verrechnung und Ablieferung der Blocks ersucht. Jüdisches Studentenheini Die am' letzten Montag istattgehabte Vertretersitzung der jüdischen Korporationen Wiens hat einhellig den Beschluß gefaßt, während der Sommermonate in allen Provinzorten eine rege Sammel- und Werbetätigkeit zugunsten des „Jüdischen Studentenheims“ und der „Mensa academica judaica“ einzuleiten. Nähere Auskünfte erteilt das Sekretariat des „Studentenheims“, IX., Liechtensteinstraße 11, täglich von 11 bis 12 Uhr vormittags. Daselbst erfolgt auch die Ausgabe von Sammelblocks, Prospekten, Karten usw. Von der jüdifdien Rolonisationsarbeit in Palästina. Immer mehr kommt in der jüdischen Siedlungsarbeit ein neues Prinzip zur Geltung. Während die Zionsfreunde einer früheren Epoche das Hauptgewicht auf uen privatrecht- 1 i chen Erwerb des Bodens legten und der politische Zionismus die Idee der öffentlichrechtl ichen Sicherung verkündete,bricht sich jetzt die Erkenntnis Bahn, daß es auch einen dritten Faktor gibt, der von ebenso großer Bedeutung für die Zukunft der Kolonisation ist, nämlich: die jüdische Arbeit auf jüdischem Boden. Man ist heute wohl allgemein zur ■ Ansicht gekommen, daß fein Plantagenbesitz in Palästina, auf dem lediglich nichtjüdisehe Arbeiter beschäftigt werden, sich nicht wesentlich von einem jüdischen Gute in Galizien unterscheidet, auf dem nur polnische oder ruthenische Arbeiter zu finden sind. Der Jüdische Nationalfonds, der sich aus kleinen Anfängen zu einer der mächtigsten jüdischen Weltinstitutionen emporgeschwungen hat. und der im letzten Jahre eine Jahreseinnahme in Höhe von 700.000 Francs aufweisen konnte, hat die Wichtigkeit und .weittragende Bedeutung dieses neuesten Prinzips klar erkannt und seine Tätigkeit darnach eingerichtet. Nicht nur, daß er auf seinen Gütern und in den Siedlungen der von ihm geförderten Gesellschaften (Siedlüngsgesellschaft' „Erez Israel“, Palestine Land Development Company) in Hulda und Bens'c'H'e'm eK''Bef'Jaffa,' in M e r ch a'wj'ä in der Ebene Jesreel, im K i n e r e th und D a g a n i a am Tiberiassee, eine große, in stetigem Wach-, sen begriffene Zahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt, Er hat sich auch der Arbeiterfürsorge in den Kolonien zugewandt und kann auf diesem Gebiete bereits auf bedeutende Erfolge hinweisen. In den Kolonien 'Petach Tikwah und Chedera hat er mit einem Kostenaufwand von 40.000 Francs für die unverheirateten Arbeiter Heime gegründet, an deren weiteren Ausbau jetzt geschritten wird. Durch .eine Spende des Herrn Ing. Sälomon H a 1 p e r i n aus Kiew in Höhe von 30.000 Francs wird er in die Lage versetzt, ein großes Heim in der Siedlungsgenossenschaft Merchawja sowie Einzelhäuser für aschkenasische und yemenitische Arbeiterfamilien zu bauen. Der Bau von zwölf yemenitischen Häusern in Petach Tikwah und von drei Häusern für aschkenasische Arbeiter, gleichfalls in wahrscheinlich im1 Gefolge der italienischen Gattin Sigismunds, Bona, und durch seine bedeutenden Fähigkeiten erlangte er hier die Stellung eines ersten Arztes am königlichen Hofe. Später zog er nach Konstantinopel, wo er eine große Geschicklichkeit in diplomatischen Dingen entfaltete. Er war Mitglied des Stabs des Großveziers Mohamet Sakolly, der ihn mit vielen ^delikaten Aufträgen betraute. Bei der Wahl efnes Königs von Polen, 1572, hatte die Türkei einni mächtigen Einfluß. Aschkenasy, der die auswärtigen Angelegenheiten der Türkei praktisch idürchzuführen (hatte, entschied sich zu Gunsten Heinrics von Anjou und brachte auch den anfänglich -widerstrebenden Großvezier auf seine Seite. Heinrich, der spätere König Heinrich der Seite. Heinrich, der spätere König Heinrich III. von Frankreich, wurde auch tatsächlich gewählt. Seinen hiedürdt auf Frankreich und Polen gewonnenen Einfluß benutzte Aschkenasy späterhin, um ■ einen Friedensschluß zwischen der Türkei und Venedig herbeizuführen. 1576 wurde er ln außerordentlicher Sendung, (ausgerüstet mit den weitestgehenden Vollmachten nach Venedig gesandt, um den Frieden abzuschließen. Die Republik, die anfänglich sich weigerte, einen Juden zu empfangen, erwies ihm 'später die größten Ehren und Aufmerksamkeiten und er konnte nicht nur den Frieden mit der Türkei unterzeichnen, sondern-auch eine von der Republik geplante -Vertreibungder Juden rückgängig machen. Petach Tikwah oder in Chedera, soll demnächst in Angriff genommen werden. Bekanntlich ist dem Jüdischen Nationalfonds auch der David und Fanny Wolfsohnfondes angeg.’iederf, aus dessen. Mitteln mit einem Aufwand von 15.000 Francs bisher fünf Häuser in Petach Tikwah, fünf in Rechoboth, vier in Reschon Ie Zion und eines in Wadi ei Chanin gebaut worden sind. In diesem Zusammenhänge soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch der Verein „E s r a“ in Berlin sich auf dem Gebiete des Arbeiterhäuser-Baues rühmlich betätigt hat Diese ganze Tätigkeit reicht aber noch nicht entfernt hin, um dem großen Mangel an Arbeiterwohnungen abzuhelfen. Die Frage wird.b esonders dringend angesichts einer neuen Erscheinung, die sich in letzter Zeit immer stärker bemerkbar macht. Es ist dies die immer zunehmende Einwanderung der yemenitisehen Juden. Die jüdische Presse hatte schon öfters Gelegenheit, über diese unsere Stammesbrüder aus dem fernen südlichen Arabien zu berichten. Immer mehr bestätigt sich die sehr günstige Meinung, die man gleich von Anfang an in Palästina über sie gewonnen hat. Man ist sich darüber einig, daß man es hier mit einem fleißigen und genügsamen Arbeiterelement zu tun hat, das im fernen .Yemen die altjüdischen Tugenden rein und unverfälscht bewahrt hat. Die geringen Ansprüche, die die Yemeniten an das Leben stellen, versetzen sie in die Lage, mit Erfolg den Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkte aufzunehmen. Es ist ganz klär, daß sie für die jüdische Siedlung nicht nur in nationaler Beziehung das beste Arheitermaterial bilden; sie sind auch wirtschaftlich ein äußerst wertvolles Element, da man sich auf ihre Ehrlichkeit und ihren Fleiß unbedingt verlassen kann.; Für absehbare Zeit wird es für viele Tausende Yemeniten in den > jüdischen Kolonien reichlich Arbeit geben. Anders verhält es sich mit der Wohnungsfrage. Die Kolonien sind begreiflicherweise nicht in der1 Lage, den Bau von Arbeiterhäusern in großem Umfange selbst in die Hand zu nehmen, (und da die Yemeniten vollständig mittellos ins Land kommen, ist von ihrer eigenen Initiative auch nichts zu erwarten. Hier können also wieder nur Kolonisationsgesellschaften eingreifen, und in erster Linie hat es sich der Jüdische Nationalfonds zur Aufgabe gestellt, das große' Problem der Beschaffung von Wohnungen für die yemenitischen Einwandererzu lösen. Während der letzten Anwesenheit seiner Direktoren Dr. Bodenheimer und Dr. Tschlenow in Palästina, hat er gleich : 23.000 Francs-für den Bau VÖri Yemenitenhäüsern bewilligt. In den letzten Tagen sind weitere 30.000 Fran«s bewilligt worden, und - für das nächste Jahr ist die Gewährung von mindestens 50.000 Francs in Aussicht genommen. In diesem Jahre sollen' noch 100 Häuser fertiggestellt und mindestens ebenso viele im nächsten Jahre gebaut werden. Der Jüdische Nationalfonds,, der indes viele andere wichtige Aufgaben zu bewältigen hat, ist mit diesen Einwilligungen bis an die äußerste Grenze gegangen.. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß eine gründliche, Lösung der Frage weit höhere Ansprüche (stejlt. Sollte es gelingen, in einigen. Jahren die Ansiedlung von einigen Tausenden yemenitischen Familien durchzuführen, so wäre damit eme Tat für die jüdische Zukunft in Palästina geleistet, deren segensreiche Folgen nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Man könnte ruhig behaupten, daß damit eine neue Epoche in der jüdischen Siedlungsarbeit eingeleitet wäre. Der Bau eines Einzelhauses nebst Ankauf kaut eines kleinen Gartens erfordert einen Kostenaufwand von ungefähr 10Q0 Francs und jeder wohlhabende Jude sollte eine Ehre darein setzen, durch eine Spende von 1000 Francs dem Nationalfonds die Möglichkeit zu geben, eine Yemenitenfamilie anzusiedelm Das Bewußtsein, durch diese Spende der jüdischen Volksarbeit in Palästina die schaffende Kraft einer jüdischen Familie zugeführt zu haben, dürfte für den Spender eine erhebende Genugtuung bilden. Rus tarn luOHcben fielen. Der JiBtizskandai von Kiew;. Petersburg: Trotzdem alle Welt von der Richtigkeit der Angaben Brasul-Bruschkowskis und des früheren Kriminalbeamten ’Krassowski überzeugt ist, hält das Kiewer Gericht an der Annahme des „Ritualmordes“ fest, und lehnt es ab, das Prozeßverfahren gegen den Angeklagten Beilis zu revidieren. In einem- Interview, das der Gehilfe des Justizministers, Weriowkm, einem Petersburger Journalisten dieser Tage gewährt hat, erklärte er, das Gericht habe viele Beweise für die Schuld Beilis an der Ermordung des Knaben Justschinski. Die Enthüllungen Brasuls und Krassowskis — führte Weriowkin weiter aus — würden in maßgebenden Gesichtskreisen als haltlose Phantasiegebilde angesehen <*. . . Krassowski und Brasul würden unter Anklage gestellt werden! . . . Dieses fast unglaubliche Verhalten der Justitz zu den neuesten Enthüllungen in der Mordaffaire Justschinski begegnet m angesehenen juristischen Kreisen ausnahmslos größter Empörung und wird als der Höhepunkt des Justitzskandals bezeichnet, den die Kiewer „Ritualmord“-Affaire von allem- Anfang an bildete. Unfallversicherung der jüdischen Maschinenarbeiter in Palästina- Jaffa: Dank der Iniative der „Allgemeinen Organisation ,der jüdischen Landarbeiter in Judäa“- haben sich die Motorarbeiter in den jüdi- ' sehen Pflan-zungskolonien zum Zwecke der Schaffung einer Unfallversicherungskassa zusammengeschlossen. In dieser Angelegenheit fand Ende Mai eine Arbeiterkonferenz in Pethach-Tikwab statt, an der Maschinenarbeiter aus verschiedenen Kolonien teilnähmen. Es wurde festgestellt, daß die Motorbesitzer unter gewissen Bedingungen bereit sein werden, Beiträge zu der geplanten Versicherungskasse zu 1 eisten. Nach eingehenden Beratungen wurde eine Kommission eingesetzt, die die vorbereitenden Arbeiten zur Schaffung der Unfallsversicherungskasse durchführen soll. Von der jüdischen Einwanderung nach den Vereinigten Staaten. New-York: Im April d. J. sind imi Hafen von New-York 2126 jüdische Emigranten gelan- , det, gegen 2966 hn April 1911. Von den Einwanderern sind '1203' männlichen und 923 weiblichen Geschlechts. 1419 von ihnen stammen aus Rußland. das Bargeld, das die jüischen Emigranten mit sich führten, belief sich auf 62.187 Dollar. Von den 2126 Emigranten wurden 118 seitens der Einwanderungsbehörde zurückgewiesen. Massenausweisungen von Juden aus Kiew. , Kiew: Auf Grund einer vor kurzem gefällten Senatsentscheidung, wonach der Besuch einer Fachschule den jüdischen Schülern kein Wohnrecht außerhalb des Ansiedlungsrayons gewährt, hat der Generalgouvemeur von Kiew mit Zustimmung des Ministeriums des Innern verfügt, das sämtliche jüdischen Zöglinge der dramatischen, Musik- und Zeichenschulen von Kiew*,; sowie deren Eltern, sofern sie keinen anderweitigen Anspruch auf das Wohnrecht haben, die Stadt Kiew innerhalb sieben Tagen verlassen müssen. Dieser Ausweisungsbefehl, von dem mehr als 5000 jüdische Seelen betroffen werden, ‘ hat auch in nichtjüdischen Kreisen große Bestürzung hervorgerufen. U. a. wird die Verfü- gung zur Folge haben, daß 23 Fachschulen aufgelöst werden müssen. Sollte die Verordnung, wie nicht ohne Grund befürchtet wird, auch’ auf die Zöglinge der Handels- und Handwerkerschulen ausgedehnt werden, so würden weitere 5000 Juden der Ausweisung aus Kiew verfallen. Soeben. erschienen! Neu! Beda. Neue Satiren Aus dem Inhalte: Die göttliche Selma, Pollak v. Paruek, Der Stolz von Göding, Die Nase des Ladislaus u. a. 34 Preis K 1.20, Porto 10 h. Nur gegen Voreinsendung oder Nachnahme [45 h mehr] durch die •Jüdische Zeitung“, Wien, 113» Stefaniestrasse 12

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