Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 26 lim! Uajdiirdi' ihre Ehrenstellen zu retten. Man braucnt ’ sich aar die Gesellschaft anzusehen, Reiche in Wien die Jto repräsentiert. Da1 sind noch gut gläubige? Exzionisten, die den Territorialismus als das wahre politische Testament HerzFs bezeichnen, Kultusgewaltige, die vor der Liste von Millionären, die Zangwill angeblich1 hinter sich hat, auf dem1 Bauch liegen, Ehrenstellen wittern, und sich für die sozialökdnomische Judennot begeistern, um dem Zionismus eine illoyale Konkurrenz zu machen, Redakteure, deren Blätter die widerlichste Journaille darstellen, die Wien aufzuweisen hat. Wahrlich1, wenn der verbohrte, aber immerhin ehrenwerte Mr. Zangwill wüßte, in welcher’ Gesellschaft er sich in Wien befinden wird, er müßte ein Harikiri begehen und selbst seine Jto auflösen, die anstatt eine jüdisch-soziale Hilfsorganisation, der Tummelplatz von Strebern geworden ist, welche die ifurchtbar tragische Situation des jüdischen [Volkes dazu benützen, Kowedstellen zu ergattern und dem Zionismus zu schaden. Drei Tage lang Wird die Komödie der Judenrettung, gemimt werden und ein unaufhörlicher Redestrom sich über das arme jüdische Wien ergießen. Die Preßlajkaien der Kultusstube werden vor Begeisterung .die Besinnung verlieren und Zangwill die Stiefel lecken. Der kreißende Berg wird aber nicht einmal eine Maus gebären. Jeden ernsten Menschen, welchem die Judennot Wirklich zu Herzen geht, muß, ob er nun Zionist ist oder nicht, diese Komödie im tiefsten anwidern, und den Wunsch in ihm jajuslösen': Fort mit dem Jto-SChwindel! Zur polffilAen Konferenz. In einem — sowohl was die gesamteuropäische Lage, als auch die innenpolitische österreichische Situation betrifft —, ernsten Zeitpunkte tritt unsere „Politische Konferenz“ jam 30. Juni zusammen. Auf ihr muß die allgemeine Lage des österreichischen Staatswesens und die besondere der österreichischen Juden mit allen ihrem: Konsequenzen gründlichst erörtert Werden. Gerade die diesbezüglichen Auseinandersetzungen werden die Richtigkeit der im Krakauer Programme niedergelegten Grundsätze deutlich zeigen und es wird sodann die Sacht der Konferenzteilnehmer sein, nach Abschluß der' Beratungen durch eine Sofort einzusetzende Agitationsarbeit in Gesaintösterreich für die Popularisierung des Krakauer Programmes, das dem größten Teile der österreichischen Jpden, ja sogar einem' ansehnlichen Bruchteile unserer Gesinnungsgenossen noch unbekannt ist —, Sorge zu tragen. Dies Wird nur durch «ine systematische, großzügige und'einheitliche Agitation, sowie eine parallel mit dieser fortschreitende jüdische Reidisorganisation (möglich1 sein, wozu die sofortige Schaffung eines Agitationsfondes unerläßlich ist Zwischen allen diesen Fragen besteht ein enger Zusammenhang und die Politische Konferenz wird nur dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn sie diese in Ihrer Gesamtheit einer befriedigenden Lösung zuführt. Die traurigen Erfahrungen, welche die Juden Oesterreichs mit ihrer Zugehörigkeit zu fremdnationalen und fremdsozialen Parteien gemacht haben, hat sie allmählich empfänglich gemacht für die Idee ihres national-sozialen Zusammenschlusses izum Zwecke der Erlangung der Gleichberechtigung als Nation und Staatsbürger, sowie der Inangriffnahme wirtschaftlicher Maßnahmen und Einrichtungen gegen die zunehmende soziale Verelendung der jüdischen Volks-' massen.. In einem1 solchen Momente,, in welchem überdies , die Nationalitätenfrage im gesamten Donaureiche in ein neues Entwiddungsstadium, das der schrittweisen Lösung; gelangt ist und mit.ihm unser,diesbezüglicher Programmpunkt- [die nationale Autonomie aktuell wurde, müß . die Aktion für-die Anerkennung der Juden als Nation beginnen. Die oberste Voraussetzung der Erreichung dieses Zieles aber bildet wieder die Nationalisierung der jüdischen Volksmassen Gesamtösterreichs und ihre organisatorische Zusammenfassung zu einem Machtfaktor. So lange die Juden nicht als Nation anerkannt sind, fehlt der Frage der jüdischen Autonomie die aktuelle Bedeutung. Was aber betreffs der nationalen Autonomie für die übrigen . österreichischen Reichsvölker nicht behauptet werden kann. Der in wichtigen Teilfragen, sich einem Abschlüsse nähernde deutsch-tschechische Ausgleich bedeutet einen Sieg der nationl-autonomistischen Ideen, soweit sie auf national-territoriale Abgrenzung gerichtet sind. In anderen Gebieten des Reiches, wo die Nationalitäten gemischt durcheinander wohnen und die territoriale Abgrenzung schwer möglich ist, wird besonders zum Schutze der — nationalen Minoritäten ,— das Personalitätenprinzip verweltlich werden müssen, ein Prinzip, das insbesondere gerade1 für die Juden eine große Bedeutung hat. : . Die Nationalitätenfrage der Monarchie ist, aber längst nicht mehr — ' wie die jüdischen Assimilanten (glaubten und glauben — .vorwiegend eine deutsch-tschechische, sondern (wie gerade die Vorgänge der letzten Zeit zeigen) wird das böhmische Problem immer mehr schon mit Rücksicht auf die Aufgaben Oesterreichs als größte Bafkanmadit — in den Hintergrund gedrängt durch die polnisch-ruthenische, ungarische und südslavische Frage. Galizien Wird von russischen Spionen überschwemmt, die sich dort so geberden, als ob dieses österreichische' Kronland bereits zu Rußland gehören würde. Die Möglichkeit eines' Krieges mit Rußland Wächst. Da ist nun der „Wiener Kurswechsel“ zu gunsten der Ruthenen sehr begreiflich; auf den deutsch-tschechischen Ausgleich muß und wird ein polnisch-ruthenisclier folgen, umsomehr a's in Zukunft der Polenklub für die Regierung und die parlamentarischen Parteien jnicht mehr so unentbehrlich sein wird als in der Vergangenheit. Die zwölfte Stunde naht nun heran und mit ihr die Pflicht für die galizischen Juden, als drittes Volk im Lande ihre Forderungen geltend zu machen. Sonst könnte es zu spät werden und die Folgen einer diesbezüglichen Untätigkeit könnten sich für die gesamte jüdisch-nationale Bewegung Pesterreidhs (mit allen .ihren Verderblichen Konsequenzen bald zeigen. Diese Frage der Stellungnahme der galizischen Juden zur polnisch-ruthenischen Frage berührt eben die Gesamtheit aller österreichischen Volksgenossen, genau so wie das Ver- . hältnis der Juden der BukaWina zu den Ru- Fällen nicht der lokale Gesichtspunkt allein thenen- und Rumänen, darum kann in beiden maßgebend isein. Eine alljüdische Volks- - und allösterreichische Reichspolitik kann aber nur eine einheitliche jüdische Reichsorganisation inaugurieren. Nur eine solche vermag ihren jüdisch-dem'okratisdhen und österreichischen Anschauungen zum Durchbruche zu verhelfen, und in Erwägung der Unproduktivität des österreichischen Parlamentarismus auch zur wirtschaftlichen Selbsthilfe im Interesse der werktätigen (Volksschichten tatkräftig zu schreiten. Natürlich muß, die ^Politische Konferenz“ auch die Voraussetzung zu einer diesbezüglichen erfolgreichen! Agitation undzum Aushau der Organisation schaffen und einen Agitationsfond ins Leben rufen. . Rundschau. ßiochs Wochenschrift beschimpft einen angesehenen jüdischen Richter. Das „Forum“, eine in Wien erscheinende, von dem1 Renegaten Dr. Gustav' C h r i - stian (!) Morgenstern herausgegebene juristische Zeitschrift, brachte jn iseiner letzten Nummer über den allgemein geachteten jüdischen O b er Ia n d esger i ch tsra t Sp'i.tzkopf einen Aufsatz, in welchem' Spitzkopf in geschmäck- und geistloser' Weise verspottet und seine richterliche Tätigkeit lächerlich gemacht wird. ' Höhnisch wird ihm' zugerufen, daß man ihm1. sogar vor zwei namentlich genannten, ■ angeblich hervorragenden Richtern ,— tatsächlich sind diese beiden Richter infolge ihrer geringen Befähigung unzähligemal präteriert worden — die Palme reichen müsse, daß er sich stets auf Seite der Staatsanwaltschaft stelle, daß er die Angeklagten immer verurteile usw. Diese ganze Notiz druckt Blochs Wochenschrift ohne jeden Zusatz ab und verzichtet nicht einmal auf die Wiedergabe folgender wörtlich zitierten Stelle: r . ‘ ’ „Es ist'auch bekannt, Idaß Spitzkopf dem auserwählten Volke Gott es angehört und streng religiös ist, daß er sich aber niemals von dem geringsten Faible für Glaubensgenossen leiten läßt. Eher wäre man zur Annahme geneigt, daß' der jüdische Angeklagte bei einem' Senate, in dem1 Spitzkopf fungiert, von vornherein verIor-en-ist, und daß der Jude zumeist gerade durch Spitzkopfs witzige und sp i t z ige B e m'e r ku n g en und Fragen zur Strecke gebracht w i r d.“ \ Daß: sich Herr Dr. Gustav Christian Morgenstern an dem1 Judentum Spitzkopfs reibt, der Charakter genug besessen hat, der „Zeitstimmung“ nicht soviel Rechnung zu tragen, wie Herr Christian Morgenstern, nimmt uns schließlich nicht Wunder. Was jedoch' das fromme Kultusgemeinde organ des Herrn Dr. Bloch veranläßt hat, für die Verbreitung der Besch impfung «in es ang'ese heneri jüdischen'Richters Sorge zu tragen, ist uns wahrlich ein Rätsel. Eine Entschuldigung kommt vielleicht diesem Generalvertreter „der Gesamtinteressen des Judentums“ zugute: er gibt Sich -nicht einnfal die Mühe, die Aufsätze, die er aus anderen Blättern ‘ abdruckt, früher nachzulesen. Wäre es ihm nicht vorteilhafter, sich weniger .mit der Beschimpfung der Zionisten zu befassen und die hierdurch gewonnene Zeit der Beaufsichtigung seines Blattes' zu widmen? Meinl Maltin- Kakao Ersetzt die Flciaebmahmng Kräftigt den Organiamua Ist außerordentlich billig NIEDERLÄNDISCHE LEBENS j lm eigenen Palais.—Versilbertes Kapital zirba 380 Billionen. — PrSmienreseroe zirha 113 Millionen. — Billigste Prämien unö hulänteste gaüingungen. 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