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Jüdische Zeitung · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr. 22 dadurch zu erklären, daß diese im Gerichtssaale so schlecht abschnitten, daß sie sich lieber auf die Gerichtsbarkeit des löblichen akademischen Senates verlassen wollen. ParfeisNachPichfen. Thesen. des Dr. Hermann Kadisch zu seinem auf der politischen Konferenz zu haltendem Referate über „Die politische ,u n d wirtschaftliche Lage der Juden und ihr V erhält n.i's zu den anderen N a t i o n a 1 it ä t e n“. 1. Die politische und wirtschaftliche Lage der österreichischen Juden, sowie ihre national-kulturellen und wirtschaftlichen Bedürfnisse erheischen eine auf dem Krakauer Programme basierende jüdischnationale und jüdisch-soziale, gesamtösterreichische Politik und als deren oberste Voraussetzung eine einheitliche jüdisch-österreichische Re.'chsorganisation. 2. Der Gedanke der nationalen Organisation der österreichischen Juden steht nicht im Gegensatz zur Anerkennung der nationalen Einheit aller Juden der Welt, sowie der Anerkennung des unzerreißbaren Bandes, welches das jüdische Volk mit seiner uralten historischen Heimat Palästina verbindet. 3. Diese Einheit und die Bestrebungen nach einer rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina stehen auch in keinerlei Gegensatz zur Staatsidee und zu den Staatsinteressen der einzelnen von Juden bewohnten Ländern, berühren keineswegs die Rechte und Pflichten der Juden gegenüber diesen Ländern und vermindern nicht das Gefühl der Anhänglichkeit, welches die Juden für sie empfinden. 4. Die jüdisch-nationale Politik in Oesterreich erstrebt die Erhaltung und Stärkung des Völkerstaates Oesterreich' und fordert im Interesse des für das Staatswohl unerläßlichen nationalen Friedens die Schaffung einer vollen nationalen Autonomie für die einzelnen Völker und setzt sich vor allem 'den Kampf - für die Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nationalität zur Aufgabe. Zu diesem Behufe erstrebt sie eine Annäherung an jene bereits bestehenden oder in Entstehung begriffenen Gruppen, welche die österreichischen Juden in ihrem Streben nach Gleichberechtigung und Autonomie unterstützen wollen. 5. Als Zelle der jüdischen Autonomie betrachten wir -die Kultusgemeinden, deren Ausgestaltung zu Volksgemeinden wir anstreben. 6'. Die jüdisCh-nationale Politik ist keine national-chauvinistische, sondern eine moderndemokratische und national-soziale Politik, sie erstrebt daher den Ausbau unserer gesamten Gesetze und staatlichen Einrichtungen im fortschrittlichen Sinne und fordert 'insbesondere eine großzügige wirtschaftliche Wohlfahrtsgesetzgebung im Sinne der in unserem Krakauer Programm festgelegten Grundsätze. Bukowinaer zionistische Landeskonferenz. Sonntag, den 19. Mai, fand in Czernowitz die Landeskonferenz der Delegierten der zionistischen Vereine und Korporationen der Bukowina statt. Nach der Begrüßung der 52 Delegierten und der_ aus allen Teilen des Landes zahlreich erschienenen Gäste durch den Obmann Professor Kellner gelangte das vom E. A. C. an die Landeskonferenz gerichtete Beglückwünschungsschreiben zur Verlesung. Prof. Kellner erstattete den Rechenschaftsbericht über die «abgelaufene zweijährige Periode: Der Schekel wies in der Berichtsperiode eine ansehnliche Steigerung auf. Die Nationalfondssajmmlungen sind absolut erheblich gestiegen. Ferner fanden in zahlreichen Orten des Landes zionistische Veranstaltungen statt. An den Rechenschaftsbericht schlossen sich die Berichte des Kassiers, des Schekelkommissärs und des Nationalfondskommissärs. Die Sammlung des Nationalfonds betrug über 12.000 K. Dem abtretendem Landeskomitee wurde unter Votierung des Dankes und Vertrauens Decharge erteilt. Die Organisationsdebatte gipfelte in der Annahme der Resolution, „daß jeder in der Bukowina _ansässige Zionist der Landesorganisation angehöre und allen Beschlüssen des Parteitages Folge leisten müsse“. Sehr lebhaft gestaltete sich die Debatte über die Kulturarbeit, speziell über die Gründung von hebräischen Schulen und Kindergärten. Das Referat .'hierüber erstattete Delegierter Bickl. . Lieber eine zu gründende Bukowinaer Kolonie_ in Palästina erstattete Deleg. Krämer ein ausführliches {Referat. Es gelangte eine von demselben beantragte Resolution zur Annahme, in welcher die Bildung eines Kolonisationsvereines beschlossen wurde. Dieser soll Anteile ä 12 K, zur Ausgabe bringen. Die hierauf vorgenommene Wahl ergab folgendes Resultat: Univ.-Prof. Dr. Leon Kellner, Obmann; Adv. Dr. Meyer Ebner, Obmannstellstellvertreter; Adv.-Kandidat Theodor Weißeiberger; Prof. Dr. Kimmeimann, Adv.-Kandidat Marcus Krämer; Dr. Eckstein;!Buchhalter Flohr; Dr. Schauer; Buchhalter Großberg; Leon .Krämer; Bahnkommissär Julius Kormann; Hornstein und Gottesmann. Rus dem iüöifdien Reben. Bezalel-Ausstellung in Krakau. Am 2. Juni wird in unserer Stadt die Bezalelausstellung eröffnet. Dieselbe verspricht in jeder Beziehung vortrefflich auszufallen; es bürgt dafür das Ehrenkomitee aus den jüd. Notabein der Stadt bestehend, wie Präsid. der isr. Kultusgem. Dr. S. Tilles, Rabb. Dr. O. Thon, Hofrat J. Sare, Landtagsabgeordneter Dr. Ignatz Landau usw. Die rührige akad. Verbindung „Przedswit- Haschachar, deren Initiative diese großartige «Veranstaltung entspringt und deren Mitglieder unter Führung unseres vortrefflichen Gesinnungsgenossen Dr. Ch. H i 1 f s t e i n die mühselige Arbeit verrichten, scheut keine Kosten, um der Ausstellung einen glänzenden Verlauf zu sichern. Der Ort der Ausstellung ist das vornehme Palais „Spiski“ am altehrwürdigen Krakauer Ringplatz. Die artistische Leitung liegt in Händen des bekannten Malers Artur M arkowicz, dessen ganzes künstlerisches Schaffen dem jüd. Volke gewidmet ist. Markowicz hat auch das Plakat für die Ausstellung entworfen. W. Fünfter jüdischer Tumtag in Berlin. Pfingstsonntag und Montag fand in Berlin der Verbandstag der jüdischen Turnerschaft statt, welcher einen würdigen Verlauf nahm. Die meisten deutschen und westösterreichischen Vereine ,ein galizischer und der Konstantinopler Turnverein waren durch Delegierte vertreten. Die Verhandlungen fanden unter Leitung des Herrn Dr. Jaiowitzer statt. Das Hauptergebnis des Turntages ist die Schaffung einer neuen Organisation der jüdischen Turnerschaft nach Analogie der deutschen Turnerschaft. An der Spitze der Organisation bleibt auch weiterhin der Ausschuß, welcher seinen Sitz in Berlin hat. Die Turnerschaft wird in Kreise eingeteilt; derzeit wurden zunächst nur der deutsche und westösterreichische Kreis bestimmt, welche sich demnächst autonom zu konstituieren haben. Ueber die Gründung eines galizischen, orientalischen, beziehungsweise türkischen und palästinensischen Kreises wird der Ausschuß der Turnerschaft nachträglich Beschluß fassen. Ferner ist hervorzuheben, daß nunmehr auch Sportvereine in-die jüdische Turnerschaft Aufnahme finden. Der bisherige Ausschuß demissionierte. Zum Vorstand des neuen Ausschusses wurde Herr Rechtsanwalt Greifenhagen gewählt. Am Wetturnen und Sportmeeting fand eine starke Beteiligung statt; den ersten und zweiten Preis beim Wetturnen gewannen Mitglieder des Ersten Wiener jüdischen Turnvereines. Russische Judenpolitik. . Mit dem Beginn des Frühlings ging der Schwerpunkt der politischen Aktivität der russischen Behörden auf das Gebiet der Ausweisungen und der zweckdienlichen Vorarbeiten für die Dumawahlen über. Wie alles, was diese Judenpolitik in letzter Zeit zuwege bringt, sollen auch die Ausweisungen den Stempel der Großzügigkeit tragen. Man erwartet jetzt in erster Reihe die entscheidende Senatserklärung, die das bekannte Stolypinsche Zirkular annullieren und somit Tausende jüdischer Familien außerhalb des Ansiedlungsrayons der Vertreibung preisgeben soll. Daneben wurde jetzt das Wohnrecht der Juden in den Dörfern des Ansiedelungsrayons besonders streng iunter die Lupe genommen. Das Ergebnis dieser kritischen Untersuchung ist, daß bloß in den Gouvernements Grodno, Wolhynien und Jekaterinoslaw ca. 3000 jüdische Familien demnächst aus den Dörfern ausgewiesen werden sollen. Ueberdies werden in Kiew und Odessa das Wahlrecht der Juden „interpretiert“, das heißt, man raubt den‘Juden das Wahlrecht, um die Wahl fortschrittlicher Elemente unmöglich zu machen. Der Bau des Technikums in Haifa. Hierüber wird berichtet: Die Bauarbeiten, zu denen ausschließlich Juden verwendet werden, haben begonnen. Die Bauzeit wird 2 Jahre betragen. Das stattliche Gebäude wird zirka 300 Räume, eingerechnet Laboratorien, Keiler und eigene elektrische Lichtanlage, enthalten. Man schätzt die Baukosten allein aut 2 Millionen Francs, während die Instrumente für Physik und Chemie «j Million kosten dürften. Ein großer Teil derselben wird von Freunden der Wissenschaft gespendet werden. Die Bibliothek wird 500 technische und andere wissenschaftliche Werke enthalten. Mehr als die Hälfte davon wird von deutschen Juden gespendet werden. Die Einrichtungen sind auf 2000 Schüler berechnet, der Lehrkörper wird anfangs 30 Professoren umfassen, welche Zahl sukzessive auf 70 gesteigert werden soll. Die Unterrichtssprache wird hebräisch sein, doch solange es unmöglich sein wird, Lehrkräfte 2U finden, welche diese Sprache genügend beherrschen, wird der Unterricht deutsch, französisch oder englisch erteilt werden. Die jährlichen Unterhaltungskosten werden auf «4 Million Francs veranschlagt, wovon 100.000 durch Schulgelder eingehen dürften, während der Rest vom Hilfsverein aufgebracht werden wird. Die Konferenz der „Agudatfr-Israel“. In Kattowitz, dem Schauplätze der berühmten Kattowitzer Konferenz der Chowewe-Zion, waren am 27. und 28. Mai Vertreter des orthodoxen Judentums aus Deutschland, Oesterreich, Rußland, Ungarn, Dänemark und anderen Ländern versammelt, um eine Weltorganisation des orthodoxen Judentums zu gründen. An der Konferenz nahmen auch Vertreter der „Misrachi- Organisation teil. Die Gesamtzahl der Teilnehmer beläuft sich auf 300. Die neuzugründende Organisation 'hat sich zur Aufgabe gestellt, den religiösen Geist im Judentum wach' zu erhalten und die Kenntnis des jüdischen Gesetzes zu fördern und zu verbreiten. Die Referenten und Redner betonten, daß die Organisation der Orthodoxen keiner Partei dienstbar, aber auch keiner Partei feindlich sein werde. Nichtsdestoweniger fanden, sich' einige .allzueifrige Herren, welche den Zionismus angriffen. Diesen wurde jedoch von Teilnehmern der Konferenz eine entsprechende Antwort zuteil. Insoferne die neue Organisation eine Zusammenfassung jüdischer Kräfte darstellt und für die Erhaltung des Judentums Wirksam eintreten wird, ist sie auch vom Standpunkte solcher Organisationen im Judentum, welche die Religion nicht zur Plattform ihrer [Existenz machen, auf das lebhafteste zu begrüßen. 25jäbriges Schriftstellerjubiläum des Dr. Ch. SChitlowski. Der bekannte russisch-jüdische Publizist Dr. Ch. Schitlowski, der seit einigen Jahren in Newyork lebt, begeht in den nächsten Tagen das Jubiläum senier 25jährigen schriftstellerischen Tätigkeit, welche durch das im Jahre 1887 erschienene Werk „Die historischen Schicksale des Jüdischen Volkes“ eingeleitet wurde. Ein Komitee, bestehend aus namhaften Vertretern der jüdischen Newyorker Gesellschaft, gedenkt die Werke Schitlowskis in einer billigen Volksausgabe herauszugeben. Dr. Schitlowski ist streng jüdischnational und neigt, nachdem er sich von der Aussichtslosigkeit der verschiedenen politischen Bewegungen im Judentum überzeugt hatte, dem Zionismus zu. Neues aus Chedera. Aus der palästinischen Kolonie Chedera wird geschrieben: In den letzten Monaten sind hier 400 Dunatm Boden mit Mandel- und Oelbäumen, ferner weitere 150 iDunam jmit Grangengärten neu bepflanzt worden. Die Orangengärten sind hauptsächlich durch die „Agudath Netaim“ angelegt worden. Die diesjährige Wintersaait verspricht einen guten Ertrag. Nur ajn einzelnen Stellen hat der Weizen infolge der übermäßigen Niederschläge gelitten. Die Gerste entwickelt sich sehr günstig. In den letzten Jahren ist in Chedera auch viel Hafer mit gutem Erfolg angebaut worden. In diesem Jahre dürfte der Ertrag dieser Fruchtgattung

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