Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438380-2438402--3033-2442763
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-Nr.#- ruthenjgd^c. Forderung aussp'rechen. Möglicherweise haiten wir Jüdischnationale in diesem polnisCh-rutbenischen Streite eine den Ruthenen wohlwollende Neutralität bewahrt und uns jeder Aepßeriipg enthalten. Wenn jedoch die Moszkos des Polenklubs Schürer des' Streites sind und der Judenstämmling. Abg. H a 1 b a n in der „N. Fr. Presse“ als Sturmbock der polnischen Ansprüche;und Auffassungen auftritt, so müssen auch wir klar, lind eindeutig Stellung ergreifen. Und unsere Auffassung deckt sich vollkommen mit. der' des Abg. S t t, a u cW e r, umsomehr als unsere Studenten an einer ruthenischen Universität freundliches Gastrecht genießen und Anerkennung ihrer gerechten Forderungen finden würden." Eine allgemeine jüdische Angelegenheit... , Die jüdischhationale Studentenschaft, welche jetzt, einen schweren Kampf gegen die Wilkür des akademischen Senates an der Wiener Universität führt, hat in der letzten. Woche unerwartete Aufmunterung erfahren. Wir meinen die Ergüsse in der letzten Nummer des Organes der Wiener .'Kultusgemeinde. . Eingedenk des Satzes „Timeo Danaos et dona. ferentes“ wird man gut tun, sich vorher die . Gesellschaft gründlich anzusehen, welche plötzljch flir jüdisches Herz entdeckt hat. Seit’ länger als anderthalb Jahrzehnten führt die ‘jüdische Studentenschaft leinen Kampf Um jihre Ehre gegen die Uebermacht der teutonischen Ehrabschneider, ohne bei den Herren, welche plötzlich7 in . dieser Sache eine allgemeine jüdische Angelegenheit erblicken, Unterstützung gefunden zu haben. Während der jüdische Student geächtet würde, machten dieselben Kreise, die jetzt fhre Gemeinschaft mit den jüdischen Studenten betonen und in der jüdischen Studentenschaft' i.das Wertvollste des jüdischen Volkes“ sehen, .deutsche Politik. Die nationalen Bestrebungen der jüdischen Studenten fanden in den Aügeij' dieser ,Herren Ungnade . und in, .ihren Enünziationen schärfste Verurteilung. Das sind die Personen, die sich jetzt „hilfreich“ nahen. Laßt 'uns vernehmen, was sie uns — wenn auch1 grammatikalisch und stilistisch fehlerhaft — (zu sagen haben! Sie beschweren sich, daß sich die jüdischen Studenten nicht an sie gewendet haben. Wodurch haben denn diese Leute das Vertrauen der jüdischen Jugend verdient, daß niän sie am Förderung angeh'en und zu Führern «/■diesem Kampfe Wählen sollte? Denn diesen Herren, welche nun endgültig vom Raten und Taten in der deutschen und bald auch in der Feuilleton. Die Juden in Italien. Von Ludwig B a 16. . Die Vorgänge der Weltpolitik im letzten Jahre haben .d as begehrte Land Italien in den Vordergrund des allgemeinen Interesses gerückt. Für uns Nationaljuden, die mit Recht daran gewohnt sind, die Dinge von unserem eigenen Gesichtspunkte zu betrachten, bietet jedoch nicht nur das Land selbst, sondern auch' die Judenheit, die es beherbergt, ein ganz besonderes Interesse. Waren es doch die italienischen Juden, die zwei bis drei Jahrhunderte hindurch die. geistige Oberherrschaft in der Zerstreuung innehatten! Die italienischen Juden bilden heutzutage einen exklusiven Volkskörper, der trotz der großen [Zahl (der Juden, die jahrein jahraus Italien zu besuchen pflegen, der übrigen europäischen Judenheit fast völlig unbekannt ist. Die Ursache liegt nicht nur in der Exklusivität der italienischen Juden und in dem sprachlichen Unterschiede, Sondern auch in uns, die wir Italien zu besuchen pflegen. Der größte Teil unserer Touristen begnügt sich damit, den Dom San Marco in Venedig zu bewundern, am Lido in den erfrischenden Wellen des Adriatischen Meeres Kühlung zu nehmen, nach althergebrachter Sitte die Tauben zu füttern und sich — last not ieast — im Cafe Florian auf der Piazza San Marco in die anregende Lektüre Ider „Neuen Freien Presse“ zu versenk«!. Aber selbst Wenn sie ins Land weiter Vordringen und die herrlichen jübiscite ZEITUNG ... ., ■ _ ___ Seife! jüdischen Gesellschaft ausgeschlossen sein werden, geht es doch nur’darum, wieder 'führen und wieder Wortführer sein zu können. Darum hat es die jüdische Studentenschaft vorgezogen auch weiterhin selbständig und allein, wie sie es seit Jahren gewöhnt ‘ ist, ihren Kampf zu führen und rechnet dabei pur auf die Unterstützung derjenigen Juden und NiChtjuden, die aus dem inneren Gefühle des Helfenwollens!, aus Liebe zur Gerechtigkeit und im Namen eines wirklich aufrechten Menschen- und Judentums sich' für die gerechten Forderungen der jüdischen Studenten einzusetzen gewillt sind. Zionistischer Gemeindewahlsieg in Tamopol. Jüngst konnten wir unseren Lesern von einem zionistischen Wahlsiege in ZIoczow”berichten. Diesem Siege reiht sich würdig der Sieg unserer Partei in Tarnopol an, wo unser bekannter Gg Dr. Israel W a I d m a n n, sowie zwei andere jüdischnationale Kandidaten Baumeister Oczeret und Apotheker K ah a n e vom dritten Wahlkörper in den Gemeinderat gewählt wurden. Die jüdischnationalen Kandidaten vereinigten auf sich die erdrückende Majorität der abgegebenen Stimmen. Dieser Sieg ist umso 'höher einzuschätzen, als die Tarnopoler politische Behörde den Wahlkampf mit den bewährten galizischen Mittelchen führte und die gewaltigsten Anstrengungen machte, speziell unseren Gg. Dr. Waldmann zu Fall zu bringen. An der strammen Zionistischen Organisation und an dem jüdischnationalen Geiste der jüdischen Bevölkerung Wurde jedoch der Furor des Bezirkshauptmannes, die Anstrengung der Allpolen und die Bemühungen der Assimilation zu Schanden. Hervorgehoben zu werden verdient, daß außer den drei jüdischnationaten Kandidaten rufhenische Oppositionelle und außerdem eine nur aus Zionisten und Ruthenen bestehende Ersatzmännerliste gewählt wurde. I Maltin- I I Kakao I ■ Ersetzt die Fleieebnabrang I ■' Kräftigt den Orgaaiam ns I ■ ist mnlierarüeutlieb billig ■ Kunstschätze in Florenz und Rom besichtigen, kehren sie sich sehr wenig daran, mit ihren Volksgenossen in Berührung zu treten oder gar ihren Lebensverhältnissen ein offenes Auge zu schenken. ■ Die italienische Judenheit ist jedoch eingehenden Studiums wert. Sie ist ein interessantes Bruchstück des großen Mosaikbildes, das man gemeiniglich jüdisches Volk nennt. Und wenn auch dieses Bruchstück verschüttet daliegt, so laßt uns den Schutt wegräumen! Es steht dafür. Rom war die erste Stadt, die unsere Altvordern auf ihrer langen, qualvollen Wanderschaft berührten, und zwar vor 2066 Jahren, das ist ungefähr 200 Jahre vor dem Sturze des zweiten jüdischen Reiches. Die ersten jüdischen Bewohner der Ewigen Stadt waren die einzigen europäischen Juden, die noch an den Tempel in Jerusalem ihren Schekel bezahlten. Die Entrichtung des Schekels gab sogar zu einem Prozesse Anlaß. Ein römischer Statthalter in Kleinasien ließ nämlich den Sendboten der römischen Juden, der mit ihrem Schekel.der Urheimat zueilte, verhaften und den Schekel beschlagnahmen. Die Juden beschwerten sich in Rom, sie obsiegten auch im darauffolgenden Prozesse, indem die Schekolim freigegeben .wurden. Die Ewige Stadt ward .im Laufe der Jahrhunderte von so manchem hartem Schicksalschlage getroffen. Zur Zeit der Völkerwanderung vertrieben die Gothen die alteingesessenen Römer, fremde Völker schlugen ihre Zelte zu Füßen des Kaitopls auf, Völker kamen und gingen, bloß die Judensiedlung blieb unversehrt, die römischen Juden harrten bis zuletzt aus, so dab Der Zionismus wird maftenn An allen Ecken und Enden wird es lebendig. Die Macht der zionistischen Idee läßt sich durch kein Totschweigen und kein Totlügen brechen. Wollen die Juden von ihr nichts hören, so fangen die Christen an, sich mit ihr zu beschäftigen — Bahr, Sombart, Ävenarius. ja, die Sache fängt an, unheimlich modern zu. werden. Ein sicheres Zeichen dafür ist es, ‘daß selbst eine Bücherschau, die so sehr auf den Geschmack der ästhetisierenden jüdischen Bourgeoisie berechnet ist, wie die Wiener „Kunst- und Rundschau“ (Heller, Wien, Bauernmarkt), es wagen kann, zionistische Bücher anzuempfehlen. Da heißt es in Nr. 3: ' . „Die Judenfrage“. Als die längst verklungenen Zeiten poch lebendig Waren, die man nie.'so obenhin die guten oder schlechten nennen sollte, gab es keine Judenfrage. Alle Grausamkeiten, Vertreibungen, Massakres beweisen nur, daß es die Judenfrage im gegenwärtigen Sinn damals nicht gab, nicht geben konnte-. Erst mit Beginn dieser Gegenwart, ats Europa anfing, wurde die Judenfrage das Gewirr von Problemen, das heute wieder einmal die Teilnahme findet. Aber es ist jetzt schwieriger als noch vor wenigen Jahrzehnten den Komplex von Fragen su beherrschen, zu übersehen. Es ist nicht mehr die Frage des Judentums — die müßten die Juden unter sich ausmachen; es ist etwas Neues hinzugekommen, das von dem Fremden Teilnahme fordert und seine Einsicht erschwert: die Judenheit. Die nationale Bewegung der europäischen Völker fand auch innerhalb der Judenheit Grundlagen für eine Wirkung und gipfelte im Zionismus. Zugleich begann, von denselben Ursachen hervorgerufeii und durch die zionistische Organisation verstärkt, der Organismus dieser Judenheit zu arbeiten. Zunächst schon so, daß man den Willen erpropte und richtete, das Ziel wählte und den Weg begann. Da zeigte es sich, daß dieser Organismus unbekannt war, daß seine Funktion unbestimmt blieb; so begann man letzten Jahrzehnt seine Forschung. Das ist eine ganz neue Wissenschaft, eine, die..Statistik, Anthropologie, Medizin, Philosophie und viele andere Geisteswissenschaften umfaßt und eine gleichsam encyklopädische Biologie der Judenheit darstellt. Die Vorfrage dieser Wissenschaft ist: wie kam der Jude zu seiner Vergangenheit; wie hat sie ihn beeinflußt (s. Sombart, Pasmanik). So gewinnt man ein Fundament, die Hauptfrage zu prüfen und ihre Entscheidung zu fordern: was wird aus dem Juden? Im Lichte dieser jungen Wissenschaft und unbeirrt von dem Gelärme bedauernswerter Leute, die schon zu alt. .sind; dieses Neue zu begreifen, ergeben sich offenbar verschiedene Möglichkeiten, die sich nicht ausschließen. eS99^SS^=SB^BSB999a9aB sie heute als die;eigentlichen Urbewohner der Stadt betrachtet werden können. Es gibt noch jüdische Familien in Rom, die ihren Stammbaum bis zu Titus Zeiten zurüdeführen; ja bis zu Familien, die sich noch zu Zeiten des zweiten Tempels in Rom niederließen und ihren Schekel von Rom aus entrichteten. ' Von Rom verbreiteten sich die Juden über die ganze appeninische Halbinsel. Sie folgten den Spuren der siegreichen Legionen und ließen sich in allen Teilen Italiens nieder. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts suchte und fand Schutz in Rom ein Teil der vor den' Horden der Kreuzfahrer flüchtenden' deutschen Juden, die sich in der Hauptsache in Norditalien ansässig machten. Im 14. Jahrhundert kamen die aus Westfrankreich vertriebenen Juden hinzu, am Ende des 15. Jahrhunderts überfluteten die italienischen .Judengemeinden die von Haus und Hof vertriebenen spanischen und portugiesischen Juden. All diese Juden vermengten sich, heirateten untereinander, es schwanden unglaubüch schnell die sprachlichen Unterschiede — wobei ich noch auf die merkwürdige Erscheinung hinweisen möchte, daß die Spaniolen in Italien unter dem Einflüsse des verwandten Idioms schonvor Jahrhunderten ihre Sprache aufgegeben haben — kurz und gut es entstand eine neue Gruppe — die italienischen Juden. Bereits im 13. Jahrhundert war Italien eine Stätte jüdischer Wissenschaft und Bildung. Von zwei Gemeinden Süditaliens hieß es weit und breit in der Diaspora: Denn von Bari geht die Lehre aus und Gottes Wort aus Otranto! Jüdische Dichter wetteiferten in der Bereicherung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.