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Jüdische Zeitung · 1912-05-23 · 21 (23.5.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
21 (23.5.1912)
Date
1912-05-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-Nr. 21 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 stehenden Todestages (20 Tammus — 3. Juli 1912) unseres unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzl die Herausgabe von Illuminations- Karten mit der Abbildung des Verstorbenen vorzunehmen. Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung soll dem Herzlwalde zukommen. Die Illuminations-Karten die eine Größe von 25x30 haben werden und deren Preis 20 Heller ist, sollen am Fenster angebracht werden. Eine ähnliche Würdigung nationaler .Helden, sehen wir bei den Polen und Ruthenen. Wir machen unsere NF-Kommissäre und Vertrauensmänner schon jetzt auf den 20 Tammus und auf die von uns eingeleitete Agitation aufmerksam und fordern zur Organisierung derselben in ihrem Tätigkeitsbereiche schon jetzt auf. Die Landessammelstelle d. JNF. für Oesterreich, Wien, IX., Türkenstraße 9. Bus dem jüöildien Beben. Enthüllung einer Gedenktafel für weiland Lektor Friedmann. Sonntag, den 19 ,d., 11 Uhr vormittags wurde* im Beth Hamidrasch, II. Tempelgasse 3, die für weiland Lektor M .Friedmann errichtete Gedenktafel enthüllt. Zu dieser Feier fanden sich -viele Personen, darunter das Professorenkollegium und die Hörer der israel.-theolog. Lehranstalt, sowie viele Schüler und Freunde des Verblichenen ein. Tferr Dr. Markus Spitzer begrüßte namens des Beth Hamidrasch die Versammelten, worauf Rabbiner Dr. Rubin in einer feierlichen Ansprache den Verewigten in beredten Worten würdigte. Sodann wurde die Tafe f enthüllt und Oberkantor Morgenstern rezitierte rituelle Gesänge. Die Tafel aus schwarzem Marmor mit Goldlettern ist eine Spende der Geschwister Armenrat Herr M. A. Pollak und Schwester. Der in einem klassischen Hebräisch abgefaßte Text der Tafel wurde von einem Gesinnungsgenossen, einem langjährigen Freunde und Verehrer des seligen Lektors Friedmann verfaßt. Das Andenken des Lektors Friedmann ist allen Wiener Zionisten, in deren Kreisen der Verewigte oft zu sehen war, teuer. Gäste in Jerusalem Jerusalem. Die Zahl der jüdischen Besucher Palästinas steigt von Jahr zu Jahr. Auch Leute, die bereits hier waren, kamen wieder, darunter der hebräische Schriftsteller David Frischmann. Oesterreich, namentlich Galizien, war heuer besonders stark vertreten. Unter den Besuchern waren viele Studenten, Dr. Zipper samt Frau, und Dr. F. Waschitz aus Lemberg. Alle Besucher schenkten dem hiesigen hebräischen Gymnasium besondere Aufmerksamkeit und versprachen, in ihren ständigen Wohnorten sich lebhaft für diese Anstalt einzusetzen, was tatsächlich sehr angebracht wäre, denn dieses Gymnasium, welches bei seiner Gründung bloß 17 und zu Anfang des zweiten Lehrjahres 50 Schüler zählte, entwickelte sich derart, daß jetzt die Schüleranzahl 80 beträgt. Die Schüler wurden zumeist den Missionsschulen entrissen und schon von diesem Standpunkte verdient diese Anstalt in der zionistischen Welt werktätige Förderung. Bei der letzten Lehrerversammlung beschloß man auch einen Blumentag in Jerusalem zu veranstalten. Als erster Blumentag wurde der „Isruchag“, das ist der dem Wochenteste folgende Tag, bestimmt. Die Einnahmen des heurigen Blumentages werden zur Eintragung der Stadt „Jerusalem“ ins goldene Buch des J .N. F. verwendet werden. Neues vom Kiewer „R>tuaImord“-Prozeß. Die aufsehenerregende abermalige Verschiebung des Prozesses gegen Mendel Beilis erfolgte angeblich deshalb, weil die beiden Sachverständigen, die 'Professoren der Kiewer Universität, Sikorski und Obolowski, der Verhandlung nicht hätten beiwohnen können, wenn sie schon im' Mai begonnen hätte. Wie wenig stichhaltig diese offizielle Begründung dieses Gerichtsbeschlusses ist, geht schon daraus hervor, daß das Gericht erst vor. kurzem die von der Verteidigung beantragte Vorladung weiterer Psychiater mit der Begründung abgelehnt hatte, der Gegen stand dieses Prozesses biete keinen Anlaß zur Vernehmung psychiatrischer Sachverständiger. Und nun soll mit einem Mal der Umstand, daß der Psychiater Sikorski der Verhandlung fernbleiben müßte, dazu geführt haben, den Prozeß um! Monate zu verschieben. In Wirklichkeit ist die plötzliche (Vertagung iaiuf ganz andere Beweggründe zurückzuführen. Das Ergebnis der Auslosung. der Geschworenen war nämlich ganz und gar nicht na,ch dem Sinne derjenigen einflußreichen Kreise, die aus der Ermordung des Knaben Justschinski Jim' jeden Preis eine „RituaJmörd“-Affaire machen und den Juden Beilis unbedingt als „Ritualmörder“ verurteilt sehen wollen. Die Erreichung dieses Zieles schien durch die_ Auslosung gebildeter und achtbarer Kmwer Bürger, darunter auch einige Juden, zu Geschworenen gefährdet, und darum mußte ein neuer Termin lanberaumt werden, verbunden mit einer neuen Ernennung von Geschworenen. Inr übrigen haben jetzt die Verteidiger ihren Antrag, auf Zulassung weiterer Psychiater außer Sikorski erneuert, und der Gerichtshof sah sich diesmal genötigt, dem' Antrag wenigstens teilweise statzugeben und als zweiten psychiatrischen Sachverständigen den Moskauer Professor Serbsky vorzuladen. Auch die österreichischen Staatsangehörigen Ettinger und Landau aus Lemberg, die beiden „bärtigen Juden“, die zur kritischen Zeit in der Gesellschaft Beilis und des ermordeten Knaben gesehen worden sein sollen und von denen die Anklageschrift behauptet, sie seien später ins Ausland geflüchtet, sollen auf Antrag des Verteidigers Grusenberg kommissarisch vernommen werden. Das Gesuch der Verteidiger, den Angeklagten Beilis mit Rücksicht auf die Verschiebung des Prozesses und seine durch die lange Haft geschwächte Gesundheit gegen Bürgschaft auf freien Fuß zu setzen, wurde abschlägig beschießen. Der Gerichtsarzt hatte nämlich die gutachtliche Erklärung abgegeben, daß der Gesundheit des Angeklagten durch die forgesetzte Haft keine Gefahr* drohe . . . Der vom Justizminister Schtscheglowitow nach Kiew entsendete Prokurator der Petersburger Gerichtskammer, Wippert, der die Anklage gegen Beilis vertreten sollte, hat nunmehr dem Justizminister einen Bericht unterbreitet, in welchem er seine Enthebung vom Amte des Anklägers bittet, da seiner Ansicht nach die Anklage gegen Beilis völlig unhaltbar ist. Kiew: Der Journalist Brasul - Brusch - kowsky hat dem Gendarmeriehauptmann Iwanow, der die Untersuchung in der Angelegenheit der Ermordung des Knaben Justschinsky leitete, vor|einigen Tagen eine neue Denkschrift überreicht in der er neues Belastungsmaterial gegen einzelne Mitglieder der Diebesbande vorbringt, die nach seiner Ueberzeugung den Mord an dem Knaben verübt hat. Eine Abschrift dieser Eingabe sandte Brasul an den Justizminister Schteglowitow und an den Vorsitzenden des Petersburger obersten Gerichtshofes. Das neue Material Brasuls soll für die Tscherebiakowa und drei andere Mitglieder der Bande geradezu vernichtend sein, und man nimmt in gutunterrichteten Kreisen an, daß infolge dieser Enthüllungen nun endlich eine entscheidende Wendung in der Mordaffaire bevorsteht. Zu den Prozeßverfahren gegen den jüdischen Arbeiter Beilis ist noch folgendes zu melden: Staatsanwalt Sapenin stellte dieser Tage vor Gericht den Antrag, gegen den Advokaten Margolin, der als Rechtsbeistand des Angeklagten Beilis fungiert, das Disziplinarverfahren einzuleiten, weü er Broschüren zur Abwehr der Ritualmordbeschuldigung drucken lasse und verbreite, also die Kiewer Bevölkerung, aus deren Reihen ja die Geschwomen hervorgehen werden, zu beeinflussen suche. Dieser seltsame Antrag des übereifrigen Staatsanwalts ging aber dem Gerichte zu weit und' wurde glatt abgelehnt, der Staatsanwalt scheint übrigens in einem unbedachten Moment aus der Rolle gefallen zu sein, denn in der von ihm verfaßten Anglageschrift fehlt ja bekanntlich jeder Hinweis auf den „Ritualmord“. Man muß sich also fragen, was denn die Verbreitung von Schriften gegen den Ritualmordwahn mit der Prozeßsache zu schaffen hat. Aber freilich, mit Vernunftgründen und Logik kann man dieser ganzen „echtrussischen“ Affäre nicht beikommen. Aus Pethach-Tikwah. Pethach-Tikwah: Mitte April fand eine allgemeine Versammlung der hiesigen Kolonisten statt, in der über die erforderlichen Maßnahmen zur Seßhaftmachung der nach der Kolonie zugezogenen jemenitischen Landarbeiter und über die Verbesserung ihrer Lage eingehend beraten wurde. Eine jüdische Kolonisationsgesellschaft in Europa hat die Gewährung einer Beihilfe von 20.000 Francs zum Bau von Wohnhäusern in Pethach-Tikwah für die jemenitischen Juden in Aussicht gestellt. Die Versammlung der Kolonisten beschloß nun, ihrerseits 1500 Francs zum Ankauf eines geeigneten Grundstückes zur Verfügung zu stellen. Im Laufe des letzten Jahres haben sich etwa 50 neue aschkenasische und 70 jemenitische Familien in unserer Kolonie angesiedelt. Dies hat u. a. zur Folge gehabt, daß 12 neue jüdische Geschäftsläden eröffnet worden sind, um die gesteigerten Bedürfnisse der Bewohnerschaft zu befriedigen. Aus Rischon-Lez«on. Rischon-Lezion: Dieser Tage traf eine neue Gruppe jemenitischer Einwanderer, bestehend aus sechs Familien, hier ein. Die Mitglieder dieser Gruppe eignen sich vorzüglich für die Landarbeit. Leider ist die Wohnungsfrage für die zugewanderten Jemeniten noch immer nicht gelöst, es ist jedoch Aussicht vorhanden, daß Mittel und Wege gefunden werden, um auf dem neuerworbenen Terrain in der Nachbarschaft der Kolonie eine Jemenitensiedlung zu errichten. Spott. Das erste „Jüdische Sportfest“ veranstaltete vom jüd. Sportklub „Hakoah“ mit der bereitwilligsten Unterstützung unserer Wiener jüdischen Turnvereine fand am Donnerstag, den 16. d.M. statt. Der erste Versuch der jüd. Sportvereine, ein gewagter Versuch, ,aber auf allen Linien von Erfolg gekrönt. Wir hatten bisher keine Grundteistungen (d. h. Zeiten und Maße) für ein leichtathletisches Meeting. Und gleich das erste zeigte Leistungen, die nur nach eifrigem und forziertem Training überboten werden können, reichen ja die gezeigten fast durchwegs an jene am selben Tage beim Auswahtmeeting für die olympischen Spiele lerzielten heran, ja manche übertreffen sogar. "Dort alte erprobte Kämpen, bei uns durchwegs Junioren. Kurz die Grundlage für die jüdische Leichtathletik ist geschaffen und nun heißt es vorwärts! Der Besuch' war trotz des drohenden Unwetters ein glänzender. Nur eine Kategorie ,Besucher, die man sonst bei solchen Veranstaltungen in Mengen findet, fehlt fast ganz bei uns. Es sind dies die Mittelschüler. Es soll hier nicht über die Bedeutung des Sportes für unsere Jungmannschaft gesprochen werden, aber eine Behauptung wird wohl von niemand bestritten werden: viel zuträglicher für unsere gute Sache wird es sein, wenn unsere Mittelschüler vor allem anderen jüdischen Sport pflegen und an den Mittelschulen sich zu Muskeljuden heranbilden werden. Daher Ihr jungen Gg. Gg .vermehret unsere Reihen, bildet unseren Nachwuchs und der jüdische Sport muß gedeihen! Die Veranstaltung war für den ersten Versuch mustergültig, die sportliche Leistung in den Händen eines Komitees, an dessen Spitze der bewährte Turnleiter des 1. W. J. T. Herr Popper ganz hervorragend. Nun zu den einzelnen Konkurrenzen: Laufen über 400 Meter. Kraus Steinamanger (Hakoah 59“ 5 Sek.) 1., Hirschler (Hakoah 594/s 6ek.) 2., Sabel (J. T. V. Fünfhaus) 3. Hochsprung mit Anlauf. Sabel (1.55 Meter) 1., Bojko (I. W. J. T. V.)'2., Kulmsik 3, Stabhochsprung: Ullmann und Bojko (I. W. J. T. V. 2.85 Meter) 1., Weil 3. Lauten über 1500 Meter: Kraus Steinamanger (Hakoah) 5 jMin. *1 -/r. $ck.) 1., Hirschler 2., Freund 3. Verhalten gewonnen. Laufen über 100 Meter: Nach! fünf Vorläufen Sabel (11®/-, Sek.) 1., Ullmann (HVs Sek.) 2., Bojko 3. ' Kugelstoßen für Junioren: Bojko (9.90 Meter) 1., Ullmann 2., Rosenberger 3. Stafette über 4x100 Meter: I. W. J. T. V. (Bojko I, Bojko II, Friedmann, Ullmann) 1., Hakoah 2., J. T. V. Fünfhaus 3. Junioren laufen über 60 Meter: Hirschler II (Hakoah. Sieger im Vereinskampfe I. W. J. T. V. mit 14 Punkten, Hakoah und J. T. V. Fünfhaus mit 11 Punkten II. Der Tag der Preis- und Medaillenverteilung wird bekanntgegeben! Hakoah II. gegen Team der Wiener jüd. Turnvereine 3:0. Das erste Match unserer Turner! Sie schlugen sich tapfer und werden bei etwas Training ein nicht zu unterschätzender Gegner sein! Wir begrüßen es besonders, denn es wächst uns eine zweite jüdische Fußballmannschaft heran! Das faire Spiel wurde von Dr. J. H. Körner geleitet. . Hakoah I. gegen Slovan I. 2:1. Das Spiel begann mit einer sehr hübschen Offensive Slovans, der geradezu überlegen aussah. Der Erfolg seiner Bemühungen bestand in zwei Eckstößen, die von der brillanten Hakoah- Verteidigung geschickt abgewehrt wurden. Doch sehr bald zeigten die Hakoahstürmer denen von Slovan, wie die Sache gemacht werden muß. Schon in der 26. Minute geht die Stürmerreihe vor, kurzes Passen von Mann zu Mann und das Leder sitzt in Slovans;Tor. 10 Minuten später legt der famose Centrehalf Glasl an Spitzer vor, ein famoser Lauf, Center und Jenö sendet ein. Nach1 Seitenwechsel steht das Spiel im Zeichen der Hakoah-Offensive. Spitzer kommt einmal von links, überspielt den Back und schießt ein. Slovan will dieses Tor nicht anerkennen und abtreten. Doch Hakoah, das Gastrecht mehr berücksichtigend als den Goalhunger, bittet den Schiedsrichter um Annulierung des Goals. Nachher gelingt es Slovan in sehr schöner Weise: einzusenden. Einen knapp vor Schluß gegen Slovan Dr. Sandler, Br esslau ÄS^Bad Kudowa Meinl Maltin - Kakao ßraetzt die Fleisebmahrang Kräftigt den Organismus ist aoSerordeutlieh billig

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