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Jüdische Zeitung · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr 20 bat Dr. Diamand well- und demütig um Entschuldigung, indem er in einem langen Bericht nachwies, er habe die Polen gar nicht treffen wollen. Damit aber legt Abg. Diamand ein interessantes Geständnis ab. Er denkt nämlich nicht daran, den polnischen Schlachzizen und ihren Hausjuden entgegenzutreten. Im Gegenteil! Er ist stillschweigender Förderer der Ausbeutung dieser Herrsdhaften! Und nicht nur die Ausbeutung, sondern auch' noch weit ärgere Dinge werden von der polnischen Sozialdemokratie in Schutz genommen. Freitag, den 10. d. richtete der Abg. Breiter an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses die Anfrage, was er zu tun gedenke, damit sich der galizische Minister Dlugasz von dem gegen ihn erhobenen Vorwurfe des Meineides reinwasche. Die „Arbeiterzeitung“ erteilte nun in ihrer Sonntagsausgabe dem Abg. Breiter eine Rüge. Und zwar tat sie das über direkte Veranlassung der polnischen Sozialdemokraten, welche den Minister Dlugosz in Schutz nehmen. In den letzten Wochen wurden zahllose arme imschuldige Juden in Galizien wegen angeblicher Wahlfrevel zu Kerkerstrafen verurteilt. Die Herren Dr. Diamand und Dr. Liebermann schwiegen. Wenn aber ein polnischer Minister aufgefordert wird, sich1 zu verantworten, da sind sie rasch bei der Hand, um ihn zu beschützen. Nichtsdestoweniger lassen sich diese Herren im Westen und bei internationalen Sozialistenkongressen als Kämpfer für Recht und wider Unterdrückung bewundern. Und sind doch' nichts anderes als die rote Ausgabe der galizisdh-polnischasshnilatorischen Korruption! * Wir erhalten folgende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Redakteur! In der ,Arbeiterzeitung' Nr. 126 vom 9. Mai 1912 sucht der Schreiber des Leitartikels „Zweierlei Ehre“ den Vorwurf der Ehrlosigkeit, mit dem Abg. Seitz die bürgerlichen deutschen Parteien im Abgeordnetenhause anläßlich der Auseinandersetzung über die Anerkennung der angefochtenen Reichsratswählen belegte, zu rechtfertigen. , . . „Aber nicht die Sache — heißt es dort — die verhandelt wurde, erregt ihren Unmut; nicht darum, weil die Mehrheit des Abgeordnetenhauses bei der Entscheidung über die angefochtenen Wahlen, Recht und Gesetz mißachtend, nur vom niedrigen Parteiinteresse sich leiten läßt; nicht darum sind sie empört, weil Gemeindeklüngel und öffentliche Beamte ihre Amtswürden. Die Geschichte der Juden in Irland läßt aber tatsäch'ich eine solche Befürchtung unbegründet erscheinen. Im Mittelalter wurden die Juden in Irland besser behandelt als in England selbst. Unter den Irländern hat sich eine Volkslegende erhalten, wonach der Prophet Jeremias nach der Zerstörung des Tempels mit einer jüdischen Prinzessin aus dem Königshause David auf einem Schiffe, das teure Kostbarkeiten aus dem Tempel mit sich führte, Palästina verlassen habe. In den irischen Wässern sei das Schiff gescheitert und dem Sinken nahe gewesen. Der Prophet und die Prinzessin wurden gerettet Später heiratete die Prinzessin in Irland und von ihr stamme auch die königliche Familie Englands ab. Einer der kostbaren Edelsteine, welche die jüdische Prinzessin mit sich brachte, sei auch der englischen Krone eingefügt worden und sei bis an den heutigen Tag das kostbarste Juwel, welches in der Westminster-Abtei gehütet wird. Dieser Legende hatten es die Juden im Mittelalter zum Teile auch zu danken, daß sie in Irland vor Verfolgungen geschützt waren. Im Jahre 1628 fanden sich in der Hauptstadt Irlands, Dublin, ungefähr 200 Juden. Im Jahre 1747 wurde im irländischen Parlament ein Gesetz geschaffen, welches den Juden ermöglicht, Bürgerrechte in Irland zu erlangen. Dieses Gesetz wurde jedoch in der Praxis kaum durchgeführt, hatte aber die Wirkung,- daß auch in England ein ähnliches Gesetz geschaffen wurde. Gegenwärtig befinden sich in Dublin 2700 jüdische Seelen, in Belfast 1200. Ueberdies gibt es noch Gemeinden in Cork, London, Derry, Water, Ford und Lurgan. In Irland spielen die Juden eine ziemlich bedeutende Rolle. Vor einigen Jahren wurde der Jude Sir Otto Jaffe zum Lordmayor und Sheriff von Belfast und Luis Herris zum Alderman in Dublin gewählt. Später ging diese Ehrenstelle auf seinen Sohn A. Harris über. Ueberdies wurden wiederholt Juden aus Irland in das englische Unterhaus als Deputierte zur Vertretung der Interessen Irlands entsendet. gewalt in den Dienst einer Partei stellen; nicht darum, weil Unternehmer und Betriebsbeamte den von ihnen abhängigen Arbeitern die Freiheit der Wahl rauben. Nein, das Unrecht der Tat läßt die Wächter der guten Sitte kalt!“ Wem von uns Zionisten, die unter dem Terror der Machthaber unsere eigene politische Ueberzeugung nicht zum Ausdrucke bringen können, sprechen obige Ausführungen nicht aus dem Herzen? Aber — ist die ,Arbeiterzeitung' zu solchen Anklagen gerade in jenem Momente, in welchem Herr Daszynski als Obmann des Legitimationsausschusses seines Amtes zu Ungunsten der zionistischen Beschwerdeführer in so schändlicher Weise waltet, moralisch legitimiert? Läßt sich Herr Daszynski nicht vom niedrigen Parteiinteresse und vom gemeinen Hasse zu den Entrechteten leiten, wenn er die angefochtenen „Galizischen Wahlen“ in Brody, Kolomea, Stanislau u. s. f. einfach ohne Wei teres zur Agnoszierung empfiehlt? Ist Herr Germann .von anderem Schlage als Herr Stölzl, der mit nichtigen Redensarten und armseligem Gewitzel über die Klagen der Vergewaltigten hinweggeht? Und doch hat sich Herr Daszynski mit ihm alliiert} Wie verteidigte Germann die Wahl Doktor Kleskis in Kolomea? Er sei Bürgermeister und Landtagsabgeordneter von Kolomea — meinte er — und das sei ja ein genügender Beweis für seine korrekte Wahl. Ist das wirklich ein genügender Beweis? Hätte es denn nicht vollkommen genügt, wenn sich Germann auf die „Galizischen Wahlen“ berufen hätte? Wozu die nichtigen Redensarten? War das Verhalten des Daszynski und seiner Parteigenossen, die sich immer auf Retter der Menschenrechte und -Ehre herausspielen, anders als ehrlos? Das Bild der Vergewaltigung aller Menschenwürde bei den Wahlen in Ostgalizien ist ja Herrn Daszynski und seinen engeren galizischen Genossen ganz gut bekannt. Findet es aber Daszynski, mit der entsprechenden 'Macht als Obmann des Legitimationsausschusses ausgerüstet, nicht für eine ehrenvolle Pflicht, jene des primitivsten politischen Rechtes -beraubten Menschen, auch wenn sie nicht sozialdemokratisch wählen, in Schutz zu nehmen, umsomehr, als sie selbst maßgebenden Orts ihre Beschwerden nicht Vorbringen können? Wie ist aber die Haltung des Herrn Daszynski, die vom niedrigen Parteiinteresse diktiert wird? Sie ist ein unausmerzbarer Schandfleck für die ganze Partei! Mögen manche ehrenfeste Parteimänner für die Rechtlosen noch so stramm kämpfen, Herr Daszynski hat sie in seiner Allianz mit Herrn Germann im vorhinein abgeurteilt, indem er seiner ganzen Partei den Stempel der Ehrlosigkeit aufgedrückt hat. hat. Herr Daszynski hat den Beweis erbracht, daß auch1 seine Partei zweierlei Ehre und zweierlei Gerechtigkeit kennt. Ist das aber ein Hindernis für Herrn Austerlitz, sich trotzdem als Sittenrichter und Moralprediger zu gebärden, oder denkt er an das historische: „Haltet den Dieb“? Leoben, Mai 1912. M. M.“ "^^^AÜbewähite Uah"m;) * unulHil INllW für gesunde u.kranke Kinder sowie Magenleidende. Verhütet itbeseitigr Brechdurchfall. Diarrhoe. Darmkafarrfi Preis per Dose K1.80,erh3ltlich in jeder Droplpotti Rundschau. Arthur Schnitzler. Arthur Schnitzler ist kein jüdischer Dichter. In seinem Schaffen läßt sich auch nicht ausgesprochene jüdische Eigenart — man denke an Heine oder Börne! — nachweisen, obwohl er einen Typus für sich darstellt und der Mangel an jüdischer Eigenart nicht auf einen Mangel an Eigenart überhaupt zurückgeführt' werden kann. Schnitzler hat sich auch nicht allzuoft mit dem Judenproblem beschäftigt. Einmal nur, im Roman „Der Weg ins Freie“ versuchte er, moderne jüdische Typen zu zeichnen und die sonderbare Verworrenheit der jüdischen Psyche zu entwirren. Wir befassen uns in diesen Blättern nicht mit allgemeiner Literaturgeschichte. Auch pflegen wir sonst Allerweltskünstler und Gelehrte, wenn sie auch zufällig Juden sind, nicht speziell zu würdigen. Ihre Jubiläen und Geburtstage lassen uns ziemlich kalt. Wie kommt es mm, daß wir in Anbetracht des fünfzigsten Geburtstages Arthur Schnitzlers es förmlich als Pflicht empfinden, seiner dankbar zu gedenken und ihm auch im Namen des jungen, Kompromissen mit dem Exile abholden Judentums zu huldigen? Weil Arthur Schnitzler nie gegen das Judentum aufgetreten ist, sich1 nie als Deutscher gebärdet hat und sich durch seine künstlerische Persönlichkeit die Wertschätzung der Edelsten aller Völker erworben hat. Er hat nie gestrebert, nie Koterien angehört. Er war nicht nur ein großer Künstler, er hat sich auch als vornehmer Mensch erwiesen. Während andere berühmte Männer — Georg Brandes, Theodor Gomperz — sich bewußt vom Judentum fern halten und ihre Zugehörigkeit zum Judentum als etwas Lästiges empfinden, bekennt sich Schnitzler in einfacher, selbstverständlicher Art zu seinem Volkstum und wir wissen, daß er in Augenblicken, wo es gelten wird, Farbe zu bekennen, nicht im Strom eines fremden Volkes oder eines verschwommenen Kosmopolitismus untertauchen, sondern bei seinem Volke verharren wird. Sein Roman „Der Weg ins Freie“ ist ein offenherziges Bekenntnis seiner jüdischen Gesinnung. Darum schließen wir uns anläßlich seines fünfzigsten Geburtsfestes der großen Zahl derjenigen an, welche sich gedrängt fühlen, ihn zu feiern. Wir tun es mit dem Bewußtsein, daß unser Gruß nicht nur dem Künstler, sondern auch dem stolzen, stammestreuen Juden gilt... Aus dem freien Amerika.’ „Ost und West“ schreibt: In Kanada ist das Unglaubliche geschehen: Das Unterhaus hat das die Kingston-Universität betreffende Gesetz samt der Klause], nach welcher Nichtchristen nicht Professoren und Beamte der Universität werden können, mit ungeheurer Mehrheit angenommen. Das heißt: In einem amerikanischen Staate ist das Prinzip der Gleichberechtigung der Juden auch gesetzlich durchbrochen. Es ist selbstverständlich, daß ein solcher Parlamentsbeschluß eine gewaltige Aufregung unter den Juden, aber auch in weiten christlichen Kreisen hervorrufen mußte. Speziell die Juden haben alle Unterschiede der Partei zurückgestellt und einen leidenschaftlichen Kampf gegen die betreffende Klausel, die noch den Senat zu passieren hat, begonnen. Die Leitung der Universität versuchte, den Sturm durch einen abschwächenden Wortlaut der Klausel zu beschwichtigen. Aber da es sich nur um eine nichtssagende Aenderung handelt, fiel die Judenschaft nicht darauf herein und führt den Kampf mutig weiter. Sie hofft, daß die die Juden beleidigene Klausel schließlich doch im Oberhause zu Falle kommen wird. Schamlosigkeit vor dem Tode. „Ost und West“ schreibt: Rumänien hat jüngst den sogenannten Judeneid abgeschafft, und i— Finnland führt diese Schmach jetzt bei sich ein. Finnländische Richter fordern plötzlich den Schwur in der Synagoge. Diese niederträchtige Beleidigung des jüdischen Stammes und der jüdischen Gotteshäuser muß sich gerade ein Volk leisten, das eben unter den Kosakentritten verreckt, ohne irgendwo in der zivilisierten christlichen Welt Rat und Hilfe zu finden. Nachdem Meinl Maltin - Kakao Ersetzt die Fleischnah rang Kräftigt den Organismus Ist außerordentlich billig

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