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Jüdische Zeitung · 1912-05-10 · 19 (10.5.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr 19 denen der selige Dr. Herzl zu seinen Gunsten intervenierte hatte, hierher! Wir kannten ihn als Zionisten und Hebraisten. Wir hielten ihn für berufen, Ordnung in den Gemeinden einzuführen. Wir erwarteten auch, daß er Wohltätigkeitsinstitutionen schaffen, wie überhaupt sich bestreben werde, den Kulturstand der Judenheit zu heben und an der Nationalisierung des Volkes und der Intelligenz zu arbeiten. Wir befreiten ihn von jeder rein zionistischen Arbeit, denn wir sagten uns, Dr. Ehrenpreis sei Rabbiner sämtlicher Juden Bulgariens und nicht einer einzigen Partei. Damals lag die Führung der Gemeinden in Händen der Geldmächtigen, die der Schulen in Händen der Allianz. Unsere Reichen kannten keine moderne und demokratische Führung. Sie hatten die Macht, weil sie Geld hatten. Die Allianz hingegen gefiel sich in assimilatorischer Arbeit Ehrenpreis sah vor sich zwei Lager gestellt In dem einen stand das Volk und die Intelligenz, die Träger von Idealen, in anderen die Notablen, die Tagesmächtigen. Dr. E. gesellte sich zu unserem Leidwesen zu den Letztgenannten. Er demütigte und bückte sich' vor dem goldenen Kalb. Die Folgen davon waren sehr schmerzlich, Ehrenpreis war gezwungen diese Leute zu schützen, weil sie ihn schützten. Im Jahre 1900 Versammelte sich die erste Konferenz der bulgarischen Judengemeinden und bestätigte die Wahl des Dr. Ehrenpreis zum Großrabbiner von Bulgarien. Die Konferenz arbeitete auch ein besonderes Statut für die Leitung der bulgarischen Judenbeit aus, das sie Dr. Ehrenpreis zur Darnachrichtung und Damachhandlung übergaben, mit dem Auftrag, daß er für die Folge zusammen mit dem Zentral-Konsistorium Gemeindekonferenzen einzuberufen habe. Seit diesem Tag ist schon viel Wasser vom Jordan in das Salzmeer geflossen, ein langer Arbeits- und Tatenabschnitt des Großrabbiners liegt hinter uns, der nichts als eine lange Kette von Gegenhandlungen gegen die Beschlüsse der benannten Konferenz beinhaltet Er hört weder auf die Stimme der Zeit noch aut die Stimme des Volkes, weil er wußte, daß er immer gegen das Statut der Konferenz gehandelt hat fand er natürlich kein Interesse daran, eine zweite Konferenz einzuberufen, die seine Arbeit kritisieren könnte, und er regierte selbständig weiter. „Wenn Sie Kritik an Dr. Ehrenpreis üben wollen, dann rufen wir keine Konferenz ein.“ Diese unverblümte Erklärung gab Dr. Ehrenpreis vor unseren zionistischen Führern Dr. Marko Romano, Chaim Parchi und Isak Säusln ab. Ehrenpreis versuchte wohl in seinem Organ diese Erklärung abzuleugnen, gab sie aber schließlich zu. Die andern jüdischen besseren Elemente aber ernähren sich von schweren Tagelöhnerarbeiten. Der Name „Adschami“ d. h. ePrser ist deswegen verachtet und jeder bessere persische Jude sucht seine Herkunft zu verleugnen. Wiewohl sie geistig auf einem niedrigen. Niveau stehen, sind sie sich ihrer elenden Lage bevraßt und machen Anstrengungen, sich aus ihrem Elend zu erheben. Die Jugend besucht zum Teil die hiesigen Schulen, uns so mancher persische Judenknabe hat sich in den Schulen des Hilfsvereines der Deutschen Juden allgemeine und jüdische Bildung angeeignet. Einige von ihnen haben, als Lehrerseminar des Hilfsvereins absolviert und fungieren als Lehrer an verschiedenen Schulen. Sie errichteten in Jerusalem auch Talmud- Tora-Schulen, welche namentlich von ihren getauften Stammesgenossen, den obenerwähnten Marannen, die mitunter sehr reich sind, unterstützt werden. Gegenwärtig existieren in Persien größere Gemeinden in den Städten Teheran, Ispahan, Kasdian, Jesd, Rescht sowie im Süden, in. Schiraz und Bender-Abuscher. Bemerkenswert ist, daß die Bucharer Juden, obwohl den persischen. Juden geographisch nahe und sprachlich verwandt, doch einen ganz anderen Menschenschlag bilden, sowohl in ihren Typus als in ihrem Charakter und ihren Sitten. Es ist wünschenswert, daß in zionistischen Kreisen das Interesse für diesen uralten Stamm Zeitungen sahen sich veranlaßt, ihn öffentlich zu brandmaiken. Doch dies alles wird durch seine letzte Tat übertroffen. Schon viele Jahre arbeiten die bulgarischen Juden an der Verbesserung der materiellen Lage unserer Schulen bezw. der Lage der Lehrer, die ein Leben Voller Entbehrung und Elend führen, denn die Gemeindemitglieder können durch keine exekutiven Mittel gezwungen werden, die Kultussteuer zu zählen. Wir versammelten uns und wandten uns an die Regierung. Vor zehn Jahren arbeitete auch Dr. Ehrenpreis in diesem Sinne, sprach beim Ministerium vor und setzte es durch1, daß dieses unserem Vorschläge zustimmte. Das Ministerium schickte am 27. Juni 1902 ein Rundschreiben an sämtliche jüdische Gemeinden und auch Dr. Ehrenpreis schickte ein solches Schreiben aus. Da dieser Erlaß jedoch' nicht als Gesetz betrachtet werden konnte, so war auch vorauszusehen, daß die Sache sich' nicht halten werde. Den Zionisten, dank den Bemühungen Dr. Marko Romanos, gelang es vom Ministerium die Zusicherung zu erhalten, diesen Erlaß in ein Gesetz umzuwandeln, das vom Parlamente beschlossen werden sollte. Dr. Ehrenpreis jedoch ging sofort mit allen möglichen Mittel gegen diese Bestrebungen los, weil er wußte, daß in den Komitees der Schulen durchwegs Zionisten sind, welche gegen seine Förderer, die reichen Gegner des Zionismus, in deren Händen die Gemeindekomitees sind, kämpfen. In diesem Kampfe erklären Dr. Ehrenpreis und seines Anhang, daß es gar nicht nötig ist, die Schulen zu unterstützen, sondern nur die Gotteshäuser. Daß Dr. Ehrenpreis gerade für Bulgarien diese neue Theorie aufstellt, während er in Europa als Zionist figuriert, erklärt sich nur daraus, daß ihm sein Privatinteresse wahrscheinlich teuerer ist als der Zionismus. Aehnliches zeigt sich auch in der Allianzfrage. Wer von uns kennt die Allianz, ihre Lehren, ihre Absichten nicht, wer weiß nicht wie assimilatorisch sie arbeitend, darauf ausgeht, französische Kultur statt jüdischer unter den Juden des Orients zu verbreiten? Zur selben Zeit wo die ganze jüdische Welt gegen die Allianz kämpft, unsere zionistische Organisation ganz besonders,' findet 'sich hier zu Lande ein Mann, ein. zionistischer Rabbiner, Dr. Ehrenpreis, der sie gegen die Angriffe der Nationaljuden beschützt Dr. Ehrenpreis verschmähte auch nicht die bulgarische öffentliche Presse mit jüdischem Geld für seine Machinationen anzuwerben. Er war es, der der bulgarischen Presse jüdisches Geld gezeigt hat und so sucht jetzt diese von den Juden bei jeder Gelegenheit Geld herauszuschlagen. Wenn man sie besticht, schreibt sie gut — bzw. die Juden Schreiben des jüdischen Volkes geweckt, und bei kolonisatorischen Unternehmungen in Palästina auf dieses Menschenmaterial das Angenmeik gelenkt werde. Die persischen Jduen, welche nach ihrer Tradition ein Ueberbleibsel der zehn Stämme Israels sind, könnten, als zäher Ueberrest der (alten Nation bei der Erneuerung des jüdischen Volkstums als Wertvolles Material dienen. Juden in der Republik Panama. Einem Briefe, welche die Newyorker Jewish Daily News aus Panama erhalten haben, entnehmen wir die Mitteilung, daß an den Arbeiten des Panamakanals sehr viele Juden, darunter auch russische Arbeiter, teilgenommen haben. Juden — so schreibt der betreffende Korrespondent — gibt es hier aus allen Weltteilen. Es gibt hier Juden aus Syrien, welche arabisch sprechen, Juden, deren ständige Wohnung auf den westindischen Inseln ist, besonders aus Jamaika, welche hier Handel treiben. Ebenso Juden aus Marokko, Spanien, Frankreich und Deutschland. Aber es gibt hier auch solche Juden, mit denen wir uns garnicht verständigen können, da sie weder spanisch, noch hebräisch, noch eine der hier üblichen Sprachen sprechen. Ihre Lebensbedingungen sind hier durchaus nicht schlecht, zumindest aber nicht schlechter als in Newyork. und sie drucken ies — iwo nicht, scheuen sie auch nicht zurück, die Blutbeschuldigung u. dgl. zu verbreiten. So brachte uns Ehrenpreis auf indirektem Wege den Antisemitismus nach1 Bulgarien. Der Zorn des Volkes drückte sich kürzlich in Sofia in einer grandiosen Demonstration, an der 1500 Juden, teilnahmen, aus; es waren Plakate angebracht mit Aufschriften wie folgt: „Abzug, Judenbedränger Ehrenpreis!“ „Es lebe der Volkswille!“ „Wir wollen Ehrenpreis, den Verräter des Judentums nicht!“ Volksstimme ist Gottesstimme! Das Volk will nun einmal diesen Mann nicht. Er muß gehen, und Pflicht der Zionisten ist es, solche Leute, die mit dem Zionismus Geschäfte machen, aus ihrer Mitte zu entfernen. Wir brauchen nicht Zionisten, die nach Czernöwitz fahren, um über den Zionismus zu sprechen, während sie sich in ihrer Heimat wie Antisemiten gebärden Es ist Pflicht des A. C., sich mit dieser Frage ernstlich zu befassen, da der Zionismus in Bulgarien unter ihr leidet. Meinl Maltin - Kakao Ersetzt die Fleisch nah rang Kräftigt den Organismus Ist außerordentlich billig Nationaler Sport. Von Dr. Fritz Löhner (Gründungspräsident des Sportklubs „Hakoah“). Daß sportliche Betätigung, Ausbildung" körperlicher Schönheit und Kraft hohe Kulturwerte birgt, daß sie wertvoller für die nationale Regeneration ist, als manche Vertiefung von Ideen und Erweiterung von Horizonten; daß ein gesundes Denken den gesunden Leib .voraussetzt: das sind Binsenwahrheiten, (deren Begründung Geschwätzigkeit wäre. Diffiziler ist die Frage des nationalen Sportes. Körperliche Höchstleistungen sind nicht an Grenzen und Sprachen gebunden. Die Ausübungsformen des Sportes sind international geworden und die Rekorde unterliegen dem Maßstab der ganzen Welt. Es ist sogar gerade aut diesem Gebiete eine Art Kosmopolitismus entstanden, der die sonstigen Gegensätzlichkeiten wohltuend überbrückt. Diese Internationalität teilt der Sport mutatis mutandis mit der Kunst und mit der Wissenschaft. Wenn die Hochgedanken Göthes oder Carlyles, die Großtaten Angelos und Rodins der Menschheit gehören und nicht nur ihrem Volk, wenn die Lehren. Kants und die Schöpfung Stephensons Gemeingut aller Welt sind und sein sollen, so dürfen die Regeln des römischen Ringkampfes und die Grazie des römischen Diskos- Wurfes jedes Volkes Eigen werden. Doch die Wurzeln, aus denen die Körperkultur (denn nichts anderes ist in seinem Endzwecke der Sport, und alle «Betätigungen, die von diesem Ziele iabweichen, sind -snobistische oder parasitäre Auswüchse) ihre Kräfte Zieht, liegen im Volkstum. Wie das Klima und die Artung der Heimat, die Tradition und das Seelenleben einer Nation ihre künstlerischen Aeußerungen und ihre wissenschaftliche Richtungslinie beeinflussen, so wird auch das nationale Inponderabile stets die körperlichen Leistungen anregen und differenzieren. Die Berge Norwegens schufen den Wintersport, die nackte Brutalität des Erwerbslebens bringt Amerikas Boxerkönige hervor und die rassige Heftigkeit erzieht den romanischen Fechter. Neben diesen genetischen Nationalismen läuft der nationale Ehrgeiz. Wir haben bei den olympischen Spielen mit neiderfüllter Bewunderung gesehen, wie imposant der nationale Stolz und die nationale Begeisterung mit den Vorkämpfern der heimatlichen Farben sich identifizierten. Wenn die Flagge Amerikas oder Deutschlands, Englands oder Norwegens gehißt

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