Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 18 (4.5.1912)
- Date
- 1912-05-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 18 JÜDISCHE ZEITUNG Die: göttlidie Selma. Nachdruck verboten. In fast alteil •'Wiener- Tagblättem erschien folgende Notiz: ■ VjDie Todhter i^er Kammersängern Kurz. , Im Sanatorium ■ Loevy, ifand. vorgestern die Taufe der .neugeborenen Tochter der Kammersängerin 'Frau Selma ‘K u-r z - H a 1 b a n nachrönHschkatholischem Ritus statt. Das Kind erhielt die Namen: Paula' Ernestine Desiree. Als Tauf- , patin. fungierte; die ehemalige Hofopernsängerin Frau Luise. vpn Ehcenstein-Fränkel.. Frau Kurz hat gestern das Sanatorium verlassen.“ — (Anmerkung: Frau Kurz ist aus Bielitz gebürtig, •; der' dortige jüdische Frauenverein hat i sie zur Sängerin ausbilden lassen, weil ihre Eltern, die Mutter lebte vom Qänsehandel und der Vater vom Einkommen als Minjanmann, blutarm^ waren:' Der Gatte der Sängerin ist Prof. Halban,; getaufter: Jude und hieß früher Blumenstock-.) P Du f meine Leyer, trauerf lorumwunden, Ich1-'7 stimm’ Dich auf: des Schmerzes ho* : - ■ ■ hes C : Frau Selma Kurz hat mit Erfolgentbunden, Das christliche Produkt heißt Desiree! 2$u'-n2eni4jiL’OhFen -dringt -die ganze Skala Des Jaijimer§;n der,manch’ treues Herz . .umfängt, Und aus; dem deutschen B i e 1 i t z (b e i \ B i a 1 a) Ertönt der ‘ Seufzer: Wer hä 11 ’ d a s gedenkt?! Sie wardas Beste Und sie war das Hehrste, Was Bielitz exportiert seit Tag und Jahr; Wenngleich ihr Vater nicht gerad der ■ Erste; Vielmehr als Minjanmann der Zehnte war! Man sahVihn Erew Schabbes gottergeben Zu. Minche gehn, wenn man zur Schul li' ■ gekloppt, Dieweildaheimdas süße Selmaleben Mit hellen Triilern ihre Gans* gestoppt, So ändert sidh das Leben und das Lieben, Vergessen und vorbei, (was einst geschah; Vom Schmalz äst inur der Stimme Schmelz - gebleben Und5 von der Gans ist nun das Junge da! Die Pathin; Ehren st ein singt was aus ■■ .; .Carmen, ' Der < GaÜach kommt, jies klingt die Kir- . chengtock’, Herr H a 1b a n hält den Sprößling in den Armen, , Das erste Knöspchen an dem Blumen-; U stock! Dü meine Leyer, trauerflorum wunden, Ich stimm’ Dich auf des Schmerzes ho- .. " ..; .. hes C; . weh! Selma Kurz hat mit Erfolg entbunden — Das hat uns noch' gefehlt, oh Desiree!! Beda. Maltin- I I Kakao I ■ . Ersetzt dieFlelscbnahrang ■ ■ ’ Kräftigt den Organismus ■ . ■ Ist aaSerotdenOicb billig ■ :: n Entwöhnen. Gibt die stillende Mutter hin .und wieder etwas N e s 11 e s ü p p e, anstatt immer die Brust,zu reichen, so-erschöpft sie sich nicht und ihr ^allgemeines Befinden: hebt' Sich. Nach und nach gibt man zwei oder mehr soldier Mahlzeiten Und kanp allmählich lohne Schwierigkeiten zur Entwöhnung überschreiten. Das Kind entwikkelt sich;kräftig und ist vergnügt, die Knochen erstarken ersichtlich,'die Ausleeriingen sind regelmäßig —kürz, das Kind gedeiht. PaptcbNachpichten. Herzl-Klub (Wien). Am. 24. April 1912 . fand im großen Saale des jüdischen Volksheims eine vom „Zionistischen Distriktskomitee für Innerösterreich“ und vom „Proponenten-Komitee“ des . „Herzl-Klub“ einberufene Versammlung statt, die von zirka 400 Personen besucht war. Nachdem der Obmann des D.-K,, Herr Ludwig Batö, die Versammlung eröffnet hatte, begrüßte im Namen des „Proponenten-Komitees“ Herr Simon A d.v ok a t die Erschienenen und hob hervor, daß der „Herzl-Klub“ nicht die Standesinteressen einzelner Gruppen vertritt, sondern .ein allgemein zionistischer Jugendbund ist, der sein Hauptaugenmerk auf die Bildungs- und Kulturarbeit lenkt. r/Ggl Dr. Ab des - sprach über „Die Judenfrage und ihre Lösungen“.-Er erläuterte die Bedeutung und Notwendigkeit der Heimstätte vom nationalen und sozialen Gesichtspunkte, verwies aut das Auswanderungselend und beleuchtete die Entwicklung des Zionismus. Mit einem Appell äri ' die Jagend, dein „Herzl-Klub“ beizutreten und denselben zu fördern, schloß er seine glänzenden Ausführungen. Hiernach erstattete Gg. Dr.. Herman K adisch sein Referat: „Die Aufgaben der jüdischen Moderne". Er führte aus, daß der Ausgangspunkt aller modernen Entwicklung das Individium ist; dessen Erhebung vom Tiermenschen zum Kulturmenschen bilde die oberste Voraussetzung der Erneuerung der Kultur und des Wirtschaftslebens. Ist aber die „Erhaltung der Art“ modern, dann ist das Streben nach Assimilation der Juden durchaus reaktionär. Der jüdische Nationalismus ist nicht chauvinistisch. Sein Streben nach einer palästinensischen Heimstätte als jüdisches Kulturzentrum und soziales Neuland ist ebenso modern, als das Streben nach Gleichberechtigung des jüdischen Volkes mit den übrigen österreichischen Völkern in einem national-autonomistischen Kultur- und Wirtschaltsstaate — Groß-Oesterreich. Der - dritte Redner des Abends war Herr Moritz Geiger. Er kam aut die Ausführungen der beiden Vorredner zurück und besprach nochmals ausführlich die Frage der Assimilation. Was die assimilatorischen Demolirungshelden,sagte er, in blinder Wut niedergerissen, das baute Herzl in prächtiger Schönheit Wieder auf. Und dann gieng er wieder von uns, so schnell als er gekommen. Und wenn die Assimilation ihr Ziel erreicht hätte, nämlich das Aufgehen der eigenen uralten Kultur und die Verschmelzung mit anderen Völkern, so könnten unsere Kinder schön die Kunde hören: Es war einmal'ein großes Volk. Doch jetzt gilt sie nicht mehr. Dieses Volk hatte sich mannhaft aller Gegner erwehrt, doch vor dem Feind in seiner eigenen Brust musste es fallen. Wenn unsere Kinder diese Kunde nicht werden er- Eeuilleton. Ein neuer Beitrag zur jüdischen Wirtschaftsgeschichte. (Der Anteil der Juden am europäischen Großhandel mit dem Orient. Bis zur Begründung der modernen Kolonialwirtschaft. Eine historische Studie von Dr. J. Schipper im Sammelwerke jüdischer Denker „Heimkeh r“. Herausgegeben vom jüd.-nat. akad. Verein Emtimh-Czernowitz 1912. Verlag Lamm, Berlin.) „Es ist wirklich höchst seltsam; so viel über das Judenvolk geschrieben ist; über das wichtigste Problem, seine Stellung im Wirtschaftsleben ist kaum etwas von grundlegender Bedeutung gesagt worden.“ (.:ombart: „Die Juden und das Wirtschaftsleben.“) Unsere Wirtschaftsgeschichte ist seit jeher ein Stiefkind der jüdischen Wissenschaft. Die Historiker wandten ihr Augenmerk nur den Leistungen des jüdischen Volkes auf dem Gebiete der immateriellen Kultur und dessen Leidensgeschichte zu. Erst in den letzten Jahren sehen wir, daß das Interesse für wirtschaftliche Probleme der Juden nicht nur in den Kreisen der Gelehrten, söndem auch in denen der Laien wächst. Georg Caro1) und Ignaz Schipper1) deckten auf Grund eines umfassenden Quellen¬ Seite 3 zählen hören, sondern wenn sich heute vor uns' schon eine Wirklichkeit ausbreitet, die märchen-. haft schön ist, so haben wir dies einer Bewegung zu verdanken, die der Assimilation Schach bot— der zionistischen. Dem Zionismus tun junge Streiter dringend not und so haben wir, die Proponenten des HerzI-KIubs im Vereine mit dem D.K.uns zusammengetan um die jüdische Jugend zionistisch zu organisieren. Diejenigen die nicht ganz aut unserer Seite stehen, wollen wir ganz aut unsere Seite bringen. Den jungen Zionisten, der aus der Provinz nach Wien übersiedelt, wollen wir aufnehmen, damit er unserer Bewegung nicht verloren gehe. Wir wollen die Mitglieder des Herz!-Kfubs dazu erziehen, positive Werbearbeit für unsere Ideen zu leisten. Durch Vorträge, Diskussionen, Errichtung einer Bibliothek und einer Lesehalle wollen wir das geistige Niveau unserer Mitglieder heben. An alle denkenden jungen Juden und Jüdinen ergeht nun unsere ernste Mahnung sich im Herzl-Klub zu organisieren und auch an jene, die bloss einseitig organisiert sind, d.b. die bloss einem Turnvereine oder einem Sportklub angehören, richtet sich unser Appell/ Sie dürfen über die Pflege des Muskeljudentums nicht die Pflege des Geisiesjudentums vergessen!“ Stürmischer Beifall belohnte sämtliche Redner für ihre Ausführungen. Der Herzl-Klub gewann an diesem Abend viele Mitglieder und Förderer. An die Zionisten in Westösterreich! Der X. Kongreß in Basel hat unserer Weltorganisation eine neue Leitung gegeben. Arbeitsfreudige, vom besten Willen und von der größten Opferfreudigkeit beseelte Männer sind es, die die schwere Aufgabe auf sich genommen haben, unsere Weltorganisation zu leiten, vor allem aber die Arbeit im Lande unserer Hoffnungen, in Palästina, zu organisieren. Vor Antritt ihres Amtes haben sie dem Kongresse dargelegt, daß die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel, die regelmäßig einlaufenden Beiträge, unzulänglich sind. Der Kongreß hat das anerkannt und ihnen versprachen, die Mittel zur Arbeit beizustellen. Er bat zu diesem Zwecke den Zentralfond geschaffen, zu welchem jeder Zionist beizutragen hat. Unsere Leitung in Berlin hat uns seit ihrem Amtsantritte Beweise ihrer Arbeitsfreudigkeit und ihres Pflichtbewußtseins geliefert. An uns ist es nun, unsere Zusage zu erfüllen. Zionisten Westösterreichs! Erfüllet Eure Pflicht! Leistet Euren Beitrag für den Zentralfond! Das zionistische Zentralkomitee für Westösterreich. Eingänge bis zum 1. Mai 1912 aus Böhmen K 1730.65, Innerösterreich K 1955.70, Mähren und Schlesien K 562.20. Gesamteingang aus Westösterreich K 4248.55; Aufzubringender Be- - trag (Brunner Res.) K 18.000.—. materials die Arten der Beschäftigung der Juden und ihre wichtigsten Einnahmsquellen bis zum Ausgang des XII. Jahrhunderts auf. Moses Ho ff mann-1) ver'ol.tänt'i öe diese Werke insoferne, als er das jüdische Kreditwesen in Deutschland bis um die Mitte des 14. Jahrhunderts an der Hand der Responsenliteratur schildert, welche in den oben erwähnten Werken unberücksichtigt wurde. Von großer Wichtigkeit für die jüdische Wirtschaftsgeschichte ist schließlich das bekannte Werk von Sorabart. Schon seit lange wurde über ein wissenschaftliches Buch nicht so viel ges:hrieben und gesprochen, als über „Das Wirtschaftsleben und die Juden.“ Merkwürdigerweise wurde jedoch das immense wirtschaftshistorische Material in diesem Werke von der ganzen Plejade gelehrter und ungelehrter Kritiker unkontrolliert gelassen. Una doch sieht es sogar der Laie ein, daß Sombarts Buch sehr viele Anregungen und Fingerzeige für Weitere Forschungen auf diesem Gebiete gibt und daß gewisse Fragen unrichtig gelöst wurden. Bemerkenswert ist es, daß die bisher erwähnten Wirtschaftshistoriker in ihren Werken den europäischen Osten ‘fast ganz außer ') Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit B. I. 1908. -) Die Anfänge des Kapitalismus bei den abendländischen Juden im früheren Mittelalter. *) Der Gelcfhander der deutschen Juden während des Mittelalters, 1910.