Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 17 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr.iZ '„©ein .Neuen Wiener Tagblatt“ entnehmen wir nachstehendes Inserat: ' Kontorist, absolvierter Hanidelsschü'er, mit Bureaupraxis, Stenograph und Maschinschreiber, Christ, gegen K 90 Gehalt gesucht. S. Fuchs & Co., IX., Wiedenhofergasse 8. Die Inhaber dieser Firma (nicht zu . verwechseln mit der gleichlautenden Firma VII., Zollergasse) sind die Herren Simon Fuchs und Leo Fuchs, zwei Herren also, die weit eher zum Jordanwasser als zum Wasser -des Taufbeckens Beziehungen haben. In einen Abgrund von Erbärmlichkeit läßt uns dieses Inserat blicken. Wir wollen den edlen jüdischen Unternehmern, die jüdische Angestellte nicht aufnehmen und noblerweise einem, qualifizierten Arbeiter 90 K Monatslohn bieten, nicht viel Raum widmen. Wir überlassen diese Herren dem Urteil aller anständig denkenden Menschen!“ Die „Jüdische Zeitung“ beabsichtigt dem-, nächst eine Liste jener jüdischen Firmen anzulegen, welche keine Juden anstellen, und wird dann diese Liste zur Kenntnis der Oeffentlichkeit bringen. Jeder anständige Jude wird dann gewiß seine Einkäufe bei Firmen, die keine Judensperre haben, besorgen und die Boykottierung jüdischer Angestellten mit dem Boykott beantworten. ftemberger Brief. (Von unserem Berichterstatter.) Der „Jüdische Arbeiter“, das Organ der ,,Poale-Zion“, kündigt an, daß in der nächsten Zeit Dr.- Nathan Birnbaum Mach Galizien kommen wird, um Versammlungen abzuhälten und für den Emigrationskongreß zu wirken. Es ist sonderbar, daß der Antizionist Df. Birnbaum gerade immer von zionistischen Parteien empfangen und unterstützt wird, um dann in Versammlungen die fast nur von Zionisten besucht sind, seine dem Zionismus abholden Ansichten zu vertreten. So sehr man auch das Wissen Dr. Birnbaum - achten und seine Verdienste um die nationale. Bewegung würdigen mag, so muß man sich1 doch gegen diesen Mißbrauch. der zionistischen Kräfte auflehnen. Es geht wahrlich nicht an, daß dem Antizionisten Birnbaum zum Schaden der zionistischen Partei, die zionistischen Kräfte zur Verfügung gestellt werden. Wir erinnern nur daran, daß Dr. Birnbaum vor einigen Jahren eine Tournee absolvierte, welche die Gründung einer besonderen, nationalen, nichtzionistischen Partei bezweckte. Damals trat man Dr. Birnbaum nicht entgegen. Jetzt ist man aber gewitzigt und man wird darauf achten, daß nicht mit dem Menschenmaterial der zionistischen Bewegung Mißbrauch getrieben .wird. * . Durch einen Zufall ist der Jaroslauer Hadern- und Knochenhändler dem Schicksal entronnen, als Ritualmörder vor den Kadi geschleppt zu werden. Die Sache verhielt sich folgendermaßen. Ein 14jährige Bauernbursche brachte dem Knochenhändler Borger einen Sack Knochen zum Verkaufe. Borger bezahlte den Kaufpreis und lagerte den Sack mit den Knochen im Schuppen ein. Bald darauf hörte er jämmerliches Aechzen. und Ansichten über diese Fragen veröffentlichte er in der Broschüre: „Autoemanzipation“. Ein Mahnruf an seine pflichtvergessenen Stammesgenossen sollte es sein, gleich' einem Propheten wollte er das gesamte Volk aus seiner Lethargie erwecken. Vor aller Augen wollte er die grausame Tragödie der Juden vorführen, doch' damit absolut keinen momentanen, wirkungsvollen Eindrude erzielen — nein, ein Ruf zur Arbeit für die Wiedergeburt der physisch und geistig gepeinigten Judenheit sollte seine „Autoemanzipation“ werden. Wie ein Arzt, der am Bette eines gefährlich«! Kranken steht, behandelt Pinsker die Judenfrage. Die eigentlichen Ursachen des abnormalen Zustandes, in dem sich die Judenheit befindet, sieht er in dem Mangel an nationalem Bewußtsein, das ja die conditio sine qua Man ifür »einen gesunden 'Volksorganismus bildet, und als weitere Ursache das Fehlen der politischen Einheit. Denn nach Pinsker gilt das jüdische Volk, seit es seinen Boden verloren hat, als ein apolitisches. Um also die Juden wieder zu einem gesunden Volksorganismus zu machen, sind die oben erwähnten Bedingungen notwendig. Niemand aber wird an der Wiederherstellung des nationalen Bewußtseins, wie auch an der Erlangung des nationalen Territoriums mitarbeiten, denn als „Fremde“ werden sie überall betrachtet und als solche nicht nur gehaßt» sondern verachtet. Vom Volke s elbst müsse also <lie Hilfe kommen. In markanten Worten charakterisiert er die unglückselige Lage der Juden, die „Verstorbene für Lebende, Fremde für Urbewohner, Wanderer für die Landeseingeborenen, Bettler für die Vermögenden, Exploitatoren und Millionäre für die Armen, Vaterlandslose für die Patrioten und nur Er suchte nach und fand im Sack mit Knochen einen kleinen1 Jungen, den' Bruder des Bauernburschen, der die Knochen verkauft hatte.' Das Kind war dem Erstickungstode nahe. Was wäre da alles geschehen, Wenn man einen toten Christenbuben im Schuppen des jüdischen Händlers gefunden hätte? Die- Wege der galizischen Justiz sind sonderbar.' 'In /Sedziszow, einem Städtchen in - der Nähe Rzeszöws ereignete: sich'folgender Fall. Ein junges jüdisches ' Weib'lag :in Geburtswehen.:: Die Hebeamme fürchtete die Verantwortung auf sich zu laden, und ließ den Arzt, einen gewissen Dr. Gu'rko, einen'bekannten Antisemiten, holen.'Dr. Gurkö weigertesich -jedoch' zu -kommen. Aiif wiederholtes Pochein und 'Bitten, nachdem man ihim klargemkeht, daß es sich um ein Menschenleben handle, daß-höchste Gefahr im1 Verzüge sei, entgegnete der Arzt: „Das' Malheur, wird eine Jüdin \veniger: auf der- Welt sein“. Die Verwandten der Wöchnerin ‘ schickten - in das nahegelegene Ropczyce:,um einen-Arzt. Stünden verrannen' und die Gefahr 'wurde immergrößer. Da: ging' die Weißwäschenäherin Feige Er faste in nochmals 2um Dn Gurkö,;:um ‘ihmzu bewegen, doch zur- Wöchnerin: zu'kommen. Es war bereits 7 Uhr'rirüh. -'Dr.'Gurkö aber schlug die Erbstein ins Gesicht. Als sie' fragte, Avarüm man sie schlage, da stieß sie Dr. Gurko derart, daß sie zurTür hinausflog. ' Feige Erbstein verklagte den1 rabiaten Arzt und erwartete, daß das-Gericht Recht' sprechen würde. Wunderbar!sind jedoch die-Wege galizischer Justiz! Das Verfahren gegen Dr. Gurk o wurde’ eingestellt iifid gegen die Erbstein eine Strafanzeige "bei der . Rzes-zower Sta a ts a n waltschaf t' w egen n acht 1 ich e n UeberfaUes erst a t tet- Das geschah vom Gerichte aus'. ' ' ' Als nun das /-Lemberger Tagblatt“' diesen Fall in seiner Numnjer vom 23.-d. -behandelte, wurde diese' Nummer konfisziert.' 'Allerdings hat Abg. Breiter dfcn Artikel sofort durch' die Ueberreichung einer Interpellation 'immunisiert.- Gegen Feige Erbstein'aber,' welche die' Vermessenheit besaß, einen antisemitischen, .unmenschlichen Arzt'zu verklagen, wird ein Strafprozeß angestrengt werden. Die Angelegenheit ist so kraß, daß man kein weiteres Wort-hinzuziifügen braucht. m -in' .: AKADEMISCHE VERBINDUNG „KÄDIMAH“ ' \ Wien,'!., Wies?ngerstraße 3. ■ iri< Dienstag den 7. und,Mittwoch den 8. Mai 1912, 8 Uhr ^abends, *Jjn; Architektenvere’nes, :!$"^scli^bücffjpilsel^r. | V0RTRAGS4Äffll | des Herrn Davis T ri et s c h;_ aus Berlin über „Palästinas als &Fü®tT - jüdischer Einwanderung“. . Sitze, gültig für b’id2 Abende, zu 5 K, 4 K* 3_: K, 2 K und 1 K 50 h und Stehplätze zu T K sind bei allen VerbindungsniiigHedern, im Cotileür-Cafl Märienbrjicke, .1., RstenturmstraEe und im Jüdischen Volksheim, II, StephaniestraÜe 12, erhältlich.:'; Konkurrenten füralle ohne Ausnahme“, sind. Alles sind sie, nmykein Volk, das .einen .Boden, die erste und letzte Lebensbedingung eines jeden Volkes, besitzt. D,och in :diesem . Punkt -bricht Pinsker mit der-j histori-.chen Vergangenheit. Nicht Palästina soll -die-ersehnte- Stätte .werden, nur auf einem ganz-fremden, mit-den Juden historisch nicht, verbundenen- Territorium, soll die Wiedergeburt (des Volkes; vollführt ■ werden. Pinsker ließ sich-, wie es scheint, von den-schlechten Erfolgen der von Baron Hirsch und Rothschild geleiteten Kolonisation Palästinas n irreleiten, anderseits ging er von einem' falschen, historisch ganz unberechtigten Standpunkte: aus. Seiner Ansicht nach durften die1 Juden i . Palästina, wo sie als ein politisch wirkendes; Element zugrunde : gegangen - sind,-; absolut: nicht zur Stätte ihrer nationalpoUtischen i ,Wiedergeburterwähien. Er: begnügte sich aber -nichtn-urmit Plänehiachen,:! sondern zeigte; auch : klare Mittel zur Realisierung seiner Idee an'. Nicht um-die Renaissance des jüdischen: Geistes handelte es sichihm, sondern um reinerein;■ökonomische Frage. -Nur für das jüdische, ■ Proletariat Osteuropas; müsse dieses Territorium ibesimmt sein und schnell soll es geschehen,-' denn „jetzt oder niemals“ ist.-Pmskers Mahnung:; r -; Um das: von-ihm skizzierteProjektzurealisieren, wollte, er, ,, daß-, die : A-llia-n c e i sr a:e 1 i te einen: Kongreß einberufen, ein Direktorium wählen,.- mit :.einem, Worte eine groß? zügige Aktion unternehmen sollte. . Bei näherer Betrachtung der;IDetails:isehen wir, daß .'in- -seinem Projekte die Grundrisse .urtr serer heutigen Organisation: zu .■findensind;.:/— freilich mit' dem Unterschiede,*:'!-daß-; der' .Endzweck ,, der Lösung :der Judenfrage in/Amerika ParteisNachrichten: f’ij ’/ r> n i:;i fi Mitteilungen/ des Innerösterreichischen pk, .Öbniännerkonferenz;1 : ‘.!:;i Freitag, den 3. Mäi! findet^ die-nächste'Ob- [ männerkonferenz statt, zu welcher die Vorstände sämtlicher zionistischer Vereine Wiens hiemit geladenTiyy«4eD?/jßeginff präKsä halb 7 Uhr. Ort: IX. ‘ Tüfkehstrassew 9. 'Tagesordnung 1. Partei-jund Organisatiönsfragen 2. Hochschulfragen,v 3.,v Wiener; -zionistisches j Gartenfest.''!/ Die, Verei^^yprstände twerdeiij.jUm, -si.^eres, Erscheinen gebeten. -. , . Distriktsseminar.; f ( y . Der nächste- Seminarabend fhjdet Dorinqsjag. den .9. Mai präzise 7,Ühr.aibffst im Großen.Saale IX. Türkenstraße’9 statt. 'Tifemä: „P'äl a sf in'-'ä als Siediuri-gsland“. Referent': Dr. Eni!H stein. ■■■■■■,/'i-y n-i-,. : - Schekelagitation 15672. Gesinnungsgenossen,5 die1, Schekelblocks über- ,, nommen haben, werden um baldige Verrechnung j gebeten. , Neue Schekelblpcks, . werden ^täglich ■ während 'der,;B.ürpstunden,,mxsgegeben. A^’.-yer . trauensmännern , .erfolgt, über, y^ujisch; die',t!Zu? ' sendung mittels'V PosL^■Weitere AusgabK.teII«i, i der-, Schekelblocks: ’!ri’,r\!y i jen, .n,IL,'',i'St,efanie^ ‘ straße 12, , (Jüdischesi, Volk&h^im),,, in, ,’G.^zi Karl Schwarz, Brückenkopfgasse. J. Vjj.3-1 Die Gesinnungsgenossen yrer/Jen, ersucht, .emq rege Agitation ,fürL.die. jEinsanimIung.,der Schekolim zu ,entfalten“;;;.,|V •'ii: 'rJ-: .... Die;yereitisvorstände 'werden hiemitzur’ Abiführung . derfälligen. Parteisteuer; aüfgefordeyL Die studentischen, Organisationen haben .den,‘auf sie entfallenden Gesamtbetrag., an . Parteisteüer spätestens 15. Mai d. J. äbzujiefern. ^-h Quartals- und MpnaitspStAtistik;. der N. F.-Sämmlungen. 1 r-i - ■;:s -ii-i,., in;;'; -- ' Jänner-—März-ilQl2.); i;!'. ,!! : -Nachstehend'' die' Zusämriienstellung!5der'iNF: Eingänge im‘ Kölgdf Haüpfb'ür'ö aus d^n Vier Rändern, die nach, ihrem absoluten, Samme’efg'ebnis an :erster, Stelle ^stehen. > :Die:; Daten; sind;;-- in Kronen - umgerechnet, den Monatsäusweiseri aus der „Welt“’ entnommen;'''71:'1'-// ' '' SanimeisteHe' :7 ,, Gesamt-, , 'Betrag K Jän.—Feb. . I9r2 .‘? '' K ,v-' März , : 1912 " K;i! Österreich 41419*73 15077*73 26342-— Rußland 31246*30 23043-92 8202-38 jj - ' trijtfii r,*it . t -■;i!' ‘ Nordamerika. 18M4*30 10626-54 ^377:7:6 Deutschland. 10138.^;V>679^b * '■/ « ' : i J 15 *' .! erj n Oesterreich; steht': somit iini .denz NF-Samm-: langen des iL; .Quartals,1912bandersten; Stelle. zu suchen sei. Pinsky^jfebJte'die Liebe zu Palästina, weil er dem '•* jüdischen Proletariate sofortige Hilfe bringen wollte und die geistige Renaissance der Juden?-'äbsolfitJ-nicht von einem historisch-nationalen. ('Boden-.; abhängig machte, sondern durch den - jüdischen . Geist '(Thora) könne auch, r.ein iden, Juden-, ganz fremdes ^Land zu; einem, neuen riPalästina.7werden. . , ' y/t , Wie ganz;;:verschiedenii>.ist,: in..dieser.-:Hinsi.ht sein .Gedankengang >von dernji-desn im Westen:; Europashebenden Philosophen ,;; des Zionismus-:,Ir-;-Möses (Hie ß, für - den jairnur, Palästina die, einzige Stätte jüdischer- Renais-t sance war. Es erscheint uns fast wie rein, Rätsel, daß Pinsker,.der im.fernen Osten;lebte.,;wo die Sehnsucht der jüdischen Volksmasse nach dem alten Heimatlande eben in den letzten Jahrzehnten des; vorigen. Jahrhunderts' immer deutlicher (zum - Ausdruckgekommen ist — I ein-wildfremdes Territorium-r alsjüdisches, ■ Zukunftsland erwählt hatte. -tnin-.-;? . Bald schwanden seineTräume von einer Nationalisierung! der Alliaince,i dieisich an die Spitze der neuerwachten- Judenheit, stellen sollte. - Statt der erhofften;- Erfolge; erlebter er.--nur Täuschungen, doch verzagte er absolut nicht, sondern,.eifrig schritt erzur uTätvkEr;. der:. sechzigjährige,i^Von seinem- Berufe aufgerieberie:;Greis,--'scheutees nicht; mit ijugendlichemuEifer.;-aiudie - Realisierung seines :Planes heranzutreten.:-:-: ,; r, .,- . i, -. iibii Schön! :um'; die Siebzigerjahre: «ntstand ,in Rußland, die. - chowewe;- zionistische ■ Bewegung, die einen, kleinzügigen, ausgesprochen philanthropischen i.üZw.eck - verfolgte.*! iln:: dieseiitnBer wegung, sah Pinsker 'den einzig.-gesunden Kern des jüdischen: Volkes.'Er.stellte sich nun an:!ihre Spitze, c^DferwilligJür: die iheilige, Sache :zu wir-