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Jüdische Zeitung · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Der Ehrenplatz, den es 'heute gegenüber Rußland, Nordamerika und Deutsch'and inne hat, muß "behauptet1 werden. Dazu' bedarf - es der intensivsten '‘Tätigkeit der NF-Kommissäre und aller Zionisten Oesterreichs auf sämtlichen Samm'elgebieterf des Jüdischen Nationalfonds.' Die Sammelstelle bereitet' eine umfassende‘Agitation in»'allen:-österreichischen Orten (anläßlich der Sdhewuoth-Feiertage vor. Vor und nach diesen Festtagen/'soll ' eine; rege^ Sammeltätigkeit eirigeleitet werden, für die demnächst genaue Instruktionen heraüsgegeben werden. Wir erwarten, daß jeder seine Pflicht tue, um. Oesterreich1: im Ergebnis der NF-Sammlungen dauernd die erste Stelle unter den vier Hauptländern zu sichern;-. .;!• Die Landessammelstelle ,'\ des. Jüd. Nationalf'dnds. Offene Briefe. Herr Kultuspräsidenten Dr. Alfred Stern. Jtr- Iniider letzten Kultussitzüng haben Sie meine „Erinnerungen“ -zum ■ . Rechnungsabschluß entstellt wiedergegeben. Unwahr ist vor allem, daß diese mit dem Rechnungsabschluß nicht in Zusammenhang stehen, vielmehr;behandeln sie’die beiden wichtigsten Finanzffiemen: wie werden die Einnahmen am besten'gesteigert-und'wie werden die Steuern gerecht: aufgeteilt. , : Meinen ersten. Vorschlag auf Herabsetzung des Mindestsatzes der obligatorischen Steuer betreffend, haben Sie mit Behagen den Satz herausgegrlffenj. d'aß die Exekutionsführung, soweit sie notwendig-sei,ja vom Staate unentgeltlich besorgt'werden. .Sie wollten dadurch den: Schein aut>mich;werfen, als schwärme ich für Exekutionen, Sie: unterdrückten aber den Vordersatz, wonach' ich eine Vermehrung der Exekutionen bei: der gut jüdischen Gesinnung gerade, der künftigen 10 K-Männer für ausgeschlossen halte. Mir handelte es sich nur darum,. Ihre Ausrede von der Kostspieligkeit der Exekutionen zu zerstören. Meinen zweiten Vorschlag auf Einführung des Reichenberget'' Systems erklärten sie nicht zu verstehen; obgleich klar ausgeführt war, daß dies; jenesihvon-; der; Kultusgemeinde Reichenberg seithJahren! erfolgreich geübte System sei, wonach der Zensit sich selbst einschätzt und die letzte . Personaleinkommensteuer-Vorschreibung vorlegt.: Er soll hiedurch geschützt sein, mehr denn :: etwa 50% der Staatssteuer als Kultus-1 Steuer zu zahlen. - Ich: -zitierte für meine Behauptung, daß in Wien die Kultussteuer willkürlich vorgeschrieben1 werde, den Kultusvorstand selbst. Sie schoben mi r die Behauptung zu und verwahrten sich' dagegen, (obgleich doch z. B. der notorische Millionär . Spitzberger keine 100 K Kultussteuer bezahlt hat!) Ich entschuldigte diese Willkür noch damit, daß die Großstaat den Einblick in Privatveihältnisse erschwere. Sie suchten, die Mitglieder der Bezirkskommissionen als durch mich' beleidigt hinzustellen, während ich mit als Hauptziel: der:: Reform aussprach, daß jenen arbeitswilligen Männern eine nützlichere: Arbeit gegeben^ werde .alss.Steuerschnüffeln. Herr Präsident, mit solchen“ Mätzchen nützen Sie sich nichts;■ ■!’ ,/ Dr. Egon Zweig : Advokat. ken. Zwar hatte ihn'anfangs seine Meinungsversdhledehheit m '^ezug auf die Länderfrage ferngehalten, aber das Leben überzeugte ihn, daß die Palästinaliebe im Volke allzugroß sei, um aut einmal ’ mit der historischen Tradition zu brechen.: . ■ ü . ■ .-.-bi Pinsker, der frühere Territorialist, wurde Palästinenser und Führer der „Zionsliebenden“. Fieberhäftjntb^gann,' er zu arbeiten, gründete Ve|84feigewänh Mitglieder;- tat‘alles, um am schnellsten seinem notleidenden Volke abzuhelfCn. Aber großzügiger sollte' diese Aktion geführt werden, eine Aussprache zwischen den führenden Persönlichkeiten stattfinden, um die Richtungslinien einer geregelten Kolonisationstätigkeit “in' Palästina zu zeichnen. Die Einberufung einer'Konferenz schien ihm die erste Vorbedingung: 11jeder '.Arbeit zu sein. . Freilich war nicht die; Kattowitzer Konferenz. (1889) vonsolch imposantem Aussehen wie-'1 die späteren ‘ Kongresse, aber wenn wir die damalige Desorganisation der russischen Juden berücksichtigen, erscheint sie uns um so bedeutungsvoller,' weil sie die Basis zur Schaffung einer . nationalen Organisation gelegt hat. Sein Wunsch wurde hiemit teilweise zur Tat und die Kolonisationstätigkeit begann einen viel größeren ' Umfangzu erreichen, Pinsker als Leiter und die eigentliche Seele der Chowewe- Zipnisten'. leistete ~ vieles, . von dem Gedanken geleifet^ilaS'fsidli, nur in Palästina die eigentliche: Wiedergeburt ' der' Judenheit vollziehen" werde' .iWJe, wir-; sehen, vollzog sich in Pinsker im Laufe der Zeit eine Entwicklung, die in ihm den Glauben, an die bessere Zukunft seiner; Stammesgenossen, stärkte-pnd ihn immer mehr zur Arbeit., ansporptei^- bis ihn der Tod , im Jahre 1892 dem Volke raubte.; Wir erha^temf folgende- “Zuschrift: An den Herrn Oberrabbmer Dr. Moritz Gfidemann Als ich die Blochsche Wochenschrift vom 12. d. M. durchblätterte, bemerkte ich Ihren Artikel mit der Ueberschrift „Jüdische Vornamen“. Im ersten Momente war ich sehr erfreut, weil ich mir gedacht, daß die Rabbiner endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht sind, um gegen jene Sorte von Assimilanten, welchen der jüdische Vornamen nicht passt, Stellung zu nehmen. Ich glaubte, daß auch die Rabbiner; ein Interesse an der Erhaltung des Judentums haben unddaher höchstwahrscheinlich die Einleitung, großzügiger Aktionen zur richtigen Erziehung der jüdischen Jugend der Oeffentlichkeit bekanntgeben. Aber welch ein Irrtum! Ich war empört, als ich Ihre Ausführungen zu Ende gelesen hatte. Herr Oberrabbiner, glauben Sie wirklich daran, daß der Jude in Versuchung kommt sich zu taufen, weil ihm ein echter jüdischer Vorname wie Moses,.Jakob, Abraham etc. unbequem ist? Haben die Täuflinge der letzten Woche das Judentum verlassen, weil sie Träger echt jüdischer Vornamen waren? Ich bedauere Sie um Ihres Standpunkteswillen! Lassen Sie sich eines Besseren belehren. Ein Jude, welcher sein Haupt, vor dem Taufbecken beugt, weil er sich des .jüdischen Vornamens schämt, ist kein Jude, sondern ein jüdischer Assimilant gewesen. Ihre Behauptung, daß es eine Schande ist, wenn Juden ihren Kindern echt1 jüdische Vornamen geben, kann sicherlich zur Stärkung des Judentums nicht beitragen und wir selbstbewußte Juden bedanken uns bestens für Ih/e Ratschläge. Es ist eine Schande, daß jüdische Theologen, Träger de«; jüdischen Wissenschaft, derartige haarsträubende, das Judentum schwer schädigende Behauptungen aufstellen und es wäre ratsam und heilsam, wenn Sie sich wieder ins Schlafgemach zurückziehen würden. Hoffentlich werden Ihre galizischen Kollegen Ihre assimilatorischen Anregungen unbeachtet lassen. Benno Landmann, Privatbeamter. Eine weitere . Zuschrift : . Jüdische Kinder, Jüdische Namen! Der israelitische Oberpriester von Wien, Herr Dr. M(oritz) Güdemann hat im „Bloch“ einen Hirtenbrief an sjjfjiye; Amtskollegen in Galizien erlassen — für den zivilisierten Westen hielt er dies nicht für nötig —. sie mögen um Gottes und des heiligen Glaubens Willen den jüdischen Kindern . ja. keine jüdisch-alttestamentarischen Namen beilegen, sondern.-nur moderne, damit der Namensträger nicht künftig in Handel, und Wandel . bei seihen Mitbürgern Anstoß errege und sich schließlich, nur um seinen Vornamen los zu . werden, taufen ließe. Der israelitische Oberpriester von Wien hat sich im Laufe seiner langjährigen Amtstätigkeit schon manches Heldenstück geleistet. Ewig denkwürdig wird sein auf Geheiß des Kahals verfaßtes „wissenschaftliches“ Werk bleiben, worin gegen Herzls Judenstaat klipp und klar bewiesen wurde,' daß die mosaische Religion ein jüdisches Volkstum verpönq. Und als bei Gründung des Mädchen- und Frauenvereines „Bikur Chaulim“ der Herr Oberrabbiner um dessen. Zwanzig Jahre sind nun verflossen, seitdem Pinsker, der erste ■ Organisator der modernen Judenheit, gestorben ist. Und-mit Freuden müssen wir konstatieren, daß seine Arbeit Früchte getragen hat. Pinsker hatte den steilen Weg zu bahnen - begonnen, der jüdischen Volksmasse das nationale Bewußtsein und die Idee der Erlangung eines nationalen Bodens in Palästina beigebracht. Er ist zwar vom Standpunkte ausgegangen, den Juden rein ökonomische Hilfe zu bringen, doch im Laufe seiner inneren Entwicklung gelangte er sogar1 zum Schlüsse, daß in Palästina ein geistiges Zentrum im Achadha-mistischen Sinne entstehen werde:. Pinsker verblieb, wie wir sehen, nicht auf einem und demselben Standpunkte, den er in der „Autoemanzipation“ vertrat, sondern entwickelte sich immer weiter. Als solcher ist er für das moderne Judentum von großer Bedeutung. Für den Zionismus ist er alpt der -erste nationale'Organisator des jüdischen1 Volkes ein Vorländer Herzls. Ohne Pinsker hätten, wir keinen Herzl. Eine große Entwicklung hat zwar die nationale Bewegung im Laufe der letzten zwanzig Jahre durchgemacht. Die Organisation winde ausgebaut und befestigt, die Idee immer inhaltreicher und .^wissenschaftlich begründet. Doch sollen wir uns immer daran erinnern, daß wir in Pinsker . deri . Ersteni, gehabt - haben, der zur Schaffung dieses modernen Judenwerkes beigeträgen hat. Hätte, ef nicht dazu1' den rmptils gegeben, wer Weiß,'röb wftf heilte mr Judentum eine solch einheitliche Bewegung, wie es die zionistische ist, hätten. Mit ihm begann erst die eigentliche Arbeit für die jüdische Renaissance auf jüdischem . Boden. Darin eben besteht sein historisches Verdienst. Brody. ' N. M; Gelber. Förderung ersucht wurde, lehnte er mit der Begründung ab, der Krankenbesuch, sei für Damen ,unschicklich und wider die Satzungen das heiligen1 Glaubens. Als wieder Professor Feil - bogen samt Gemahlin sich beim Papste eindrängten und taktlos benahmen, hieß den Herrn Oberräbbiner sein Ehrgefühl von der Kanzel herab namens dergesamten Judenschaft de- und wehmütig Abbitte zu leisten, von derselben Kanzel, welch er vor jeder Kultuswahl zu Pre - digten gegen die1 bösen' Zionisten mißbraucht. Jetzt aber,hat er seinem Lebenswerk die Krone aufgesetzt. Er schreibt die denkwürdigen Worte: „Wenn einer die Fähigkeit nicht in sich fühlt ein Moses zu sein, so braucht er' doch auch nicht so zu heißen“. Ei, Ei! Diese Ausrede ist wirklich billig, denn eswird sichnicht so bald, ein wahrhaft zweiter Moses finden! Bisher aber hatten wir denn doch geglaubt, daß die Kultusisraeliten, die sich nicht zu ihrem jüdischen Volke bekennen, wenigstens dem mosaischen Glauben, angehören wollen. Lassen, sie ja unsere Schulkinder mit dieser Marke zieren! Jetzt klingt Ihnen aber auch schon Moses zu jüdisch. — Herr Oberrabbiner, lassen. Sie es sich gesagt sein: Durch so erbärmliche Mittel,, wie den' Namen Moses auf Max umzutaufen, wird jüdisches Heldentum oder auch nur die pflichtmäßige Stammes- und Glaubenstreue niemals zu erzielen sein. Wir Zionisten wissen es anders. Ein Kind, dem von seinen Elternein alttestamentarischer Vornamen beigelegt ist, soll, und? wird diesen als kostbares Symbol des Zusammenhanges mit jenen großen Ahnen schätzen lernen, welche den gleichen Namen, geführt haben, und wird sich dadurch beständig,-angeeifert fühlen,- dieser großen Ahnen würdig zu sein; Jeder Jude, den voii jung-auf solche sittliche Ideen erfüllt haben, wird sich stets gegen die Anfeindungen der Antisemiten und die Zumutungen der Kultusisraeliten gleicherweise gepanzert finden. 2. Ras dem iüöifc&ei! ftbem DOPPEL* MALZ* Ausma-BrauereiWten-NeiKiorf. •hiJ Zun» Kiewer „Rituahnord^-Prozeß. Kiew. Die Gerichtsverhandlung gegen den des Mordes an dem Knaben Andrej Justschinsky angeklagten Jüdischen Arbeiter Beilis ist nun endgültig auf den 171'Maj a. St .anberaumt wordene*) Die Verhandlung wird öffentlich sein. Diese Entscheidung des Gerichtshofes kommt um so überraschender, als der bekannte Judenfresser Schmakow,: der die „Vertretung^1 der Familie des ermordeten Knaben übernommen hat, in einer Eingabe an das Gericht um möglichste Aufschiebung des Prozeßtermins ersucht hatte. Man, nimmt an, daß in> den Petersburger Regierungskreisen gegenwärtig ein ungünstiger Wind gegen die sonst von dort geförderten „echtrussischen“ Progromhetzer weht, und, daß vom Justizministerium. Weisungen nach. Kiew ergangen seien, die Angelegenheit zu beschleunige Die ganze Anklage im Prozeß Beilis beruht auf den Aussagen einer Frau Schachowskaja, die in Feindschaft mit Beilis lebte. Diese Frau bezeugte, daß nach den Angaben, die ihr; eine Straßendirne namens Wolsywna gemacht haben soll, letztere gesehen habe, wie Kinder auf dem Fabrikhöfe, wo Beilis gearbeitet hat, spielten, und wie der Angeklagte Beilis plötzlich auf sh stürzte und. aus ihrer Mitte den Knaben Justschins»(i heraüsholte. Zwar bekundete später, beim. Verhör die genannte Wolsywna, daß sie nichts, derartiges zu der Schachowskaja gesagt hat. Dennoch scheint der Wunsch, einen „Ritualmordprozeß“' aus dieser Sache zu machen, so stark gewesen zu sein, daß Beilis trotz der Unglaubwürdigkeit der Aussagen der Schachowskaja verhaftet wurde. Bezeichnend ist die Tatsache, daß die Untersuchungsbehörde von einer Anklage gegen Bei'is• nichts1 wissen 'wollte und seine Unschuld für-ziemlich erwiesen ansah. Trotzdem wurde die Anklage erhoben. . .. ln der Sitzung des- Kiewer Gerichtshofes? von Freitag, den 7. (20.> April,, wurden dies 33 Geschworenen, die das, Urteil im Beilisprozeß, fällen sollen, ausge'.ost. Unter den, 33 Geschworenen befinden sich auch 3 Juden. Die Pogromagitation der „schwarzen Hundertschaften“ und der übrigen organisierten, und nichtorganisierten Judenfressen wird immer schamloser und nimmt bei der wohlwollenden „Neutralität“^ der Lokalbehörden bedrohliche Dimensionen,, an.,'Mit besonderem Eifer . benutzt der berüchtigte Antisemitenhäuptling Purischr kewitsch den gegenwärtigen Zeitpunkt zur Entfesselung der wi desten Voiksleidenschafien. Er *) Mittlerweile wurde der Termin der Verhandlung; auf unbestimmte Zeit verschoben. (Nachbemerkung d. Red.)

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