Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16‘ JÜDISCHE ZEITUNG- Seite 5 Freiherr starbt.und \yurde über. Wunsch seiner Kinder auf einem christlichen Friedhof begraben; der Oberrabbiner fand daran nichts auszusetzen ‘und hielt sogar am offenen Grabe dieses Fr.eiherfh; eine Lobrede, ln Drohobycz fielen Juden ajls Opfer galizisch-assimilatorischen Wahlschwindels;; der Oberrabbiner von Wien schwieg. '■'/•Vorige-Woche aber konnte der Oberrabbiner riMit-mehr jin sich halten. Eine innere Stimme trieb ihn, laüs ,der Reserve herauszutreten und er sdirieb ‘ in' -der Blochscherr Wochenschrift einen Artikel: Was1 'brachteden hochwürdigen Herrn aus’--'der' Ruhe? Ist das Judentum in Gefahr? IsF/einjlneuer.[ „Judenstaat“ erschienen? Nichts vojr - alledem. .Die Ursache. ist schwerwiegender. Es“ gibt nämlich jüdische 'Namen,, welche i'h'rieh- Trä'ge-rn däs Verhehlen ihres J u d e n t u m.s erschwer en u n d das brachte den' Herrn- M(oritz) G ü d e m a'n n in Harnisch. -'! Dri7'; Gudemarins'. Seele; ist darüber' betrübt, daß viete^gälizische 'Juden; Leib, Herz, Feibusch,. Mösesj/1 Abraham, Tsak oder1 Jakob, heißen. Das erschwere,'1 riieint er,: 'den Besitzern dieser Namen'das .Fortkommen'und darum wäre es angezeigt“'landesübliche: christliche Vornamen anziinenmcn.:Näch‘Ansicht Dr: Güdemanns sei das nichts.' Außergewöhnliches,' da doch schon vor 2000;Jahren' Juden griechische Namen zu tragen pflegten. Dr. Güdemamujnacht. nicht nur auf diesen Uebelstand aufmerksam,, sondern er gibt auch entsprechende Fij4gerzpige;-'wie. diese jüdischen Namen zu übersetzen seien.' Anstatt Moses nenne man sich Max, anstatt' Leib, Leo usw. Schade, dab . er nicht mehr Namen übersetzt. Anstatt Abraham •'Artemrus oder Athanasius, Moses k.önnteu-ydürch, i Maria wiedergegeben werden, Hejrsch :dufch‘Hilarion. Wenn schon, denn schon! ^fjarurm! auf /halbem Wege stehen bleiben und Namen/wiebSiegfried, Adolf und Moritz öder Max .1 annehmen, welche schön jüdischen Beigeschmack haben?. Dr. Güdemann ist der Ansicht, bdaßbein prononziert jüdischer Name das Fortkommen erschwere./Er hat aber diesbezüglich' nur -insoferne 'Recht, als es vorwiegend j üid.i s cShü:a s s i m i 1-i e r t e Firmeninhaber sind,:/welche;. sich, an i jüdische Namen stoßen. Der Arier,:;.welcher. Judenanstellt, -.hat nie an den-Namen Moses oder:-Abraham Anstoß gekommen. Auch die; Militärverwaltung hat mancheif 1 Israel;.’/Jakob und 'Salömon zum Leutnant beförderttuDie . Ansicht, daß jüdische Namen das Fortkommen'. erschweren, trifft in erster - Linie •auf .j.ü dfsich e Ch e f s undhöchstens b.eu; -der. A.ufste 11 ung; von Kandidaturen eines liberalen ' Bezirkskomitee«. zu.; . Ferner/ beruft sieb Dr. Güdemann auf die Juden :y^r,;2QÖ0,,Jahren, welche griechische Namen anzunehmen pflegten. Weiß aber der H err Oberrabbiner nicht, daß jene Juden auch Oberrabbiner oder halbrund'ganz assimilierte, in fremden Diensten.-istehende 'Hohepriester waren? Weiß er “mcnF,".daß iFlie, ' Juden ' nur zu Zeiten des tiefsten Niederganges' fremde Sitten nach- -äfften und sich fremde Namen; beilegten? Emp- .findetceKniifcht,-daß: es gerade einem Oberrabbiner nicht ziemt, sich Beispiele, aus .der.Zeit der -tiefsten,.- nationalen; Schmach zu. holen? b.- h i -i A Hat sich,,'et%va Moses Mäimonides, Max oder j -Möritz genannt? Hieß , Rabbi Salomön jitzcliäki; ■^Raschi) Sylvester Jitzchaki? Warum 'sollten wir' nicht diesen 'Männern nachahmen? Oberrabbiner -Güdemann ist augenscheinlich der Ansicht, daß ’ däs^gesämte jüdische Volk so aussieht,'wie die •'Kinder‘ der Mehrzahl seiner Kultusvorstähde. Er njeinb daß kein Jude mit Stolz den Namen Abra-: ■itain ödef'Moses oder; sogar Wolf zu' tragen gewillt' ist.; Er projiziert die Sucht des „Sich-nichi-; ■ zU-erkennen-gebens“ - aus seiner Seele und der ’ Stimmung: seines assimilierten Kreises auf das 'ganze Judentum. Und das ist, hochwürdiger Herr 'OberrabbinerJ ’ein/großer Irrtum Ihrerseits. “Ji' V ' Pbyffabbiner Güdemann meint, .daßdie Leute, bisher 8000 Kronen gesammelt und abgeführt worden. Nach den zufriedenstellenden Berichten über die Palästinapropaganda und die Nationalfondssammlungen in Gaiizien wurden zwei Resolutionen angenommen, in welchen das' galizische Zentralkomitee aufgefordert wird, die Sammlungen für den Zentralfond energisch zu betreiben wie auch eine großzügige Schekelpropaganda zu entfalten. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die Landtags wahlreform. Gg. Dr. Leon Reich erstattete darüber ein ausführliches Referat und Gg. Redakteur Moses Frostig das Koreferat. In der Debatte wurde von allen Rednern verlangt, daß die zionistische Politik sich vornehmlich mit ..den ökonomischen Interessen der Massen beschäftigen möge, da nur die _ ökonomische Fürsorge die zionistische Politik auf eine gesunde und stabile Grundlage zu stellen geeignet sei. Zum Schlüsse-wurden die Vorschläge des Dr: Reich mit, dem;Zusa,tzantrage. Frpstig- Dr. Ringel angenommen; Den Beschlüssen ‘ zufolge soll das zionistische?: Zentralkomitee der Frage der Landtagswahlreform besonderes Interesse widmen, bei den bereits oft promulgierten jüdischen Forderungen beharren und mit den einzelnen Parteien des Landes in Verbindung treten. Jedenfalls muß darauf Rücksicht genommen werden, daß die jüdischen Forderungen nicht durch Lauheit unberücksichtigt bleiben. Gg. Neiger regte die Frage der allgemeinen österreichischen zionistischen Organisation an. Diese Frage fand nicht viel Verständnis. Schließlich wurde der Beschlub gefaßt, aut die Tagesordnung des nächsten Parteirates den Punkt „Verhältnis zu den anderen zionistischen Organisationen in Oesterreich“ zu setzen. Die nächste Sitzung wird statutengemäß in drei Monaten stattfinden. Dieser Dreh macht dem Herrn Oberrabbiner Ehre-rund belehrt '- uns,; . warum .er ' Moritz! SdiliiBFfor3ert>Herr uuae^mrs’seirie'" frömihen " Und 'gelehrten* *' g'älizischen Kollegenauf; --seine Ratschläge, die er; als minderclfrömmej* ainefbweniger, gelehrter er-: teile, ,ztf beherzigen. Nun, das glauben wir ihm,; ,läem',Heffh Güdernann, daß er minder frommj -iuiid; .getehiit'i iistp.'jals:■ dici ieinfachen': galizisch en i i Rabbiner,; .für.: welche: der'; Name > Mpses oder; 'Abraham nichts Unbequemes-enthält. Beweis für die .Wahrheit der Güdemännscben Selbsterkennt- -*nis’: sein ‘letzter-Artikel. n»Hvii 'l b1-; h ^embepgep Brief. .i\ terstatter.) 4b —-Zuder-Parteiratssitzung' am—24.- d. erschie- Mitgliedern«!4, zlagoni fMöaus raer# Provinz.*? DeriBerichtl&esiVorsitöen- ,Qg.i[Adolf- Stand: über die: Sitzung des bPtroßjean Aktionskomitees in Berlin wurde. zUr •j^hhthis-g.ehQmmen und der:Zentralleitung-ein- .tstimmig: r.dasVertrauen , ausgesprochen; Von den 30.000-, Kronen, welche; Galizien für den; Zentralfond beizusfeüern sich verpflichtete, sind Bus dem pifAen Beben. Generalversammlung des HiKsvereines der Deutschen Jaden. Inr großen Saal des Logenhauses zu Berlin fand am 14. d. M. die Generalversammlung des Hilsvereines der deutschen Juden statt. Der Präsident des Hilfsvereines, Dr. James Simon, eröffnete die Generalversammlung mit dem Hinweis, daß der Hilfsverein auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken könne. Dann erstattete Dr. Simon Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereines im Jahre 1911. Der Hilfsverein zählt heute über 25.000 Mitglieder und hat mehr als 160.000 Mark Jahresbeiträge. Die Gesamteinnahmen für 1911 belaufen sich auf 335.000 Mark. Der Vortragende gab einen Ueberblick über das Hilfswerk für die notleidenden Juden im Osten, namentlich in Rußland, wo im Berichtsjahre massenhafte Judenausweisungen s'attfanden und wo sich die Bureaukratie in der Erfindung immer neuer drückender Maßregeln gegen die Juden nicht genug tun kann. Das Hilfswerk für Rußland und die russische Auswanderung erforderten im Jahre 1911 264.000 M. Die gesamte jüdische Auswanderung, die zu70°/o aus Rußland kommt, betrug im Jahre 1911 mehr als 100.000 Personen. 41.000 Auswanderer haben ihren Weg durch Deutschland genommen. Die Kosten, die die gesamte Fürsorge für die Auswanderer verursacht hat, betrugen 210.000 M. Die Versammlung nahm den Bericht des Präsidenten über die Vereinstätigkeit im Jahre 1911 mit großem Beifall auf. Hierauf skizzierte Dr. Paul Nathan die Tätigkeit des Vereines in den ersten zehn Jahren seines Bestehens und besprach - dann eingehend die russische Judenfrage und die Wege, auf denen sie gelöst werden könne. Der Redner führte folgendes aus: „Bei einer Unterredung mit ‘dem Grafen Witte und dem Präsidenten Stolypin fragte ich diese Herren, was von der Regierung zum Schutze der bedrückten russischen Juden geschehen wäre. Beide Herren antworteten: „Lassen sie uns nur Zeit; die russische Judenfrage wird auch eipmal gelöst werden . . .“ Wir meinen, daß die russischen Juden nicht soviel Zeit haben wie die russische Bureaukratie. Deshalb bleibt ihnen nichts anderes übrig, als auszuwandern und sich eine die jüdisch-nationalen , Studenten in allen jüdi- I neue Heimat zu suchen.“ Der Hauptstrom dieser sehen Kreisen lebhafte Unterstützung und es ist t Auswanderung p-eht bis ietzt nach den Vereiniwmcht ausgeschlossen, daß. die ukrainischen Stu- Gleich den Bukowinaer Kollegen führen -die Lemberger jüdischen Hochschüler einen energischen Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den galizischen Hochschulen. Anläßlich der gegenwärtig stattfindenden Inskriptionen wendet sich der vor einigen Wochen gewählte Vollzugsausschuß der jüdischen Studentenschaft an die jüdischen Hochschüler in einem Aufrufe und fordert sie auf, die Rubrik Muttersprache in den Meldebogen mit „Jüdisch“ auszufüllen. Dieser Aufforderung kommen fast alle Hochschüler nach. Die Quästur, macht bei der Entgegennahme derartiger Meldebogen keine Schwierigkeiten . Man muß aber ähwarten, welche Stellung der Senat einriehmen wird. Darnach wird sich auch die Haltung der jüdischen Hochschüler richten. Jedenfalls sind die Studenten entschlossen, den Kampf mit voller Energie durchzuführen und schrecken auch nicht_ vor einem Streik zurück. In diesem Kampfe finden denten den jüdischen Kollegen hilfreich Seite stehen werden. zur Auswanderung geht bis jetzt , nach den. Vereinigten Staaten von .Nordamerika. Es muß aber mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Vereinigten Staaten die Auswandererscharen nicht mehr aufnehmen. Als Ersatz kann dann nur das Osmanische Reich mit seinen großen, dünnbevölkerten Ländermassen in Betracht kom- _ _ ... . , men. Dr. Nathan besprach dann im einzelnen die Ansiedlungsmöglichkeiten der russischen Ju- Vor einiger Zeit fand in Krakau eine Kon-j terenz der polnisch-klerika'en Partei statt, welj che hauptsächlich der Besprechung der Juden-; trage gewidmet war: Als Referent trat der Lehä 90 Prozent jüdischer Schüler besuchten Volks- , . . „ . „ . . schule angestellt ist. Die Konferenz nahm fol-‘ den ,n der Türkei, speziell in Syrien und Pagende Resolution an: „Die Versammlung der. Tästina. Die interessanten Ausführungen wurkathöüschen Polerr erachtet es als notwendig, 1 den mit großem Beifall aufgenommen. Mittel zum Schutze gegen die. sprach--und glaubensfremden Elemente,in dem öffent-j liehen polnischen Leben ausfindig zu machen.! Der katholisch-polnische Parteirat wird aufge-j fordeit, dem nächsten Parteitage diesbezügliche! Vorschläge zu machen.“ Ueberdies wurde fol-i gende Protestresolutionen einstimmig gefaßt:. I. Gegen die Entfernung der Kruzifixe aus den! Schulen. 2. Dagegen, daß jüdische Lehrer an Volksschulen wirken und christliche Kinder un-j terrichten. Wenn man bedenkt, daß .; das pol-j nische Volk in seiner Mehrheit streng katholisch) ist, so kann man; sich von’der Judenfreundlich-j keit der polnischen Gesellschaft einen entspre-j chenden Begriff machen. Wien. Der .-Jüdisches Handlimgsgehi'fen-V er-i band, Wien, veranstaltet Samstag den 20. April, 8 Uhr abends im Saale „zum goldenen Widder“,' II. , Taborstraße 36, eine öffentliche, allgemein, zugängliche Versammlung mit der TAGESORDNUNG: 1. Die Boykottierung der jüdischen Angestellten durch den Ersten Wiener Consum-Verein. (Referent: Koll. Karl Blume.) 2. Diskussion. Die Gesinnungsgenossen werden dringend ersucht,’ zu 'dieser Versammlung zu erscheinen und gegen den antisemitischen Boykott energisch zu protestieren. Nach kurzer Diskussion teilte der Schatzmeister des Vereines mit, daß der Präsident Dr. James Simon aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Hilfsvereines die Summe von 100.C00 M. und zwei andere Mitglieder 50.000 und 25.000 M. gestiftet haben. Darauf schloß der Vorsitzende die Versammlung. Professor Dr. Eugen Mittwoch - Berlin und Julius Basch-München wurden ins Zentralkomitee des Vereines gewählt. Palästinensische Stiftungen des Herrn Nathan Strauss. Chedrah: In den letzten Wochen bereiste Herr Nathan Strauss aus Newyork — Bruder des früheren Botschafters in Konstantinopel Oskar Strauss — Palästina und informierte sich eingehend über die jüdischen Kolonisationsbestrebungen. Insbesondere wandte er sein Interesse den Gesundheitsverhältnissen des Landes zu und stellte der unter Leitung des Herrn Aaronsohn stehenden landwirtschaftlichen Versuchsstation Atlit die Mittel zur Verfügung, um ein „Health-Bureau“ (Gesundheitsabteilung) zur planmäßigen Bekämpfung der Malaria und der anderen endemischen Krankheiten Palästinas zu schaffen. Zum Leiter dieses Bureaus wurde Herr Dr. Wilhelm Brünn Sn Chederah berufen, wo das