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Jüdische Zeitung · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 4 konstituiert sind, den «Hauptgrund der Verwirrung-, Er erörtert die Vorschläge der. nationalen Autonomie, wobei er aber übersieht, daß auch1 das Personalitätsprinzip Renners nicht völlig vom Territorium abstrahiert, sondern sichauf einem: Siedlungs-Kern, den jede Nation auf einem geschlossenen Territorium besitzt, Stützt. Hier: liegt eine. der: Hauptschwierigkeiten der jüdischen Autonomie, da die; Juden in Oesterreich wohl manchenorts die. Majorität bilden, aber nirgends ein „geschlossenes“ Siedlungsgebiet haben. . Rosenfeld, glaubt an einen baldigen Sieg des Prinzips; der . nationalen Autonomie in Oesterreich, weshalb es „hoch an der, Zeit ist, die Rechte der Juden als einer besonderen Nation schon jetzt mit; allem Nachdruck zu proklamieren.“ Sind die .Juden nun eine Nation? —.Rosenfeld .läßt die verschiedenen Antworten auf tdiese Frage, welche sozialistische und zionistische Theoretiker - gegeben habenir Revue passieren. Eine ausführ lidhere ^Darstellung dieser .Frage wird sich1 aber mich, mit früheren: Auffassungen des Wesens des Nationalismus. beschäftigen müssen, namentlich jenen, weichte von den hervorragendsten Geistern der deutschen Renaissancebewegung, die der Einigung des Reiches yoranging, stammen. Hier hegen noch von uns völlig ungehobeae Schätze.. Rosenfeld legt ein Hauptgewicht darauf, daß idie Juden des Ostens als Merkmale; einer Nation ., nicht nur ^Einheit des:;iBlut.es,:;§owie Gemeinsamkeit der t zusammen erlittenen Geschichte umlauch gemeinsame .- Kultur“ haben, sondern auch eine gern einsamte .Sprache besitzen. Diese ist: nachihm kein neuer deufecher THalekt, kein Adöptivkind/sie ISt zwar nicht frei gewählt worden; aber jauch andere Nationen haben jihre-Sprache nicht frei wählen können, 'Der Jude hat führ aber seinen ^S|empel%aufgedrückt, sie |zsu seiner nationalen Sprache gemacht, säe |st das^Qifäß.neuer eigenartiger Kulti^- Ähätz&'Jlösehfeld sieht die Notwendigi- «eit der Entstehung und Entfaltung von Sprache und jüdischem Nationalbewußt- ^eiris vor allem in wirtschaftlichen Ursachen beschlossen. Er weist die soziale Struktur der Juden Galiziens nach, zeigt, daß den jüdischen Massen das Jüdische und An treu und unterwürfig anblickte. „Wirklich hübsch! Warum sündigst Du?“ . .... „Wer sündigt denn? Ich .klage doch nicht,“ 1 antwortete Szulim. „Wenn es etwas besser wäre,. würde es auch nicht schaden..." „Bes-ser,“ stieß Herr Karlin ironisch hervor. „Siehst Du, mit diesen Worten sündigst Du schon...“ .; Dwosze warf ihm einen bösen Blick zu und gfng zu den Frauen in die Küche, um sich durch einen Fluch zu erleichtern. Szulim goß inzwischen ein .Gläschen für den Prinzipal voll. „Das ist meine Aufwartung/': sagte er. „Seien Sie mir nicht böse, daß ich nichts Besseres vorsetzen kann...“ „Wieso? Es ist ganz gut,“ antwortete Herr Karlin. Er trank ein wenig Branntwein und aß. <ein Stück . von einem Plätzchen. — „Setz Du das Deinen Gästen vor,“ brummte Dwosze und schleppte die Frauen zum Herd, wo Ar Schmaus vorbereitet war. Szulim wollte sich beim Prinzipal einschmei-; cheln. , „Ich habe gestern Herrn Bassewitsch getroffen,“ fieng «r zu erzählen an. Herr Karlin legte die Stirne in Falten und wurde aufmerksam. „Er giebt schon nach,“ fuhr Szulim fort. „Er wird auf unser Angebot eingeben. Ich habe Am einen Floh ins Ohr gesetzt“ Szulim erzählte nun, wie er den Mann für das Geschäft zu interessieren verstanden hat. Dwosze stand .verärgert in der Küche. „Was ist das für ein überflüßiges Gerede,“ brummte sie. genügen kann, Weil sie durch1 den Kapitalismus überall verdrängt werden, wo sie noch in der Produktion eine Rolle spielen.-Diejüdisdie Spracht ist nach Rosenfeld ein nationalisierendes Element und der Hort des jüdischen Geistes geworden .Der Schwerpunkt des jüdischen Volkstums liegt in den breiten Schichten, welche die jüdische Sprache nicht aufgeben, schon weil sie kulturell und sprachlich nicht so mobil seien, wie das Bürgertum und die Intelligenz, welche sich überall am leichtesten assimilierten. Rosenfeld schildert sodann ausführlich das Unrecht, das seitens Gesetzgebung und Verwaltung an der jüdischen Sprache verübt wird, die von ihnen nicht als „landesüblich“ anerkannt wird. Er zeigt dann, wie der jüdische Nationalismus von der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Ostjuden bestimmt wird, daß die Assimilationspoütik, das Anbiedern an.eine der das Land bewohnenden Nation, direkt „widernatürlich“ sei. Die Lehre daraus ist: „An dem nationalen Kampf anderer Völker : sind wir nicht mitinteressiert, wir dürfen |afso nicht mitkämpfen. Wir können nur den wirt-, schaftlichen Boykott bisher kämpfender Nationen hervorrufen. Die ersten Schritte der, natiÖnalpolitischen "Bewegung waren naturgemäß tastende, Rosenfeld tadelt es aber seht, daß auch noch in der .Wahlkampagne 1911 mit der alten leeren Phraseologie gekämpft wurde. Vor allem sei es nötig, Iden Gedanken der nationalen Autonomie den Wählermassen näherzubringen, deren Keim schön-, in den Kultusgemeinden liegt. Dies sind Gedanken, , welche unsere Wiener politische Gruppe seit jeher mit aller Energie verfochten hat. Es sei nur an die unermüdliche Propaganda des Dr., Kadisch, die Eröffnung der Kampagne im Zeichen der nationalen Autonomie durch Dr. Schalit -1907 und an den von -Ing. Stricker geführten Wahlfeldzug 1911 erinnert. Nicht nationale Phraseologie, sondern die kläre Einsicht, daß die nationale Politik ein positives Ziel . — die Autonomie — haben müsse, ist das Alpha und Omega dieser Führer gewesen.; Rosenfeld schildert nun die Verfassung der Kahals und kommt zum Schlus- Die Gäste saßen schweigend. Manche lächelten einfältig, andere begaben sich in die Küche, um mit-den Frauen zu plaudern. „Der Dickwanst will sich gar nicht er-: heben,“ sagte Einer verdrossen. „Laß ihn doch ein wenig ausruhen; er hat, schwer genug an seinem Bauch zu tragen,“ meinte ein Zweiter;ironisch. „Was. sagt Ihr zu meiner Kesselpauke?“ rief Hirschei mit komischer Miene. „Trommel uns etwas vor,“ erwiederte man ihm. Man lachte und betrachtete die „Kesselpauke“ im Zimmer. Szulim ist nun mit seiner Erzählung zu Ende. Herr Karlin lächelt gnädig. Warum sitzt man bei Dir wie am Tische b’ow5)“ rief er aus. „Warum singt man nicht etwas?“ „Natürlich, singen soll inan noch,“ höhnte Dwosze. Szulim bat einige Gäste, daß sie ein Lied anstimmen sollen. Man begann zu singen, aber1 aus der Kücke winkten die Frauen zum Aufhören. Gleich darauf erhob sich Herr Karlin.': Szulim, reichte ihm den Mantel. Er wünschte Allen einen guten Jom tow und entfernte sich. „Hätte ich ihn,fortjagen sollen?“ erwiederte' Szulim mit Achselzucken. Alle atmeten erleichtert auf. o „Wozu hast Du ihm noch Geschichten erzählt,“ raisonierte Dwosze. Hirschei, der Trommler krähte wie ein Hahn1 und ‘ die Unterhaltung begann... ■ 5) Neuter Ab. Nr 14 ' se, daß in die l^jesteKendte form neuer Jöialt gegöäsen I .äilgfp müsse, was natürlich^ur ^thögl®®^] wenn durch ein a 11 g e rn e in e s [ W ahu 4 recht die Massen-Einfluß räuf; die Ge-j meinden erhiielterü Diese müßten sich zii einem Reichs^eHjand ^usämmtenschlie-- ßen, mit einerfvNäJional|I£affiüier an deij Spitze, so wie;das?.Progyamm der Poale Zion es verlange. Es sei hier bemerkt] daß wir Wiener /jbiirgerliäien“ Zioni-? sten stets für dieselben Forderungen ein-] getreten (sind. Rosehleldsägtferher, daß] wenn einmal natiöj^leä|Äaitriken einge geführt weteä'eij':,i»>n]^^^Q(£acM die Li| sten der KultusgerheindeSSen jüdischen Kataster birdenf/weräemjv4i:^:; j Die weiteren Ausfülpüt^enjfjRqsfefly felds sind polemischer Nätifr ^und/richten sich hauptsächlich gegen di4te äöziklistijsehen Th eoretiker. Er betöjht^wie'd.e^/emjmal, daß es keine jüdisdieri fndüsfriepro^- letarier gibt, daher die. marxistischen Rezepte bei den' Juden sich hicht^anWenden lassen. Bezüglich der Taktik ist er gegen ein „absolutes,; ^ungleiches* * unlösbares Bündnis der jüden mit der polnischen Landesregierung-/jundj ebenst gfgeh ein „ T r utzbün dnis' mit - iden. ^Rufhten en“.- JL$jb der drückt sich R!“ nicht. deütiitmeiti;Jaiis'; so daß nicht klar wird,/weltehte TäK.tili??^ empfiehlt. Er schließt’iiiit JderfiEliclaiünp daß die endgiltige » »Lösung; iideiiiäJiideh/ frage nur auf eigenejn-, jTerritqnumj jzu suchen ist; „Da aber der WegÜazl^Iahg' die Not der Juden in!" der' 'ZerStreiimig aber immens •istVäüÖ imän^Pälliafivih'ii^l ^suchen. Ein -solches >ist;die;:nation%I'<$J$tjg tonomie in der .Zerstreüppg.“, , i ' Der klare und ihstfüK&ve Aüfsätz hat den Vorzug, die'Elemente Jddr ‘ JuSiöeM nationäien 'Politik ^üsarrtmenhängendldärizustellen und. zu. begründen,; yenn er auch nichts wesentlich'Neues'bringt und, wie eingangs erwähnt/ zu ' den offenen Fragen nicht Stellung JumniiL Solche sih'd einerseits gegeben, durch, die..Schwierigkeit, die Rehnersche/Kphzeption der nationalen lÄutoiiomie/ ‘dite‘ sächMauf Tökäfer Selbstverwaltung; der,. Natiqiienpaufbaut, und die außerdem .die JGefahr/üer Prozentnormi in sich bitgt, ' auf ■ cBe» f;Juck|ä anzuwenden, ändererseits1 'w ndeft^Verhältnissen der Westjüden, die R. gar nicht berücksichtigt. Immerhin, die nächsten Ziele: der jüdiscHe~TCatäsfer und der Gemeindeb,undjSauh ,demokratischer Grund lag %n--. sind klar herausgearbeitet, sie, sind es,: welche am ehesten zu erreichen sind, .lange bevor die Völker Oesterreichs: die., nationale Autonomie errungen haben werden und sie bedeuten für die; Juden ...schon fast so viel wie; die nationale Autonomie, bergen aber nicht die Gefahren derselben in sich. Der Kataster gibt die-KjOtvstituierung der; Nati.o.n,der Gemeindebund Se. R e cht sp er.sö nlic,b:- keit, die Steuerhoheif;und;die Möglichkeiten für KuLturtätigkeiLdDie jüdischnationale Politik muß. daher ,unb§- irrt nach diesen beiden' Zielen streben. Die Arbeit Rosenfelds wird .ihr dabei gute Aufklärungsdienste leisten.;>l Lm: Ein Ppotestpaötiinw, ::;^ 1 Der Wiener .Oberrabbiner : Dr. Monitz-iG ü cLe- . mann ist ein reservierter Hern -.Selten, sehr selten greift er zur Feder,' um /zu/warnen,„zu tadeln oder zu belehren, JahrjäfirliclL'verlässen in Wien hunderte Personen das- Jüdentuni; der Oberrabbiner wandte sieh .deswegen-nicht an. die Oeffentlichkeit. Kultusräte ließen ihre Kinder taufen, der Oberrabbiner schwieg. Ein jüdischer

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