Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 . JÜDISCHE ZEITUNG *;Nr- 14 Mwgep Brief. {Von unserem Berichterstatter.) / Sonntag, den 14. April tritt in Lemberg der Parteirat der zionistischen Organisation zusammen. Der Parteirat spielt innerhalb der galizischen Organisation ungefähr dieselbe Rolle, wie das große - Aktionskomitee in der allgemeinen zionistischen Bewegung. Die Beratungen des Parteirates tragen darum auch keinen Beigeschmack von Demonstration. Sachliche Arbeit, schlichte Diskussion der in- Verhandlung stehenden -Fragen —• das ziemt dieser Tagung und die galjzischen Gesinnungsgenossen erwarten das von ihr. In rein zionistischen Fragen werden sich wohl keine Differenzen ergeben. Die Agitation für Palästinäzwecke hat besonders in den letzten-Tagen lebhaft eingesetzt und hat auch schöne Erfolge gezeitigt, ln fast allen Städten Galiziens fanden Versammlungen statt und die Berichte über diese Versammlung wissen von Enthusiasmus und tiefer Liebe für das Palästinawerk zu berichten. Allerdings bleibt auch .in dieser Hinsicht Iviel Zu tun. Die Palästinakommission' hat die noch vor Jahresfrist in Angriff genommene Gründung eines Informationsbüros noch nicht durchgeführt. Die Verbreitung von zionistischpalästlneusischer Literatur läßt viel zu wünschen übrig, obwohl gerade in den letzten Jahren ausgezeichnete volkstümliche Publikationen auf diesem- Gebiete erschienen sind. Immerhin muß festgestellt werden, daß die Palästinakommission ernsten Willen hat, gute und ersprießliche Arbdit zu leisten. Auch in organisatorischer Hinsicht bleibt viel zu tun übrig. Am besten ist es um den südgalizischen Distrikt (Stanislau Hauptort) bestellt. Hingegen liegen im podolischen Distrikte die Verhältnisse hn Argen, was vielleicht in der Ausdehnung des Distriktes — er reicht von Tarnopol . bis Zaleszcsyki — Erklärung findet. Das neuerrichtete Zentralbüro gibt sich Mühe Wandel zu schaffen. Hiebei wird es von Berlin aus werktätig unterstützt. Gg. Dr. Philip Korngrün wurde zum Sekretär der Weltorganisation beste'It und wird sich vorerst der Konsolidierung der Verhältnisse in Galizien widmen. Der Parteirat soll aber auch den Bericht des Leir ters der politischen Kommission 'Dr. Leon Reich entgegennehmen und bezüglich der Taktik im Kampfe um die Land tags Wahlreform beschließen. Aus einzelnen Aeußerungen geht hervor, daß die Zionisten diesen Kampf isoliert zu führen gezwungen sind, da alle polnischen Parteien, die sich freiheitlich nennenden inbegriffen, mit den Assimilanten liiert sind. Die Sozialdemokratie bildet — was in Anbetracht ihrer Hausjuden erklärlich ist — keine Ausnahme und bekämpft die bescheidenen und gerechten Forderungen der Zionisten. Die ruthenischen Parteien. sind — zur Steuer der Wahrheit sei es ausdrücklich erklärt — bis auf die radikale unzuverlässig und bereit, jeden Augenblick gemeinsam mit den Polen ohne und gegen die Juden zu paktieren. Das alles darf aber die Ziaonisten nicht absdirecken. Die Wahlreform hat für die Juden große Bedeutung und eine prinzipiell und taktisch konsequente Aktion muß Erfolg bringen. In Fragen der Rzeszover Reichsratsersatzwahl ist wohl vom Zentralkomitee ein Beschluß gefaßt worden, der vom Parteirat genehmigt werden muß. Nach diesem' Beschlüsse sollen sich die Zionisten nicht aktiv beteiligen. Damit wird wohl die Tagseordnung des Pärteirates erchöpft sein, obwohl noch viele Fragen ihrer Lösung harren. Um nur zwei Beispiele zu nennen, sei darauf verwiesen, daß die Frage der Vereinigung der Kultusgemeinden ganz von der Tagesordnung verschwunden ist und daß die zionistische Organisation nichts unternommen hat, um diese Angelegenheit in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Ebenso wichtig und dringend ist die Frage einer gesamtösterreichischen politischen jüdisch-nationalen Organisation, die doch nicht mit den vor drei Monaten im „Wochöd“ veröffentlichten Enunziatiönen endgiltig gelöst sein kann. Die am' Krakauer Parteitage gewählte ’Reichsexekutive besteht nicht mehr und in der zionistischen Leitung Galfziens ist leider kein Wille vorhanden, sich an einer Reichsorganisation zu beteiligen. Oft und eindringlich wurde auf die Notwendigkeit der Vereinigung hingewiesen und noch immer ist — zujn Schaden Galiziens, .Westösterreichs und der Bükowina — diese Vereinigung nicht vollzogen. Wenn' der Parteirat ditesri Frage zur Diskussicjn stellen und den Willen, zu verhandeln bekunden wollte, so würde er sich ein großes Verdienst, um die österreichischen Juden erwerben. - Was bann und soll der jüdihhe i Nationalfonds zur Förderung der (Ins Siedlung der Jemeniten in Palästina tun?! Aus der Sondernummer. ,,Palästina“.) : Seit einigen Jahren interessiere ich; mich fijr die Niederlassung der Jemeniten (arabische Juden) in Palästina in Stadt und Land. Mit defn Interesse wuchs auch die Liebe für diese unseije Brüder und, wie ich mir schmeicheln darf, d4s Verständnis für die große Bedeutung, die die Aijsiedlung der Jemeniten für unser gesamtes Kölonisationswerk gewinnen kann. Es hat sich bei mir die Ueberzeugiing gebildet, daß wir erjt dann in unserer Arbeit besseren Zeiten entgegengehen werden, wenn -wir die gesamten Juden des „Galut Tenan“ im Lande haben werden. Daß bei dieser Aufgabe der JNF. nicht -abseits ätehqn darf, vielmehr in erster Reihe berufen ist, die Sache tatkräftigst zu fördern, braucht* keiner weiteren Begründung.. Es wird jedoch1 nicht überflüssig sein, einerseits die Erfahrungen der bereits gemachten Anfänge zu rekapitulieren, andererseits genau zu. sagen, worauf. es' jetzt ankommt ’ ''■■■■ j Im ganzen Jemen gibt eszirka 5000 Familien mit zirka 20.000 Seelen, die in ,*400 bjs 500 Ortschaften , zerstreut leben.' Nur in Zanao gibt es eine große, Gemeinde mit zirka 3000 Seelen. Sonst leben sie in kleinen Städtchen und Dörfern.- Da es im Jemen noch! immer (keine . einheitliche Regierung gibt, vielmehr hoch'imm^r; fast jeder Ort seinen „Herrscher“ hat, der seinerseits zu einem* Oberherrscher in einem gewissen Tributverhältnis steht so ist auch das Schicksal der dort wohnenden Juden ein. verschiedenartiges. Es ist besonders in vielfach et Beziehung das; Schicksal, der Juden in Südjemen von* dem d£r Juden: in Nordjemenzu unterscheiden, (was lei- - der Herr Jomt'ow Zepiadi, der Leiter der Allianch- Schule in Beyrüt, in: seinem sonst 'seht gewissenhaften und brauchbaren Bericht über die Juden in Jemen nicht tun konnte, da er nur die Lage der Juden in 'Nordjemen studiert.hat.) < Mag' nun auch in sozialpolitischer Beziehung •die Lage der Juden in ’ Südjemen eine Weniger drückende sein, zweierlei Gemeinsames haben sie mit den Juden des Nor.dens: die Armut und dje Ehrlichkeit. Von -ihrer Anspruchslosigkeit kann sich ein europäischer Jude kaum eine Vorstellung* machen. Auch der „reiche“ Jemenite-ißt an Wochentagen zu einer/Mahlzeit nie mehrals eine Speise. (Eingewanderte, Jemeniten, die .bei ntir zu' Hause Dienste Leisteten, mußten erstzutn - Essen trainiert *werden.),“Von Kleidung in unserepi ' Sinne haben sie auch hur eine -literarische Vorstellung. Drei Viertel .der Juden im Jemen begnügen sich mit einem Hemde alsausreichender Bekleidung. Bei all dieser Anspruchslosigkeit in größtem Arbeitsfleiße bringen sie doch oftmals nicht ihr Existenzminimum auf. Die Hungersnot grassiert häufig im. Jemen und. der Würgengel wütet besonders in den Hütten der Juden. Nichts berührt' den jüdischen Wanderer so' sehr, als der Anblick mancher Ortschaften, wo die gesam’te jüdische Einwohnerschaft in der letzten Hungersnot hinweggerafft t wurde. Nicht minder bedrückend ist überhaupt die -große Mortalität. „Wir sehen keine Enkel“, sagen dort die Leute. . Wenn nun diese Erscheinungen, dje zum großen Teile auf die Isolierung der Jemeniten zurückzuführen sind und .die - nach erfolgter Einwanderung nach Palästina nicht mehr zum Vorschein kommen, den jüdischen Durchreisenden aufs tiefste betrüben, so wird er doch durch ihre moralischen Eigenschaften freudig gestimmt Ich' erlaube mir einiges,: das ich darüber am 13. -Jänner 1911 in-der „Welt“-gesagt habe, zu zitieren:. „Es muß ohne weiteres zügegeben werden, daß' die talmutische Durchbildung der Massen bei den Jemeniten viel höher ist, als bei den Juden anderer Länder. Einen jemenitischen Am-hä-Ariez gibt es nicht. Jeder hat Thora,. Mischnaj Maimonides und. Sohar studiert und jeder spricht auch., mehr oder .minder, geläufig die hebräische Sprache.. Auch ihre Frauen, die äußerlich wie; die. Araberinnen gekleidet sind, bekundenin ihrer- Lebenshaltung echt jüdische Gesinnung und Frömmigkeit.“ Besonders auffallend ist der'Geradsinn und die unbegrenzte Ehrlichkeit-der Jemeniten. Ihm ist alles 'Falschsein, alles Drehen und Deuteln fremd und inder Seele widerlich/ . Ich hatte übrigens in letzter Zeit -Gelegenheit, die Jemeniter in nächster Nähe als Arbeitgeber zu beobachten. Ich habe nämlich im n'euen Viertel „Nachlath-Benjamin“ ein zweistöckiges Häuschen gebaut und 97°.'o_der Arbeiten durch Aschkenasim, Sefardim und Temanim ausführen lassen.. Ganz zufrieden war-.ich nur mit,den Temanim. * . ... Nun'ist noch zu bemerken,' daß in der1 Seele der . Jemeniten eine: tiefinnerliche Liebe - zu Erez- Israel Wohnt. Ihre erste größere Einwanderung ■geschah noch vor 30 Jahren und hatte Jerusalem ■ zum: Ziel. Sie., hätten. dazumal schweres Ungemächr auszustehen. Sie haben sich jedoch tapfer; gehalten. Heute füllen sie’ die segenspendenden Räume des Bezälel und es ist gar lustig Und zugleich erhebend zu sehen, wie die. jemenitischen Graubärte in den Abendkursen, nach1 getaner Tagesarbeit, das Zeichnen lernen. -Besonders rühmlich ist die jemenitische . Beialel-KolcmiC in Ben-Schemen. Die-Kerls haben sich da gesundheitlich prächtig erholt, was ihrer Filigranarbeit gewiß nicht zum Schaden gereicht.'Ab und zu kommen zu ihnen ihre Verwandten von Jerusalem, "denen auch ein vorübergehender Aufenthalt ' aui"dem :Lände von großem Segen-ist; * Erst vor drei Jahren fingen die neu einwandernden Jemeniten an,! sich , in den Kolonien nie- -derzulassen. In letzter Zeit ist, die Einwanderung der Jemeniten eine andauernde. Es kommt nun 'alles darauf an, sie möglichst*, bald 4n einem" landwirtschaftlichen Milieu seßhaft zu machen- Vor kurzem, schrieb ich daher in einem "kleinen ."Aufsatz: „Irii ganzen Jemen gibt es-cä.' 5000 Familien. Diese 5000 Familien arbeitsamer-und anspruchsloser Menschen, die! zu den besten Elementen .unseres Volkes gehören, "müssen -wir •unter uns haben. Ein glücklicher, alle Beteiligten befriedigender 'Anfang.'"ist -bereits gemacht worden, Um. einmal ganze Arbeit;zu "machen, Ist es erforderlich, das jährlich 500 Familien -ängesie-! delt werden. So könnte man in zehn.Jahren mit ■ dem * „Galufh Teman", das bereits Maimonides .*,Kopfzerbrechen verursacht, hat, ein für alle Mal "aufräumen. Um aber 500 Jerpenitenfamilien anzusiedeln, braucht man 500 Häuschen, die mit Gartenland 250.000 Frcs kosten. Die Frage ist zuguterletzt also die":: Wer, schafft - uns jährlich 250.000; Frcs. für 500 Häuschen — Während voller "zehn Jahre? Die jüdische Kolonisation beschäftigt bereits ■ in fhrem jetzigen Zustand mitunter Ca. 10.000 Arbeiterfamilien. Bei der zunehmenden Ausdehnung .' und Intensivierung ist anzunehmen, daß sie in zehn Jahren ca. 20.000 Arbeiterfamilien, brauchen wird. Daß unter diesen die allseits geschätzten Jemeniten ihren Platz einnehmen werden, unterliegt keinem. Zweifel; Es; bleibt also tatsächlich nur noch die Wohnungsfrage und die ist mit : 500 Frcs. (als Darlehen!) per Familie durchaus zu lösen. Tatsächlich kann man -durchschnittlich eine geringere--Zahl als Frcs. 500-*für die- Baukosten annehmen, somit eine viel geringere Summe als 250.000 Frcs. jährlich. ,Es kommt noch hinzu, daß vielfach die Jemeniten .aus eigenen Ersparnissen Anzahlungen machen werden. Andererseits, werden ja, ihre Rückzahlungen für. denselben Zweck .-.weiter verwendet werden können.' . . .Der. Vollständigkeit halber erwähne ich noch, daß. in letzter Zeit mehrere wohlhabendere Jemeniten für ihr .Geld Boden, .besonders bewässerbareri, erwerben wollen. Es ist für mich kein Zweifel, daß für , die von Trietscli so warm befürwortete Kleirist-Kolonisation (nämlich jene auf .einer möglichst kleinen Fläche bei intensivster .Bewirtschaftung).-vorläufig nur das jemenitische Element in Betracht kommt. Ueber die- Kreditfähigkeit der Jemeniten brauche ich' nicht viel zu reden. Sie "haben bis nun die in dieser Beziehung - in siegesetzten Hoffnungen nicht getäuscht. Nur müssen die Zahlungen so im Vorhinein .geregelt werden, daß sie dieselben mit’Leichtigkeit aus ihren Ersparnissen bestreiten können. Ueberdies würden gewiß die ' Waadim der. Kolonien , die' Garantie -übernehmen. In Nr. 7—9 von Palästina des vorigen Jahres hat Herr'Prof. Warburg über die Arbeitsmöglichkeiten des JNF. in Palästina Betrachtungen angestellt. Ich glaube, ich habe mit den obigen Zeilen eine Arbeitsmöglichkeit gestreift, die Kennern der Verhältnisse geradezu als, Arbeitsjnot- W'eridigkeit erscheinen muß. Heute bin ich wieder. am Hafen gestanden und habe einige neue Jemeniten begrüßt. Sabbath wars. Sie hatten eine stürmische Fahrt und sie eilten gleich in die nächste Synagpge um Miricha zu beten. Daselbst erzählten sie mir,- daß starke Sehnsucht in die Gemüter gezogen ist-ünd daß sie zu der Liebe ihrer Brüder Vertrauen haben. Mögen sie sich in ihren Hoffnungen nicht -täuschen. ■ Jaffa, Mitte Schewat 5672. Jehoscliuah" Feldmann. Altbewährte Nahrung Für gesunde u.kranke Kinder sowie Magenleidende. Verhütet u.heseitigf Srecfidurchfail. DiarrhoB. öarmHafarrfi Preis-per Dose K 1.80,erhältlich injederPropApotli