Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 15 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Vor der Stichwahlim- Gödinger Wahlkreis riefen wir die V er trauensm änn,eiir [aller Wahlorte zu einer Konferenz nach Lundenburg ein. Es ist -erfreulich', daß alle Vertrauensmänner unserer Einladung Folge leisteten und daß bei der Beratung volle Einmütigkeit erzielt Wurde. Der gefaßte - Beschluß auf: Wahlenthaltung verlor allerdings dadurch’ die Bedeutung, daß der Gegenkandidat Redlidhs knapp vor der Stichwahl zurücktrat. Um allen unseren Gesinnungsgenossen die Ausübung: des Wahlrechtes zu ermöglichen, stellten wir unseren Vereinsobmann als Zählkandidaten für - Westösterreidh auf. Dieses Auskunftsmittel sollte unsere ■ Gg. vor der Notwendigkeit bewahren,- den Stimmzettel gegen ihre Ueberzeugung ausfüllen zu müssen. Die Wahlen in Galizien und in der Bukowina. Da schon .vor : Beginn der Reichsratswahlen die politische Reichsexekutive — allerdings ohne unser Verschulden — das Zeitliche gesegnet hatte, war uns jede Einflußnahme auf die Gestaltung der galizischen Ereignisse genommen. Sowohl die Frage, inwelchen- Kreisen- Kandidaten aufzustellen sind, welche Personen zu nominieren. seien, die-Frage des Verhaltens zu den herrschenden Parteien Galiziens und zur Regierung, alles dies wurde entschieden, ohne daß wir:gehört wurden. Die Taktik des galizischen Zentralkomitees brachte nicht ■ den - erwünschten; Erfolg. Die Wahlschwindeleien zugunsten der Regierungskandidaten wurdenauch1 bei - den ■ letzten. Wahlen in schamloser^ Weise, ausgeübt. Der Nationalverein mußte sich begnügen, überall dort zu intervenieren, wo > seine Hilfeangerufen wurde. Wiederholt sprachen unsere Voretandsmitglieder — insbesonders wegen der Drohobyczer ■ Wahlmißbräuche — im Ministerium des Innern vor, das .Ministeriumgabauch jedesmal der galizischen Statthalterei zufolge unseres Einschreitens ihre Weisungen; mit welchem Erfolg allerdings, das hat der Verlaut der Wahlen erwiesen. Als bei den Nachwahlen das Zloczower und Drohobyczer Mandat zur. Neubesetzung kam, verlangten wir;mit Entschiedenheit.die Aufstellung zionistischer rKandidaten. Das Lemberger Zentralkomitee sah jedoch trotz unseres Protestes hiervon ab. Im .städtischen»Wahlkreis Suczawa, Radautz und Sereth bewarb-sich Gg. Lucian Brunner um das-Mandat. Der Erfolg schien unzweifelhaft. Herr Brunner kann in die Stichwahl, .in welcher ihm. das 'Mandat, durch schamlosen: Wahlschwindel geraubt wurde. In .Czernowitr wurde Gg: Dr; StrauCher abermals zum» Reidvsratsabgeordneten. gewählt. Drohobycz. Die.. Reichsratswahlen in Galizien sollten wieder Blut kosten. Am. Häuptwahltage (19. Juni 1911) wurden, in. Drohobycz 23 Personen getötet und..50 schwer verletzt. Der Vorstand veranlaßte sofort die Einberufung einer großen Trauerkund-, gebung für den: 25. Juni, in die Sofiensäle Und forderte gleichzeitig die Gesinnungsgenossen in der Provinz auf,..am. gleichen Tage Protest- und Trauenversammlungen abzuhalten. Die Wiener Versammlung war von mehr als 4000 Personenbesucht. In. der . Versammlung, herrschte eine leidenschaftlich erregte. Stimmung. Sie fand unter dem Vorsitze unseres . Präsidenten statt. und es wohnte ihr auch Gg. Dr. Pächtmann aus Drohosich! aut. diese Begebenheit beziehen, sind aber jene,-welcjh’e erweisen, daß der persische Selbstherrscher Darrus II. im' Jahre 419' v. Chr. durch königlichen Erlaß den Juden von Elephantitne genaue' Vorschriften.: über die Abhaltung des Pässahfestes gab; welche, denen Esras entsprachen. Durch diesen Erlaß ist die Richtigkeit jener Angabe des Esrahbuches (7, 12) erhärtet,' wonach:: der persische König : (damals Artaxerxes) dem Esrah Vollmacht gab,- die genau aufgestellten Religionsvorschtiften dem Volke aufzuerlegen, mit anderen Worten, daß. es Esra gehuden: war, für . die Durchführung seiner religiösen- Verordnungen die Unterstützung der königlichen Gewalt zu erlangen. Meyer, sieht daher in. diesem Papyrusfund einen unwiderleglichen Beweis für die Echtheit des Esrabuches. Weitere- Papyri und Tonscherbenabschriften beziehen sich auf private Vorgänge unter den Juden, Heirats- und Kaufverträge etc. Meyer gibt ein anschauliches Bild vom. Leben und Treiben der Juden in Elephantine im Vergleich mit den in großen'Zügen-von ihm gezeichneten Zuständen, in; Palästina,- wobei , er darauf hmweist, daß vor Esrah kein reiner Monotheismus unter den Juden geherrscht hat.- Von besonderem kulturgeschichtlichen Interesse ist ferner die Auffindung eines 'Literaturwerkes „Die Geschichte des weisen Ach gar“, die, wie alle anderen dieser Papyri, in bycz bei, der die Ereignisse des Wahltages schilderte. Die vom Vorstand eingeleitete Sammlung für die Drohobyczer Opfer ergab einen sehr namhaften Betrag. Vor der Trauerkundgebung in Wien fand ein Demonstrationsumzug der zionistischen Studentenschaft Wiens auf der Ringstraße statt. Ferner wurden Trauerversammlungen in Graz, Prag und in anderen Orten abgehalten. Verhältnis zur zionistischen Organisation. War schon das Verhältnis des jüdischen Nationalvereines zur zionistischen Organisation durch die strikten Resolutionen des Krakauer Parteitages vollständig geklärt, so haben sich im Laufe der Jahre insbesondere in Galizien nach Lostrennung der dortigen zionistischen Organisation von der gesamten österreichischen und später auch' aus lokalen Gründen in Westösterreich Unstimmigkeiten ergeben, welche nicht allein das frühere Verhältnis trübten, sondern auch das in vielen Fällen notwendige Zusammengehen beider Organisationen unmöglich machten und so eine .gedeihliche Arbeit erschwerten. Dem Vorstand ist es in Galizien nicht gelungen, im Jahre 1911 (Be schwebenden Fragen einer geeigneten Lösung zuzuführen. Dieses Jahr war ein politischzu belegtes, um der Lösung in Ruhe nähertreten zu können. Hingegen gelang es in Westösterreich1 beim Brünner Zionistentage am 25. und 26. Dezember 1911, die anläßlich' der Reorganisation der Zionistischen Partei Westösterreicchs akut gewordene Frage des Verhältnisses der jüdisch-nationalen zur zionistischen Partei in einer äußerst zufriedenstellenden Weise zu lösen. Nach einer rege geführten Zeitungspolemik und nach lebhaften Diskussionen auf Delegiertentagen der, drei zionistischen Distrikte wurde in Brünn von unserem Präsidenten Dr. Jakob Ehrlich ein ausführliches Referat erstattet, an das sich eine lebhafte Debatte anschloß, die zu folgenden > zwei einstimmig angenommenen Resolutionen führte: 1 .In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Krakauer Parteitages vom 1. Juli 1906 begrüßt der III. westösterreichische Zionistentag die nationalpolitische Bestätigung der Juden aufs wärmste und erklärt: Da bei den gegenwärtigen in Oesterreich herrschendem Verhältnissen ein Zusammenschluß der österreichischen Juden auf national-jüdischer Basis geeignet ist, dieselben wirtschaftlich und moralisch zu stärken, ihr Volksgefühl zu kräftigen, ihre Beziehungen zu den übrigen Völkern zu klären; und auf eine gesündere Grundlage zu . stellen und insbesondere die Anerkennung der nationalen Existenz des jüdischen Volkes und dessen Gleichberechtigung unter den übrigen Völkern durchzusetzen, so erscheint ein politischer Zusammenschluß der österreichischen Juden als ein wichtiges Mittet zur Erreichung des zionistischen Endzieles. 2 . Ein solcher Zusammenschluß kann jedoch nur dann dem zionistischen Endziele förderlich sein, wenn er auf rein national-jüdischer Basis erfolgt. Der III. westösterreichische Zionistentag begrüßt daher die Wirksamkeit des „Jüdischen 'Nationalvereines für Oesterreich“, welcher einen derartigen Zusammenschluß darstellt und fordert jene' Zionisten, welche sich innerpolitisch bestätigen wollen, auf, in . Uebereinstimmung mit dem genannten Vereine vorzugehen und ihn aufs kräftigste zu fördern. aramäischer Sprache abgefaßt ist. Es ist dies eine Sammlung von Sprüchen, die uns bisher nur in: syrischer, armenischer und slavischer Version. erhalten war .und dfe von den Arabern in die Geschichte von 1000 und* eine Nacht aufgenommen wurde; Einzelne dieser Sprüche sind auch in einem äthiopischen Weisheitsbuch enthalten, manche in die griechische Geschichte Aesops eingefügt. Es ist von höchstem Interesse, daß nun auch eine aramäische Version aufgefunden wurde. Schon früher hatte man gefunden, daß Hinweise auf dieses Buch1 in den Apokryphen zur Bibel enthalten seien. Durch den Fund ist nun endgiltig festgestellt, dall die Erzählung um das Jahr 500 v. Chr. entstanden sein könnte. Daß das Buch letzten Endes jüdischen Ursprungs sei, verneint Meyer aus dem hauptsächlichen Grunde, daß ein Jude im sechsten Jahrhundert ein literarisches Werk gewiß nur in hebräischer Sprache geschrieben hätte. Die Stichhaltigkeit dieses Grundes scheint - nicht sehr groß zu sein. Meyer bezeichnet das Buch als Produkt der „allgemeinen orientalischen Kultur“, die damals in allen semitischen Ländern verbreitet war. Diese wenigen Hinweise mögen genügen, um aut den überaus reichen und interessanten Inhalt des nur 128 Seiten starken .Büchleins aufmerksam zu machen und zu seiner Lektüre anzuregen. a. b. Im Anschluß an diese Resolution wurden folgende zwei Anträge zum Beschluß erhoben: „Der III. westösterreichische Parteitag erklärt die Einberufung einer nur politischen _ Konferenz für notwendig und ersucht den jüdischen Nationalverein, die diesbezüglichen Vorbereitungen ehestens einzuleiten. Der III. westösterreichische Zionistentag beschließt die Einberufung einer Konferenz der Jüdisch-Nationalen Westösterreichs, deren Programm sich mit der Frage der jüdisch-nationalen Politik zu befassen hat.“ Konform diesen Beschlüssen hat der Vorstand mit dem böhmischen und mährischen Rayonleitungen Unterhandlungen behufs Einberufung einer politischen Konferenz gepflogen. Die Unterhandlungen sind zum Teil noch nicht abgeschlossen. In der verflossenen Woche hielt Gg. Doktor Kadisch mit den Gesinnungsgenossen in Troppau und Prag Konferenzen ab, deren Zweck es ist, die politische Beratung vorzubereiten. Wir haben auch im schriftlichen Wege die Ansichten unserer auswärtigen Gg. einzuholen gesucht. Die politische Konferenz soll gegen Pfingsten zusammentreten. Ihre gründliche Vorbereitung und der Ausbau der Organisation auf Grund der zu fassenden Beschlüsse wird die wichtigste Aufgabe des neuen Vorstandes sein. Jüdischer Volksverein für die Leopoldstadt. Der Vorstand war um die Gründung des „Jüdischen Volksvereines für die Leopoldstadt“ eifrig bemüht und mit großer Befriedigung konstatiert er die tatkräftige Arbeit dieser Organisationen, denn heute zählt dieser Verein schon mehr als 400 Mitglieder. Es ist zu vermerken und spricht für die Rührigkeit dieses Vereines, daß er allen politischen Fragen des größten Judenzentrums Wiens seine volle Aufmerksamkeit zugewendet hat. Auch gelegentlich der gegenwärtigen Gemeinderatswahlen wird derVolksverein im Einvernehmen mit dem Nationalverein eine Aktion einleiten. Jüdisches Vofksheim. Durch die Gründung des Jüdischen Volksvereins war die Frage der Schaffung eines Volksheims in der Leopoldstadt in ein akutes Stadium getreten. Der Nationalverein entschloß sich, geeignete Lokalitäten zu mieten und schloß einen Mietvertrag ab, der ihm diese Lokalitäten für zwei Jahre sicherte, während er selbst bloß .für ein Jahr verpflichtet wurde. Der Nationalverein schloß mit anderen, die Lokalitäten mitbenützenden Vereinen Aftermietverträge ab, darunter insbesonder» mit dem Volksverein für die Leopoldstadt und mit der „Jüdischen Zeitung“. Die Verwaltung des V.olksheims obliegt einem zu diesem Zweck geschaffenen Kuratorium, in welchem Nationalverein und Volksverem vertreten sind. Das Volksheim ist rasch der Mittelpunkt des zionistischen Vereinslebens geworden. Das Kuratorium hat auch für die Schaffung einer Lesehalle und Veranstaltung von Vorträgen Sorge getragen. Unser Rechtsschutzbüro hält im Volksheim regelmäßige Sprechstunden ab. Der „Verband ehemaliger zionistischer Hochschüler“ wurde über Beschluß unseres Vorstandes ins Leben gerufen. Es ist zu hoffen, daß dieser Verband bei zielbewußter Leitung ein wertvoller Bestandteil unserer Organisation werden wird. Im Vereinsjahr wurden 26 Vorstandssitzungen abgehalten. Die Zahl der Schriftstücke war insbesonders zur Zeit der Reichsratswahlen eine außerordentlich große. Wir müssen betonen, daß wir uns bei Anwerbung von Mitgliedern immer eine gewisse Reserve auf erlegten, da wir uns lediglich als politische Stelle der zionistischen Partei betrachten und es vermeiden wollen, daß die Zahl unserer Mitglieder auf Rechnung der zionistischen Organisationen vergrößert werde. Zwecks Gründung einer Volksvorschußkassa haben wir schon vor mehreren Monaten die einleitenden Schritte unternommen. Die ungünstige Lage 'des Geldmarkts war es in erster Linie, die uns vorläufig von der Gründung zurüCkhielt. Ein Statutenentwurf, der von uns gründlich durchberaten wurde, liegt bereits vor. Hoffentlich gelingt es im nächsten Vereinsjahr, diesen schon oft ausgesprochenen Wunsch zu verwirklichen. Heute blicken wir auf ein Jahr schwieriger Arbeit zurück. Trug unsere Arbeit auch' nicht überall die erhofften Früchte, so erwarten wir dennoch, daß ihr Erfolg sich in Zukunft einstellen wird. DOPPEL-MALZ- Austria-Brauerei Wten-Neudorf. •VI-