Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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. Nr. 1Ö JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 den Außenhandel Palästinas geht auch daraus hervor, daß der Orangeexport 39S der Oesamtausfuhr des Jaffaer Hafens ausmacht. Der Export ist von 440-.000 Kisten im Jahre 1904 auf L000.000 in der Saison 1910 gestiegen und beträgt 1911, obwohl dieses Jahr nur einen Drei viertelertrag aufweist, bis jetzt schon das gleiche Quantum. Da von Jahr zu Jahr neue Pflanzungen angelegt und frühere Anlagen ertragsfähig werden, wird man in einigen Jahren auf eine Ausfuhr von 2 Millionen Kisten rechnen können. Hauptabnehmer für Jaffa-Orangen ist England. In der Saison, von November bis März, gehen regelmäßig Frachtdampfer nach Liverpool. Die Fracht, die in der Regel 1' Shilling pro Kiste beträgt, ist von einer Linie bereits auf 6 Pence herabgesetzt worden. Der Export nach England betrug in der letzten Saison zwischen 700.000 und SOO.OOO Kisten. Nicht unerheblich ist auch der (Absatz nach Aegypten und dereuropäischen Türkei. Neuerdings" hat sich auch Rußland als guter Abnehmer erwiesen, und es sind Versuche im Gange, neue Märkte in Südafrika und Australien für die Orangen zu erschließen. Kleinere Mengen nehmen Oesterreich, Frankreich und Italien auf. Der Verkauf in Deutschland beschränkt sich im wesentlichen auf die Zeit vom Spätherbst bis Anfang Dezember. Die Einfuhr belief sich hier in der Kampagne 1910 auf etwa 10.000 Kisten und hat in der diesjährigen Saison ungefähr die gleiche Höhe erreicht. Arztwahl in einer palästinensischen Kolonie. Aus der galik'iischen Kolonie J e ni m a schreibt man: Der Waad (Vorstand) der hiesigen Kolonie hat Herrn Dr. mcd. Levinsohn aus Dwinsk zum Koloniearzt berufen. Herr Dr. Levinsohn wird auch die übrigen jüdischen Kdlonien in Untergaliläa besuchen. Der Eisenbahnbau Aphule—Jerusalem. Haifa: Für den im April 1. J. beginnenden Bau der Eisenbahnlinie Aphule—Jerusalem werden die technischen “Vorarbeiten emsig durchgeführt. Durch die neue Linie erhält bekanntlich Haifa eine direkte Eisenbahnverbindung mit Jerusalem. Aphule liegt an der Eisenbahnstrecke Haifa—Damaskus, und hier wird die neue Bahn nach Jerusalem hin'— über Ganin und Nablus (Sichtfm) — abzweigen. Die Länge dieser Zweiglinie beträgt zirka 170 km, also doppelt so viel als die Strecke Jaffa—Jerusalem. Der Bau dürfte 3 Jahre in Anspruch nehmen und wird einen Kostenaufwand von annähernd 40 Mill. Frcs. er-, fordern. V. jüdischer Turntag. Am 26. und 27. Mai dieses Jahres wird die Jüdische Turnerschaft in Berlin ihren V. Turntag abhalteri. Anschließend an die Tagung wird U'. a . das erste jüdische Sportfest stattfinden, bei dem sich u. a. Fußball- und Hockeymannschaftcn der verschiedenen Vereine gegenübertreten werden. Außerdem werden leicht- und schwerathletische Konkurrenzen stattfinden. Der Verband steht auf dem Boden des Nationaljudentums und wurde gelegentlich des sechsten Zionistenkongresses in Basel im Jahre 1903 gegründet .Er umfaßt etwa 3500 Mitglieder in Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Bulgarien, Rumänien und der Türkei. Ein hiesiger angesehener jüdischer Bürger, Herr Mendel Rand, beabsichtigt, im Verein mit anderen jüdischen Kaufleuten eine mechanische Weberei in Jerusalem zu eröffnen, die 200 jüdische Arbeiter beschäftigen soll. Das Aktienkapital des neuen Unternehmens beträgt 200.000 Francs, wovon Herr Rand selbst die Hälfte gezeichnet hat. Aus Rischon-Lezion. Die „N. J. K.“ meldet aus Rischon-Lezion: Der Waad unserer Kolonie hat beschlossen, für die hier ansässigen Jemenitenfamilien weitere zwanzig Wohnhäuser zu «errichten. Die behördliche Genehmigung hierzu dürfte demnächst eintreffen. Die Schaffung einer neuen jüdischen Landarbeiterkolonie in der Nachbarschaft von Rischon gilt als gesichert. Sechzig Familien sollen auf dem betreffenden Grundstück angesiedelt werden und dort hauptsächlich Gemüse- und Gartenbau treiben. Von der hebräischen BUhne in Jerusalem'. .Jerusalem: Vor einer zahlreichen Zuschauermenge aus allen Kreisen der Jerusalemer jüdischen Intelligenz brachten dieser Tage die hiesigen „Liebhaber der hebräischen Bühne“ (Chowewe Habamah Haibrith) Molieres „Harpagon“ in hebräischer Bearbeitung zur Aufführung. Sämtliche Darsteller ernteten für ihre vorzüglichen Leistungen stürmischen Beifall. Das hebräische Liebhabertheater in Jerusalem macht bedeutende Fortschritte. Eine ähnliche Einrichtung, die sich ebenfalls gedeihlich entwickelt, besteht bekanntlich auch in Jaffa. Eine Spende für die hebräische Sprachkommission in Jerusalem. Kiew: Der bekannte Zionsfreund und Förderer der hebräischen Literatur, Herr Hillel Zhtopolsky, hat dem Jerusalemer Wand-Halasciion (Kommission für die hebräische Sprachwissenschaft) eine vorläufige Spende von 1000 Frcs. überwiesen. Ein Buch über den Gemüsebau in Palästina. Jaffa: Soeben ist aus der Feder des Kolonisten S. Cohen-Lipschütz eine hebräische Schrift über den Gemüsebau in Palästina erschienen. Das Büchlein enthält in volkstümlicher Darstellung alles Wissenswerte über diesen in Palästina wenig gepflegten Zweig der Landwirtschaft, dem sich jedoch neuerdings wieder das Interesse weiter Kreise zuwendet. Der Autor besuchte seinerzeit die Ackerbauschule „Mikweh Israel“ bei Jaffa und war dann jahrelang in den jüdischen Kolonien als Landwirt praktisch tätig. Jüdisdie Landarbeiter am Tiberiassee. Aus Tiberias meldet man: Die jüdische Ackerbaukolonie Daganja (früher nach dem benachbarten arabischen Dort U m - D j u n i genannt) liegt im Jordantale. Nördlich wird sie vom Jordan bei seinem Austritt aus dem Tiberiassee begrenzt. Die ungefähr fünf Kilometer lange und einen Kilometer breite Bodenfläche eignet sich infolge ihrer gleichmäßig ebenen Gestalt zu intensiver Bewirtschaftung. An einzelnen Stellen erhebt sich der Boden kaum fünf Meter über den Wasserspiegel des Jordans, so dab er ohne erhebliche Kosten reichlich bewässert werden kann. Im allgemeinen ist der Bo'den von mittlerer Qualität und leidet zuweilen durch den Regenmangel — eine in der Jordansenkung nicht pngewöhnliche Erscheinung. Anfangs wurde Daganja teilweise von den Arbeitern der jüdischen Farm Kinnereth bewirtschaftet. Dieser Modus stellte sich jedoch als unzweckmäßig heraus, da die Entfernung zwischen Kinnereth und Daganja zu groß ist. Zwischen den beiden Gütern liegt der Jordan, der hier zur Winterszeit nicht passierbar ist. Vor zwei Jahren übertrug die Palestine Land Development Company die Bestellung von Daganja einer Gruppe von sechs jüdischen Landarbeitern aus Galiläa, die die Bewirtschaftung ganz selbständig, ohne jede administrative Oberaufsicht, durchführen sollte. Dafür wurde den Mitgliedern der Gruppe ein fester Monatslohn gewährt, und außerdem sollten sie zur Hälfte an dem Reingewinn des Gutes partizipieren. Der Versuch gelang sehr gut, obwohl die Ansiedler mit unzähligen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten und einzelne von ihnen an Fieber erkrankten. Das erste Betriebsjahr schloß mit einein Reinertrag von 4000 Frcs. Aus verschiedenen Gründen verließ diese erste Gruppe nach einem Jahre den Boden von Daganja und fand auf einem anderen genossenschaftlichen Gut der Palestine Land Development Company in Galiläa Beschäftigung. An ihre Stelle trat eine andere Arbeitergenossenschaft von 9 Mitgliedern, die (vorher in der Kolonie Chedera als Landarbeiter tätig gewesen und schon dort genossenschaftlich organisiert waren. Die zweite Gruppe übernahm die Bewirtschaftung von 1400 Dunam 'unter den gleichen Bedingungen, wie sie ihren Vorgängern zugestanden worden waren. Leider war die Regenmenge im letzten Jahre viel geringer als im vorhergehenden und auch sonst hatten sich die Lebensverhältnisse in der neuen Siedlung gegenüber dem Vorjahre nicht gebessert, trotzdem w'urde auch im zweiten Betriebsjahre ein Reingewinn von über 2500 Frcs. erzielt. Vor kurzem ging der Jüdische Nationalfonds daran, Wohnhäuser für die Landarbeiter in Daganja zu errichten. Diese Häuser werden in der Nähe des Jordans an einem sehr schön gelegenen Punkte der neuen Kolonie (gebaut. Durch den Bau der Häuser ist dem Hauptübel, unter dem die neuen Ansiedler bisher zu leiden hatten, abgeholfen und es besteht nunmehr die Möglichkeit, die Wirtschaft zu vergrößern. Einstweilen sollen noch weitere vier Genossenschafter eingestellt und die zu bearbeitende Fläche auf 2000 Dunam ergänzt werden. Für später ist eine bedeutende Ausdehnung des Betriebes vorgesehen. Die Mitglieder der Genossenschaft Daganja .sind voll froher Zuversicht und hegen die feste Ueberzeugung, daß die genossenschaftliche Betriebsweise nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten, die jedem neuen Unternehmen anhaften, sich glänzend bewähren und die einzige gesunde Basis für die künftige Kolonisationstätigkeit in Palästina abgeben wird. PapteisNacfiPicfifen. Zionistildiep Zentpalfond. An die Zionisten in Westösterreich! Der X. Kongreß in Basel hat unserer Weltorganisation eine neue Leitung gegeben. Arbeitsfreudige, vom besten Willen und von der größten Opferfreudigkeit beseelte Männer sind es, die die schwere Aufgabe auf sich genommen haben, unsere Weltorganisation zu leiten, vor allem aber die Arbeit im Lande unserer Hoffnungen, in Palästina, zu organisieren. Vor Antritt ihres Amtes haben sie dem Kongresse dargelegt, daß die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel, die regelmäßig einlaufenden Beiträge, unzulänglich sind. Der Kongreß hat das anerkannt und ihnen versprochen, die Mittel zur Arbeit beizustellen. Er hat zu diesem Zwecke den Zentralfond eschaffen, zu welchem jeder Zionist beizutragen at. Unsere Leitung in Berlin hat uns seit ihrem Amtsantritte Beweise ihrer Arbeitsfreudigkeit und ihres Pflichtbewußtseins geliefert. An uns ist es nun, unsere Zusage zu erfüllen. _ Zionisten Westösterreichs! Erfüllet Eure Pflicht! Leistet Euren Beitrag für den Zentralfond! Das zionistische Zentralkomitee für West- , Österreich. Böhmen': Verein „Zion“ Pilsen K 75.-; Emil Thein (Prag) K 50.—; Prof. Dr. Alfred Engel (Reinertrag Palästinafeier Prag) 495.60; Emil Wehle (Prag) K 50.—; Dr. H. Hirsch (Komotau) K 50.— (die letzten drei Eingänge direkt nach Berlin überwiesen). Innerösterreich: J. Gewitsch K 20.—. Summe der Eingänge seit 19. Februar 1912 K 740.60; Gesamteingang aus Westösterreich K 2202.10. Eingänge, ausgewiesen in Nr. 9 der „Welt“: Deutschland Mk. 227.50; Gesamteingau;1 für den ZF. seit 1. Juli 1911 Mk. 14.618.55. Schekeleingänge 5672. Böhmen: Kolin K 32.40; Krumau 16.80. Innerösterreich : „Theodor Her/1“ K 24.—; „Ness Ziona“ K 20.-; W. Teitelbaum K 20.20. M ä h r e n - S c h 1 e s i e n : „Jeschurun“ (Troppau) II. Rate K 120.— : „Zion" (Frendenthal) K 43.20; Summe K 276.60. Gesamteingang ’ 5672: K 625.80. Mitteilungen des i.-ö. D.-K. Schekelagitation 5672. Schekelblocks für die Agitation werden täglich (Samstage und jüdische Feiertage ausgenommen) von 9—12 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr nachmittags im Büro, IX., Türkenstraße Nr. 9, gegen Quittung ausgegeben. Ueber Wunsch erfolgt die Zusendung mittelst Post. Die Distriktsvereine werden ersucht, in den folgenden Wochen Schekelversaminlungen einztiberiiicn und den Termin rechtzeitig dem DK. mitzuteilen. Redner für diese Versammlungen werden über Wunsch zur Verfügung gestellt. Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen, nicht allein die Schekelsteuer sofort zu entrichten, sondern überall und zu jeder Zeit Werbearbeit für den Schekel zu leisten. Weitere Ausgabestellen von Schekelblocks: für Wien, „Jüdisches Volksheim“, IL, Stefaniestraße 12, für Graz: Karl Schwarz, Brückenkopfgasse 7. Der Ausweis der eingelaufenen Schekelbeträge erfolgt an der Spitze dieses Blattes. Zionistischer Zentralfond. Die innerösterreichischen Sammlungen für den zionistischen Zentralfond weisen namhafte Fortschritte auf. Bisher sind aus dem i.-ö. Distrikt K 963.50 eingegangen. Nunmehr müssen alle Kräfte aufgewendet werden, um die gegenüber dem EAK. übernommene Verpflichtung zu erfüllen. Bekanntlich hat sich der i.-ö. Distrikt gleich dem mähr.-schles. und böhm. Distrikt am Brünner Parteitage verpflichtet, K 6000.— für den ZZF. im Jahre 1912 aufzubringen, ln dieser Woche werden an alle Gg. des Distrikts Aufrufe für den ZF. verschickt. Wir ersuchen die Zionisten Innerösterreichs, unsere Aktion auf das tatkräftigste zu unterstützen, damit das gesetzte Ziel ehebaldigst erreicht wird. Die eingelaufenen Beträge werden regelmäßig an der Spitze dieses Blattes ausgewiesen. Parteisteuer 1912. Wir verweisen auf die Beschlüsse des letzten Distriktstages und der Obmänner-Konferenz vom vorigen (Monat und bitten, die bereits am 1. März fälligen Beiträge unvermittelt an die DK.-Kassa abzuführen. Obmänner-Konferenz und DK.-Sitzung. Dienstag, den 12. d. M., präzise 6 Uhr abds., findet im Beratungssaale, IX., Türkenstraße 9, die diesmonatliche Obmänner-Konferenz der studentischen Korporationen Wiens statt. An dieselbe schließt sich eine ordentliche DK.-Sitzung. Beginn derselben präzise halb 8 Uhr. Wir ersuchen um pünktliches und zuverlässiges Erscheinen.