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Jüdische Zeitung · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 9 Zionistifdier ZenfraM. % An die Zionisten in Westösterreich! Der X. Kongreß in Basel hat unserer Weltorganisation eine neue Leitung gegeben. Arbeitsfreudige, vom besten Willen und von der größten Opferfreudigkeit beseelte Männer sind es, die die schwere Aufgabe auf sich genommen haben, unsere Weltorganisation zu leiten, vor allem aber die Arbeit im Lande unserer Hoffnungen, in Palästina, zu organisieren. Vor Antritt ihres Amtes haben sie dem Kongresse dargelegt, daß die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel, die regelmäßig einlaufenden Beiträge, unzulänglich sind. Der Kongreß hat das anerkannt und jihnen versprochn, di Mittel zur Arbeit beizustellen. Er hat zu diesem Zwecke den Zentralfond geschaffen, zu welchem jeder Zionist beizutragen haL Unsere Leitung in Berlin hat uns seit ihrem Amtsantritte Beweise ihrer Arbeitsfreudigkeit und ihres Pflichtbewußtseins geliefert. An uns ist es nun, unsere Zusage zu erfüllen. Zionisten Westösterreichs! Erfüllet Eure Pflicht! Leistet Euren Beitrag für den Zentralfond! Das zionistische Zentralkomitee für Westösterreich. , Eingänge aus Westösterreich: Böhmen: Zion. Handeisakademiker (P/ag) K 10.—; Robert Outmann (Prag) K- —.63. Innerösterreich: Dr. Pau! Weisengrün K 2C0.—; Dr. Alfred Löwy K 33.—; S. T. K 20.—; L. Sch. K 20.—; Julian Oschery K; Ob.-Ing. Stricker K 20; Ing. Kramer K 20.—; O. Steinfeld K 5.—; Summe der Eingänge seit 12. Februar 1912 K 330.63 früher ausgewiesen: K 1130.90; Gesamteingang aus Westösterreich K 146J.50. Schekeleingänge 5672. Innerösterreich: ,,Zion. Ze'tral.x“- ein“ 1.. Rate K 265.20. Mähren-Schlesien: Troppau K 8-1.—. Oie Naditoäditer. Das Judentum bedroht, beschimpft, in Gefahr! Unter dieser Parole berief vergangenen Sonntag der Wiener Kultusvorstand die Judenschaft in den Beethovensaal. Ja, was gab’s den eigentlich? Der Wiener Kultusvorstand zeichnet sich sonst nicht durch Aengstlichkeit aus und hat schon wiederholt, als es den Juden in Wien oder sonst wo an den Kragen und an die Ehre ging, eine kühle Ruhe bewahrt, die man großartig nennen könnte, wenn sie nicht gar so empörend wäre. Wenn sich Schmerz Kleines Eeuilelfon. Der Oelbaum in Syrien und Palästina. Dr. Aron Landler -Breslau schreibt. Syrien ist wohl das Urland der Olivenzucht, wie es ja überhaupt kulturgeschichtlich, nicht zum wenigsten auch in bezug auf Obstbaumzucht eine große Rolle spielte. Syrien war auch der Ausgangspunkt des Handels mit Olivenöl. Die Phönizier haben wohl zuerst das in Palästina und Syrien gewonnene Olivenöl zum Gegenstand des Welthandels gemacht bis nach Tartessos zugeführt. Seit drei bis vier Jahrtausenden bezieht Aegypten Oliven und Olivenöl zum großen Teile aus Palästina; auch insoferne erweist es sich als kein echtes Mittelmeerland, sondern als eine Oase im großen Wüstengürtel, als dort der Oelbaum fast nur an dieser Stelle (in Favum) a's Fruchtbaum ins Gewicht fällt. ln Palästine ist der Oelbaum offenbar uralter Besitz. Die Juden fanden ihn bereits in Fülle vor. „Oelbäume, die du nicht gepflanzt hast“ werden den Juden im Lande der Verheißung zufallen. Neben Wein und Getreide wird der Olivenbaum in der Bibel als Teil des Wohlstandes genannt. Schon früh wurde die Olive ausgepreßt und, was an Oel nicht im Lande verbraucht wurde, exportiert. König Salomen zahlte aus seinen Oelvorräten an den König von Tyrus für die Zinimerieute, die im Libanon das Bauholz für den Tempel in Jerusalem fällten. Von jeher wurde besonders *) Aus dem soeben erschienenen Heft 2 „Palästina“, Monatsschrift für die Erschließung Palästinas. Herausgeber: Adolf Böhm, Wien. und Zorn der ganzen jüdischen Welt bemächtigten, in der Wiener Kultusstube blieb es mäuschenstill. Einige Fälle: Ais in Kischinew das große Judenschlachten vor sich ging, traten die Wiener Juden zusammen, um ihrer Entrüstung Ausdruck zu geben und zu beraten, wie das angerichtete Elend zu lindern sei. Der Wiener Kultusvorstand aber hat sich völlig passiv verhalten, ja, er hat sogar, dem sonst so verhätschelten Oberrabbiner Güdeniann eine strenge Rüge erteilt, weil er sich an dieser , Kundgebung“ beteiligt und bei einer Kischinewer Protestversammlung eine Rede gehalten hatte. — Als der Vizepräsident der Wiener Kultusge - meinde R. v. Taussig dem Pogromzaren Geld für seine Judenschlächtereien lieh und ein Schrei der Empörung im jüdischen Lager ertönte, hat der Wiener Kultusvorstand dem Taussig eine Ehrung arrangiert. — Als in Galizien tausende kleiner jüdischer Schenker um die Existenz gebracht wurden, -als die Armen nach Wien kamen um Hilfe zu erbitten, da erklärte der Wiener Kultusvorstand, sich um derartige „politische“ Angelegenheiten — 10.000 brotlose Juden sind eine „politische“ Angelegenheit! — nicht kümmern zu können, hat-weinenden alten Leuten im strengsten Winter jedes Gastrecht verweigert. Dafür hat sich die Kultusgemeinde tieftraurig am Grabe' Luegers, der bekanntlich ein großer Verehrer der Juden war, eingefunden, Kultusräte haben Tausende für das Denkmal dieses Ritualmordpolitikers gespendet . . . Kurz, bei hunderten Gelegenheiten und in den für die Juden schrecklichsten und schimpflichsten Situationen haben Herr Präsident Dr. Stern und sein Anhang allzu ruhiges Blut bewahrt. Auf einmal sind sie ganz aus dem Häuschen und schreien Zeter und Mordio. Warum? Weil sich der schreckliche Fall ereignet hat, daß ein deutscher Gelehrter, ein waschechter Arier, für den jüdischen Nationalismus, für den Zionismus eintritt, weil Professor Sombart in Wien einen Vortrag gehalten und seiner Verachtung der Assimilationsjuden Ausdruck gegeben hat. Schon vor dem Vortrage Sombarts ging der Rummel los — wir hareiche Olivenzucht gerade im Südwesten Palästinas, im alten Philisterlande, getrieben, weil die Nähe des sicheren Absatzgebietes Aegypten und der wohlgeeignete Boden die Kultur am besten lohnte. Noch heute ist es in Palästina üblich, wie es bereits Moses geboten hatte, beim Abschlagen und Abschütteln der Bäume die Nachlese für die Armen zuriickzulassen. Zahlreiche Bilder in der bilderreichen Sprache der Bibel sind dem Oelbaum entlehnt. Mit einem großen, schönen, fruchtbaren Oelbäume wird des Volkes Israel Herrlichkeit verglichen, oder das Glück des Frommen und seiner Kinder mit der Frucht des Oelbaumes. Bekannt ist besonders das Bild, in dem der Psalmist der glücklichen, kinderreichen Familienvater preist: Deine Kinder werden sein wie Oelzweige um deinen Tisch herum. Gewiß ist die Kultur des Oelbaumes ein Zeichen hoher uralter Gesittung des Landes. Im Lande selbst wurde das Oel nicht nur zur Nahrung, sondern auch als .Brennöl (man denke an die Lampe in der Stiftshütte), zum Salben von Haut und Haar und zum Opfer gebraucht. Der Kalkboden Palästinas ist dem Olivenbau sehr günstig; der Olivenhain gedeiht dort auf felsigem Boden, wo Getreide- und Weinbau nicht mehr lohnend ist. Ebenso gedeiht er vorzüglich in dem Sande des Philisterlandcs. Der Baum kommt in Höhen von vielen 100 Metern vor. Am Hernton findet man Olivenhaine in Höhen von 700 und südöstlich vom Toten Meere bei Kerafc noch in Höhen von 1000 Metern. Die Bäume werden sehr alt. Bereits oben war von den uralten Bäumen im Garten Gethsemane bei Jerusalem die Rede. Man nennt ben ihn bereits in der letzten Nummer geschildert — und endete kläglich. Aber der hartnäckige Dr. Stern gab sich mit einer Blamage nicht zufrieden und veranstaltete am letzten Sonntage eine „Prctestversammlung“, deren für die Veranstalter sc jämmerlicher Verlauf bereits in allen Tageszeitungen, wenn auch mit den üblichen Entstellungen, besprochen wurde. Wir lassen einen genauen Bericht folgen. Das Arrangement der Protestversammlung. Unmittelbar" nach dem Sombartvortrage, dessen glänzender Verlauf die jüdischen Offiziellen mit Wut und Schmerz erfüllte, ließ die Kultusgemeinde verlauten, daß sie durch den Mund einer wissenschaftlichen Berühmtheit — es wurde der Name des bekannten Historikers O n k e n genannt — den unbequemen Sombart werde widerlegen und vernichten lassen. Aber als die Ankündigungen erschienen, zeigte es sich, dal! es die Herren viel, viel billiger geben mußten, denn statt der wissenschaftlichen "Koryphäe fungierte der Gemeiiiderabbiner Dr. O r n n w a 1 d als Referent und Vernichter Sombarts. Statt des Soziologen und unabhängigen Gelehrten von Weltruf, der abhängige Gemeindeangeslellte, statt des Wissenschattiers der geistliche Prediger. Erregte dieses Faktum nur Heiterkeit, so berührte der Umstand, daß die Versammlung als „f r e i und o li n e Karten z u g ä n g 1 i c h“ angekündigt worden war, angenehmes Erstaunen. So kamen denn die Besucher in hellen Scharen, aber — nur bis zur Türe des Beethovensaales. Dort waren Kultusbeamte und Tempeldiener postiert, die" jeden sorgfältig prüften, Verdächtigen unter Hinweis aut den „überfüllten“ Saal — in Wirklichkeit war er noch leer — den Eintritt verweigerten, hingegen die Anhänger (der Kultusgemeinde liebevoll ins Versammlungslokal geleiteten. Allerdings dauerte diese Komödie nicht lange, die Wartenden waren nicht gewillt, sich frozzeln zu lassen, schoben die unberufenen Hüter der Ordnung weniger sanft als entschieden zur Seite und es gelang zirka 600 Leuten in den „frei und ohne Karte n“ zugänglichen Saal zu gelangen. Am Präsidium saßen Kultuspräsident Dr. Stern und sein Steilvertreter Dr. K o li n. Nach einer kurzen Einleitung des Dr. S t e r n ergriff Dr. Grunwald das Wort. Das Referat. Dr. Grunwald, der das Zeug zum guten Kanzelredner in sich trägt, hatte einen ""sehr unglücklichen Tag. Nach einer Einleitung, die jedes sachlichen Inhaltes entbehrte, erging er sich in seichten Witzen und leeren Verdächtigungen Sombarts, ohne auf das eigentliche Thema „Die Zukunft der Juden“ auch nur mit einem Worte zurückzukommen. Die Zuhörer, denen eine solche „Wissenschaftlichkeit“ schlecht behagte, wurden unruhig und erst als Dr. Grunin Palästina solche alte Olivenbäume die „griechischen“, was auf ihr Alter schließen läßt, ähnlich' wie man die alten Bäume in Sizilien „sarazenische“ oder in Tripolis „Pflanzungen der Pharaonen“ nennt, ln Syrien fällt die Blütezeit des Oelbaumes meist in den März oder April. Bei voller Reife sind die Früchte blauschwarz, vor Eintritt der Reife grün, doch gibt es in Syrien bei voller Reife auch weiße Oliven. Hochgeschätzt sind die großen grünen Oliven bei Damaskus. Man legt die Speiseoliven in Syrien zwei Wochen ins Wasser, dem ein Teil Kalk und zwei Teile Alkali zugesetzt sind, um ihnen den bitteren Geschmack zu nehmen, wobei freilich ein Teil des Aromas verloren geht. Die Art der#üelgewinnung ist bei den Arabern im allgemeinen ebenso primitiv wie in den Aliasländern von Marokko bis Tripolis. Dement- 'spreeiiend ist auch das Oel relativ minderwertig, und auch die Seifenfabrikation steht auf niederem Niveau. Die deutschen Kolonisten haben moderne Scifenfabrikationsbetriebe und Oelmüiilen eingeführt. So erzeugen sie in einer Seifenfabrik in Haifa, auch feine| Tafelöl. Auch jüdische Fabriken befassen sieh mit der* Verwertung des Oeles nach modernen Methoden. Während früher die Araber ihre schlecht ausgepreßten Olivenrückstände nur noch als Futter verwenden konnten, werden diese heute in Palästina von modernen Fabriken angekauft, nochmals ausgepreßt, dann weiterhin mit Chemikalien behandelt, die den letzten Rest* von Oel extrahieren, und auch diese Rückstände repräsentieren als Brennmaterial in dem kohlenarmen Lande noch einen gewissen Wert. Die

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