Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 3. Das Konstistorium unterbreitet den Vertrag dem Großrabbiner zur Bestätigung. 4. Falls der Großrabbiner Gründe finden sollte, die ihn verhindern könnten, die Bestätigung vorzunehmen, so wird das Konsistorium kommenden Sonntag seine persönlichen Erklärungen entgegennehmen. Ungeachtet dieser Beschlüsse, die von dem guten Willen des Konsistoriums zu einem Entgegenkommen Zeugnis ablegen, lehnte es der Großrabbiner ab, in der Konsistorialsitzung vom 4. Februar zu erscheinen, sondern beschränkte sich darauf, den Text seines an die Regierung gerichteten Rücktrittsgesuchs dem Konsistorium zu übermitteln. Am 5. Februar überreichte Rabbi Haim Nahum der Regierung offiziell seine Demission nebst einem Entwurf der Motive; der Justizminister erachtete diese jedoch nicht für genügend detailliert und teilte daher dem Großrabbiner mit, daß er vor einer Ergänzung der Motive das Gesuch der Hohen Pforte nicht unterbreiten könne. Er forderte den Großrabbiner auf, die Motive 'schriftlich eingehender darzulegen und dem Medschliss Dschismani zu erklären, er solle noch keinen Kaimakam (stellvertretenden Großrabbiner) wählen. Der Großrabbiner übermittelte dem Konsistorium diese Mitteilung der Regierung. — Die „Ag. Ottomane“ glaubt zu wissen, daß die unter dem Präsidium Faragi Effendis stehende, für Anfang nächster Woche einberufene Nationalversammlung (Medschliss .Umumi) die Frage entscheiden und daß der Großrabbiner seine endgiltige Antwort auf die Wünsche des Ministers nach der Sitzung bekanntgeben werde. Eine patriotische Kundgebung der bulgarischen Juden. Sofia: Am 2. Februar fand in der herrlichen spaniolischen Synagoge in Sofia anläßlich der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen Boris ein feierlicher Gottesdienst statt, der imposant verlief. Es waren u. a. anwesend: Vertreter, des .Königspaares, Ministerpräsident Geschow und mehrere Mitglieder des Kabinetts, der Chef der Ispanischen Sondermission, Graf de la Vianza, spanischer Botschafter in Petersburg, der Vorsitzende der heiligen Synode, Erzbischof Vassili, ferner der Erzbischof von Sofia Partheni und ,die Vertreter aller anderen Religionsgenossenschaften. Der Besuch hoher kirchlicher Würdenträger in der Synagoge geschah hier zum ersten Male und ist von guter Vorbedeutung für das friedliche Zusammenleben der Bürger. Großrabbiner Dr. Ehrenpreis hielt eine sehr eindrucksvolle Festrede in bulgarischer Sprache, die von der bulgarischen Tagespresse vollinhaltlich wiedergegeben wurde. Bei dem am Abend abgehaltenen offiziellen Empfang am Hofe wurde Dr. Ehrenpreis von König Ferdinand zu seiner Rede, und zum schönen Verlauf der Feier beglückwünscht. Der König dankte für die patriotische Kundgebung und schloß die Unterredung mit den Worten: „Ich kenne die Treue und Loyalität der jüdischen Bürger.“ Am darauffolgenden Tage erschien Dr. Ehrenpreis mit den Mitgliedern des Zentralkonsistoriumsi beim Thronfolger, Kronprinzen Boris, um die Glückwünsche aller jüdischen Kultusgemeinden des Königreichs zu überbringen. Eine neue* jüdische' Ansiedlung in Portugiesisch- Westafrika. Lissabon: Der hiesige jüdische Großkaufmann W. T e r 1 o hat der' portugiesischen Kammer eine Denkschrift nebst einem Gesetzentwurf über die Ansiedlung von Juden auf dem Plateaux von Angola und Mossämedes (Portugiesisch-Westafrika) unterbreitet. Der Entwurf, den .der Deputierte Dr. Manuel Bravo wurf, den der Deputierte Dr. Manuel Bravo, im Einverständnis mit sämtlichen parlamentarischen Gruppen, der Kammer vorlegte, .gelangte dort' am 6. Februar zur Verhandlung und fand eine', sehr günstige Aufnahme, nachdem er schon vorher in den bedeutendsten Tagesblätternbekanntgegeben und sympathisch besprochen worden ..war . Die 'Annahme des Entwurfs sowohl in der Deputiertenkammer als auch im Senat erscheint gesichert. Der Gesetzentwurf sieht vor, daß die Regierung an die jüdischen Ansiedler 500 Hektar pro Familie unentgeltlich abgibt und ihnen außerdem verschiedene Vergünstigungen gewährt. Die portugiesische Tagespresse hebt bei Besprechung des Projekts hervor, daß der politische und wirtschaftliche Verfall Portugals von der Vertreibung der Juden datiert. Das in Rede stehende Gebiet liegt an der Westküste von Südafrika und ist reich an pflanzlichen und tierischen Produkten aller Art. Schaustellung von Spitzen und Erzeugnissen des Bezalel. Der jüdische Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina hat im Saale des Kongreßbürosf, IX., Türkenstraße 9, eine Schaustellung von Spitzen und Erzeugnissen des Bezalel veranstaltet. Die ausgestellten Spitzen erregten die Bewunderung aller Besucher. Besonders die Nadelspitzen erfreuen sich des Beifalles aller Kenner. Die Blushnbesätze, Kinderhäubchen, Untertassendeckchen und Mouchoirs sind prachtvoll ausgeführt. Die Erzeugnisse des Bezalel sind von der früheren Ausstellung her in Wien bekannt. Jetzt Isind vornehmlich Holz- und Batik- (in Metall geätzte) Arbeiten ausgestellt. Die Ornamentik und Durchführung der Aetzung finden allgemeines Lob. Die Holzarbeiten sind nicht minder schön. Wem die Palästinaarbeit Herzenssache ist, kann nicht genug eindringlich der Besuch der Schaustellung, welche am IS. Februar geschlossen wird, empfohlen werden. Rus Palästina. Von der landwirtschaftlichen Schule in ßen- Schamen. Jaffa: Seit einigen Monaten besteht in der -Kolonie Ben-Schamen bei Lydda im Anschluß an die Gutswirtschaft des Notionalfonds und die Bezalelkolonie eine Landwirtschüftsschule, die den Zweck hat, junge Leute im Pflanzungs- und Ackerbau praktisch auszubilden. Es ist auch in Aussicht genommen, daß der Leiter der Schule als Wanderlehrer für die benachbarten Kolonien fungieren soll. Später sollen von Seiten der Schule periodische kleine Veröffentlichungen, enthaltend praktische Anleitungen und Fingerzeige für die Kolonisten, herausgegeben werden. Wiedereröffnung des Beth-Haam in Jerusalem. Jerusalem: Das hiesige Beth-Haam, ein jüdisches Volksbildungsheim, in dem populärwissenschaftliche Vorträge — meist in hebräischer Sprache —, ferner Unterrichtskurse, Diskussionsabende, und öffentliche Versammlungen abgehalten werden, mußte vor drei Monaten geschlossen werden, da der Besitzer der bisherigen Lokalitäten den Mietsvertrag gekündigt hatte und sich kein anderes geeignetes Lokal fand. 'Nunmehr hat die Verwaltung des Beth- Haam ein geräumiges Haus gegenüber der Laemelschule gemietet, das einen großen Vortragssaal und zahlreiche kleinere Räume, ferner einen Hof und einen schönen Garten enthält. Die Anstalt wird nunmehr in den nächsten Tagen neu eröffnet werden. Das leitende Komitee beabsichtigt, die kulturelle Tätigkeit des Beth-Haam bedeutend zu erweitern, insbesondere verschiedene Vortragszyklen und Unterrichtskurse einzurichten, für die bereits eine Reihe freiwilliger Kräfte aus den Kreisen der Jerusalemer Intelligenz gewonnen, worden sind, ln der kurzen Spanne Zeit, während das Beth-Haam geschlossen war, zeigte ,erst recht deutlich, wie notwendig ein solches Institut für Jerusalem ist und welchen segensreichen Einfluß es auf das geistige Leben der jüdischen Bevölkerung unserer Stadt auszuüben berufen ist. Eine Eisenbahnverbindung Jerusalem—Damaskus. Jerusalem: Wie dem hiesigen „Haor“ aus Damaskus mitgeteilt wird, hat die Direktion der Hedschasbahn in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, um den Bau einer Zweiglinie Kerak— Jerusalem ehestens in Angriff zu nehmen. Durch den Bau dieser Zweiglinie würde Jerusalem eine direkte Eisenbahnverbindung einerseits mit Damaskus, andererseits mit Mekka erlangen. Die Ingenieure der Hedschasbahn sollen bereits Anfang April nach Jerusalem kommen, um die Trace abzustecken. Vermutlich wird mit dem Bau noch im Laufe dieses Jahres begonnen werden; innerhalb zweier Jahre dürfte die neue Zweiglinie betriebsfertig hergestellt sein. Die Baukosten der 35 km langen Bahn werden auf zirka 40 Millionen Francs geschätzt. Es wird ferner geplant, nach Vollendung der Eisenbahnlinie Kerak—Jerusalem sogleich mit dem Bau einer zweiten Zweiglinie Haifa—Jerusalem zu beginnen. Versammlung der jüdischen Landarbeiter! in Galiläa. Tiberias: Am 24. Tebeth (13. Jänner) fand auf der Farm Kinereth der Palestine Land Development Company die zweite Jahresversammlung der in den jüdischen Kolonien Galiläas tätigen jüdischen Landarbeiter statt. Es wurde ein Zentralkomitee von drei Mitgliedern eingesetzt, dessen Aufgabe hauptsächlich die Vermittlung landwirtschaftlicher Arbeit und die Erteilung zuverlässiger Informationen über die Arbeitsverhältnisse in den. einzelnen jüdischen Ansiedlungen Galiläas bilden soll. Es wurde ferner beschlossen, eine Leihkasse für die Mitglieder dergaliläischen Landarbeiter-Organisation einzurichten. Anstellung eines Tierarztes in den judäischen Kolonien. Pethach-Tikwah: Die Vorstände der jüdischen Kolonien in Judäa beabsichtigen, gemeinsam einen Tierarzt anzustellen. Die galiläischen Kolonien sowie die Kolonien- Sichron Jacob und Chedera in Samaria werden bereits regelmäßig von einem sehr tüchtigen Tierarzt besucht, der seinen Wohnsitz in Haifa hat. Derselbe hat auch die Viehversicherung in allen galiläischen Kolonien durchgeführt. Pepsonalnadiriifateii. Wien. Herr Arthur R e i k, i. a. B. .der jüd.- akad. Verbind. „I v r i a“ in Wien, beehrt sich anzuzeigen, daß seine Promotion zum Doktor der Rechte Freitag, den 16. Februar 1912, um halb 1 Uhr im großen Festsaale der k. k. Universität in Wien stattfindet. Gg. Herr Moses Frostig, Chefredakteur des Lemberger „Tagblatt“ hat sich am 3. d. mit Gesinnungsgenossin Frl. Rosa Messer vermählt. Vereinsnadmihteii. Wien. (Jüdisch. Handlungsgehilfen-Verband.) Samstag, 17. Februar (9 Ute abends): Tee- Abend der Frauensektion im Festsaale des „Jüd. Volksheim“, II., Stefaniestraße 12. (Näheres die separaten Einladungen.) — Dienstag, 20. Februar 1912 (8 Uhr abends): Vortrag des Kollegen Emil Kafka: „Eindrücke von meiner Palästina-Reise“. Gäste willkommen. Wien. (Verein zion. Hochschüler „Theodor Herzl“, II., Stefaniestr. 12.) Seminarprogramm: Samstag, 17. Februar, Bb. Rud. Menzel „Achad Haam, der Mensch und Werk; Dienstag, 20. Februar, Jüdischer Abend; Mittwoch, 21. Februar, Zionistisch. Seminar, Samstag, 24. Februar, Herr Diesendruck: Junghebräische Novellistik. Wien. Cer „Unterstützungsverein jüdischer Hochschüler aus Galizien“ in Wien veranstaltet Samstag, am 24. d. M. im „Jüdischen Volksheim, II., Stefaniestraße 12, eine Akademie mit anschließendem Tanz. Ihre Mitwirkung haben hervorragende Kunstkrätte zugesichert. — Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Wien. (Erster zionistischer Frauenverein.) Montag, 19. Februar, 5 Uhr nachmittags im Damensalon des Cafe Citv, IX., Porzellangasse, Vortrag Frau M ü 11 e r - ft os e n z w e i g über: „Meine Reise in Palästina“; hierauf Vortrag der Frau Dr. Kahn über: „Die Kolonien in Palästina“. Gäste, Damen und Herren, herzlichst willkommen. Wien. Der Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“ veranstaltet Sonntag, den 25. d. M., eine Perez-Matinee. Für die Conference ist unser A. H. Dr. Hugo Zuckermann in Aussicht genommen. Wien. (Verein jüdischer Hochschüler „M e nsa Academica. Judaica“.) In der letzten Plenarversammlung wurden folgende Mitglieder in den Ausschuß gewählt: Cand. phil. Bela Diamant, Präses; cand. ing. Ernst