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Jüdische Zeitung · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ' JÜDISCHE ZEITUNG kündete nebst einer entzückenden Natürlichkeit ein tiefkünstlerisches [Empfinden und fast ungeahntes Verständnis und die Stimme der jungen Künstlerin ließ in ihrem dunklen Timbre wie in ihrem hellen, aufzitternden Klang das Werden der Gedichte in der Brust ihres Schöpfers gleichsam miterleben. Eine freudige Ueberraschung bot dem Publikum die kleine 9-jährige Abrahamowitz, die in kindlich-herziger Weise „EI hazipor“ im Urtext deklamierte — das erste Mal wohl hier in Wien, daß der edle ,Klähg unserer altneuen Sprache von Kindermund ertönte. Die Matinee beschloß Dr.. Ernst Müller mit der Wiedergabe (einiger seiner Bialiküberseizungen. Seine einfache, anspruchslose Art zeichnete ihn auch am Vortragstische aus; ohne „Kunst“ und „Deklamation“, dafür mit viel Wärme und Ergriffenheit las er Bialik, aus innerer Verwandtschaft heraus, wie ein Dichter den anderen. Mähr.-MileMep Distrittstag in Olmütz. Der mähr.-sdiles. DT. wurde am 7. d. M. in Olmütz abgehalten. Der geschäftsführende Ausschuß des ZK. war durch Gg. Dr. Glücklich, das mähr.-schles. DK. durch die Gg. Dr. Friedmann und Finzi vertreten. Für die Olmützer Kultusgemeinde waren Ignatz Zweig und kais. Rat Fisdiel erschienen. Neun bürgerliche Vereine und Ortsgruppen, ferner die „Veritas“ und „Massada“ waren durch 25 Delegierte vertreten. Zum Vorsitzenden wurde Gg. Schwarzbart (Olmütz), zu dessen Stellvertreter Gg. Süßmandel M.-Ostrau), zum Schriftführer Gg. Dr. Altar Proßnitz) gewählt. Der vom Gg. Finzi erstattete Rechenschaftsbericht des DK. erwähnt die Anteilnahme der mähr.-sdiles. Zionisten am X. Kongreß, schildert die Vorgänge, die zur Umgestaltung der west-österr. Organisation führten und wendet sich dann einer Besprechung der Verhältnisse in den einzelnen Kreisen des Distriktes zu. Diesbezüglich wird die Veranstaltung einer Bezalel- Ausstelluhg in Iglau, die Uebernahme der Brünner Kreisleitung durch die Gg. Dr. Feldmann, Dr. Schönhof und Dr. Sonnenfeld, die Verlegung der Proßnitzer Kreisleitung nach Olmütz und ihre Uebernahme (durch Gg. . Schwarzbart fiervorgehoben. In Troppau, Boskowitz und im Kreise Ung.-Hradisdi wurde je ein Mädchenverein gegründet. In Ung.-Hradisch, Olmütz und Troppau wurden gut besuchte Kreistage abgehalten. Der Berichterstatter gab noch eine allgemeine Charakteristik der Tätigkeit der Distriktsvereine und schloß mit nochmaliger Begründung des vom DK. in den Fragen der westösterr. Organisation eingenommenen Standpunktes. Aius dem gleichfalls von Gg- Finzi erstatteten Bericht über die Kassagebahrung und über die Ergebnisse der Sammlungen Jur zionistische Zwecke sei folgendes fiervorgehoben: Das Berichtsjahr schließt mit einem Aktivsaldo ab, obwohl schon seit dem Jahre 1910/11 die Schekel voll abgeführt wurden. Die Eingänge an Parteisteuer sind von 373 K 50 h im Jahre 1907 auf 1171 K 20 h »m Berichtsjahre gestiegen. Das Vermögen des Distrikts hat sich fast verdreifacht. Die Verpflichtungen gegenüber dem ZK. wurden voll und ganz erfüllt. Die Schekeleingänge betrugen 2400 K. An der Subventionierung des NF. (beteiligten sich 19 Kultusgemeinden des pistriktes. Die Einnahmen für alle zionistischen Zwecke betrugen 19.424 K 44 h im Berichtsjahr gegen 8026 K 58 h im Jahre 1908, dem Tätigkeitsbeginne des abtretenden DK. Der Bericht gibt dann eine detaillierte Ortsstatistik. Beide Berichte wurden mit Dank und Anerkennung entgegengenommen und von mehreren Seiten wurde dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß die Gg. Df. Lichtwitz und Finzi eine Wiederwahl ablehnen zu müssen erklärt hatten. Nach Erteilung des Absolutoriums beschloß der DT., auf den Namen des abtretenden DK. einen Oelbaumgarten im mähr.- schles. Hain zu pflanzen. Eine längere Debatte brachte das Ergebnis, daß der Sitz des DK. in Troppau belassen wurde. Gewählt wurden: Rabb. jDr. Simon Friedmann, Dr. Leopold Leschner, Philipp Schwarz und Karl Weinreb. Dr. Glücklich beglückwünschte als Vertreter des ZK. das neue DK. und gab die Versicherung, daß das ZK. alles tun werde, um in steter enger Fühlungnahme mit dem DK. vorzugehen. Nachdem noch einige dem DK. aus dem Plenum! gegebene Anregungen einer Besprechung unterzogen "worden waren, wurde der DT. geschlossen. t .Sämtliche Debatten zeichneten sich bei allem Interesse, das die Delegierten den Verhändlungsgegenständen zuwendeten, durch ruhige Sadilichkeit aus und führten zu einer glatten, allseits befriedigenden Lösung (der dem DT. vorliegenden Aufgaben. Der Verlauf der Tagung und insbesondere der in den .Berichten des DK. gebotene Rückblick auf dessen bisherige Tätigkeit gab allen Teilnehmern die Gewißheit, daß der Zionismus in Mähren und Schlesien nunmehr aut gefestigten Grundlagen beruhe und daß die Bewegung zielbewußt und stetig fortschreite. Brief aus England. (Von unserem Korrespondenten.) Liverpool, am 11. Februar. Heute wurde in Liverpool ,im „Hotel St. George“ die Jahreskonferenz der Eng- Iish Zionist. Federation abgehalten. Die Konferenz war sehr gut besucht. Delegierte von allen Teilen Englands, Irlands, Schotlands und Wales waren anwesend. Den Vorsitz führte Joseph C o w e n. Es ist bekannt, daß der Zionismus in England seit einigen Jahren durch die Zwistigkeiten zwischen Order of Ancient Makkaber ans (eine Vereinigung von Zionisten, die durch Gewährung von Unterstützung im Falle von Krankheit Leute dem Zionismus näher bringen wollen und auch gebracht haben. Sie sind ausschließlich für die praktische Arbeit in Palästina) und der Engl. Zionist. Federation sehr leidet. Es ist das besonders aus den kleinen Eingängen des Nationalfond zu ersehen. Leider herrschen heute keine prinzipiellen Differenzen zwischen den O. A. M. und den E. Z. F., sondern größtenteils persönliche. Da aber der O. A. M. darauf besteht, als „Sonderverband“ anerkannt zu werden, die E. Z. F. aber müde wurde, gegen die Erhaltung von zwei Federationen in einem so kleinen Lande, d. h. in einem Lande mit nur 250.000 Juden, zu opponieren, wurde beschlossen,* ein Exekutivkomitee zu ernennen, bestehend aus 6 Herren der E. Z. F. und 6 Herren der O. A. M. mit, Sir ‘Francis Montefiore als unparteiischen Präsidenten. Es isf zu hoffen, daß endlich alle Hindernisse für die Entwicklung des Zionismus in England beseitigt sind. Hier ist tatsächlich der zionistischen Bewegung eine große Zukunft vorauszusagen. Leider konnte die Konferenz einen Präsidenten nicht , ernennen, da der bewährte Zionist Mri Joseph Co wen trotz des Drängens der Delegierten nicht in der Lage war, die Stelle eines Präsidenten anzunehmen. Es wurde die Wahl eines Präsidenten dem Exekutiv-Komitee überlassen. Gewählt wurden: Vizepräsident Mr. Leopold Keßler für London und Mr. Dr. Charles Dreyfus für Manchester. Es wurde der neuen Leitung in Berlin volles Vertrauen ausgedrückt und besonders für den Zentralfond agitiert. , Nach Schluß der Konferenz fand ein Massenmeeting in der Hope Hall statt, welches von ungefähr 1000 Personen besucht war. Besonders hervorzuheben ist die Rede des Mr. Joseph C o w e n, der unter /anderem hervorhob, daß wir nach wie vor bei. dem Baseler Programm verharren, trotzdem unsere Ggner behaupten, der Herzl-Zionismus sei tot. Auch betonte er, daß in England nur einige Personen behaupten dürfen, persönliche Freunde Herzls gewesen zu sein. Lord Rothschild hat auf der Konferenz" für die Ernennung eines Oberrabbiners behauptet, Herzl sei sein Freund gewesen und er (Herzl) habe versucht, wie der „Antisemitismus“ im vollen Schwünge war, irgendwo ein Land zu finden, wo die Juden ihre Gesetze und Gebräuche ausüben könnten, was ihnen in den Ländern, wo sie jetzt wohnen, verwehrt sei. Diese Behauptung Rothschilds sei eine Entstellung der Tatsachen. Wir Zionisten : wollen nichts anderes, als was wir vor der ganzen Welt verlangen. Eine Heimstätte in Palästina. Das Meeting selbst war sehr begeistert und es wurde ein großer Betrag für den NF. gesammelt. B. H. Nr •1 ParteisNachrichten. Mitteilungen des innerösterr. Distriktskomitees. Zionistisches Distriktsseminar. Die am 7. d. M. unter Leitung des i.-ö. DK. stattgefundene Obmännerkonferenz ‘ der studentischen Korporationen Wiens hat die Einrichtung eines zion. Seminars beschlossen. Der hauptsächliche Zweck des Seminars wird zunächst darin erblickt, den jüngeren ■ Mitgliedern der Wiener Organisation nach einem einheitlichen und systematischen Plan die Erkenntnis der zion. und allgemein-jüdischen Fragen und Probleme zu erschließen, ihnen durch sachgemäß geführte Diskussionen und durch die Erstattung von Referaten über bereits behandelte Themen seitens der Teilnehmer am Seminar eine unmittelbare Anwendung des erworbenen Wissens zu ermöglichen. Das Seminar wird dem Zwecke dienen,' weitere Kreise der zion. Jungmannschaft durch eine tüchtige und sinngemäße Schulung in den Dienst der zion. Sache zu stellen. Die Obmännerkonferenz hat aus diesen Gründen weiters beschlossen, den Besuch des Seminars für eine entsprechende Anzahl von Vereinsmitgliedern obligatorisch zu - machen. Es steht aber auch nichtorganisierten Gesinnungsgenossen frei, sich am Seminar gegen vorhergehende schriftliche Anmeldung beim Büro des i.-ö. DK. zu beteiligen. Der Besuch ist für alle Teilnehmer unentgeltlich. Das Seminar beginnt Donnerstag, den 22. Februar 1912, präzise 7 Uhr abends im großen Saale, IX., Türkenstraße 9 und wird an jedem 2. Donnerstag fortgesetzt. Die Leitung hat das i.-ö. DK. übernommen und wird dessen Obmann-Stellvertreter Gg. Dr. H. Kadisch am. ersten Abend . über Zweck des Seminars und ‘ über den Uebungsplan referieren. Als erstes Thema wird „Der Zionismus vor Herzl“ behandelt werden. Die Vereinsleitungen werden um Uebersendung der T eilnehmer-Listen ersucht. Schekelagitation 5672. Ausgabestellen von Schekelblocks: IX., Türkenstraße 9 (J.n.d im Büro des „Jüd. Volksheims“, II., Stefaniestraße 12, täglich von 9—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr. nachmittags. Sitzung des Zionistischen Aktions-Komitees. Die nächste Sitzung des großen Aktions- Komitees der Zionistischen Organisation findet vom 17.—19. März 1. J. in Berlin statt. 9 Tn' Üng.-Hradisch hät Sich1' eine N äJt i o - nalfonds-Kommission gebildet, die den Zweck hat, in den umliegenden Ortschaften wie Bisenz, Ostra, Napagedl u. a., in welchen ziemlich viele Juden wohnen, Samlnlungen einzuleiten, da bisher von diesen Orten wenig, oder gar nichts aufgebracht wurde. ■ flus dem jüöHchen Leben. Der Jüdische Nationalfond im Jahre 1911. Die Spendeneingänge für den Jüdischen Nationalfonds betrugen im abgelaufenen Jahre über 540.000 Mark, gegenüber 455.000 M. im Jahre 1910, 405.000 M. im Jahre 1909 und 275.000 M. im Jahre 1903. An den Spendensammlungen für den Fonds haben sich-'26 Sammelgebiete beteiligt. In sämtlichen fünf Erdteilen bestehen Landessammelstellen mit organisiertem ßureaubetrieb. Zu dem obengenannten’ Ergebnis von 540.000 M. haben u. a. beigetragen: .Deutschland 110.000 (1910 : 56.000, 1909 : 48.000), Rußland 108.000, Oesterreich 103.000, Nordamerika 96.000, Rumänien 20.000, Südafrika 18.000, Canada 17.000, England und Ungarn je .10.000 Mark. — Der Jüdische Nationalfonds wurde bekanntlich im Jahre 1901 vom V. Ziopistenkongreß geschaffen lind dient dazu, in Palästina Grund und Boden für gemeinnützige jüdische Zwecke zu erwerben. Er hat bereits die Höhe vqn nahezu 3 Millionen Mark erreicht. . Zur Demission des türkischen Großrabbiners. Konstantinopel: Die Sitzung des Konsistoriums (Medschliss dschismani) vom 2. d. M. \var vollständig dem Studium der Gründe der Demission des Großrabbiners gewidmet. Nach vierstündiger Besprechung faßte das Konsistorium folgende einstimmige Beschlüsse:. 1. Das Konsistorium hält seinen Beschluß über die Legalität des Vertrages mit den Asclikenasim aufrecht. , 2. Die Genehmigung der Konsistorialbeschlüsse durch den Großrabbiner, obwohl nach Artikel ’6 des Chacham-Chane-Nisam-Namessi erforderlich', ist bisher nicht üblich gewesen, ohne daß der Großrabbiner jemals etwas dagegen eingewendet hätte.

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