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Jüdische Zeitung · 1912-02-09 · 6 (9.2.1912) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 jUDISCHE ZEITUNG üemberger Brief. Von unserem Korfespondenten. Es gibt eine sichere Methode, in Bezug auf die galizischen Assimilanten unfehlbar zu prophezeien: man nehme von ihnen immer das Aergste an. Mit automatischer Präzision bestätigen die Folgen die vorherige Annahme. Bei Beurteilung der neugegründeten „Selbsthilfe“ sagten wir es voraus, daß diese Organisation nicht für das Wohl der galizischen Juden, sondern zur Festigung der galizischen Assimilation bestimmt sei.' Der Krakauer „Tug“ erhob darüber ein Geschrei: „Die Zionisten stänkern, die Zionisten wollen diese unparteiische, dem Volkswohle bestimmte Gründung diskreditieren.“ So lautete der gegen die „Jüdische Zeitung“ erhobene Vorwurf. Schon glaubten wir, gezwungen zu sein, uns reuevoll an die Brust zu schlagen. Die letzte Nummer der „Jednosc“ entbindet uns "jedoch dieser Pflicht. Die „Jednosc“ berichtet über die konstituierende Sitzung, an welcher auch Zionisten teilgenommen haben, und ist empört, daß man die Zionisten an den Beratungen teilnehmen ließ, da die Selbsthilfe doch dazu bestimmt war, die „jüdischen Massen gegen die demagogischen Schlagworte der Zionisten und ihrer Apostel widerstandsfähiger' zu machen“. Nun drohe diese Aktion, deren „Leitgedanke die Nationalisierung der Juden im polnischen Gaste und ihre Ablenkung von der separatistischen zionistischen Bewegung war“, sich in ihr Gegenteil zu verwandeln. . Die „Jednosc“ scheut sich auch nicht, an Löwenstein und Horowitz strenge - Kritik zu üben, weil diese, entgegen ihren Versicherungen, daß die Selbsthilfe“ polnisch-national sein werde, die Zionisten' zur Mitarbeit 'zugelassen haben. Also, die bösen Zionisten und die . noch bösere „Jüdische Zeitung“’ haben Recht behalten: Leider, müssen wir" hinzufügen,, denn schließlich sind die galizischen Juden um eine Hoffnung ärmer geworden. Es ist selbstverständlich, daß man sich jetzt mit der größten .Vehemenz gegen dLe: „Selbsthilfe“ wenden muß; da sie doch nichts' anderes pls die Gründung einer Assimilantenburg ‘bezweckt. Mit diesem neuesten Streiche hat sich die galizisdie Assimilation selbst überboten. Sie war ja seit jeher korrupt, brutal, verkommen und niederträchtig. Zu ihrer langen Liste von Verbrechen und Gemeinheiten hat sie cnun noch | die verworfenste Form des -Sykophantentums hinzugefügt. Scheinheilig vergoß sie über die jüdische Not in Galizien, die sie zum größten Teile verschuldet, Krokodilstränen und versprach Hilfe, um die Notleidenden und Armen noch fester zu knebeln und — neuerdings zum Vorspann ihrer unmoralischen Herrschaft zu machen. Den Juden in Galizien und den ausländischen Hilfsgesellschaften gilt folgende schon einmal an sie ergangene Warnung: Hütet Euch vor Löwenstein und Horowitz! Solange jedodi ihr Hauch weht und ihre Hände das Steuer führen, kann und wird ,es nicht besser werden! ...* * * An die Verbrechen der bourgeoisen Assimilation schließen sich die’ Untaten der sogenannten sozialistischen würdig an. Im tobenden Kampfe um die Landtagswahlreform hat auch ■die galizisch-sozialistische Partei, angeführt von' Diamand und - Genossen, das Schwert aus der Scheide gezogen. Doch gilt die Wut der roten Mauschel nicht dem Statthalter und nicht den . polnischen Feudalen. Die volle Schale ihres polnisch-proletarischen Zornes ergießt sich über die bösen Zionisten und ihr Kriegsruf lautet: Nieder mit der national - jüdischen Kurie! Andere Schmerzen haben . die Diamand, Tcorkes, Zetterbaum -und Buber (das die Namen der Sozialistenfühter und Zionistenfresser) nicht! Als ob die Arbeiter in Galizien nichts Vernünftigeres. zu verlangen hätten, als den Kampf gegen die demokratisch-oppositionelle Partei der Zionisten. Aber nicht nur die deklarierten sozialistischen Mauschel ä la Diamand, sondern auch die Mit- ’’ glieder der neubegründeten jüdisch-sozialdemokrati^khen Partei wenden sich gegen die Forderung der Zionisten. Ein gewöhnlicher Sterblicher, der sich in den verschlungenen Denkpfaden assimilatorischer Gehirne nicht auskennt, fragt erstaunt nach dem Verbleib ' des Brünner Programmes der österreichischen Sozialdemokratie. Vergebens würde er auf Antwort warten. Denn alle Erkenntnis und' alle Grundsätze machen halt, sobald es sich um Juden handelt. ParteisNachpichten. Mitteilungen des innerösterr. Distriktskomitees. Schekelagitatioh 5672. Laut Beschluß des iö. DT: vom 28. Jänner 1. J. haben die in Vereinen organisierten Gesinnungsgenossen . des Distrikts ihre Schekelsteuer für das Jahr 5672 bis spätestens. 1. März 1912 zu entrichten. Die Schekelagitation selbst hat sich lediglich auf die n i c h t o r g a n i s i e r t e n Gesinnungsgenossen zu erstrecken und ist . derart ■ zu führen, daß sämtliche Zionisten des iö. Distrikts zur Schekelleistung herangezogen werden. Das DK. wird in Kürze einen Schekelaufruf herausgeben und fordert alle Vereinsleitungen . und Vertrauensmänner auf, mehrere Schekelversammlungen einzuberufen und unausgesetzt für den Schekel zu Werben. Die Agitation soll über Weisung des zion. Zentralkomitees bis Ende 5672 geführt . werden, doch hat die regste Tätigkeit - sofort und namentlich in den traditionellen Schekelwochen (Purim bis Pessach) einzusetzen. Schekelblocks werden täglich (Samstage ausgenommen) in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags und ,von 2 bis 6 Uhr nachmittags im Büro, IX., Türkensträßg 9, gegen Empfangsbest ä t i g u n g ausgegeben. Lieber Wunsch erfolgt auch 'die Zusendung mittels Post. Die zion. Vereine Wiens erhalten sch on aus!- gefertigte Schekelquittungen bei Entrichtung, des mit* den Vereinsleitungen vom DK. festgesetzten Gesamtbetrages, t Generalversammlung des zion. Zentralvereins. ^Montag,'den'5*Februar fand die diesjährige ord. Generalversammlung des „Zion. Zentralvereins“ statt. Gg. Dr. Zweig erstattete über die aktuelle-Frage der Kultussteuererhöhungen ein ausführliches Referat, das. von. der zahlreich besuchten Versammlung beifällig aufgenommen und lebhaft diskutiert wurde. Die. vom - Referenten eingebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen und sofort an den Vorstand der israel. Kultusgemeinde geleitet.’ Ihr Inhalt lautet : . ' „Die am 5. Februar 1912 tagende Generalversammlung des „Zionistischen Zentralvereins“ in Wien ,verwah'rt sich dagegen, daß der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien die nötige Sanierung' der Gemeindefinanzen lediglich durch' die schwere Belastung .der bisherigen Steuerträger anstrebt, statt die von der national - demokratischen Opposition seit Jahren vertretenen wohlerwogenen Vorschläge zu berücksichtigen und' insbesondere die breiten Massen durch Herabsetzung des obligatorischen Steuermindestsatzes, heranzuziehen. — Die Versammlung gibt mit tiefstem Bedauern ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß diese einseitige Maßnahme des Kultusvorstandes nur von der ünrühmlichen Furcht vor einer Demokratisierung des Wahlrechtes diktiert ist.“. . , Hierauf erstattete der Obmann des Zentralvereins, Gg. Dr. Körner, den Tätigkeits- und Gg. Stein den Kassabericht. Ueber Vorschlag des - Gg. Sitzmann wurde dem abtretenden Ausschuß von seiten der Generalversammlung per Akklamation der Dank und das Vertrauen votiert. , ( ■ Die Neuwahlen in den Ausschuß ergaben folgendes Resultat: Max Markus (Obmann), Ing. Groag (Schriftführer), Sigm. Stein (Kassier); ferner als Mitglieder die Gg.: Doktor Heinrich, D. Keßler, L. Klug, Ingenieur K ö p p 1, Dr. Körner,' L. K r e s t i n, 1. H.: Wahltuch. In der Budgetdebatte wurden die Beschlüsse des innerösterr.; Distriktstages zur Kenntnis genommen. Dem -'neugewählten Ausschuß wurde durch die Generalversammlung -nähegelegt, gemeinsam mit dem i.-ö. DK. unmittelbar mit einer regen agitatorischen und propagandistischen Tätigkeit' einzusetzen und den vom früheren Ausschuß erfolgreich geleiteten organisatorischen Ausbau des Vereines weiterzuführen. Der „Zion. .Zentralverein“ geht unter der Leitung von bewährten Mitgliedern der Wiener Organisation einer neuen Aera fruchtbaren Schaffens entgegen. Noch in diesem Monat wird eine große Agitationsversammlung veranstaltet, bei der der Sekretär der zion. Parteileitung in Berlin, Gg. Herr Kurt B1 u m e n f e 1 d, sprechen wird. ■ Im März hofft der Zentralverein Ggi. Prof. Dr. Ch. Weizmann aus Manchester, Mitglied des großen AK., als Seinen Gast begrüßen zu können. Nr 6 Gesellschaftsreise .nach Palästina. Das Palästina-Informationsbureau veranstaltet auch heuer eine Gesellschaftsfahrt nach dem heiligen Lande. Die gemeinsame Abfahrt erfolgt von Triest Sonntag, den 24. Marz 1. J. mit dem Lloyd-Eildampfer „Wien“, der . schnellsten Verbindung mit Palästina (70 Stunden nach Alexandrien, Jaffa wird in 4 >/j Tagen erreicht). Die Preise der Schiffskarten sind bedeutend ermäßigt und betragen für die Tour- und Retourfahrt samt Verpflegung (rituelle): I. Klasse Fr. 639.60, II. Klasse Fr. .434.10, III. Klasse Fr. 170 (ohne Verpflegung), IV. Klasse Fr. 120 (ohne Verpflegung). Die Retourkarte hat vier, Monate Giftigkeit (kann auch prolongiert werden) und gestattet mehrere Fahrtunterbrechungen. Der Zeitpunkt der Reise ist sehr glücklich gewählt, da Palästina in dieser (Zeit im herrlichsten Frühlingsschmucke steht. Es liegt im Interesse derjenigen, die sich der Gesellschaftsfahrt anschließen möchten, ihre Teilnahme ehebaldigst dem Informationsbur'eau für Palästina, Wien, IX., Türkenstraße 9, anzumelden, bei Angabe der Klasse und ob Herren¬ oder Damenkajüte, damit die;Plätze rechtzeitig reserviert werden können. Die definitive Fixie- ■ rung der Plätze erfolgt bis inklusive 2. März und muß das Geld'für die Karten bis zu diesem Zeitpunkte im Bureau erlegt werden. Das Bureau erteilt jedem Interessenten gerne sämtliche die Fahrt betreffenden Informationen und ersucht die Auskunftverlangenden zur Dek- , kung der Regiekosten 1 K (—.90 M., 40 Kop.) in Briefmarken beilegen zu wollen, wofür sie, nebst den näheren Angaben den, im Verlage des Bureaus erschienenen „Kleinen Reiseführer durch Palästina für .-.jüdische Touristen“ gratis zugeschickt bekommen. Der Reiseführer enthält sämtliche Angaben über Verhältnisse, Sehenswürdigkeiten (des Landes, Reiseausrüstung etc. Informationsbureau für Palästina Wien, IX., Türkenstraße 9. Bekanntmachung des Mähr.-Schles. Distrikts- Komitees. . Die .Beratungen des Distrikttages finden am 11. Februar 1. J..in Olmütz, Klubzimmer des Hotel Lauer, statt. Beginn der Beratungen um 4 Uhr nachmittags. Palästina-Vortrags-Abend. Die akad. Verbindung „Kadimah1" veranstaltet am Sonntag, den 11. d. M., präzise 6 Uhr abends, im Festsaal des Ingenieur-: und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, einen Palästina-Vortrags- Abend. Im ersten Teile desselben wird Gg. Adolf Böhm ein Referat über die „Jüdische Volksarbeit in Palästina*-“ halten, welches iseine illustrative Ergänzung durch den zweiten Teil des Abends finden wird, der einen Lichtbildervortrag über unsere bisherigen Leistungen auf palästinensischem Boden umfassen soll. Am Lesetisch Gg. Arnold Reich..— Karten zum Preise von K 1.50,7K 1.—, 60 und 50 Heller sind im Verbindungslokal, I., Wiesingerstraße 3, sowie an der Abendkassa erhältlich. Aus dem Iüdifcfien Geben. Die Juden und der neue Deutsche Reichsrat. Das „Hmbg. Isr. Familienbl.“ schreibt: „Die Majoritätsverhältnisse im Reichstage, wie sie durch die Wahlen sich gestaltet, haben, sind für uns Juden nicht ungünstig. Sollten die Antisemiten der Rechten sich beikommen lassen, Angriffe gegen die jetzige staatsbürgerliche Stellung der deutschen Juden zu inszenieren, so würden sie einer imposanten Abwehrmajorität' begegnen, denn außer den 201 Abgeordneten der gesamten Linken würden .ihnen dann noch die 93 Mitglieder des Zentrums entschieden entgegentreten, also mehr als dreiviertel aller Reichstagsäbgeordneten. Anders freilich liegen die Dinge, wenn es sich darum handeln wird, den deutschen Juden die ihnen bisher noch von der Regierung versagten staatsbürgerlichen Rechte zu erkämpfen. Im großen und ganzen werden die Parteien der Linken dazu nach ihren politischen Traditionen und Programmen bereit sein. Allein unter den National liberalen befinden sich leider eine Anzahl unsicherer Kantonisten auf. diesem Gebiete. In der nationalliberalen „Kölnischen Zeitung“ lesen wir: „Eines der bezeichnendsten Merkmale der bisherigen Wahlen ist die einem Zusammenbruch ähnliche Niederlage der Antisemiten. Diese Partei wäre so gut wie v

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