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Jüdische Zeitung · 1912-01-26 · 4 (26.1.1912) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG“ Seite 11 kataster angelegt, der besonders beim Schekel- und Parteisteuerinkasso wertvolle Dienste geleistet hat. Agitation und Propaganda. Wiewohl die Tätigkeit des DK. sich fast ausschließlich auf das organisatorische Gebiet' erstreckte, wurde die Agitation und Propaganda in erhöhterem Maße wie bisher geführt. Dem DK. gelang es, in der Berichtszeit Vorträge von hervorragenden Gesinnungsgenossen zu veranstalten, durch welche der gewünschte Zweck bezüglich Verallgemeinerung und Vertiefung der zionistischen Idee vollkommen erreicht wurde. Da die Mitglieder des PK. teilweise auch im Ausschüsse des ZentralVereins sich befanden und Gg. Dr. Körner im Jahre 1911 Obmann des genannten Vereines war, wurden die Vorträge ausschließlich im Zentralverein abgehalten, so der Vortrag des Gg. Prof. Pasraa n i k über „Die kulturelle Bedeutung unserer Bewegung für die J u - denheit“, der Vortrag des Gg. Prof. Mossinsohn über „Die Neubelebung der jüdischen Kultur in Palästina“ und der Vortrag des EAK.-Mitgliedes Gg. Doktor L e w i n über „D ie Tragödie der Heimatlosigkeit“. Diese Vorträge hatten den reichsten Beifall und haben sowohl agitatorisch als auch für die Propaganda unserer Idee und unserer. Arbeiten in ausgezeichneter Weise gewirkt. Eingehenderes darüber im Bericht an die Generalversammlung des Zentralvereins. Palästinaarbeit. Die Wiener Agitation Dr. Oppenheimers fällt in das Interregnum unmittelbar vor dem letzten ordentlichen Distriktstag. Das DK. setzte die Aktion für die Siedlungsgenossenschaft energisch fort. Über die Erfolge derselben wird im Anschluß an das Nationalfondsreferat des DK.- Mitgiiedes Gg. Dr. Weiner am DT. mündlich Bericht erstattet, werden. Ein von Prof. Oppenheimer dem DK. angebotener zweiter Vortrag über die Siedlungsgenossenschaft mußte leider entfallen. Für die PLDC. wurde unausgesetzt gesammelt und hat Innerösterreich eine unvergleichlich hohe Zahl an für die PLDC. abgehetzten Aktien zu verzeichnen. Der Gründung der Share-Klubs wurde eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die Wiener Mossinsohn-Woche hat nicht allein in zionistischen, sondern auch in allgemein jüdischen Kreisen, das lebhafteste Interesse für unsere Kulturarbeiten in Palästina erregt, "in jüngster Zeit fanden sowohl in Wien als auch in der 'Provinz zahlreiche Lichtbildervorträge über Palästina statt. Für die in Wien erscheinende, vortrefflich redigierte Zeitschrift „Palästina“ wurde vom DK. fortgesetzt agitiert. Es hat alles daran gesetzt, ‘um'das in den Wiener zionistischen Kreisen intensive Interesse' für Palästina wachzuerhalten. An der im Frühjahr 1911 vom Informationsbureau veranstalteten . Palästinareise beteiligten sich das DK.-Mitglied Dr. Weiher und Gg. Emil Kafka, Mitglied des Vereines „Ness Zion a“. Am .26. Februar 1911 traf eine aus '25 Personen ' bestehende zion; Palästina-Reisegesellschaft, unter Führung des Warschauer Gg. S. Jatzkau in Wien ein. Zur Begrüßung hatten sich am Bahnhof die DK.-Mitglieder Dr. Körner und Ing. Groag eingefunden, was unter den Reiseteilnehmern lebhafte Freude erweckte. Um sie über die Tätigkeit des PLDC. zu informieren, überreichte ihnen Dr. Körner einige Exemplare der eben (erschienenen PLDC.-Nummer der Zeitschrift „Palästina“. Hebräische Sprachkurse. Der Verbreitung, der hebräischen Sprache wjdmete das DKseine größte Aufmerksamkeit. Es übernahm anfangs 1911 die vom ZK. angerejgie«i Sprachkurse,“ baute dieselben aus und machte' sie vyeiteren Kreisen zugänglich. Unter "dem .Eindruck der großartigen Entwicklung unserer Nationalsprache, deren Neubelebung sich namentlich auf dem X. Kongresse gezeigt hat, 'leitete das DK. im Herbst 1911 eine umfassende Agitation nicht allein in (zionistischen, sondern auch’. in anderen jüdischen Kreisen für die Teilnahme an den von ihm geleiteten Sprachkursen ein, in denen die Mitglieder des Vereines „Hat’ ehijah“ den Unterricht erteilen. Die Aktion hatte auch einen vollen Erfolg. Es meldeten Sicjt . für den Besuch der' Kurse über 80 Teilnehmer aus den verschiedensten Berufszweigen, daiimiter auch 14 iBürgerschüler. und Schülerinnen. Es .wurden drei.,öffentliche und zwei interne Sprachkurse .installiert, in denen der Unterricht, in ausgezeichneter und erfolgreicher Weise geführt, wird. Allerdings haben sich in letzter Zeit gewisse Schwierigkeiten ergeben, die zu.. beseitigen Aufgabe (des Distriktstages, resp. .des- Zentralkomitees sein wird, das sich in seiner-letzten Sitzung mit dieser Frage bereits beschäftigt hat. Schekelagitation. .Trotzdem die Agitation -für den Schekel in die Zeit der. Reichsratswahlkampagne fiel, hat die Schekelsammlung für das Jahr 5671 (1911) die Höchstzahl aller bisherigen Sammlungen in Innerö'sterreich erreicht. Es wurden 2131 Schekolim abgesetzt. Die Agitation, die durch einen vom DK. herausgegebenen und von Gg. Doktor Körner verfaßten, in 2000 Exemplaren verbreiteten Schekelaufruf, unterstützt wurde, hat Gg. Ing. Groag geleitet. Die Eingänge wurden allwöchentlich in der „Jüd. Zeitung“ ausgewiesen, eine Neueinführung, die sich insofern .bewährte, als die einzelnen Schekelkommissäre in den. Vereinen hiedurch zu einer intensiveren Agitation angehalten wurden. Insbesondere wurde darauf Wert gelegt, daß der Schekel von allen organisierten Gg. hereingebracht werde. Besonders verdient die beispielgebende Werbetätigkeit für den Schekel seitens einzelner Vereine hervorgehoben zu werden. So sammelte z. B. der Verein „Neß Ziona“, der 27 Mitglieder zählt, 143, der Zion. Mädchen verein „Moria“ mit 34 Mitgliedern 97 Schekolim. Das DK. hat in der letzten ZK.-Sitzung vom 14. d. M. die Anregung gegeben, daß für die künftigen Schekelsammlungen der Modus Platz zu greifen hat, daß auf Grund der Mitgliederlisten jeder Verein verhalten werde, die auf ihn entfallende Schekelanzahl in möglichst kurzer Frist abzuliefera. Das ZK erließ eine darauf bezughabende Bestimmung und ist zu erwarten, daß für sämtliche organisierte Gg. in Innerösterreich bis Ende Februar d. J. der Schekel gezahlt sein wird. Makkabäerfeier. Im Jahre 1910 konnte infolge der vorgeschrittenen Zeit seitens des DK. nicht wie üblich eine große Makkabäerfeier in Wien veranstaltet werden, da das frühere DK. die nötigen Vorarbeiten, die erfahrungsgemäß schon im Frühherbst begonnen werden müssen, unterlassen hat. Das DK. konnte daher lediglich einzelne Vereine in Wien und in der Provinz veranlassen, Makkabäerfeiern im kleineren Stile zu veranstalten. Im Jahre 1911 trat das DK. rechtzeitig in eine umfassende Tätigkeit für die Veranstaltung einer großen Makkabäerfeier ein. Es konstituierte ein Exekutivkomitee, dem die Leiter aller Wiener Vereine angehörten und traf gemeinsam mit ihm alle geeigneten Vorkehrungen, um das Fest zu einem in jeder Hinsicht erfolgreichen zu gestalten. Das DK. bemühte sich insbesondere, das EAK.-Mitglied, Gg. Doktor L e vv i n, als Redner zu gewinnen, was ihm auch gelang. Der Verlauf der Veranstaltung und die erfreulichen ^Resultate sind bekannt. Es sei nur noch erwähnt, daß das DK. ein Archiv und einen Zettelkatalog anlegte, der für die künftigen Veranstaltungen von großem Wert sein wird. In den Provinzorten fanden seitens der dortigen Vereine mehrere Makkabäerfeiern statt, über die wir unter „Tätigkeit der Vereine“ berichten. Tätigkeit der Vereine. Im Bericht über die Tätigkeit der Vereine müssen wir zunächst hervorheben, daß das DK. in allen seinen Aktionen auf das tatkräftigste seitens der einzelnen Vereinsieitungen unterstützt wurde. Durch den häufigen innigen Kontakt zwischen diesen und den DK.-Mitgliedern, insbesondere dem Obmann, Gg. Dr. Körner, hat sich ein harmonisches Zusammenwirken ergeben, das für alle Arbeiten im Distrikt von den ersprießlichsten Folgen begleitet war. Der Verkehr der Vereinsobmänner im Büro des DK. war besonders zur Zeit der Schekelagitation und vor den Distrikts- und Parteitagen ein ungemein reger, ein Umstand, der früher selten beobachtet wurde. Vor größeren Aktionen berief gewöhnlich das DK. gemeinsame Sitzungen mit den Leitungen der Vereine ein, um Beratungen zu pflegen, Beschlüsse zu fassen usw. Die DK.- Mitglieder nahmen ihrerseits oft Gelegenheiten war, um sich von der Tätigkeit der Vereine durch den Besuch der Vereinsabende, Vorträge, Diskussionen, zu überzeugen und an Ort und Stelle die erbetene, oder notwendige Unterstützung zu gewähren. Das DK. kann mit Recht behaupten, daß es immer bestrebt war, den Vereinen nicht nur eine Behörde, sondern auch Freund und. Berater zu sein. Von einzelnen Aktionen der Üistriktsvereine seien erwähnt: Die vorbildliche Tätigkeit des Vereines „Theodor Herzl“ in seinem Seminar, in dem. Palästina-Geschichts- und hebräische Sprachkurse regelmäßig abgehalten wurden und die von ihm veranstalteten Vorträge der Gesinnungsgenossen Dr. Bub er, Dr. Pasmanik, Dr. Mossinsohn und Dr. L.ewin; der Zyklus von Vorträgen über jüdische und soziale fragen im Verein „Ness Ziona“, dessen umfassende und äußerst erfolgreiche Schekelagition bereits erwähnt wurde; die allwöchentlichen Vortragsabende des zion. Mädchenvereins „Moria“, deren Mitglieder eine ganz hervorragende Werbetätigkeit anläßlich der Kultus- und Reichsratswahlen entwickelten und sich durch die Veranstaltung mehrerer geselliger Abende auszeichneten; die segensreiche Tätigkeit des „1. Wiener zion. Frauenvereines“ auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, die sich durch Gewährung einer jährlichen Subvention von 1000 Kronen an (das Informationsbüro des ZK. auch auf die zahlreichen Wien passierenden Palästina-Emigranten erstreckte; der vom Verein „Bar Giora“ in Sarajevo veranstaltete Kongreß der Gesinnungsgenossen ausi den südslavischen Ländern; die Gründung eines Unterstützungsvereines für jüd. Hochschüler aus der Bukowina seitens der Vereinigung „Jordania“ und»— last not least — die stetig fortgesetzte ersprießliche Erziehungstätigkeit in den jüdisch-akademischen Verbindungen Wiens, die in allen Hochschulfragen und Aktionen nach wie vor in den ersten Reihen ihren Platz gesucht und gefunden haben. Bezüglich der Tätigkeit des Zion. Zentral verein es verweisen wir aut den in diesem Beiblatt enthaltenen Generalbericht des Vereinsa usschusses. Eine besondere Hervorhebung verdient die vielfache, fruchtreiche Tätigkeit der Grazer Vereine unter der Führung unseres bewährten und tüchtigen Gg. Karl Schwarz, der es vortrefflich verstanden hat, nicht allein die Grazer Zionisten, sondern auch die Gesinnungsgenossen in den Hauptorten der Alpenländer unausgesetzt zu allen zion. Arbeiten heranzuziehen. Das DK. konnte wegen der großen lokalen Entfernung die Aktionen in den Alpenländern lediglich durch einen lebhaften brieflichen Verkehr anregen und unterstützen und ist deshalb öfters dem Gedanken nahe getreten, durch Errichtung einer Grazer Unterstelle des Distriktskomitees die Tätigkeit in den westlichen und südlichen Ländern des Distrikts auszugestalten und zu vereinheitlichen. Dem DT. wird Gelegenheit geboten werden, diese Frage zu beraten. Die Tätigkeit der Vereine in den Städten Neunkirchen, Stockerau und K r ems war eine normale und sehr befriedigende. Erwähnt seien noch die zahlreichen ersprießlichen Aktionen des „C i r c o 1 o S i o n i s t i C o“ in Tr/'est, der auf einem steinigen Boden mühsames Werk verrichtet. Im Jahre 1911 ist es den Triester Gesinnungsgenossen gelungen, in ihrer Stadt eine Filiale des „Zion. Informationsbüro für Palästina“ zu installieren. Die in Klagenfurt und Klosterneuburg neugegründeten Vereine bemühen sich mit vielem Erfolg, den älteren Distriktsvereinen in der zion. Betätigung gleichzukommen. Mährisch-schlesische FerialVerbindungen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Mitglieder der mährisch-schlesischen Feriatverbindungen den größten Teil des Jahres in Wien zubringen und unorganisiert für die zionistischen Arbeiten eigentlich verloren gehen, bemühte sich der DK.-Obmann, Gg. Dr. Körner, die Ferialverbindungen zum Zusammenschluß zu veranlassen und sie im Einverständnisse mit dem zionistischen DK. für Mähren- Schlesien in Bezug auf ihre Tätigkeit in Wien dem DK. zu unterordnen. Die Bemühungen waren erfolgreich und wurde Gg. Goldberger als Präsident des Arbeitsausschusses der Ferialverbindungen ins Wiener Distriktskomitee kooptiert. Es wird Aufgabe des künftigen. DK. sein, die fast 300 zählenden studentischen G'g. aus Mähren und Schlesien zu den Arbeiten der dem Distrikt angehörenden Studentenvereine heranzuziehen. Jugendorganisation. Vertreter der zionistischen Wiener Jungmannschaft im DK. ist Gg. Jakob Landau. Die schon seit Jahren geführte Agitation wurde im Berichtsjahre mit Erfolg fortgesetzt. 1nsbesonders hat sich die zionistische Jugend bei der vorjährigen Schekelagitation in hervorraender Weise betätigt. Durch Vorträge, Oisussionen usw. wurde die Erziehung und Bildung der zionistischen Jungmannschaft erfolgreich weitergeführt. Studentenheim. . Die Frage der Errichtung eines jüdischen Studentenheimes in Wien hat das DK. seine besondere Aufmerksamkeit gewidmet: Der Verfasser der Pläne für den Bau, Gg. Architekt Dr. Karplus, trat als Mitglied in das DK. ein. Im Sommer v. J. wurde eine großzügige Aktion eingeleitet, um die erforderlichen finanziellen Mittel sicherzustellen. Bei der im Juni 1911 erfolgten Neuwahl in das Kuratorium wurde Gg .Dr »Körner zum Mitgliede desselben gewählt. Als solches organisierte er die Wiener jüdische Studentenschaft, um durch sie die weitesten jüdischen Kreise in der Provinz für das Werk zu interessieren, mit dessen Vollendung eine Institution geschaffen werden soll, die nicht nur einem fühlbaren, von Tag zu Tag wachsenden Mangel abhelfen wird, sondern auch für dauernde Zeiten als großzügigste Tat der jüdischen Studentenschaft an den Wiener Hochschulen wird gepriesen werden müssen.

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