Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438380-2438384--2840-2442552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
t Seite 12 Beilage zur „JÜDISCHEN ZEITUNG“ Nr: 4 Der Verein „Jüdisches Studentenheim", dem unser bewährte Gg. Lutian Brunner vorsteht, 'verfügt zur Zeit über eine Baurealität im IX. Bezirke im Werte von 150.000 K und über ein Barvermögen von 60.000 K. Wenn die, namentlich von Seiten des DK. in Angriff genommenen Bemühungen fortgesetzt werden, ist zu erwarten, daß mit dem Bau des Studentenheimes in kurzer Zeit begonnen wird. Internes. Tätigkeit der DK.-Mitglieder. In der Berichtszeit haben gesprochen die Gesinnungsgenossen Dr. Löw, fünfmal in Wien und je einmal in Stockerau, Klagenfurt, Oderberg; Dr. Weiner sechsmal in Wien und je einmal in Neunkirchen und Stockerau; Ing. Groag zweimal in Wien. Die behandelten Themen erstreckten sich auf Kongreß-, Palästina-, Organisations- und allgemein zionistische Referate. Gg. Ing. Köppl veranstaltete im Sommer des Vorjahres in Sauerbrunn ein zionistisches Gartenfest, das sehr erfolgreich wirkte und mit einem namhaften finanziellen Erträgnis zugunsten der PLDC. abschloß. Budget. Die ordentlichen Einnahmen erstreckten sich auf die Eingänge der Partei- und Saalsteuer. Infofee der gleichzeitigen Schekel- und Reichsratswahlagitation konnte das Inkasso der Parteisteuer erst am Schlüsse des Jahres 1911 vorgenommen werden, zumal die am letzten DT. beschlossene quartalsweise Abführung der Beträge nur von einem geringen Teil der Vereine eingehalten wurde. Dadurch konnte der präliminierte Betrag an Parteisteuer picht 'zur Gänze hereingebracht werden. Was die im Jahre 1909 beschlossene Saalsteuer für zionistische Feste, bei denen Entree eingehoben wird, anlangt, so konnten die fallweisen Beträge nur schwer flüssig gemacht werden. Die Einführung dieser Steuer hat sich keineswegs bewährt. Ueber die Kassagebarung wird ein spezifizierter Bericht am DT. erstattet werden. Wir fühlen uns an dieser Stelle bemüssigt, Gg. W. Teitelbaum für die uneigennützige und tadellos geführte Verwaltung der Kassa unsere Anerkennung und* unseren Dank auszusprechen. Geschäftsführung. Durch die zu Beginn der Berichtszeit erfolgte Einrichtung eines Büros unter Leitung des Schriftführers des DK., Gg .Ing. Groag, konnte die interne Geschäftsführung in der umfassendsten Weise durchgeführt werden. Der Auslauf betrug: 440 Briefe, 14 Zirkulare, die an sämtliche Vereine und Vertrauensmänner des Distrikts verschickt wurden, und 1435 Drucksachen. Rechnet man die bei der Anlage des Parteikatasters ausgegangenen 2000 Drucksachen hinzu, so ergibt sich der ansehnliche Auslauf von 3875 Poststücken, in welcher Zahl noch gar nicht die anläßlich der Makkabäerfeier vom Büro des DK. versendeten Drucksachen inbegriffen sind. Der Einlauf betrug 497 Stücke. Das Büro des DK. hat durch die Anlage Bericht eines Archivs und aller sonstigen Bürobehelfe tadellose Ordnung und gründliche - Arbeit ge? leistet, die hoffentlich fortgesetzt werden wird. In der Berichtszeit fanden 2 außerordentliche Distriktstage, 16 ordentliche DK.-Sitzungen, 3 durch Hinzuziehung sämtlicher Vereinsvertretungen und Vertrauensmänner erweiterte DK.-Sitzungen und anläßlich Kongreß und Parteitag zwei Delegiertenversammlungen unter Leitung des DK. statt. Diesem intensiven Geschäftsverkehr sind die zahlreichen Erfolge des Distriktskomitees nicht in letzter Reihe zuzuschreiben. Schlußwort. Durch die Drucklegung des vorstehenden Berichtes hat das i.-ö. DK. zweierlei beabsichtigt. Erfahrungsgemäß regen die am DT. mündlich erstatteten Tätigkeitsberichte selten zu ersprießlichen Diskussionen an. Der diesjährige veröffentlichte Bericht soll den Delegierten die Möglichkeit bieten, die Debatte sachlich und eingehend abzuführen. Mit einer bloßen Kenntnisnahme des Rechenschaftsberichtes seitens des DT. ist weder dem abtretenden noch dem kommenden Distriktskomitee gedient. Durch die Publikation des Berichtes über die Tätigkeit der Distriktsbehörde sollen aber auch die vielen, weit abseits von der Arbeit stehenden Gesinnungsgenossen zum Mitschaffen angeregt werden. Auf dem Wege zu unserem Ziele darf nicht geruht und gerastet werden! des Ausschusses des „Zion. Zentralvereins“ an die Generalversammlung, Wien, 5. Februar 1912. Der „Zionistische Zentral verein“ wurde, wie bekannt, in einer Zeit der vollkommensten Stagnation des zionistischen Lebens in Wien von den damaligen Leitern des innerösterr. Distriktskomitees, Gg.' Dr. Isidor Margulies und Gg. Adolf Böhm gegründet, um einerseits die Mitglieder der vielen Zion. Bürgervereine, von denen einfee in völliger Untätigkeit verharrten, in einem großen und leistungsfähigen Verein zu sammeln und um andererseits eine Konzentration der Mittel herbeizuführen, die zur geordneten Führung größerer zionistischer Aktionen und zur Belebung der stagnierenden Bewegung gänzlich fehlten. Die Gründung den Zionistischen Zenträlvereins war damals eine unbedingte Notwendigkeit und sie erwies sich auch als ungemein fruchtbar. Das innerösterr. Distriktskomitee, welches eine Zeit lang. überhaupt keine Leitung hatte und deshalb keinerlei Rolle in der Organisation spielte, wurde namentlich durch das Wirken des Zentralvereins rasch wieder konsolidiert und übernahm die Führung aut den österreichischen Parteitagen. Der Zentralverein hat von Anfang an eine außerordentlich intensive Propaganda und Tätigkeit entfaltet Er hat nach langen Jahren die erste Agitationsbroschüre „Der politische Zionismus" von Dr. Isidor Marguliesl, sowie die „Kongreßbeschlüsse“ von Gg. Hugo Schachtel herausgegeben, hat in seinen „Mitteilungen" einen vorläufigen Ersatz für das damals fehlende Preßorgan zu schaffen versucht, hat ferner die ersten zwei zionistischen Palästiuareisen organisiert und klaglos durchgeführt zu einer Zeit, in der noch in der Weltorganisation der Streit um den Charter imd Uganda außerordentlich heftig geführt wurde. Durch diese Aktion, sowie durch sein energisches Eintreten für den Gedanken der Palästmaarbeit hat der Zentralverein geradezu Pionierarbeit für dieselbe in der ganzen Weltorganisation geleistet In den Kultuswahlkämpfen bildete der Zentralverein stets die festeste Stütze des DK und vor allem ist es seiner Mithilfe zu danken gewesen, daß im Jahre 1906 Stichwahlen erzielt wurden. Nach erfolgreicher Durchführung dieser Arbeiten seitens des Zentralvereins waren die leitenden Prinzipien .der nunmehr kräftig einsetzenden Tätigkeit im Distrikte festgesetzt, worauf die Bedeutung des Zentralvereins natürlich einigermaßen zurücktrat, da die anderen Vereine wieder ihren stärkeren Anteil an der Arbeit nahmen und die Leitung des Distriktes von jener des Zentralvereins getrennt werden mußte. Die Tätfekeit des Vereines war seither diejenige eines normalen zionistischen Vereines. Er hat zunächst seine Mitglieder straff organisiert, zahlreiche Agitationsvorträge usw. gehalten, seine Parteipflichten, insbesondere jene finanzieller Natur aqf das strikteste, erfüllt und durch seine Delegierten auf Distriktsünd Par- . teitagen stets für die Richtung, gewirkt,*'welche sich schließlich auch vollkommen durchgerungen hat, •;••• In diesem Sinne wurde seitens des früheren Obmannes, Gg. Dr. Jakob Kohn, der eine zahlreiche Gruppe von erfahrenen und arbeitsfreudfeen Mitgliedern des ehemaligen „Einzelvereines Döbling*' um sich' zu scharen wußte, im Jahre 1910 für den Zentralverein viel Ersprießliches geleistet. Person alia. In der am 28. Jänner 1911 stattgefundenen Generalversammlung würden folgende Gesinnungsgenossen in den Ausschuß gewählt: Doktor I. H. Körner (Obmann), I. H. W a 11 u c h (Vizeobmann), Ing. Julius Groag (Schriftführer), Sigm. Stein (Kassier), Ludwig Bat6, Dr. P. Heinrich, Ing. Rudolf Köppl, Dr. Alf. Löwy, M. Markus, Jul. Oschery. Verhältnis zum Distriktskomitee. Der Verkehr mit der Distriktsbehörde gestaltete sich umso reger, als drei Mitglieder des Vereinsaussdhusses gleichzeitig IMifelieder des Distriktskomitees waren und der Vereinsobmann auch. die Leitung des Distriktes 'innehatte. Dieser Umstand hat zu vielen parallel verlaufenden und gemeinsamen Aktionen geführt, weshalb hier ausdrücklich, um Wiederholungen zu vermeiden, auf den vorstehenden Tätigkeitsbericht des DK. verwiesen werden muß. Ausbau des Vereinest Die vom DK. umsichtig geleitete Organisationstätfekeit hat unmittelbar eine wesentliche Vermehrung der Mitgliederzahl des Vereines zur Folge gehabt. Durch mehrere im Februar und März des Vorjahres im II. Bezirk vom1 Ausschuß veranstaltete Sprengelversammlungen wurde ein weiterer Zuwachs an Mitgliedern erzielt. Der Zentralerem, der zu Beginn der iBerichtszeit 169 Mitglieder zählte, umfaßt heute 277 Gesinnungfeenossen. Die Mitglied er zah l des Vereines wurde somit im letzten Jahre um 64 Prozent erhöht, ein gewiß lerfreuliches Ergebnis. Propaganda. Der Tendenz des Vereines entsprechend war . der Ausschuß jederzeit bemüht, sich aufs tatkräftigste für die Propagierung jder zion. Idee und der verschiedenen aktuellen Probleme einzusetzen. So ist es ihm gelungen, für die Abhaltung von Vorträgen im Vereine mehrere der hervorragendsten Gesinnungsgenossen zu gewinnen. Es sprachen am 31. Jänner 1910. im. Saale des wissenschaftlichen Klubs Gg. Dozent Dr. Daniel P a s m a n i k über das Thema: „D i e kulturelle Bedeutung unserer Bewegung für d ie Judenheit“, am 22. Oktober Prof. Dr. Mossins ohn, Leiter des hebr. Gymnasiums in Jaffa, im Saale des Hotel Central über „Die N eub el eb un'g d e r jüdischen Kultur in Palästina" und am 17. Dezember das Mitglied des EAK., Gg. Dr. Lewin über „Die Tragödie der Heimatlosigkeit“. Die äußerst interessanten Vorträge, von denen besonders das von Doktor L e w i n ganz neu und leigenartig behandelte Thema für sich einzunehmen wußte, waren immer von mehreren Hunderten von Gesinnungsgenossen, darunter von vielen Vereinsmitgliedern, aber auch' von Zahlreichen Nichtzionisten besucht und haben eine dauernde Wirkung in der zion. Oeffentlichkeit Wiens zurückgelassen. Kongreß, Partei- und Distriktstage. Zum X. Kongreß entsendete der Zentralverein zwei seiner Mitglieder als ' Delegierte, die Gg. Ludwig Bat6 ünd'Dr. Egon Zweig. In den Wahlkreisen anderer Vereine wurden' die Zentralvereinsmitglieder, Gg. Adolf Böhm und Gg. E. Torczyner gewählt. Am Brünner Parteitag war der Zentralverein durch1 fünf Delegierte, an den außerordentlichen Distriktstagen in Wien durch elf Delegierte vertreten, die an den Beratungen lebhaften Anteil genommen und oft bei Fassung wichtiger. Beschlüsse den Ausschlag gegeben haben. Ueber den Kongreß referierten in einer Plenarversammlung des Vereines vom 29. Oktober 1911 die Gesinnungsgenossen Bat6 und Doktor Zweig, über die westösterr. Organisationsfrage Gg. Böhm. Kultus1- und Reichsratswahlen. In den Kultuswahlen bildet der Zentralverein seit jeher die festeste Stütze der Arbeit und der Agitation. Nahezu 90 Prozent der Vereinsmitglieder sind- Kultuswähler. An den innerpolitischen Aktionen haben sich die Mitglieder des Zentralvereins in hervorragender Weise beteiligt. Der Ausschuß widmete anläßlich der im Februar 1911 in Wien stattgehabten .Schänkerdemonstration dem Aktionskomitee für .die beträchtlichen Kosten der Unterbringung und Bespeisung einen namhaften Betrag. Ein , Großteil der für die Hinterbliebenen der Drohobyczer Opfer gesammelten Beträge entfällt auf die (Mitglieder des Vereines1. Herzl-Feier. Wie alljährlich veranstaltete der „Zion. Zentralverein“ gemeinsam mit dem Distriktskomitee am Todestage Herzls eine Gedenkfeier. Doimerstfe, den 13. Juli fand im Seitenstetten-Tempel ein Gedächtnisgottesdienst statt. Der Feier wohnten Gg. Adolf B ö h m, die Mitglieder des inner-österr. DK. und der Ausschuß des „Zenträlvereins" hei. In Vertretung der Kultusgemeinde war Herr Dr. Markus. Spitzer zugegen. Sonntag, den 16. Juli erfolgte der Besuch! des Herzl-Grabes am Döblinger Friedhof. Die in Wien weilenden Gg. hätten sich vollzählig eingefunden. Auch war wie in den Vorjahren eine Deputation unserer Gg. aus Ungarn erschienen. Am Grabe trug der Oberkantor des Döblinger Tempelvereines, Herr Landau, das Trauergebet in formvollendeter, andachtsvoller Weise, vor. Hierauf hielt Dr. Otto Abeies, Mitglied des ZK., an die Versammelten eine Ansprache. ‘ An dem Begräbnis der am 20. Februar 1911 verstorbenen Mutter Herzls haben sich der Gesamtausschuß und zahlreiche Mitglieder beteiligt.; Geschäftsabwicklung und Budget. In der Berichtszeit fanden drei 'Plenarversammlungen des Vereines und acht Ausschuß- Sitzungen statt, an denen sich' die .Vereinsleiter rege beteiligten. ' Der Auslauf betrug 112 Briefe und 814 Drucksachen, der Einlauf <78 Poststücke. Ueber die Kassagebahrung wird ein besori- . derer Bericht anläßlich der Generalversammlung er stattet-., werden. Die Einnahmen im abgelaüfenen Vereinsjahr betrugen K 1965.53, die Ausgaben K' 1834.97. Generalversammlung 1912.'. Die Generalversammlung wird sich mit wich-1 tfeen Vereinsfragen zu . beschäftigen' haben. Siefindet am 5. Februar j,912, präz. 8'Uhr abends im „Jüd. Volkshe j-m“,-II.,' Stefaniestraße'-'12. statt. '