Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438380-2438384--2838-2442550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10' Beilage zur „JÜDISCHEN ZEITUNG“ Nr. 4 Development Company“ (Ad. B ö h m), „Nationaler oder nichtnationaler Zionismus“ (Dr. Ehrlich), „Unsere Palästinapolitik“ und „Wohin führt der Palästinensismus ohne Nationalismus?“ (Ad. Böhm), „Die Begründung der modernen . Kolonial Wirtschaft“ (Werner Sombart), „Vor dem X. Kongreß“, „Die Lösung der zion. Finanztrage“ (L. Batö)) und viele andere mehr. Den zion. Tagesfragen, dem Fortschreiten unserer Kulturarbeiten in Palästina u. s. f. wurde selbstverständlich die größte publizistische Aufmerksamkeit gewidmet Die geschäftlichen Verlautbarungen des DK. wurden unter der ständigen Rubrik „Mitteilungen des innerösterr. Distriktskomitees“ veröffentlicht. Daß sich die einzelnen zion. Gruppen und Vereine nicht allein des Distriktes, sondern ganz Oesterreichs ausschließlich der „Jüd. Zeitung“; als Organ für ihre Kundmachungen bedienten, ist mit Rücksicht auf die Tendenz,- Verbreitung und den Leserkreis dieses Blattes selbstverständlich. Die zur Zeit geführten, aut die Vergrößerung der Zeitung abzielenden Unterhandlungen dürften einem fühlbaren Mangel abhelfen und die „Jüd. Zeitung“ hoffentlich zum offiziellen Organ der zionistischen Partei in Oesterreich ausgestalten. Verhältnis zur Landespolitik. * Dem Verhältnis der innerösterr. Distriktsorganisation zur Landespolitik muß, obgleich der brünner Parteitag die Beziehungen der zion. Organisation zur jüdisch-nationalen Reichspartei durch die einhellige Annahme der bekannten politischen Resolutionen vo'lständig geklärt hat, eine eingehende Besprechung gewidmet werden. Von einer prinzipiellen Begründung des von Seiten des innerösterr. Distriktes schon _ früher vertretenen Standpunktes in der Frage der Landespolitik kann füglich Abstand genommen werden. Seine Stellungnahme war die Unmittelbare Konsequenz aus der strikten Anerkennung und Beobachtung der auf dem Krakauer Parteitag im Jahre 1906 gefaßten Thesen, die' das damalige innerösterr. Distriktskomitee durch Gg.Dr. Isidor Margulies dem Parteitag vorgelegt hat Die politischen Verhältnisse im Distrikt führten naturgemäß die- Gesinnungs1genossen in Innerösterreich -zur praktischen Durchführung der in den Krakauer Resolutionen ausgesprochenen Forderungen. Unter ihrer regen Beteiligung erfolgte der als notwendig erkannte politische Zusammenschluß der österreichischen Juden, der als ein „wichtiges Mittel zur Erreichung des zionistischen. Endziels“ erklärt wurde. Die in der Folge dürchgeführten ersprießlichen Aktionen der neubegründeten politischen Partei haben das zur Genüge bewiesen. Das DK. hat somit in vollster Anerkennung seiner Pflicht und einer Aufforderung des DT. vom 8. Dezember 1910 entsprechend mit der im Jahre *1908 gegründeten Schwesterorganisation, dem „Jüdischen Nationalverein für Oesterreich“ ständig Fühlung gesucht'. Da es als Behörde der zionistischen Partei, welcher die politische Betätigung untersagt ist, die Aktionen selbst als leitendes Organ nicht führen konnte, trat anläßlich der Neuwahlen im März 1911 der DK.-Obmann, Gg. Dr. Körner in den Vorstand des Nationalvereins ein. Dadurch wurde der notwendige Kontakt zwischen beiden Organisationen hergestellt, was sich in dem politisch so bewegten Jahr 1911 als durchaus glückliche Maßnahme erwies. Der nachstehende Bericht über das erfolgreiche Eingreifen der innerösterr. Gesinnungsgenossen in die Landespolitik soll dies des Weiteren dartim. Kundgebung der galizischen Schanker. Am 11. Februar 1911 verständigte die Leitung des „Jüd. N a t i o n a I v e r e i n e s“ das innerösterr. DK., daß in der Nacht vom 13. aut den 14. Februar eine 3000 Mann starke Deputation der jüdischen Schänker Galiziens in Wien ein treffen werde, um gegen die Entrechtung zu protestieren und Maßnahmen . seitens der Regierung gegen die Not der jüdischen Bevölkerung in Galizien zu fordern. Der Vorstand des Nationälvereins ersuchte die Distriktsleitung, ihm beim Empfang der Deputation behilflich zu sein und zu diesem Zweck die zion. Studentenschaft Wiens zu mobilisieren. Das DK. setzte sich sofort mit den einzelnen Vereinsleitungen in Verbindung, berief für den Abend des 13. Februar eine Plenarversammlung der Hochschüler ein, instruierte dieselben über die bevorstehende Aktion - und traf am Nordbahnhof die notwendigen Maßregeln, um den Empfang und die Versorgung der Schanker klaglos durchzuführen, was Dank der Bereitwilligkeit der zion. Studenten auch vollkommen gluckte. Darüber schrieb die „jüd. Zeitung“: „Sofort nach Ankunft der Schänker entwickelten unsere wackeren Studenten ihre geradezu bravouröse . Tätigkeit -Mit einer Präzision und Ruhe, welche nach Aussage der intervenierenden Polizeibeamten einfach ohne 'Beispiel dasieht, wurden die Ankommenden gnippiert und in Quartieren versorgt.“ Der schier übermenschlichen Arbeit der jüdischen Studenten Wiens während des Empfanges, der Bequartierung, Ordnung des Demonstrationszuges, Bespeisung der Schänker usw. gebührt das uneingeschränkteste Lob. Viele von ihnen fanden während 28 Stunden keinen Augenblick der Ruhe. Die ganze Aktion, die in allen großen Tagesblättern eingehend besprochen wurde, verdient nebst ihrer politischen Bedeutung hoch besondere Beachtung dadurch, daß die Tausende brotlos gewordener Schänker in Wien Unterstützung nur bei Gesinnungsgenossen gefunden haben. Die Wiener Kultusgemeinde hielt sich fern, ihr ging die Not der hungernden galizischen Juden nicht nahe. Nur die „B’nei Brith“ spendete einen größeren Geldbetrag für die Unterkunft und Bespeisung der Schänker. — Hat die der österreichischen Regierung überreichte Petition den erhofften Zweck nur teilweise erreicht, so mag die Heimkehrenden die Tatsache getröstet haben, daß die Zion. Organisation ihnen treu zur Seite steht und im Verein mit der jüdisch-nationalen Partei in Oesterreich jedes weitere Unbill abzuwehren wissen wird. Reichsratswahlen. . Die unermüdlich fortgesetzte Organisationsarbeit des DK namentlich in Wiensollte eine. unerwartet rasche Verwertung in der Laiidespolitik finden. Der „Jüdische Nationalverein für Oesterreich“ trat bald nach Auflösung des Reichsrates zunächst durch die Aufstellung der Kandidatur des Gg. Ob.-Ing. Robert Stricken für den V. Wiener Wahlkreis in die Wahlkampagne ein. Die großzügige Aktion wurde seitens der zion. Organisation Innerösterreich mit allem Nachdruck unterstützt. Aut einen in der „Jüd. Zeitung“ erlassenen Aufruf des DK. meldeten sich viele Hunderte gg. Reichsratswähler, ein Beweis dafür, mit welcher Sympathie die innerpolitische Betätigung begrüßt wurde. Auf die Details des Wahlkampfes einzugehen ist wohl überflüssig. Es sei hier lediglich auf den Erfolg hingewiesen, der sich nicht allein in der weit über 1000 betragenden Zahl der für den jüdisch-nationalen Kandidaten abgegebenen Stimmen ausdrückt. Eine unmittelbare Folge der Wahlkampagne ist auch die Neugründung eines jüdisch-politischen Vereines in der Leopoldstadt, der nach nicht ganz dreimonatlicher Agitation über 300 Mitglieder zählt» die — es ist wohl unnötig zu sagen — Zionisten sind. Die'Gründung des „Jüdischen Volksheims“ im II. Bezirk ist gleichfalls aut das Eintreten in die Reichsratswahlen zurückzuführen. Drohobycz. Das blutige Ereignis in Drohobycz anläßlich der Reichsratswahlen erweckte, wie in der ganzen zion. Organisation so auch im innerösterr. Distrikt, die größte Teilnahme. In der vom „Jüdischen Nationalverein“ in Wien veranstalteten Trauer Versammlung beteiligten sich sämtliche Gesinnungsgenossen. Ueber Veranlassung des DK. fanden ähnliche-Kundgebungen seitens der zion. Vereine in Graz und Neunkirchen statt. An den Sammlungen für die Hinterbliebenen der Drohobyczer Blutopfer haben sich die Gesinnungsgenossen des Distrikts in hervorragender Weise beteiligt. Das DK. fand, wie selbstverständlich, in seiner Tätigkeit auch die Unterstützung seitens der, Leitung des Nationalvereins. Mehrere Mitglieder derselben haben erst jüngst eine Aktion eingeleitet, die den’Zweck haben soll, alle .zion. Akademiker Oesterreichs, welche die Hochschulen verlassen haben,, in einem Verband, zu organisieren. Am 17. Jänner d. j. fand in Wien bereits die konstituierende Versammlung dieses neuen zion. Vereines statt, der in seiner weiteren Entwicklung picht allein der Zionistischen Organisation in Oesterreich, sondern,auch der Weltorganisation die wertvollsten Dienste zu leisten befähigt sein wird. Kultusgemeindeaktion. Wie einleitend erwähnt, hat der Qbmann des DK. und fast alle Mitglieder desselben sich an der Kultuswahlkampagne des Jahres 1910 in hervorragender Weise beteiligt. Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, daß die Agitation fast ausschließlich von den Mitgliedern der Wiener zion. Vereine besorgt wurde. ' Die Erfolge der Kampagne sind sehr erfreuliche gewesen. Für die zion, Kandidaten wurden 40 Prozent mehr Stimmen abgegeben, als bei der vorhergehenden' Wahl, . Ein positives Resultat wurde durch die unbegründete und rechtlose Wahleinschränkung seitens der Wiener Kultusgemeinde .verhindert. . Das DK. hat sich von Anbeginn seiner Tätigkeit mit den Aktionen gegen das herrschende, seinem Wesen nach unjüdische Regime in der Kultusstube beschäftigt. Insbesondere veranlagte es gleich nach Abschluß der Wahlen zahlreiche Gesinnungsgenossen durch die Entrichtung, der freiwilligen Kultussteüer ihr Wahlrecht zu sichern und war bemüht, durch eine stetig fortgesetzte Tätigkeit für den. Kultiiswahlkataster», die im Herbst d., j. stattfindenden , Neuwahlen gründlich ynprzubereiteri. Das. DK. hat mehrere dazu befähigte Gesinnungsgenossen beauftragt^ der Tätigkeit des Kultusvorstandes eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen und sich mit den Agenden desselben vertraut zu machen. Es .hat auf die Abhaltung einer in nächster Zeit stattfindenden Protestversammlung der Kultussteuerträger gegen die maßlosen Erhöhungen der Steuern seitens der Kultusgemeinde wirk- . same Ingerenz genommen. Das DK. hat sich jederzeit bemüht, die von Herzl aufgestellten Forderungen in Angelegenheit der Kultusgemeinden womöglichst zu erfüllen. Die zion. Kultusgemeinde-Aktionen in Graz, S tockerau und Klosterneuburg haben erfreuliche Resultate gezeitigt. Organisation. Als seine erste und wichtigste Tätigkeit betrachtete das innerösterr. DK. die Zusammenfassung aller zion. Vereine und Gruppen des Distrikts zu einem einheitlichen Ganzen. Um einen Ueberblick über die in den Vereinen organisierten und außerhalb derselben befindlichen Gesinnungsgenossen, sowie über die der zion. Bewegung freundlich gegenüberstehenden Volksgenossen zu gewinnen, legte es anfangs 1911 den , zion. Parteikataster für Innerösterr. an. Parteikataster. Zur Anlage desselben wurden zunächst in Wien im Jänner 1911 2000 Aufrufe mit . Katasterblättern versendet, die nebst den Fragen nach den Personaldaten, Rubriken für die Auskünfte über das Verhältnis zur zionistischen Partei, für die Bekanntgabe nichtorganisierter Gesinnungsgenossen, für die Angabe der Steuerleistung' an die Kultusgemeinde psw. enthielten. Die Provinzvereine wurden gleichzeitig zu einer ähnlichen Aktion angeregt. Das Resultat dieser Arbeit in Wien war ein überraschend erfreuliches. Mehr als 80 Prozent der verschickten Auskunftsbogen gelangten mit den erbetenen Daten versehen, an das DK. zurück, deren Material sofort einerseits für den Parteikätaster, andererseits als wichtige Ergänzung für den Kultuswahlkataster verwendet wurde. Diese Arbeit wurde während der ganzen Berichtszeit stetig fortgesetzt. Nunmehr verfügt das i.-ö. DK. über einen vortrefflich angelegten übersichtlichen und unserer . Kenntnis mach einzigen Parteikataster, den die zionistische Organisation Österreichs besitzt und welcher den Grundstock für den Kataster bilden wird, den für Westöstferreidi das Zentralkomitee anzulegen im Begriffe ist. Ausbau der Vereine. Als unmittelbare Folge dieser organisatorischen Arbeiten ist der namhafte Zuwachs an Mitgliedern in den einzelnen Vereinen zu konstatieren. Ohne jede weitere Agitationwurden lediglich auf Grund der Katasterarbeiten dem „Z/on. Zentralverein“ in Wien in kurzer Zeit 64 neue Mitglieder zugeführt, welche Zahl sich durch eine spätere in diesem Verein geführte Propaganda, über die. im nachstehenden Bericht des Ausschusses an die Generalversammlung des Vereines Erwähnung getan wird, um ca. 100 erhöht hat. Aehnlich» wenn auch nicht in so. hohem Maße, war der Erfolg für den „I.. Wiener zion. Frauenverein“ und für die Mädchen- und Studentenvereine. Neugründüngeh. In der 'Berichtszeit .wurden sechs neue Vereine gegründet: In Wien der Verein der absolvierten zionistischen Handelsakadepiike'r ,,N eure je hu da“, die Vereinigung deir zion. Hochschüler aus Wien' und Niederösterreich „M a s - s a d ä“, die' ,»W Jener z i o n i s t i s ch e V.e r - e i n iguu g“ und der erst jühgst durch. Vorstandsmitglieder des Jüdischen Nationalvereihs gegründete„Z i oh i s t is ch e r V er b a n d eher maliger Hochschüle r“. In Klagenfurt entstand der Verein „Ahaw.ath Zion“, in Klosterneuburg dank der Agitation seitens .der jüdisch-akademischen Verbindung „Kadimahh, der „j ü:d ische V ö 1 ks v e r e in Klost e r neu b ür.g“. Aus internen Gründen, löste sich im. Jänner des, Vorjahres, .die Vereinigung „Judäa“ in Wien auf,, desgleichen Ende 1911 der „Jüdische Mädchenklub“, der jedoch zur Zeit seitens des DK. wieder reorganisiert wird. Vereins- und Distriktsstatistik. Am Ende ..der Berichtszeit setzt sich der Innerösterr. Distrikt aus 30„Vereinen zusammen, von denen 4. Bürger-, 1 Frauen-, 2 Mädchen- und 14 Sfudentenvereine in Wien, 8 Bürger-. und 1 Studenten verein in der Provinz ihren Sitz haben, ln den- Vereinen sind 1475 Gesinnungsgenossen organisiert. Die . Zahl der nichtorganisierten, im Distrikt lebenden JGesinnungsgenossen beträgt auf Grund der Schekeleingänge im Jahre 5671 (1911) ungefähr 700. Zion.. Vertrauensmänner des DK. befinden sich in den Orten: Baden „bei Wien, Hohenems, Innsbruck, Laibach, Leoben, Linz, Meran, Mödling,.. Salzburg und St. Pölten. Behufs genauer Evidenzhaltung der in. Vereinen inkorporierten Zionisten hat das DK. im Anschluß an den Parteikataster, einen Vereins-