Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Seite 9 Beilage zur „JÜDISCHEN ZEITUNG“ Bericht des innerösterreichischen Distriktskomitees an den ordentlichen Distriktstag in Wien, 28. Jänner 1912. Einleitung. Ueber Veranlassung des . Präsidenten des westösterr. Zentralkomitees, Gg. Adolf Böhm, trat am 8. Dezember 1910 in Wien der innerösterr, Distriktstag zusammen, um an Stelle der damaligen, durch den Rücktritt des früheren Obmannes, Gg. Dr. Leopold M e i s e 1 provisorisch gewordenen Distriktsleitung ein neues DK. zu wählen. Zu ' diesem Einschreiten sah sich das ZK. umso mehr veranlaßt, als nach Beendigung der Kultuswahlkampagne 1910, während welcher das DK. nur als Teil des'Wahlkomitees fungierte, der Mangel geordneter Zustände im Distrikte sich immer deutlicher fühlbar machte. * Die zahlreich beschickte Tagung, an der auch mehrere Vertreter der Provinzvereine teilnahmen, stand merklich im Zeichen des eben abgelaufenen Kultuswahlkampfes, über den Gg. Dr. Paul Weisengrün ein eingehendes Referat mit besonderer Betonung der prinzipiellen Bedeutung des zionistischen Kultusgemeindeprogrammes erstattete. Das Referat des Gg. Adolf Böhm über „Die Aufgaben der zion. Studentenschaft“ wies mit seinen klaren und wohldurchdachten Forderungen der Betätigung der Distriktsleitung, welche die Arbeit von 14 studentischen Vereinen zu führen und zu überwachen hat, Ziel und Richtung. Der Delegiertentag trug diesem Umstande dadurch Rechnung, daß er die Hälfte der DK.-Mandate Gesinnungsgenossen zuwies, die' aus den Wiener studentischen Korporationen hervorgegangen waren. . - Zum Obmann des Distriktskomitees wurde Gg. Dr. I.H. K ö r n e r gewählt. Für dessen Wahl machte sich in erster Reihe ein Umstand geltend. Während der Kultuswahlkampagne hatte seine umsichtige und vortrefflich organisierte Leitung der Agitation Aufmerksamkeit besonders bei jenen Gesinnungsgenossen 'erregt, die eine günstige Entwicklung der zionistischen- Organisation in Innerösterreich vornehmlich von der straffen Zusammenfassung der den Distrikt bildenden Vereine und Gruppen erwarteten Zur Erfüllung dieser Aufgabe erschien Doktor Kör ner für außerordentlich geeignet. In seiner Antrittsrede, bemerkte er, sein Haupt- ' äugen merk den Organisationsfragen-im-Distrikte zuzuwenden und insbesondere durch eine! einheitliche Ausgestaltung der zionistischen Organisation in Innerösterreich alle vorhandenen Kräfte zur Erfüllung der zahlreichen Aufgaben heranzuziehen. Durch Einrichtung eines Bureaus wolle er dem schon früher geäußerten und am letzten Distriktstag namentlich durch Gg. Dr. Karl Pollak vertretenen Wunsche nach- Kontinuität der Arbeit dm DK.-Rechnuhg tragen und, sobald die Inateriellen Mittel hiefür - sichergestellt und die geeignete Person gefunden worden wäre, zur Leitung, dieses Bureaus einen Sekretär berufen. Der DT. sprach1 den Wunsch aus, das neue DK. möge mit Berücksichtigung der im Distrikte herrschenden politischen Verhältnisse mit der Leitung des „Jüdisdien Nationalvereins für Österreich“ ständige Fühlung suchen. Zu Mitgliedern des .innerösterr. DK. wurden weiters gewählt die Gesinnungsgenossen: Dr. Arminski, Hugo Eben, Ing. Julius Groag, Julius jSisensehreiber, Architekt Dr. Arnold Kar plus, Ing. Rudolf Köppi, Dr. Hermann Löw, Reichsratsabg. Dr. Benno Sträucher, Dr. Hugo Zuckermann. Von der Wahl von Ersatzmännern wurde abgesehen, jedoch dem DK. das Recht eingeräumt, sich durch Kooptation nötigenfalls zu ergänzen. Konstituierung. Am 12. Dezember 1910 .trat das DK. zu seiner ersten konstituierenden Sitzung zusammen und wählte Gg. Dr. Zuckermann zum Vizeobmann, Gg. Ing. Groag zum Schriftführer , und Gg. Eben Zum Nationalfondskommissär. Die Referate winden wie folgt verteilt: Organisation, Dr. Körner; Agitation, Dr. Zuckermann; Bürgervereine, Ing. Köppl; .Frauen- und Mädchen Organisationen, Dr. Löw; Studentenheim, Architekt Dr. Kar plus. Zum PalästinaTeferenten wurde provisorisch' Gg. [Dr. R. Beer bestellt. Mit der Leitung des Bureaus winde der Schriftführer des DK., Gg. Ing. Groag, beauftragt, Kooptation und Rücktritte. An Stelle des Gg'. Julius Eisen sch r e i b e r, der die Wahl ins DK. nicht annahm, wurde Gg. Dr. Fuchs kooptiert- und ihm das Amt des Kassiers übertragen. In der Berichtszeit schieden aus privaten Gründen aus dem DK. die Mit- > glieder Dr. Ärminski und Dr. Zucker-' m a ri n. Zu neuen Mitgliedern wurden kooptiert die' Gesinnungsgenossen Ing. Oskar Kramer (Preßreferat), Frau Fanni Weiß, Präsidentin des „I. Zion. 'Frauenvereines“, (Vertr. der Frauen- und Mädchenvereine nach Zurücklegung dieses Referates durch Gg. L ö w), Gg. Isidor Goldberger (Vertr.'der mähr.-schles. Ferialverbindungen), Gg. Jakob Landau (Vertr. der zion. Jugendorganisationen) und Gg. Doktor Weiner, der das provisorisch besetzte P'alästinareferat. übernahm und nach dem Tode des Gg. Eben das Amt eines NF.-Kommissärs bekleidete. Das DK. bestand somit am Ende der Berichtszeit aus 12 Mitgliedern. - Hugo Eben. Am 1. Oktober verlor das innerösterr. DK. durch den plötzlichen Tod Hugo Ebens eines seiner arbeitsfreudigsten , Mitglieder. Fern von der ihm liebgewordenen Stätte seiner Wirksamkeit als innerösterr; Nationalforidskommissär, m seinem .Vaterhause in Teimz in Bayern hat ein unerbittliches Geschick diesen in seiner Opferwilligkeit und Ueberzeugungstreue beispielgebenden Gesinnungsgenossen irr jungen Jahren dahingerafft, nachdem es ihm kurz vorher gegönnt war, sich in Basel als Kongreßdelegierter von der Größe und Stärke Jder zionistischen Weltorganisation zu überzeugen. Das innerösterr. DK. ehrte den Dähingeschiedenen in einer Trauerversammlung, die es gemeinsam mit dem Verein „Theodor Herzl“, dessen langjähriges Mitglied Hugo Eben war, am 21. Oktober 1911 veranstaltete. Vertretung nach Außen. Verhältnis zu den zionistischen Behörden. Zur Leitung des bis zum Brünner Parteitag bestandenen west-österr. Distriktsverbandes unterhielt das DK. die besten Beziehungen. Insbesondere trachtete es mit dem früheren Wiener Zentralbureäu in ständiger Fühlung zu bleiben. Der Präsident desselben wohnte vielen DK.-Sitzungen Und allen Distriktstagen bei und hat .dieser persönliche Kontakt die Arbeiten des. DK. wesentlich gefördert. An den Sitzungen des ZK., bei* denen -im 'Jahre 1911 der Obmann des DK. noch Sitz und Stimme hatte, nahmen die DK.-Mitglieder regen Anteil. Das gute Verhältnis zur Leitung der westösterr. Organisation hat selbstverständlich nach dem Brünner Parteitag, an welchem die Befugnisse des DK. eingeschränkt wurden, keine Einbuße erlitten. Nach wie vor erblickte und fand das DK. in der Oberleitung seine festeste Stütze. Im Anfänge der Berichtszeit ergaben sich im Verhältnis zum mähr.-schles. Distriktskomitee einige Unstimmigkeiten. Doch hat sich das Verhältnis bald gebessert und durch die in Brünn erzielte Einigung wurde , das harmonische Zusammenwirken der Distrikte nicht allein möglich gemacht, sondern als wesentliche Voraussetzung der Zentralisation erklärt. Durch den Ende 1910 zwischen der Kölner Parteileitung und dem Präsidium des west-österr. Distriktsverbandes . angebrochenen Konflikt wurde das inner-österr. DK. unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen. Da sich durch die Veröffentlichungen in der „Welt“ vom 23. Dezember 1910 auch der Obmann des DK., Gg. Doktor Körner, betroffen fühlte, erklärte er sich mit dem Präsidenten des ZK., der inzwischen seine Demission gegeben hatte; solidarisch und legte sein Amt nieder, worauf am außerordentlichen DT. vom 22. Jänner 1911 das. gesamte DKJ. demissionierte. Am 23. Jänner fand in Wien eine Konferenz zwischen dem Präsidenten der Zentralleitung, Gg. Wolffsohn und Gg. Böhm statt, der auch Gg. Dr. Körner zugezogen wurde. Die von der ZK.-Sitzung vom 15. Jänner und vom DT. erhobenen Forderungen wurden erfüllt, womit die'Krise ihr Ende fand und das DK. in die Lage kam, nach erfolgter Wiederwahl die Leitung des Distriktes wieder zu übernehmen. Mit der auf dem X. Kongreß ' gewählten heuen Parteileitung unterhielt das DK. auf dem Wege durch das ZK. die besten Beziehungen. Der innerösterr. Distriktsleitung war es in letzter Zeit auch gegönnt, mit den EAK.-Mitgliedem Gg. Dr. L e w 1 n und Gg. Dr. H antk e und dem Parteisekretär Herrn Kurt Blumenfeld in persönliche Fühlung zu treten und sich von deren Einverständnis mit den Arbeiten im Distrikte zu überzeugen. Mit den westösterr. Mitgliedern des großen AK. stand das DK. in ständigem Kontakt. Kongreß. Ende 1910 leitete das DK. eine Aktion ein, iim das EAK. zu bewegen, den Jubiläumskongreß m Wien tagen ■ zu lassen. Die' Bemühungen hatten trotz vielfacher Zustimmungserklärungen seitens der galizischen und russischen Gg. nicht das gewünschte Ergebnis, das für die österreichische Organisation, namentlich aber für die zionistische Propaganda in Wien \?6n nachhaltiger Wirkung gewesen wäre. Ueber die Schekelorganisation und deren Ergebnis wird an besonderer Stelle berichtet. Als Vertreter der innerösterr. Schekelzahler am X. Kongreß wurden folgende Gesinnungsr genossen gewählt: Batö, Böhm, Frau Feuerstein (Graz), Geller, Schwarz (Graz); T orcz yner, Dr. Weiner, Dr. Walter Werner, Dr. Zollschan, Dr. Zweig. Die Wahlkreiseinteilung erfolgte in Uebereinstimmung mit den einzelnen Vereinsleitungen und Vertretern der Schekelzahlergruppen, die Wahl selbst gemäß den statutarischen Bestimmungen. Zwei gegen die innerösterreichischen Kongreßwahlen beim Legitimationsausschuß eingebrachte Proteste wurden von diesem als unbegründet zurückgewiesen. Die westösterreichische Landsmannschaft des Kongresses entsendete aus der Mitte der innerösterr. Delegierten Gg. Dr. Zweig in den Permanenz-, Gg. Böhm in den Palästina- und Gg. batö in den Finanzausschuß. Das einmütige Zusammenwirken aller Kongreßdelegierter aus innerösterreich um das Zustandekommen der in Basel erzielten Einigung im Sinne der Beschlüsse der Berliner Jahreskonferenz verdient besondere Anerkennung. In das Große AK. wurden zwei Mitglieder der innerösterr. Distriktsorganisation gewählt, Gg. Adolf Böhm und Gg. Johann Kremenetzky. Erwähnt sei noch, daß sich das innerösterr. DK. bemühte, eine Gesellschaftsreise nach Basel zu arrangieren. Da jedoch die Ermäßigung der Fahrpreise nur für eine größere als die angemeklete Teilnehmerzahl zu erlangen war, mußte die geplante gemeinsame Reise unterbleiben. Die Kongreßgäste aus Innerösterreich, namentlich aus Wien, Graz, Leoben, Stockerau usw. bildeten mit den Delegierten des Distrikts immerhin eine ganz stattliche Gruppe unter den aus allen Weltteilen herbeigeströmten Besuchern des Jubiläums:- kongresses. Im Herbst 1911 wurden seitens der Delegierten mehrere öffentliche und interne Kongreßreferate erstattet, in welchen der Verlauf und die Bedeutung der Basler Tagung eingehend erörtert wurden. III. Westösterr. Zionistentag. Von weittragender Bedeutung für die innerösterr. Distriktsorganisation war die auf" dem Brünner Parteitag durch die einstimmige Annahme des Böhm-Margulies'schen Statutenentwurfes erfolgte Neuregelung des westösterr. Landesverbandes. Der Verlauf dieser erst jüngst stattgehabten Tagung, die für die gedeihliche Entwicklung der zion. Organisation in ihrem Geburtslande von eminenter Wichtigkeit war, ist noch aller in Erinnerung. Wir beschränken uns daher lediglich darauf zu verweisen, daß der am 29. November stattgefundene außerordentliche innerösterr. Distrfktstag sich mit der westösterr. Organisationsfrage eingehend beschäftigte und der vom Og. Adolf Böhm vorgeschlagenen Lösung einhellig zustimmte. Wenn auch damit die Stellungnahme des innerösterr. Distriktes am Parteitage von vornherein präzisiert war, so verdient es doch hervorgehoben zu werden, daß . sich in Brünn in allen beratenen Fragen lind Abstimmungen eine volle Einigkeit der innerösterr. Delegierten, die fast vollzählig erschienen waren, ergeben hat. Zu den erfreulichsten Resultaten des Parteitages gehört wohl die einstimmige Annahme der seitens Innerösterreich nachdrücklich vertretenen politischen Resolutionen, weil sie ein Ende in dem Streit bedeutet, der lange Zeit hindurch das einheitliche Zusammenarbeiten aller drei Distrikte Westösterreichs gehemmt hat. Presse. Wie schon an anderer Stelle erwähnt wurde, hat der außerordentliche Distriktstag vom 22. Jänner des Vorjahres die „Jüdische Zeitung“ zum offiziellen Organ des Distriktes erklärt Die bezügliche einstimmig angenommene Resolution lautete: „Der Distriktstag erklärt die „Jüd; . e i t u n unter Anerkennung ihrer, der zionistischen Organisation geleisteten Dienste als das offizielle Organ des innerösterr. Distriktes. Der DT. macht es allen Gesinnungsgenossen zur Pflicht, für die Förderung und Verbreitung dieses bisher ausschließlich durch die selbstlose Opferwilligkeit einzelner Gesinnungsgenossen erhaltenen Blattes überall und nach besten Kräften zu wirken.“ Damit wurde keineswegs ein neuer Zustand geschaffen, sondern ein schon lange bestehender, von der höchsten zuständigen Steile aus als zu Recht bestehend, anerkannt. Das DK. entsendete seine Mitglieder, Gg. Dr. Körner und Gg. Ing. Kramer ins Redaktionskomitee, mit dem es in ständiger Fühlung stand. Insbesondere veranlaßte es die Zeitung, der Erörterung und Besprechung der verschiedenen zion. Probleme, I Aufgaben und Aktionen einen möglichst breiten Raum zu gewähren. So erschienen u. a. die Artikel: „Die Bedeutung der Palestine Land