Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1912-01-26 · 4 (26.1.1912) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438380-2438384--2831-2442543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 seinen Autor manches Licht und zeigt uns aufs neue, welche gewundenen Denkpfade er wandeln muß, um sich zwischen Antizionismus und Zionismus hindurchzuwinden. Denn als Sekretär der Allianz darf er absolut kein Zionist sein, andererseits möchte er, der am ersten Koni greß .teilgenommen hat, sich es doch'nicht ganz mit dem Zionismus verderben, denn mann kann nicht wissen . . . Auch will Herr Dr. Kaminka .ein hebräischer Dichter sein und als solcher kann man nicht recht als Antizionistaufireten. So muß dieser Bedauernswerte als wahrer geistiger Schlangenmensch leben, er muß die Massenemigration der östlichen Juden als etwas beruhigendes ansehen — er, der Sekretär des größten jüdischen Hilfsvereins! — er muß sich einen Kulturzionismus eigener Prägung zurechtlegen, und schließlich gegenüber dem neuen Ansturm der zionistischen Wissenschaft — Zollschan, Ruppin, Theilhaber — einen Standpunkt konstruieren, durch den er quasi mit einem Bein im Zionismus, mit dem anderen im Antizionismus, mit einem in Palästina, mit dem anderen im Oolus stehen kann. Herr Dr. Kaminka behauptet nämlich in seinem Artikel, daß zwar das Palästinazentrum eine schöne und fördernswerte Sache sei, aber sie sei nur eine Luxusangelegenheit des Volkes, das sich quasi in Palästina einen Prunkpalast gestattet, zu dessen Errichtung ihn sein Edelmut 'Verpflichtet. Das wahre Zentrum der Judenheit liege in den großen Gemeinden, Berlin, Vj^ien etc., es fehlen nur die Menschen, die diese Gemeinden zu starken Festungen für das jüdische Volk machen. Ei, ei, Herr Dr. Kaminka, trauten Sie sich dies auch in deutscher Sprache zu schreiben, so daß Ihre Vorstände, die Herren Dr. Stern und Gutmann es lesen könnten? Aber hören wir weiter: Zollschan und Ruppin haben unrecht, Taufe und Mischehe sind. nicht hauptschuldig an dem Rückgang, des Judentums. Wenn z. B. jemand vier Söhne hat, und einer davon läßt sich taufen, einer heiratet eine Christin, so bleiben doch noch zwei fürs Judentum (!!!). Das ist die — „Beweisführung“ des Herrn Doktor Kaminka. Wie aber, wenn z. B. ein Jude nur drei Kinder hat, oder wenn er gar keine hat, oder wenn sich alle taufen lassen? Man traut seinen Augen nicht. Mit solchen Witzen werden ernste Probleme von einem Manne behandelt, der sich als Soziologen ausgibt und die Statistiken von Zollschan und Ruppin als nicht ausreichend erklärt. Herr Dr. Kaminka macht weiter die Entdeckung, daß an dem Rückgang der .Judenheit die - Verminderung den Ehe-,. Schließungen und der Rückgang der Geburten schuld ist. Es ist aber merkwürdig, daß die Autoren, denen er dies triumphierend ins Gesicht schleudert, diese Entdeckung lange vor Herrn Dr. Kaminka gepiacht haben. Dr. Ruppin, der erste jüdische Statistiker, den Herr Doktor Kaminka zu kritisieren wagt, hat darüber schon in der ersten Auflage seines Buches, also vor 7 Jahren ausführlich berichtet, in der zweiten widmet er diesen Erscheinungen ganze Kapitel und bezeichnet sie als Hauptursache des Untergangs des Judentums. Aus dem ganzen Wust der Kaminkaschen Geschichtsphilosophie wollen wir übrigens noch einen Satz heraus ziehen und zum ewigen Gedächtnis hier abdrucken, um ihn einmal, wenn die Allianz und ihre Schützer wieder einmal an-' tizionistische Anwandlungen bekommen, zu zitieren. Herr Dr. Kaminka sagt: „Jeder Jude, der sein Volk liebt, wird sich bestreben, mit seinem ganzen Sein die Schaffung des Palästinazentrums zu fördern.“ Mit diesem Satz sind wir einverstanden, nur glauben wir nicht, daß diese Förderung dadurch erfolgt, daß man keinen Heller für Palästinazwecke gibt, daß man die Emigration nach Palästina nicht-fördert und daß man den Zionismus bekriegt. Wir begreifen nicht, wie die Redaktion einer so ernsten und gediegenen Zeitschrift, wie es der „Haschiloach“ ist, einen Artikel von so minderwertigem Inhalt annehmen konnte, auch wenn sie von der famosen zionistischen Vergangenheit des Autors nichts wußte und sich in einer Fußnote als nicht einverstanden mit dessen Ausführungen erklärt. Solche Geistesprodukte beweisen nur aufs neue, mit welcher Vergewaltigung aller Logik und mit welcher Kunst des Durcheinandermischens aller Tatsachen man arbeiten muß, wenn man die wissenschaftlichen Grundlagen des Zionismus bekämpfen will. Wir brauchen nur, wie einst Friedrich der Große die auf ihn zielenden Spottgedichte, solche Erscheinungen niedriger zu hängen, um in dem Spott und der Belustigung aller normal, d. h. logisch Denkenden preiszugeben. Frühling in Palästina. (Chamischa assar b’schwat.) Am 3. iFebruar 1912, tum halb 9 Uhr abds.. findet im Jüdischen Volksheim, Il„ Stefaniestraße 12t anläßlich des Ffühlingsanbruches in Palästina ein Festabend statt. — Festrede — Akademie — Tanz. — Ausführliches Programm wird rechtzeitig bekannt regeben. — Reklamation von Einladungen im Jüdischen Volksheim. — Entree K 1.52, im Vorverkauf K 1.22. Karten im Volksheim erhältlich. Verein Jüöilches Studentenheim“. Wien, IX., Liechtensteinstraße II. Anläßlich der skandalösen Tumulte an der Wiener Universität im November 1908 trat auch für die Gleichgültigen und Fernstehenden wieder einmal die furchtbare Not, die moralische und materielle Bedrängnis, in welcher sich die jüdischen Studenten andauernd befinden, deutlich und erschreckend hervor. In jenen Tagen entstand der Plan, ein jüdisches Studentenheim zu errichten. Mit zwingender Notwendigkeit ergab sich das Bedürfnis, den jüdischen Studenten ein eigenes Heim zu bieten, eine Stätte, an welcher hie (ien (häßlichen Verfolgungen, (den quälendsten Demütigungen, den schimpflichsten Provokationen entrückt, Friede und Sammlung finden, um ungestört ihren Studien zu obliegen und zugleich eine reine, von jeglicher Gehässigkeit freie und menschenwürdige Luft zu atmen. Damit dieser Plan sich zum Heile und zur Wohlfahrt der jüdischen Studentenschaft baldigst verwirkliche» ist es notwendig, die Baukosten binnen Kürze aufzubringen. Diese Baukosten sind keineswegs gering und müssen durch Sammlungen, durch Stiftungen und Mitgliedsbeiträge hereingebracht werden. Nach den Statuten sind jene Personen, welche 3000 Kronen spenden, Stifter des Studentenheims und haben das Recht, unter Beobachtung des Hausreglements und der Statuten einen Freiplatz für einen Hörer der Hochschule zu beanspruchen. Ferner sind jene Personen, die einen jährlichen Beitrag von 30 Kronen oder einen einmaligen Beitrag von 300 Kronen leisten, Förderer des jüdischen Studentenheims. Alle diejenigen, die einen Jahresbeitrag von 8 Kronen entrichten, werden unterstützende Mitglieder des Vereines. Um die Namen einzelner, den Studenten wohlwollender Männer oder Frauen für al e Zeiten mit dem jüdischen Studentenheim zu verbinden, sollen Stifterzimmer geschaffen werden. Diese Zimmer werden mit einer Tafel versehen, welche den Namen des Stifters aufweist. Damit einer großen. Anzahl solcher Stifter die Möglichkeit geboten ist, im Heim verewigt zu werden, wurde dieser Stiftsbeitrag mit 1000 Kronen festgesetzt. Je höher das Ergebnis der Sammlungen und Stiftungen sein wird, desto ausgiebiger kann das jüdische Studentenheim für seine Schutzbefohlenen sorgen. Denn. es wärd dann möglich werden, den Mietpreis der einzelnen Zimmer immer mehr herabzusetzen und diese Zimmer schließlich vollkommen unentgeltlich an jüdische Studenten abzugeben. Der ‘Verein „Jüdisches Studentenheim“, Wien, IX., Liechtensteinstraße 11, wendet sich an alle Juden, ohne Unterschied der besonderen Gesinnung und Denkart, mit der Bitte, in der Ausführung dieses Werkes beizustehen und ist gern bereit, allen Interessenten die Statuten des Vereines und Prospekte zuzuschicken. Nachstehend das Verzeichnis der in den Jahren 1909 bis 1911 eingelaufenen Spenden und Legate. ■ Spenden und Legate 1909 und 1910: Lucian Brunner, Wien K 10.000.—; Legat nach Frau Julie Mandl, Wien K 10.096.25; kaiserlicher Rat Arnold Mandl, Wien K 3000.—; ein Unbekannter durch Dr. Karplus, Wien K 1500.—; Kultusgemeinde Olmütz (Veranstaltung Fr. Josefine Zweig) K 2000.—; Studentensammlung in Suczaw'a K 664.88; Verein Giskalah in Proßnitz K 200.—; Sammlung Emmunah, Bielitz K 100.—; Juki. Klub, Karlsbad K 120.—; Mädchenverein „Moriah“, Wien, Veranstaltung K 120.—; Verein „Fortuna K SO.—; Bethausverein in Hruschau K 73.—; Sammlung durch Fr .Regine Mahler K 13.—; Dr. Chaim Tartakower K 10.—; Leopold Beck, Proßnitz K S.—; Reg. Oelgießer, Suczawa K 3.—; Makkabäerfeier, Wien K 100.—; Summe K 28.088.13. 1911. Josef Eisenst.ädter, Wien K 2.—; Michael Stieber, Wien, L, Börsegasse 1 K 2.—; Jakob Sommer, Iglau K 2.—; M. Hein, Wien, 1., Reichsratsstraße 3 K 5.—; Leopold Piow'ati, I., Adlergasse 3 K 5.—; Ignaz Grünwald, XXL, Schloßhoferstraße 25 K 5.—; Artur Friedmann, L, Bellaria, 4 K 5.—; Israelitische Kultusgemeinde in Reichenberg K 8.—; Kommerzialrat Moriz Reif, III., Veithgasse 11 K 8.—; Sigmund Lubak, Bad Gastein K 8.—; Bernhard Wachtel, VII., Kirchberggasse 37 K 8.—; Kommerzialrat Julius Schwarz, IV., Panigigasse 5 K 8.—; kaiserl. Rat Alfred Sachs, I., Werderthorgasse 5 K 8. —; Israelitische Kultusgemeinde in Gaya K 10.—; Israelitische Kultusgemeinde Kolin K 10.—; Moriz Geizniger, IV., Theresianumgasse 5 K 10.—; Jakob Theumann, IX., Türkenstraße 21 K 10.—; Heinrich Holz, 11., Malzgasse 4 K 10.—; Hugo Stiaßny, Deutschbrod K 10.—; Richard Stiaßny, Deutschbrod K 10.—; kaiserl. Rat Friedrich Pollak, VI., Sc’nmalzhofgasse 4 K 10.—; Israelitische Kultusgemeinde, Pisek K 20.—; Israelitische Kultusgemeinde, Freiwaldau K 20.—; Leopold Blum, XIII., Steekhovengasse 7 K 20.—; Direktor M. Reichenfeld, IV., Schwindgasse 10 K 20.—; F. C. Steinhof, IX., Maximilianplatz 15 K 20.—; Ignaz Stein, IV., Panigigasse 20 K 20.—; Börsenrat Robert Kolisch, IX., Liechtensteinstraße 42 K 20;—; Gebr. Pach, Cafe Central, I., Herrengasse 14 K 20.—; Sigmund Popper. I., Rathausstraße 20 K 20.—; Dr. Julius Elias, I., Augustengasse 2 K 20.—; Architekt Max Löwy, Mähr.-Ostrau K 25.—; durch Leopold Reiß, Mähr.-Ostrau K 25;—; Max Smolensky, Triest K 30.—; Dr .Max Erischauer. Buße von einem Klienten K 30.—; Israelitische Kultusgemeinde, Linz K 30.—; k. k. Ministerialrat a. D .Kamillo Kuranda K 30.—; Emanuel Baumann, I., Heinrichgasse 4 K 30.—; Dr. Heinrich Münch, I., Grillparzergasse 7 K 30.—; Dr. Max Böhm, Mähr.-Ostrau K 30.—; Arnold Rosenthal, I., Salzgries 11 K 30.—; kaiserl. Rat Paul Lemberger, 1., Rudolfsplatz 13 a K 30.—; Dr. Adolf und Daniel Bachrach und Dr. Paul Abel K 30.—; Oberlandesgerichtsrat Dr. Barber, 1., Elisabethstraße 4 K 30.—; I. Sammlung Jüd.-akad. Ferialverb. „Hermonia“, Gaya K 37.50; Israelitische Kultusgemeinde, Mistelbach K 40.—; II. Sammlung Jüd.-akad. Ferialverbindung „Hermonia“, Gaya. K 43.50; Heinrich Löwit, Prerau K 45.—; Sammlung von Emanuel Hein, Neutitschein K 27.—; Israelitische Kultusgemeinde Czernowitz K 50.—; Israelitische Kultusgemeinde; Nachod K 50.—; Bernhard Fürth, Börsegasse 14 K 50.—; A. Sachs, VI., Windmühlgasse 22 K 50.—; k. k. Hofbuchhändler Moriz Perles, I., Seilergasse 4 K 50.—; Heinrich Atandel, I., Schottenring 30 K 50.—; Sammlung durch jur. Bruno Singennaur, Troppau K 65.60; K. Rosenbaum, Mähr.-Weißkirchen K 100.—; Hofrat Adolf Lieben, 1., Mölkerbastei 5 K 100.—; Direktor Alfred Heinsheimer, I., Lisztstraße 1 K 200.—; Direktor Adolf Straßmann, Mähr.-Ostrau K 200.—; Direktor Salomon Fischer, I., Deutschmeisterplatz 2 K 200.—; Direktor Bernhard Popper, I., Herrengasse S K 200.—; Direktor Adolf Weishut, I., Renngasse 1 K 200.—; Martin Kohn, Wien, IX. K 300.—; A. Stern tt Sohn, I., Kohlmessergasse 5 K 300.—; Legat nach Albert Freiherrn von Rothschild K 20.000.—; Ergebnisse der Sammlungen und eines Gartenfestes in Mähr.-Ostrau, Wittkowitz, Schönbrunn und Hruschau K 2530.73; Dr. Jakob Himmelblau, Mähr.-Ostrau K 20.—; Dr. Ignaz Schmidt, Mähr.-Ostrau K 20.—; Professor Emanuel Lerner, Mähr.-Ostrau K 5.—; Professor Dr. Karl Federmann, Mähr.-Ostrau K 5.—; Gustav Sobotka, I., Wipplingerstraße 33 K 3.—; Bertha Inbert, IX., Währingerstraße 26 K 8.—; Dr ..Erwin Gallus, Troppau K 5.—; jur. Oskar Grünbaum, Mißlitz K 16.—; Israelitische Kultusgemeinde, Lobositz K 8.—; Israelitische Kultusgemeinde Kolomea K 10.—; Israelitische Kultusgemeinde Teschen. K 30.—; Israelitische Kultusgemeinde,. Jägerndorf K 10.—; Israelitische Kultusgemeinde, Schaffa K 8.—; Israelitische Kultusgemeinde Straßnitz K 10.—; Israelitische Kultusgemeinde, Wiener-Neustadt K 10.—; Israelitische Kultusgemeinde, Mistek- Friedek K 50.—; Israelitische Kultusgemeinde, Franzensbad K 8.—; Israelitische Kultusgemeinde, Straßnitz K 20.—; Israelitische Kultusgemeinde, Lundenburg K 10.—; Sammlung von Jakob Ellnig, Krakau K 10.30; zus. K 25.891.63; Summe K 53.979.76. Ein jüdifdiep Kaufmann.*) Vor wenigen Wochen ist unter diesem Titel ein Buch erschienen, welches ziemliches Aufsehen erregt hat und in der Presse ausführlich und lobend besprochen wurde. Sein Verfasser ist *) Sigmund Mayer. Ein jüdischer Kaufmann, Lebens - Erinnerungen (1831 — 1911). Verlag: buncker & H u m b 1 o t, Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.