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Jüdische Zeitung · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 jüdische zeitung Seite 5 den Organisation der galizischen Kultusgemeinden; 12 Mandate in der städtischen Kurie, und zwar zwei Mandate in Lemberg, je ein Mandat in Krakau, Przemysl, Stanislau, Tarnopol (durch Abgrenzung der von Juden bewohnten Gassen) und die Mandate von Tarnow, Brodv, Drohobycz, Kolomea, Rze'szow und Stryj; drei Mandate in der allgemeinen städtischen Kurie und die drei Handelskammermandate. Der Aufruf kündigt eine rege Agitation für die aufgestellten Postulate unter der jüdischen Bevölkerung an. Ueberdies wird die schädliche, unmännliche und den Juden verderbliche Politik der Assimilanten im Landtage einer vernichtenden aber gerechten Kritik unterzogen. * * ♦ In der Eröffnungssitzung des galizischen Landtages hielt der Statthalter eine große Rede, in welcher er zweimal Anlaß nahm, die Zionisten zu beflegeln. Sonst aber hatte er für jüdische Fragen, für die Not von Hunderttausenden jüdischen Proletariern kein Interesse. Der Statthalter gedachte der Schänkerkonzessionen, deren Verteilung, seiner ‘ Ansicht nach, unparteiisch und unbekümmert um verhetzende Agitationen vorgenommen wurde. Allerdings, gab der Statthalter zu, seien nach der ersten Konzessionserteilung noch 800 Konzessionen zur Verteilung gelangt. (Diese nachträgliche Verteilung war also doch ein Produkt der „verhetzenden Agitation“ und der Schänkerdemonstration in Wien. Anm. d. Red.) Im weiteren Verlaufe seiner Rede kam der Statthalter auf die Volkszählung zu sprechen und da apostrophierte er die Zionisten, welche die ruhigen, friedlich und polnisch gesinnten Juden „verhetzt“ haben. Er, Bobrzynski, sei durch Verweisungen und Strafen der falschen Ansicht, daß die Juden ein Volk sind und der Jargon eine nationale Sprache darstelle,’ entgegengetreten, die Zionisten haben aber dennoch viele Juden in ihrem Trotz bestärkt. Der Erfolg waren natürlich wieder viele Strafen, welche die Statthalterei jedoch nachgesehen habe.. Wieso es dazu , gekommen ist; daß die Statthaltere*gnädig gesinnt wurde, erwähnte Bobrzynski nicht. Anscheinend vergaß er an die Verhandlungen vor dem Wiener Obersten Gerichtshöfe und an die Interpellation im Reichsrate; auf Grund welcher der damalige Minister des Innern erklärte, er werde dafür sorgen, daß die Strafgelder nicht eingezogen werden. Immerhin ist es charakteristisch, daß der Statthalter vor der zionistischen Gefahr warnt. Er gesteht dadurch, daß — was schon.längst bekannt ist — die offiziellen polnischen Kreise unversöhnliche Gegner . des Zionismus sind. Selbstverständlich werden die Ausführungen des Statthalters nur das Gegenteil dessen erzielen, was seine Ohrenbläser Löwenstein und Horowitz wünschen. Die überwiegende. Majorität der galizischen Juden ist oppositionell und zionistisch und daran werden weder Assimilationswünsche noch Stanczykenbrutalität etwas ändern können. ParteisNachrichten. Komuniquee. betreffend die Sitzung, des westösterr. Zentralkomitees in Wien vom 14. Jänner 1912. . Anwesend: Präs. Adolf Böhm, Vizepräs. Dr. Friedmann (Troppau), Dr. Eckstein (Wien), Dr. Ehrlich (Wien). Dr. Re ach (Gaya), S ü ß m a n d 1 (Mährisch-Ostrau). Dr. Stein (Wien), Ob.-Ing. Stricker (Wien), Dr. Z w e i g (Wien). Entschuldigt ferngeblieben: Dr. Sch.önhof (Brünn), Frau Perutz (Teplitz- Schönau), Dr. Singer (Prag), Dr. M a r g u - lies (Leitmeritz), Bechert (Teplitz-Schönau), Saudek (Kolin). Im Sinne des neuen Statuts hatten ihre'Vollmacht übertragen: Dr. Schönhof an Dr. Ehrlich und Saudek an/B ö h m. Gäste: Dr. Körner und Groag. Der Präsidentt eilt mit, daß Gg. Bechert die Wahl ins Zentralkomitee aus zwingenden Gründen privater Natur nicht annehmen kann. Das ZK. nahm den Rücktritt mit Bedauern zur Kenntnis und überträgt das Mandat an den ersten Ersatzmann Dr. Hermann Hirsch (Komotau). Das Budget 1912 wird beraten und der Voranschlag des .„Geschäftsführenden Ausschusses“ (GA.) genehmigt. .In der Frage jles Sekretariats wurde-der GA. ermächtigt, auf Grund seiner Vorschläge die geeigneten Vorkehrungen zu treffen. In der Beratung der Agitation für Schekel und Zentralfonds wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Schekel pro 5672 (1911 12) ist seitens der Distriktskomitees bei sämtlichen in Vereinen organisierten Gesinnungsgenossen bis spätestens Ende Februar 1912 einzuheben. 2. Die , .Alten Herren“ (absolvierten Akademiker) und ,inaktiven Mitglieder der Studentenorganisationen sind, wofern sie nicht in Wien wohnen, zur Schekelzahlung an diejenigen Provinzorganisationen verpflichtet, denen sie entsprechend ihrem Wohnsitze angehören, bezw. angehcren sollen. 3. Die Mitglieder der mähr.-schles. Ferialverbindungen sind verpflichtet, den Schekel an das mäh r.-s c h 1 e s. DK. zu entrichten. 4. Die Agitation für den Zentralfonds hat seitens der Vereinsleitungen unmittelbar und tatkräftig ,einzusetzen. Behufs Unterstützung und Vereinheitlichung der Agitation für den Zentralfonds wurde beschlossen, eine Instruktion an sämtliche Vereinsleitungen -zu erlassen. Die Beratungen über den Punkt „Presse“ wurden eingehend gepflogen. Es ist nach der gründlichen Aussprache zu erwarten, daß die zionistische Pressefrage für Westösterreich in der nächsten ZK.-Sitzung definitiv geregelt wird. Bezüglich der Durchführung der Resolution des. Brünner Parteitages betreffend die Fragen der Landespolitik brachte der Obmann des „Jüdischen Nationalvereines für Oesterreich“, Gg. Dr. Ehrlich, die Beschlüsse der Vorstandssitzung zur Kenntnis, wonach der Vorstand des Nationalvereines sich zwecks der in nächster Zeit stattfindenden politischen Parteikonferenz an die Distriktskomitees wenden wird. Das ZK. beschloß, diese Aktion zu unterstützen. Hierauf wurden unter dem Vorsitz des Vizepräs. Dr. Friedmann die Palästina- und Kulturfragen ausführlich erörtert. Es wurde beschlossen, anläßlich der demnächst stattfindenden Palästinaabende für die PLDC. eine kräftige Agitation zu. entfalten und die Shareklubs auszubauen. Ueber Ersuchen des ZK. erstattete der Obmann des zionistischen Vereines „H a t’ chijah“'- (Wien), Gg. Reizes, der Sitzung mehrere Vorschläge in Angelegenheit der hebr. Sprachkurse in Westösterreich, die das ZK. zur weiteren Behandlung dem GA. überwies. In der Sache des Informationsbüros für Pä.- lästina , das vornehmlich von Gesinnungsgenossen aus Galizien in Anspruch genommen wird, wurde beschlossen, sich an das zionistische ZK. Lemberg um Subventionierung zu wenden. Mit der Abfassung einer populären zionistischen Broschüre wurde Gg. Dr. Friedmann betraut. Nach fast sechsstündiger Dauer wurde die Sitzung geschlossen, die eine volle Uebereinstimmung der ZK.-Mitglieder in sämtlichen beratenen Fragen ergeben hat. Mitteilungen des i.-ö. D.-K. Ordentlicher Distriktstag. Tagesordnung: 1. Bericht des abtretenden DK.; 2. Referat über den west-österr. Zionistentag (Gg. Adolf Böhm); 3. Beratung des neuen Distrikts-Statuts; 4. Neuwahlen; 5. die Lösung der zionistischen 'Finanzfrage (Ref. Ing. Groag); 6. Budget; 7. Kulturreferat (Gg. Reizes); 8. Jüd. NF. (Ref. Dr. Georg Weiner); 9. Eventualia. Bezüglich Delegierung, Veröffentlichung und Ort der Tagung verweisen ■ wir die Leitungen der Distriktsvereine auf die Kundmachung in Nr. 1 der, „Jüd. Ztg.“ vom 4. d. M. Für das i.-ö. D.-K. Dr. Körner, Obmann. Rechenschaftsbericht und Statutenentwurf. Rechenschaftsbericht und Statutenentwurf erscheinen als Beilage in Nr. 4 der „Jüdischen Zeitung“. Den Delegierten, die dem DK. namhaft gemacht wurden, gehen diese Drucksachen in den ersten Tagen nächster Woche mittelst Post zu. An die zionistischen Vereine! Von Jeher Ist von den zionistischen Vereinen mancher Länder der Uebelstand empfunden worden, den Mitgliedern für den Beitrag nicht ein regelmäßig erscheinendes Propogandaorgan mit den nötigen Vereinsmitteilungen zukommen lassen zu können. Ebenso ist es klar geworden, daß die Palästinapropaganda durch gelegentliche vereinzelte Vorträge allein nicht genügt, sondern daß eine ständige Befassung der Zionisten mit Palästina nötig ist. Es bietet sich in den Vereinen Gelegenheit, beiden Uebelständen gleichzeitig abzuheifen. Die mit Unterstützung des Patästinaressorts und des Palästinaamtes vom zion. Zentralkomitee, Wien, herausgegebene Zeitschrift „Palästina“ (8. Jahrgang) erläßt allen Vereinen das Abonnement bei Bezug von mindestens 50 Exemplaren in einem Paket zu 2 Mk. (Oesterreich 2 K) per Jahr. Die Vereine, wie dies bereits einige tun, könnten ihre Mitteilungen in einem hektographierten Blatt beilegen und die Zeitschrift sodann an ihre Mitglieder verteilen. Da m Kürze ein neuer Jahrgang der Zeitschrift beginnt, der mit einer Spezialnumnter über den „Jüdischen Nationalfonds“ eröffnet wira, empfiehlt es sich, daß die geehrten Vereine diesen Vorschlag in Erwägung ziehen und uns bald ihre Entscheidung-mitteilen. Mit Zionsgruß Monatszeitschrift „Palästina“, Wien, Türkenstraße 9. Aus dem Iüdifcfien beben. Amtliche Pogromhetze in Kiew. Vergebens haben bereits Hunderte der bekanntesten russischen Persönlichkeiten gegen die systematische Vergiftung der Volksmassen mit dem Ritualmordmärchen protestiert. Der in Kiew die Untersuchung in Angelegenheit der Ermordung des Knaben Justschinskv führende Untersuchungsrichter Fenenko bemüht sich unausgesetzt, dem Mord das Gepräge einer rituellen Tat zu verleihen'. Er hält nicht nur den Juden Beilis, dessen Unschuld erwiesen ist, wochenlang im Gefängnis, er stellt sogar eine Enquette darüber an, in welche Kategorien die Kiewer Synagogen zerfallen, wieviel sogenannte Chassidim, wieviel Misnagdim unter den Juden sind, er kümmert sich um die verschiedenen Differenzierungen unter den Rabbinern nsw. Alles offiziell und mit großem „Ernst“! Jeder seiner Schritte hat natürlich nur den Zweck, die Phantasie der aufgeregten Volksmassen mit aufreizenden Schreckbildern zu nähren. .In der „Novvoje Wremja“ hatte dazu ein anonymer „Professor“ eine spezielle Ideologie ausgeklügelt, wonach es nicht Ritual-, sondern geheimnisvolle Rachemorde mit 49 Blutabzapfungen gebe, welche die jüdische Rasse in den verschiedenen Jahrhunderten am Stifter der christlichen Religion ausübe. Gerade mitten in dieser immer mehr sich verdichtenden Pogromstimmung hat soeben das Kiewer Geistlichenkonsistorium die Popen im Gouvernement Kiew angewiesen, sich überall an die Spitze der Filialen des pogrom lüsternen Verbandes des russischen Volkes zu stellen! Ein Lektorat für talmudische Wissenschaft an der Leipziger Universität. Das sächsische Kultusministerium hat beschlossen, an der Universität Leipzig eine Lektorstelle für späthebräische, jüdisch-aramäische und talmudische Wissenschaften zu errichten. Sie wird vom 1. April ab dem Privatgelehrten Israel Issar Kahan in München übertragen mit der Maßgabe, daß dessen Unterricht mit dem aittestamentlich-exegetischen Seminar in Verbindung steht und gleich diesem der Oberleitung des Professors Dr. Kittel unterstellt ist. Die Leipziger Universität ist die erste, die endlich die .Bedeutung der talmudischen Wissenschaft durch die Schaffung dieses Lektorats anerkennt. Ein Bankett zu Ehren des „Haschiloah“. Anläßlich des Erscheinens des 150. Heftes der hebräischen Zeitschrift „Haschiloah“ veranstalteten die hebräischen Schriftsteller Odessas vorige Woche ein Festessen, das einen überaus erhebenden Verlauf nahm. In begeisterten Tischreden feierten dieses literarische Jubiläum u. a. die Schriftsteller und Gelehrten Ch. N. ßialik, David Kahane, Dr .Rabin, Moses Kleinmann, Wladimir Jabotinsky, ferner M. Ussischkin, Ch. Grünberg und schließlich der Redakteur des „Haschiloah“, Dr. Josef Klausner. Das Jubiläum des „Haschiloah“. Odessa: Die vornehmste hebräische Zeitschrift; die von K. S. Wissotzky und Achad Haam begründete und gegenwärtig unter der Redaktion von Dr. Josef Klausner erscheinende Monatsschrift „Haschiloah“ feiert das Jubiläum ihres 15jährigen Bestehens und der Vollendung ihres 25. Bestandes. Aus diesem Anlaß ist das Sehlußheft des 25. Bandes als Jubiläumsheft im Umfange von nahezu 700 Seiten und mit wertvollen Beiträgen der hervorragendsten zeitgenössischen hebräischen Schriftsteller erschienen. Das Jubiläumsheft des „Haschiloah“ enthält eine reiche Fülle literarischer, wissenschaftlicher und publizistischer Aufsätze der erlesensten Art und stellte eine der bedeutendsten Publikationen der modernen hebräischen Literatur dar. Ein amtliches Urteil über die jüdischen Farmer in Amerika. Newvork: Der 'Sachverständige der amerikanischen Einwanderungskommission, Mr. A. Cains, veröffentlicht einen Bericht über die jüdischen Farmer im Staate Connecticut. Der Bericht hebt wiederholt hervor, daß die jüdischen Farmer ihre Güter in mustergültiger Weise bewirtschaften und in keiner Beziehung hinter den nichtjüdischen Landwirten zurückstehen, hn *

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