Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 diesmal als jüdischer V o 1 k s 1 i e d e r a b e n d durchgeführt wird. Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher, Berlin) wird den Vortrag „Das Lied der Ostjuden“ halten und die volkstümlichen Kunstschcpfungen des lebendigen jüdischen Geistes beleuchten. Die Volkslieder wird Leo G o 11 a n t e aus Berlin singen, dessen Interpretation ostjüdischer Lieder schon in lJrag vor einigen Jahren enthusiastischen Beifall gefunden hat. Ostjüdische Dichtungen, die Dr. Hugo Herrmann übertragen hat, wird die Prager Schauspielerin Margarethe Neff rezitieren. So wird der ganze Abend ein einheitliches Gepräge tragen und weite Kreise mit dem pulsierenden Leben in der Kunst unserer jüdischeren Brüder hekannt machen. Lemberger Brief. Von unserem Berichterstatter. Diese Woche fand tin .Lemberg die konstituierende Versammlung des Vereines „Selbsthilfe“ — das der Name der im vorigen Briefe erwähnten Hilfsgesellschaft — statt. Dem Vereine gehören Vertreter aller politischen Parteien an, die sich verpflichtet haben, das Hilfswerk vollkommen unparteiisch zu führen. Aus einem im Lemberger „Tagblatt“ veröffentlichten Interview des Krakauer Korrespondenten mit dem Vizepräsidenten des vorbereitenden Ausschusses, Dr. Osias Thon, erfährt man, daß vorläufig zwei Zweigvereine der „Selbsthilfe“ in Lemberg und Krakau gegründet .werden sollen. Diesen Filialen werden sich weitere Zweigvereine zu einem ganz Galizien umfassenden Verbände anschließen. Eine galizische Gesamtleitung wird hierauf die Aktion planmäßig durchführen. Vorläufig sind keine bestimmten Aufgaben festgesetzt. Die Aktion wird sich jedoch in erster Linie auf die Gründung von Kreditgenossenschaften, Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaften, auf Abhaltung von Meisterkursen, Förderung des Handwerkes, Anstellung von Wanderlehrern, Gründung von Volksbibliotheken und Toynbeehallen .richten. Das alles' klingt .recht schön. Und jeder wünscht, daß diese schönen Pläne Tatsache werden. Dr. Osias Thon erklärte dem Korrespondenten des „Tagblatt“, daß er an die Realisierung des Planes glaube — weil er von Natur ein Optimist sei. In der Tat muß man Optimist sein, um zu glauben, daß Organisationen, in welchen S. v. Horowitz, v. Löwenstein und Kolischer das große Wort führen, und maßgebend sein werden, demokratische Arbeit wie Selbsthilfe zu leisten imstande sind. „Es ist der Geist, der sich den Körper baut“. Der Geist der Assimilation kann nur Organisationen schaffen, die ihr adäquat sind. Daran wird die geringe zionistische Beimischung in der Leitung der „Selbsthilfe“ trotz besten Willens nicht viel ändern können. * * * Vor einigen Wochen erschienen die Herren Dozent Dr. Schor und Tauber als Abordnung der jüdischen Religionslehrer in Galizien beim Unterrichtsminister in Audienz, um die Forderungen ihrer Fachkollegen vorzubringen. Die jüdischen Religionslehrer werden gemäß einer Verordnung vom Jahre 1849 als Nebenlehrer - angesehen und infolgedessen nur ausnahmsweise ad personam — bis jetzt in drei Fällen —. definitiv angestellt. So kommt es, daß an vielen Gymnasien, wo die Juden die ‘relative odei' manchmal die absolute Majorität bilden, die jüdischen Religionslehrer immer Supplenten bleiben, während die Religionslehrer der anderen Konfessionen trotz der ^geringeren Arbeitsleistung als definitiv Angestellte vorrücken und hohe Pensionen beziehen. Die Lemberger Kultusgemeinde hat nun für den 15. Jänner eine Konferenz der galizischen Kultusgemeinden einberufen, welche sich mit der Frage der Religionslehrer befassen wird. Hoffentlich wird .es gelingen, die gerechten Forderungen dieser akademisch gebildeten Proletarier durchzusetzen. . Wie sehr det zionistische Gedanke in den jüdischen Massen Galiziens Wurzel geschlagen hat, beweist die große Anzahl der zionistischen Blätter, welche in Galizien erscheinen. Viele von ihnen verdanken der Wahlagitation ihr Entstehen. Doch sind sie in fast allen Fällen nicht eingegangen, sondern existieren — man ziehe die wirtschaftliche Lage der galizischen Juden in Betracht — weiter. So zählt Galizien heute 14 zionistische Zeitungen und Zeitschriften. Davon erscheinen drei in polnischer, der Rest in jüdischer oder hebräischer Sprache. Von den neubegründeten Wochenblätter verdient besonders der in Stanislau erscheinede, vorzüglich redigierte „Jüd“ Erwähnung. * * * ' Von den „jüdischen“ Reichsratsabgeordneten Galiziens erfährt die Welt nur sehr wenig. Es sei denn, sie unterschreiben, wie Abg. Gail Aufrufe antisemitischer Parteien oder sie machen sie dpreh unsaubere Geschäfte bemerkbar. Vorige Woche war es wieder Herr Rauch, der in Stanislau „gewählte“ Vertreter assimilatorischer Kouleur, welcher von sich reden machte. Die Wähler des Herrn Rauch veranstalteten zu Ehren ihres Abgeordneten eine große, von allen drei Nationen besuchte, 1500köpfige Versammlung, in welcher die eigentümliche Politik dieses Herrn besprochen und schließlich folgende Resolution einstimmig gefaßt wurde (wir entnehmen den Wortlaut dem Lemberger „Tagblatt“): „Die Versammlung verdammt die persönliche (soll heißen geschäftsmäßige) Politik des Herrn Rauch aufs schärfste; diese Politik beweist, daß Herr Rauch auf einer solchen Kulturstufe steht, daß er nicht würdig erscheint, die Stadt Stanislau zu vertreten. Der Polenklub wird aufgefordert, darauf zu achten, daß Herr Rauch den Klub nicht' kompromittiere.“ Man erkennt daraus, daß die galizische Assimilation die Vertreter hat, die sie verdient. PapfeUNachPichfen. Sitzung des westösterr. Zentralkomitees. Sonntag, den 14. d. M., 2 Uhr nachmittags, findet im Saale IX., Türkenstraße 9, eine Sitzung des zion. Zentralkomitees;;ür Westösterreich statt. Mitteilungen des innerösterr. Distriktkoni itees. Ordentlicher Distriktstag. (28. Jänner 1912.) Bericht. Da von Seiten mehrerer Vereine des Distriktes der Wunsch geäußert wurde, ausführlicher über ihre Tätigkeit zu berichten, erscheint der von Seiten des DK. dem DT. vorzulegende Bericht über die abgelaufene Amtsperiode erst in Nr. 4 der „Jüd. Ztg.“ vom 26. d. M. Doch werden die Vereinsleitungen darauf aufmerksam gemacht, daß ihre Tätigkeitsberichte sowie die Fragezettel über die statistischen Daten nur bis spätestens Mittwoch den 17. d. M. entgegengenommen werden können. Später eiulangende Schriftstücke werden unter keinen Umständen berücksichtigt. Der Bericht wird jedem Delegierten des innerösterr. DT. zugehen. Es ist notwendig, daß Namen^und Adressen der Vereinsvertreter ehestens dem DK. bekanntgegeben werden. Statutenänderung. Die notwendigen Aenderungeri der geltenden Distriktsstatuten im Sinne des neuen Statuts für die westösterr. Landesorganisation werden in Nr. \3 der „Jüdischen Zeitung“ veröffentlicht und zur allgemeinen Diskussion gestellt. Tagesordnung. Die letzte DK.-Sitzung vom '5. d. M. hat eine Erweiterung der schon bekanntgegebenen Tagesordnung beschlossen. Außer den angegebenen Referaten wird noch ein Kultur- und Emigrationsreferat am DT. erstattet werden. Die Tagesordnung wird rechtzeitig publiziert und den Delegierten bekanntgegeben werden. Plenarversammlung des Zionistischen Zentralvereines. Dienstag, den 16. d. M., präz. 8 Uhr abends, findet (im Saale des „jüdischen V o 1 k s h e i m e s“, II., Stefaniestraße 12, eine Plenarversammlung des Zionistischen Zentral Vereines statt. Tagesordnung: 1. Vorbesprechung für die Generalversammlung vom 1. Februar 1912; 2. Delegiertenwahlen für den ordentlichen innerösterr. DT.; 3. Eventualia. Die Einladungen für diese Plenarversammlung gehen gleichzeitig mit den Einladungen für die Generalversammlung 1912 den ordentlichen Mitgliedern des „Zionistischen Zentralvereines“ mittels Post zu. Parteikataster. Der vom innerösterr. DK. im Vorjahre angelegte Parteikataster bedarf der notwendigen Ergänzungen für das Jahr 1912. Es ergeht daher an sämtliche Vereine des i.-ö. Distriktes die Aufforderung, gleichzeitig mit dem Fragezettel eine vollständige Mitgliederliste einzusenden. Die Leitungen der studentischen Korporationen werden ersucht, in diese Mitgliederliste auch die außerhalb Wiens wohnenden Mitglieder, insbesondere aber Namen und Adressen aller Alten Herren bekanntzugeben. Es wird um genaues und vollständiges' Material gebeten, umsomehr, als der innerösterr. Kataster die Grundlage des Parteikatasters bilden soll, welchen das Zionistische Zentralkomitee für Westösterreich anzulegen im Begriffe ist. Hebräische Sprachkurse. Nach einer kurzen Pause wurde in den Wiener hebräischen Sprachkursen mit Beginn 1912 wieder die Tätigkeit aufgenommen. Es finden zur Zeit folgende Kurse statt: 1. Kinderkurse, wöchentlich dreimal (Sonntag 10—11, Mittwoch 5—6, Samstag halb 6 - halb 7 Uhr); 2. Anfängerkurse für Erwachsene, wöchentlich dreimal (Dienstag, Mittwoch, Samstag von halb 8-9 Uhr); 3. Kurse für Fortgeschrittene, wöchentlich dreimal (Sonntag von 11 —halb 1, Montag und Donnerstag von halb 8—9 Uhr). Ort: Talmud Thoraschule, 11., Malzgasse 16. Monatliches Honorar K 6.— (ev. Begünstigungen). Teilnehmer für neue Kurse wollen sich schriftlich beim Zionistischen Distriktskomitee für Innerösterr., IX., Türkenstraße 9, unter Angabe ihrer freien Stunden melden. Die zionistische Organisation und die Basler Lebensversicherungsgesellschaft. Das A. C. hat mit der Basler Lebensversicherungsgescllschaft unter dem 14. 21. Dezember 1911 einen Vertrag abgeschlossen. Auf Grund dieses Vertrages errichtet die Basler Lebensversicherungsgesellschaft in Basel eine jüdische Abteilung, welche sämtliche von der Basler Lebensversicherungsgesellschaft mit Juden auf der ganzen Erde abgeschlossenen Versicherungsverträge umfaßt. Die Basler Lebensversicherungsgesellschaft hat sich dem A. C. gegenüber verpflichtet, allen Versicherten und auch der Zionistischen Organisation eine Reihe genau stipulierter Vergünstigungen zukommen zu lassen. Schließlich hat sich die Basler Lebensversicherungsgesellschaft auch verpflichtet, unter gewissen Voraussetzungen einen Teil ihrer Prämienreserven aus den jüdischen Versicherungen der Türkei in Palästina anzulegen. Der zionistischen Organisation steht auch jederzeit das Kontrollrecht über den Stand der jüdischen Abteilung der Basler Lebensversicherungsgesellschaft zu. Der Abschluß dieses Vertrages sichert also jedem jüdischen Versicherten der Basler Lebensversicherungsgesellschaft in Basel, ganz gleichgültig, in welchem Lande er wohnt, die vertragsmäßige Vergünstigung zu und wird gleichzeitig für unsere Organisation zu einer immer wachsenden Einnahmequelle werden. Unter diesen Umständen dürfte es keinem Zweifel unterliegen, daß der Abschluß dieses Vertrages überall sympathisch aufgenommen werden wird, und daß die Basler Lebensversicherungsgesellschaft in Basel auf das Entgegenkommen und die Mitarbeit unserer Freunde rechnen darf. Den Interessenten erteilt das Zionistische Zentralbüro sowohl als auch die Basler Lehens- . Versicherungsgesellschaft in Basel auf Wunsch jederzeit ausführliche Auskunft. Ein mepfwürdiger Vorgang. Wir erhalten folgende Zuschrift: Im Protokoll der letzten Sitzung des Wiener Kultusvorstandes erscheint im „Einlauf“ folgendes : „Mitteilung des Vereines „Adaß Jisroel“ über die vom Landesschulrate erfolgte Erledigung seiner Beschwerde über die Außerachtlassung des Erlasses des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht ddo. 19. Feb. 1876, Z. 1683, betreffend Schreibzwang der jüdischen Schulkinder am Samstag und israel. Feiertagen, seitens einzelner Schulleitungen und Dank an den Kultus Vorstand für die Unterstützung dieser Aktion.“ Aus dem Amtlichen ins Deutsche übersetzt heißt das: Die Leiter einzelner Wiener Schulen haben die Kinder frommer jüdischer Eltern gezwungen, am Sabbath schriftliche Arbeiten zu leisten, trotzdem ein solcher Zwang nicht ausgeübt werden darf. Der Verein orthodoxer Juden. „Adaß Jisroel“ hat beim Landesschulrate Beschwerde erhoben. .Dieser Beschwerde wurde stattgegeben und der Verein dankt der