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Jüdische Zeitung · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 jUDlSCHE ZEITUNG Nr. 2 Kuiiusgcmeir.de, weil diese ihn bei der Aktion „unterstützt'*' hat. Der Kultusvorstand repräsentiert die Behörde, welche Kultusinteressen der Juden inv allgemeinen und allen anderen Behörden gegenüber zu wahren hat. Der Wiener Kultusvorstand wählt den bequemeren Weg. Er überläßt die Austragung solcher Angelegenheiten, also die Ausübung der ihm als einer Behörde zukommenden Funktionen privaten V e r^ einen und begnügt sich, diese Vereine hiebei zu „unterstützen“. Der Dank für diese „Unterstützung“ — in Wirklichkeit stellt er die denkbar größte Frozzelei vor — kommt ins Protokoll. Es wäre übertrieben, wenn man unseren Herren Kultusräten verbieten würde, sich zu blamieren. Aber eines kann man verlangen: Sic sollen mit ihren Blamagen nicht protzen. Aus dem jüdifciien Leben. Eröffnung des jüdischen Altersversorgungshauses in Czernowitz. Die Judengemeinde in Czernowitz und mit dieser die Czernowitzer Judenschaft hat am Sonntag, den 31. Dezember v. J. eine denkwürdige Feier -begangen. Denn das von der Judengemeinde über Iniative und -durch rastlose Tätigkeit ihres unermüdlichen Präsidenten, des Reichsratsabg. Herrn Dr. Straucher, erbaute Heim für alte, arme, erwerbs- und arbeitsunfähige jüdische Greise und Greisinnen ist eröffnet und seiner Bestimmurfg zugeführt worden. Herr Dr. Straucher, dessen Schaffenskraft und aufopferungsvolle Fürsorge für seine hilfsbedürftigen Stammesgenossen bewunderungswürdig ist, hat das sechzigjährige Regierungsjubiläum des Kaisers zum Anlasse genommen, um ein soziales Werk ins Leben zu rufen, um für verlassene alte Leute, die ja sonst zugrunde gehen würden, zu sorgen. Der 31. Dezember 1911 war ein Ehrentag für die Judengemeinde Czernowitz, für die Czernowitzer Judenschaft aber insbesondere für unseren Gesinnungsgenossen Dr. Straucher! Die Feier, welcher die Vertreter aller Kreise der Bevölkerung und alfer Behörden beiwohnten, nahm einen überaus würdigen Verlauf. Zur Aufhebung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages. Der russische Berichterstatter der „Welt“ schreibt: „Die Erbitterung über die Schlappe, die sich das offizielle Rußland in der amerikanisch-jüdischen Paßfrage holte, greift immer mehr um sich. Natürlich richtet sie sich in erster Reihe gegen „die geschworenen Blutfeinde Rußlands“, „die internationalen Ränkeschmiede“, die den Konflikt mit den Vereinigten Staaten heraufbeschworen hätten — die Juden. Seit der offiziellen Kündigung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages hört man in „patriotischen“ Kreisen nicht auf, sich den wüstesten antisemitischen Ausfällen zu ergehen. Diese Wut wird durch das Bewußtsein der eigenen Machtlosigkeit womöglich noch gesteigert. Die schmetternden Fanfaren, mit denen Gutschkow und Konsorten den Zollkrieg gegen Amerika ankündigten, haben ihre Wirkung ganz verfehlt. Die Lächerlichkeit und Nutzlosigkeit dieser hochpolitischen Aktion liegt bereits auf der Hand. Die wichtigste Industriellenorganisation des Landes, der Vorstand der sog. Konferenzgemeinschaft für Handel und Industrie, hat sich einmütig gegen den Antrag Gutschkow ausgesprochen. — Wie aus Warschau unter dem 29. Dezember telegraphisch berichtet wird, haben sich die großen Firmen der Stadt Lodz, dieses wichtigsten Zentrums der Textilindustrie des Landes, an Dumaabgeordneten Jukowskv mit dem Ersuchen gewandt, gegen den geplanten Zollkrieg anzukämpfen, da mit der Erhöhung der Zölle auf amerikanische Baumwolle die zurzeit in Lodz herrschende wirtschaftliche Krise in eine förmliche Katastrophe übergehen könnte. Die einmütige Ablehung, di*, die Gutschkowsdien Pläne in den maßgebenden Industriekreisen, wie auch in der unabhängigen Presse erfuhren, schreckten aber gewisse wackere Vaterlandsretter nicht ab. So hat denn die Chersoner Landschaftsverwaltung (Zemstwo) den mutigen Beschluß gefaßt, den allseitigen Boykott der amerikanischen landwirtschaftlichen Maschinen durchzusetzen. Gegen diesen weisen Beschluß sprach sich indes sogar das erzreaktionäre Mitglied des Staalsrates Ofrosimow in der ultrapatriotischen „Nowoje Wremja“ aus. Bedeutet sonach der oktobristische Antrag in politischer und volkswirtschaftlicher Beziehung einen Schlag ins Wasser, so hat er doch seinen Urhebern gewisse patriotische Lorbeeren und das uneingeschränkte Lob der „Nowoje Wremja“ — und dies will heutzutage für eine politische Laufbahn in Rußland etwas bedeuten! — eingebracht. Dies genügte, um eine andere staatserhaltende Partei, unsere famosen „Nationalisten“, zu einer verwandten patriotischen Aktion zu veranlassen. Am 27. Dezember brachte die Nationalistenf/aktion in der Reichsduma einen Antrag ein, der in zollpolitischer Beziehung den vorangegangenen Antrag der Oktobristen nur erweitert. Den Reiz der Neuheit hat diese Enunziation nur insofern, als sie die völlige Sperrung der russischen Grenze vor den amerikanischen Bürgern jüdischer Nation, welche Stellung in der Gesellschaf t s i e i m m e r e i n n e h nt e n, und w e 1chen Beruf sie immer ausüben mögen, v e r 1 a n g t. Das nationalistische Elaborat sieht eher einem schneidigen Flugbiatte als einer sachlichen politischen Auseinandersetzung ähnlich. Weitläufig wird hier ausgeführt, daß der russisch-amerikanische Konflikt lediglich den Haß der Juden gegen Rußland, der Agitation der Juden und der Judenpresse zu verdanken sei; daß die Juden viel schädlicher seien, als ausländische Zigeuner und Jesuiten, die ja gleich-, falls in Rußland nicht zugelassen würden; daß der russisch-amerikanische Handelsvertrag eigentlich für Rußland nie vorteilhaft gewesen wäre usw. usw. Sehr bezeichnend für die im Zusammenhänge mit dem amerikanischen Konflikte herrschende Stimmung sind die Auslassungen des Abgeordneten Schubinsky. Der ausgezeichnete Oktobristenführer kritisierte scharf das Verhalten der Industriellen dem Gutzkowschen Antrag gegenüber, und warf ihnen Mangel an Patriotismus, der sie nicht sehen lasse, daß der Konflikt Zeugnis von der jüdischen Gewaltherrschaft in Amerika ablege. „Der Handel Newyörks liegt in jüdischen Händen. Nun wollen unsere Industriellen offenbar diesen Volksstamm auch in der russischen Industrie und im russischen Leben haben. Ohnmächtig, die Grenze des Ansiedlungsrayons zu sprengen, wollen die Juden den Ansturm über Amerika versuchen. Wir haben aber genug der unheilvollen Erfolge der Juden im russisch-japanischen Kriege, jetzt sind wir stärker. Wir haben den Feind erkannt und wissen, wie ihn zu bekämpfen.“ Schubinsky sucht ferner unter Bezugnahme auf die herrschenden Gesetze nachzuweisen, daß die nach Amerika ausgewanderten und dort naturalisierten russischen Juden, im Falle der Rückkehr nach Rußland, mit der Verbannung nach Sibirien bestraft werden müßten. Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler. Die konstituierende Versammlung dieses Vereines findet am 17. d. M., 8 Uhr abends, im Jüdischen Volksheim (II., Stefaniestraße 12) statt. Alle Gesinnungsgenossen, bei welchen die Voraussetzungen dies § 4 der Statuten zutreffen, werden hiemit eingeladen, an dieser Versammlung teilzunehmen und ihren Beitritt •zum Verein anzumeldien. § 4 der Statuten lautet: Mitglieder des Vereines können Personen jüdischer Nationalität werden, welche a) eine Hochschule absolviert haben, oder b) ordentliche Hörer einer Hochschule waren und das 24. Lebensjahr erreicht haben. Als Zweck des Vereines gibt das Statut an: Förderung des jüdisch-nationalen Bewußtseins der Mitglieder, Förderung der zionistischen Bestrebungen, Erweiterung des Wissenskreises der Mitglieder durch Veranstaltung von Vorträgen und Schutz der wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder. Der Verein hat wohl seinen Sitz in Wien, die Proponenten hoffen jedoch, daß auch die außerhalb Wiens wohnenden Gesinnungsgenossen dem Verein beitreten werden. Beitrittserklärungen werden vorläufig zu Händen des G g. Dr. Jakob Ehrlich, I., Neuthorgasse 15, erbeten. Erster zionistischer Frauenverein. Sonntag, den 21. Jänner 1912, 5 Uhr nachmittags, findet im Hotel Kontinental, II., Taborstraßs 2, eine FEST-VERANSTALTUNG zugunsten ehr Informationsbüros für Palästina statt. Programm: Künstlerische Darbietungen von Kindern: Trio Morini. Klara Meiser (Tanz und Gesang); Mimi Pollak (Deklamation); Mizzi Wiegenfeld (Charakter-Tänzerin); KI. Wurzel (Bedagedichte); Kinderreigen, ausgeführt von Heimannsschülerinnen. Karten ä K 2, 3 und 4 sind zu haben: Zionistisches Zentrafbüro, IX., Türkenstraße 9, Jüdisches Volksheim, II., Stefaniestraße 12, Cafe City, IX., Porzellangasse und bei der Kassierin des Vereines Frau Berta Rappaport, II., Roten Sterngasse 6. Der Zweck der Veranstaltung macht es allen Parteigenossen zur unbedingten Pflicht, für einen zahlreichen Besuch dieser Veranstaltung Sorge zu tragen. Vereinsnatfiririiten. Wien. (Jüdischer Turnverein Favoriten. Sitz: Cafe Favoriten, X., Favoritenstraße 67.) Sonntag, 14. Jänner 1912, findet im Turnlokale, X., Erlacligasse 131, ein geselliger Nachmittag mit turnerischen Vorführungen statt. Nach Schluß der Vorträge Tanz. Beginn halb 4 Uhr. Gäste herzlichst willkommen. Der Turnrat. Wien. („Ivriah“, hebr. Konversationsklub, 11., Stefaniestraße 12.) Mittwoch, den 27. Teweth, der junge Maler, Herr Paley, vom „Bezalel“, Jerusalem:. Dapim achadim mipinkaso schel zair arzi-jisr’eli. Wien. (Akademischer Verein „Jüdische Kultur“.) Dienstag, den '16. [Jänner 3912, Veranstaltet der Akad. Verein „Jüdische Kultur“ im zionistischen Zentralverein (IX., Türkenstraße 9) einen Vortragsabend, an dem der bekannte Schriftsteller L. Chasonowicz über die „Jüdische Presse“ sprechen wird. Beginn halb 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfen-Verbbnd, 11., Taborstraße 20, Souterrain.) Dienstag, den 16. d. M., findet im Verbandslokale ein Vortrag des Herrn Bürgerschullehrers Isidor Faltit s c,h e k statt. Thema: „Heinrich Heine“. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (I. Wiener Jüdischer Turnverein.) Der ,Verein veranstaltet Sonntag, den 14. d. M„ im Turnsaale, IX., Liechtensteinstraße 20, ein Wet turnen der Zöglinge, das der jüdischen Oeffentlichkeit Gelegenheit geben soll, sich von den Fortschritten unserer Jugendabteilung zu überzeugen. Beginn 9 Uhr Vormittag. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den IS. Jänner 1912, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Adolf Alt mann aus Salzburg statt. Thema: „Die Juden in Alt-Salzburg bis zu ihrer Vertreibun g.“ Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Der Verein jüdischer Hochschülei Mensa academica Judaicä, IX., Pramergasse 31, veranstaltet am 30. Jänner 1912 im großen Beethovensaale (ehern. Militärkasino) eine Akademie mit anschließendem Ball. . Durch die Zusage bedeutender Kunstkräfte verspricht das Programm auserlesen und der Abend seiner ganzen Anlage nach ein Ereignis im Wiener Faschingskalender zu werden. Wien. (Neß Ziona). Dienstag, den 16. Jänner 1912 findet im Vereinslokale, II., Stefanicstraße 12 (Jüdisches Volksheim), die Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht; 2. Referat überden Parteitag; 3. Bericht des Kassiers; 4. Bericht der Revisoren; 5. Antrag auf Auflösung und Anschluß an den Zentralverein; 6. Eventuelle Neuwahlen; 7. Eventuallia. Lemberg. Der jüdi-akad. Verbindung „Hasmonäa“ ist es gelungen, Prof. Werner Somb a r t für einige Vorträge in Galizien zu gewinnen. Prof. Sombart wird in der nächsten Zeit nach Galizien kommen. Spenden für das jüdische Volksheim. Salo Kleiner K 2.-, J. S. Liggy K 5.-, B. Herrmann, London K 2.50. ZWNOSTENSKB JBNKfl ElülflüE WIEN, L Herrnnasse Nr. 12. EUKKEfl uf BMrL Aktienkapital und Reserven: 100 Millionen Kronen. Wechselstuben I-, Herreng. 12, II.. Praterstr. 24, IV., Favoritenstr. 4, VII., Mariain Wien: hilferstr. 84, X., Favoritenstr. 95, XVI., Neulerchenfelderstr. 41. Kulante Besorgung aller Bank- und Börsentransaktionen. Stahlkammern mit vermietbaren SAFES. Abonnement von K7.— an. S VERZINSUNG I fil gegen BanKsctfiuldversilirBibünaen: *1 2 Zentrale in Prag, gegründet 1868. — Filialen: Brünn, Budweis* Friedek-Mistek, Iglau, Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg, Melnik, Olmütz, Mähr.-Ostrau Pardubitz. Pilsen, Pilsek. Proßnitz. Reichenberg Tabor, Triest.

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