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Jüdische Zeitung · 1911-12-22 · 51 (22.12.1911) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sc::-? 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 51 Agitationstätigkeit der ZK.-Mitglieder. In der Berichtszeit haben die' Mitglieder Ado’.? Böhm gesprochen in Mähr.-Ostrau, Graz, Göding, Lundenburg, Lemberg, Rzeszow, Stanislau. Wien; Artikel veröffentlicht in „Welt“, „Jüdische Zeitung“, ,,Selbstwehr“, „Palästina“, Festschrift „Jeschurun“: Almanach in polnischer Sprache. Broschüren verfasst: „Der jüdische Nationalfond“. Dr. Emil Margulies. Gesprochen in Prag, Aussig, Teplitz, Pilsen Brüx, Trautenau. Artikel veröffentlicht in „Selbstwehr“. „Jüdische Zeitung“. Dr. A b e 1 e s, gesprochen in Graz, Proßnitz, Troppau, Wien, geschrieben in „Welt“, „Jüdische Zeitung“, „Jüd. Almanach“, Festschrift „Jeschurun“. Dr. Singer, gesprochen in Prag, Kolin, Artikel veröffentlicht in „Selbstwehr“. Dr. Stein, gesprochen in Graz, Stockerau, Wien, Gaya, Ung.-Hradisdi, geschrieben in „Palästina“, „Jüdische Zeitung“. Fritz Löw, gesprochen in Boskowitz, Brünn. Geschäftsabwicklung. Das ZK. hat in der Berichtszeit sechs Plenarsitzungen abgehalten, von denen eine in Mähr.- Ostrau, sämtliche anderen in Wien stattfanden. Das ZB. hat an die Mitglieder des ZK. 32 Zirkulare versendet. Die Zahl der Geschäftsstücke betrugen im Einlauf 258, im Auslauf 612. Seit 1. Jänner 1911 wurde uns vom innerösterr. DK. dessen Schriftführer Herr Ingenieur Groag zur Verfügung gestellt und hat derselbe in unserem 'Bureau im Verein mit dem Präsidenten des ZK. die Korrespondenz geführt. Bei unseren Sitzungen in Wien fungiert er auch als Protokollführer. Budget des ZK. Ober das' Budget des ZK. wird ein besonderer Bericht erstattet werden. Im Jahre 1910 war es mit dem Schekelabzug von K 2112.72 dotiert. Im Jahre 1911, in welchem der Schekel voll abgeführt wurde, bewilligten die DK.s einen Betrag von je 50 K im Monat, d. i. insgesamt K 1800. Nachdem der -Betrag des DK. Innerösterreich! in Natura verrechnet :wurde, hatte das ZK. nur mit einer Bareinnahme von K 1200 zu rechnen. Trotzdem konnte die gesamte Arbeit klaglos abgewickelt werden. Organisation. Die Zahl der Vereine betrug am 15. Dezember 1911: Innerösterreich 29, Böhmen 31, Mähren-Schlesien 28. -‘Neue Vereine oder Gruppen sind ratstanden:' In I.-Oe. in Wien, Klosterneuburg und Klagenfurt. In Böhmen: Falkenau a. d. Elbe, Königsberg, Warnsdorf, Außig (Verein Theodor Herzl), Reichenberg (Volksverein). In Mähren-Schlesien: Ung. Hradisch, Lundenburg, Teschen, Gaya, Kremsier. An Schekel wurde dem ZK 1910 übermittelt : Böhmen K 1700.— Mähren K 1544.40 Inn.-Oesterr. K 1029.80 K 4247.20 Hiervon wurden 55 % <!• i. K 2361.48 an die Zentrale abgeliefert, während 45 “o K 2112.72 für das Budget des ZK, als einzige Einnahmequelle verwendet wurden. fm Jahre 1911 wurden sämtliche Eingänge an Schekel vom ZK ohne jeden Abzug an die Zentrale gesandt. Durch die Hand des ZK gelangten 1911 an die Zentrale: Von Böhmen Kronen 2280, von Mähren K 2160.—. Inklusive direkter Zuweisungen der einzelnen DKs langten insgesamt beim Hauptbureau ein: aus Böhmen: .(Mark d. s. Schekel) 2451.76 Mähr. .Schlesien „ 2038.91 Inner-Oesterreich „ 1487.50. 5978.11 Innerösterreich hat insgesamt K 2557.80 gesammelt, und für den Rest einen Zahlungsaufschub erlangt. Die nicht voll abgeführte Sum- . me der in Westösterreich 1911 eiijgehobehen Schekelgelder beläuft sich daher insgesamt auf M. 6658.61 (d. s. K 7858.—), der höchste Ertrag den unsere Organisation jemals aufgebracht hat Dieser Betrag übersteigt jenen, welcher von ganz Oesterreich im letzten Jahre des Bestandes der gesamten österreichischen Organisation gesammelt wurde (1907: M. 4719.11, wovon nur M. 2612.65 abgeführt wurden). Das ZK hat an alle Vereine und Vertrauensmänner einen von Gg. Dr. F r i ed mann, Troppau verfaßten ausführlichen 36 (Punkte umfassenden Fragebogen gesendet, dessen Beantwortung ein reiches Material zu einer Statistik und einem Gesamtüberblick über. die Organisation ergeben wird. Da die Antworten noch nicht alle an das ZB eingelangt sind, so kann das Material erst nach dem ZT veröffentlicht werden. Die Fortschritte der zion. Arbeit sind vor allem der Tätigkeit der drei Distriktskömitees und einzelner besonders rühiger Vereine zuzuschreiben. Speziell hervorheben ' wollen wir außer den oben genannten Aktionen: Distrikt Innerösterreich: Die erfolgreiche organisatorische Tätigkeit des DK, die zur Neugründung dreier Vereine und zur Verdopplung der Mitgliederzahl des „Zion. Zentralvereines“ führte, die Anlage eines Parteikatasters, der öffentliche Vortragszyklus im „Zion. Zentralverein“ (Dr. Pasmanik, Dr. Mossinsohn, Dr. Levin), die vorzüglich geleitete imposante Massendeputation galizischer, Schanker, die Palästinahochschulkurse des Vereines „Theodor Herzl“ und die Gründungsfeier des Vereines „Bar K o c hb a“ verbunden mit einer Bezaleausstellung und 1 der Herausgabe des „Jüdischen Almanachs."' . Distrikt Böhmen: Die fruchtbringende Orgänisationsarbeit des DK, die zur Gründung einer Reihe neuer Ortsgruppen geführt hat, das Stiftungsfest der Verbindung „Bar iss ia“, verbunden mit der Neuherausgabe des Protokolls über den I. Zionistenkongreß, die intensive Arbeit auf dem Gebiete der Ideenpropaganda — insbesondere Vorträge von Buber, Salten, Bab u. a. — und der Presse („Selbstwehr“, „Zion-Briefe), seitens des Vereines „Bar Ko c hba“, und die rührige Agitation einzelner Parteileitungsmitglieder, besonders der Herren Gg. Ernst Bechert, Prof. Engel, Dr. Emil Margulies u.|a. m. Distrikt Mähre n-S c h 1 e s i e n. Die vom DK mit großem Erfolg veranstalteten Ausstellungen des Bezalel, des Gründungsfestes des Vereines , ,J e s c h u r u n“ (Troppau), verbunden mit der Herausgabe einer Festschrift und die vorbildliche Zusammenfassung und Organisierung der zionistischen Kräfte im Distrikt. Schlußbemerkung. Im Allgemeinen ist der große Aufschwung des zionistischen Lebens in Westösterreich nicht nur an der großen Schekelzahl zu erkennen, sondern er zeigt sich auf allen Gebieten aufs deutlichste. Namentlich ist das Interesse der nichtzionistischen Kreise für Palästina ganz besonders gestiegen, so daß in der Berichtszeit eine ganze Reihe größerer Zuwendungen aus solchen Kreisen für unsere palästinensischen Institutionen zu verzeichnen sind. Auch in nichtjüdischen Kreisen ist das Interesse für die zionistische Bewegung im Wachsen begriffen, wovon auch verschiedene Vorträge, die von hervorragenden Nichtzionisten gehalten wurden, Zeugnis ablegen. Es ist kein Zweifel, daß bei einer regen Tätigkeit ein weiteres sehr kräftiges Erstarken und Anwachsen des Zionismus in Oesterreich zu erwarten ist. Prager Brief. (Von unserem Korrespondenten.) (Die Affaire, an der Handelsakademie.) An der Prager deutschen Handelsakademie hat sich ein' Vorfall ereignet, der dank der energischen Sprache unseres Bruderblattes „Selbstwehr“, die gesamte Oeffentlichkeit in Entrüstung versetzt und die Einleitung einer Aktion zur Beseitigung der gerügten antisemitischen Zustände zur Folge gehabt hat. Die Handelsakademie wird vom Prager Handelsgremium, in dem natürlich zahlreiche Juden isitzen, erhalten und verwaltet. Der Leiter der Anstalt ist Regierungsrat Ried, ein Mann von prononziert klerikaler und antisemitischer Gesinnung. Trotzdem — vielleicht gerade deswegen — kann er an der Anstalt schalten und walten, wie es sein Herz begehrt, antisemitische Lehrkräfte werden protegiert,, Juden werden nicht angestellt oder mindestens auffällig übergangen. Das ist nicht neu; aber es fehlte bisher immer ein sichtbarer Anlaß, den Herrn Regierungsrat an den Pranger zu stellen. Vor einigen Wochen aber war der Herr Direktor unvorsichtig genug, sich in der Betätigung seiner antisemitischen Anschauungen eine' Blöße zu geben. Ein Schüler, der ganz gut wußte, wie man sich -nach oben hin lieb Kind macht, schrieb in einem deutschen Aufsatz, die Juden seien „eine Pestbeule am Leibe der Nationen, vor allem schädige die in ihren Händen befindliche Presse die Interessen der Külturmenschheit.“ Der Professor, dem dieser Aufsatz eingereicht wurde — Hiller mit Namen — war nicht dümmer als sein Zögling, auch er wußte, was im Direktionszimmer gefällt, er schrieb mit .roter Tinte neben die Weisheitssprüche seines Schüelrs „Sehr r i c h,t i g“ und klassifizierte die Arbeit mit „Vorzüglich“; außerdem las er die Arbeit als eine Musterleistung in einer anderen Klasse vor. Einige Schüler hatten‘den Mut, sich beim Direktor zu beschweren; aber dieser hatte nur den einen Wunsch, die unangenehme Sachezu unterdrücken, und er vertuschte «die ganze Affaire, so gut er konnte. Einzelne Nachrichten kamen aber doch in die Oeffentlichkeit und tschechische Zeitungen brachten Anspielungen und Notizen. Nur die liberale deutsche Presse schwieg sich'konsequent aus; vor allem darf das Prager Tagblatt, das Organ :der deutschen Israeliten, doch seine antisemitischen Gönner, wenn sie Regierungsrite sind, nicht vor den Kopf stoßen. Als aber di e „S e 1 b s t w e h r“ in einigen scharfen Artikeln die jüdische Kaufmannschaft zur Selbsthilfe aufrief, wurde, auf Betreiben der aufgerüttelten jüdischen Kreise, vom .Gremium eine Untersuchungskommisiion eingesetzt, die tatsächlich belastendes Material zutage förderte. Trotz des berechtigten Verlangens, die Resultate der Untersuchung veröffentlicht zu sehen, hat aber die Kommission ihren Spruch nicht veröffentlicht und es wird eine neue Aktion eingeleitet werden müssen, damit man sich Sicherheit verschaffen kann, daß der antisemitische Schlendrian an der Handelsakademie geordneten Verhältnissen weiche. Es ist erfreulich und bezeichnend, daß die gesamte Oeffentlichkeit die Beschwerden der bewußtjüdischen Kreise voll gebilligt hat. ParteisNachrichten. Mitteilungen des innsrösterr. Distriktskömitees. III. Westösterreichischer Zionistentag. ' (Brünn, '25. und 26. Dezember.) Die Beratungen beginnen am ■ Montag, den 25. Dezember, 10i/i Uhr vormittags. Es ist unerläßlich, daß sämtliche Delegierten schon bei der Eröffnungssitzung anwesend sind. Der Eintritt in den Verhandlungssaal ist nur auf Grund des Erkennungszeichens (blau-weiße Rosette) gestattet, das gegen Vorweisung der Legitimationskarte im Bureau des Zionistentages an die Delegierten ausgefolgt wird. Bureau des III. Zi o n ist en t ages. Das Z.B. für Westösterreich hat unter Leitung des Brünner Kreisöbmannes, Gg. Doktor Albert Schönhof, für den Z.T. ein Bureau installiert, das sich im Gebäude der städt. Redoutensäle befindet. Dortselbst werden alle Auskünfte erteilt, die Abzeichen an die Delegierten ausgefolgt, Eintrittskarten für die Gäste abgegeben und den (auswärtigen .Besuchern des Z.T. die vorgemerkten Wohnungen angewiesen. Das Bureau wird Montag, y28 Uhr früh geöffnet. Alle Anfragen sind bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich an Herrn Dr. Albert Schönhöf, Brünn, Franziskanergasse 7 zu richten. Legitimationskarten für die.innerösterr. Delegierten. -. Die noch nicht behobenen Legitimationskarten wollen bis spätestens Samstag, den 23. d. im .Bureau, IX., Türkenstraße 9, abgeholt werden. Die zur Zeit nicht in Wien weilenden Delegierten, resp. Ersatzdelegierten erhalten die Karten im Brünner Z.T.-Bureau ausgefolgt. Bus dem lüdilchen Beben. Ein jüdisches Museum in Toledo. Madrid. Ein Menschenalter lang war eines der herrlichsten Bauwerke Toledos, die einstige Synagoge' des Samuel Ben Meir Halevi, die dann zur Kirche umgewandelt wurde und „Sa. Maria del Transito“ hieß, von einem umfangreichen Gerüst umgeben. Dies Gerüst ist nun gefallen, die Restauration ist im wesentlichen beendet, und man kann die eigenartige Dekoration dieses Raumes endlich wieder in rechter ruht hatten, wurden durch das energische Ein- Weise bewundern. Die Arbeiten, die lange gegreifen des Marques de la Vega wieder aufgenommen, der hier eine Art jüdisches Museum unterbringen will. Während der Restaurations- -arbeitep fand man »eine sehr gut erhaltene, künstlerisch höchst wertvolle Dekoration, zum Teil in Holz, zum Teil in Stuck ausgeführt. Der wundervolle Raum wird möglichst die Gestalt wieder erhalten, die er als Synagoge besaß, und dann sollen hier alte hebräische Manuskripte und Miniaturen sowie Photographien nach alten jüdisch-spanischen Codices ausgestellt werden. Die Eröffnung des neuen Museums wird voraussichtlich noch im Dezember in Anwesenheit des Königs stattfinden. Die stad tische eSelbstve'walt jng in Polen und die'Juden. Petersburg. Die Reichsduma trat am 6. Dezember in die Beratung der Vorlage, betreffend die städtische Selbstverwaltung in Polen, . ein. Der. Entwurf, der pnter der aktiven und passiven Mitwirkung der fortschrittlichen polnischen Parteien zustande gekommen ist, sieht bekanntlich eine weitgehende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung von/ , In der Dumaverhandlung protestierten nun die Abgeordneten Maslenikow .(Progressist) und Schtschepkin (Kadett) gegen die Beschränkung der Rechte der Juden. Die Frage rief Erklärungen jüdischer und polnischer Abgeordneter, hervor. Abg. Jaronski (Pole) erklärte offenherzig, der Polenklub halte gegenwärtig die Erweiterung der Rechte der Juden in den polnischen Städten für unmöglich, da sie bei Aufrechterhaltung der Beschränkung der Rechte der Juden im übrigen Reiche zu einer Überschwemmung der polnischen Städte durch Juden führen würde. Die Judenfrage spitze sich jetzt auch in Polen zu. Abg. Friedmann (Jude) wies darauf hin, die Polen, die stets über Unterdrückung klagen, die Polen, die stets über Unterdrückung klagten, hätten in keiner der drei Reichsdumen Juden aus dem Weichselgfcbiet zugelassen, und sie würden auch jetzt den Ruhm des polnischen Volkes durch die Zustimmung zur Rechtsberaubung der jüdischen Bevölkerung nicht erhöhen. Die Duma beschloß, die Debatte über die Vorlage auf Montag zu vertagen.

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