Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 51 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 durch den Jüdischen Verlag, der ihre Verbreitung übernahm, herausgegeben werden. Ein Mitglied des Z. K. hat durch eine größere Spende sowohl einen erhöhten Absatz des Z o 11 s c h a nschen Werkes als auch die Herausgabe der erwähnten Broschüre ermöglicht. Um inzwischen eine kleine Agitationsschrift Zur Verfügung zu haben, veranlaßte das ZB., daß der in der Vereinigung „Bar Kochba“ Prag gehaltenen Vortrag Zollschans als Separatabdruck der „Selbstwehr“ in Brochürenform ediert werde und verbreitete dieses Heftchen zu billigem Preise. Auch in jeder anderen Richtung hat das ZB. stets auf die Wichtigkeit der Ideenpropaganda hingewiesen. Ein weiteres Gebiet der Propaganda, dem das Z. K. seine Aufmerksamkeit zuwendete, war jenes der Jugendschriften. Es wurde ein Komitee, bestehend aus den bekanntesten zionistischen Schriftstellern zur Herausgabe von solchen eingesetzt. Es hat sich aber herausgcstellt, daß bis heute noch keine geeigneten Arbeiten vorhanden sind, etwas, das auch die deutschen Zionisten, die große Preise ausgeschrieben hatten, erfahren mußten. Dieser Zustand wird sich hoffentlich im Laufe der Zeit bessern. Das Z. K. kann nichts anderes tun, als Anregungen geben. Das Jugendschriften-Komitee hat zu Pessach ein Hagad a-F 1 u g b 1 a 11 (verfaßt von Dr. Zuckermann, Bilder von Herschdörfer) ediert, das guten Absatz fand und wird in ähnlichen Publikationen fortfahren. Zu Chanuka 5672 (1911)~ veröffentlichte der Verein „Bar Kochba“' Prag ein Heftchen mit hübschen Bildern und Versen für Kinderfeste, zu dessen weiterer Verbreitung das Z. B. seine Mithilfe zugesagt hat. Mit der Berliner Zentrale hat das Z. K. vereinbart, daß das Schachtelsche Merkblatt mit den Daten für Oesterreich versehen in einer größeren Auflage pro 1912 hergestellt und daß die Propagandabroschüre von Gg. R. Lichtheim: „Das Programm des Zionism u s“, dem Z. K. zu ermäßigtem Preise überlassen wird. Außerdem hat das Z. K. wegen einer Zeitschrift. für Mittelschüler verschiedene Verhandlungen gepflogen, welche soweit gediehen sind, daß das vom Z. T. neu zu wählende Z. K. in der Lage sein wird, eine solche Zeitschrift mit geringen Mitteln ab 1. Jänner 1912 ins Leben zu rufen. Der jüdischen Jugendbewegung hat das 'Z. K. gleichfalls seine Aufmerksamkeit zugewendet und mehrfache diesbezügliche Anregungen gegeben. Hebräische Propaganda. " Das Z. K. hat mit allem Nachdruck die Propagierung der hebräischen Sprache betrieben und hat selbst die ersten Kurse in Wien eingerichtet. (Herbst 1910.) Dieselben wurden später vom D. K. für Innerösterreich jübernommen und hatten solche Erfolge, daß im Herbst 1911 fünf öffentliche und zwei interne Kurse mit zusammen SO Schülern, darunter 14 Bürgerschülerinnen der Wiener Schulen eröffnet werden konnten. Auch in der Provinz wurden an verschiedenen Orten hebräische Sprachkurse mit großem Erfolg er- . richtet. Insbesondere in Prag, wo ein yon der „Histadruth“ empfohlener Lehrer Unterricht erteilt und sich auch ein Sprachklub gebildet hat. Palästina-Propaganda. Eingehendere Besprechung müssen wir der Palästina-Propaganda des Z. K. einräumen, weil es auf dieselbe seine größte Energie verwendet hat. j Zeitschrift „Palästina“. Die erste Arbeit des Z. K. nach seiner Konstituierung war die Uebernahnifc der Zeitschrift „P a 1 ä s t i n a“, für welche es einen großen Teil seiner bescheidenen Mittel verwendete. Dieselbe erfolgte auf ' direkten Wunsch Professor W a r b u r g s, welcher die Zeitschrift wieder in den Besitz der Organisation bringen wollte und der die geeigneten Kräfte zu ihrer Leitung im Z. K. sah. Die erste Nummer der Zeitschrift, die das Zentrakomitee edierte, war jene vom 1. Juni 1910. Der Umfang der Monatsschrift wurde wesentlich verstärkt — 17 Bogen statt wie früher 15 pro Jahr — die Ausstattung verfeinert. Die redaktionelle Führung errang sich bald die ungeteilte Anerkennung. Besonders wirksam waren die Spezialnummern vom 1. Februar 1910: P. L. D. C. und vom 7. September 1911: Kongreß. Erstere wurde in 3000 Exemplaren, letztere in 2000 Exemplaren verbreitet. In seinem Bericht an den X. Kongreß bemerkte Prof. Warburg über die Zeitschrift: „Sie hat sich nach manchen Wandlungen jetzt unter der sachverständigen Leitung unserer österreichischen Freunde recht erfreulich entwickelt und entspricht den Anforderungen, die Kenntnisse Palästinas in unseren Kreisen zu . vertiefen, in anerkennenswerter Weise.“ . Die'Zeitschrift gab folgende Sonderdrucke heraus: 1. „Erwerbsaussichten für jüdische Einwanderer in Palästina“; 2. „Die Anlage von Pflanzungen in Palästina“. Beide wurden vom Palästinäamt in ‘Jaffa 'verfaßt; ferner 3. die Origenalarbeit von Chern. F r i e'd m a n n, König sberg: „Die chemische Erforschung des toten Meere s“: Die Mitarbeiterliste für die bisherigen Nummern ist die folgende: A. Aaronsonn, Dr. Hugo Bergmann, Dr. M. Bodenheimer, Adolf Böhm, Chem. A. Friedmann, Jeschüah Feldmann, Boris Goldberg. Dr. Alex. Hausmann, Dr. H. Heymann, Ing. Ernst Hiller, Dr. Eugen Katz, S. Katzprovski, Dr. Ernst Müller, Dr. Dan. Pasmanik, Dr. Pickholz, Dr. A. Arthur Ruppin, Dr. Aaron Sandler, Hugo Schachtel, Dr. Felix Teilhaber, Dr. Jakob Thon, Davis Trietsch, M. Wilkansky, Prof. Dr. O. Warburg. ’ Die Redaktion wird von Dr. Ernst M ü 1- I e r gemeinsam mit dem als Herausgeber fungierenden Präsidenten des ZK, A d q I f Böhm, geführt. Die Administration besorgt Dr. Emil Stein. Die Zeitschrift wurde mit nicht ganz 400 zahlenden Abonnenten übernommen, welche Ziffer in Jahresfrist verdreifacht wurde. Die Vereine „Zion" in Teplitz und „Jeschurun“ Troppau haben für ihre sämtlichen Mitglieder, die Vereine in Komotau und Trautenau, für ihre Vorstandsmitglieder abonniert. Für 1912 hat die zion. Vereinigung Basel für ihre Mitglieder 200 Exemplare abonniert. Das Palästina-Ressort bewilligte der Zeitschrift eine Subvention von K 300.— pro Jahr. Lichtbilder. Der Lichtbildervortrag, den das ZK schon früher ‘ erworben hatte, wurde senr stark benützt, vielfach auch nach Galizien verborgt. Da jedoch der Vortrag zu diesen Bildern nicht mehr ganz genügte, ließ das ZK einen neuen Vortrag durch Gg. Dr. Ernst Müller ausarbeiten, für welchen auch neue Lichtbilder angefertigt werden sollten. Inzwischen hat das NF-Hauptbureau in Köln — was dem ZB früher nicht bekannt war — selbst zwei Vorträge mit Lichtbildern anfertigen lassen und - dieselben zur Verfügung gestellt, so daß das ZK die Anschaffung neuer Bilder unterlassen konnte. Palästinaarbeit. Inbezug auf die Palästinaarbeit hat der II. westösterr. Zionislentag in seinen Resolutionen dem Leiter des PaFistinaressorts, Prof. Otto Warburg, sein unerschütterliches Vertrauen ausgesprochen und sich zu den von ihm vertretenen Prinzipien bekannt. Herr Prof. Warburg ist inzwischen Vorsitzender des EAC geworden. In einer zweiten Resolution sprach der ZT seine Befriedigung darüber aus, daß die von der österr. Organisation schon sei* Jahren propagierte Siedlungsgenossenschaf■ endlich ins Leben treten solle.. Für diese entfaltete die österr. NF-Sammelstelle eine große Aktion, so daß Oesterreich bei den Sammlungen für den Fond der SG an zweite Stelle rückte. Eine spezielle Aufmerksamkeit widmete das ZK der Propaganda für die PLDC, welche es für eine der wichtigsten Institutionen für die Palästinaarbeit ansah. Der Präsident des ZK wurde in das Direktorium dieser Gesellschaft gewählt und hat verschiedene Propagandareisen für sie unternommen. Die schon e-wähnte Spe- I zialnummer der Zeitschrift „Palästina“ leistete gleichfalls der Gesellschaft gute Dienste und wurde von ihr zur Propaganda benutzt. Gegemeinsam mit dem NF-Büro hat das ZK einen Shar-KIub für die PLDC begründet, doch sind dessen Erfolge nur sehr geringe. Von den einzelnen Distrikten und Vereinen wurden eine ganze Reihe von Ausstellungen für den Bezalel in Oesterreich veranstaltet, welche einen sehr guten Erfolg für denselben gezeitigt haben. Besondere Erwähnung verdient die erfolgreiche Agitationstour Dr.' B. Mossinsohns für das hebräische Gymnasium in Jaffa, für das auch Dr. Viktor Kellner verschiedene Vorträge hielt, an dieser Stelle. Es sei auch erwähnt, daß Westösterreich drei Lehrkräfte für die hebr. Gymnasien in Palästina liefern konnte. Palästina-Informationsbüro. Das vom früheren Z. K. eingerichtete Palästina-Informationsbüro funktionierte auch in der Berichtszeit in der früheren Weise und.müssen wir den Gesinnungsgenossen, welche die Arbeiten im Büro freiwillig geleistet haben, unseren besonderen Dank sagen. Es sind dies die Herren Gg. Beigel, Franzos, Menazeach, Nußbaum, Pasternak, Raps, Teitelbaum und Zinn. Das Informationsbüro wurde mit verschwindend eringen Mitteln erhalten (160 Kronen in der erichtszeit). Ueber die Tätigkeit desselben wird ein eingehender Bericht erstattet. Hier sei nur so viel erwähnt, daß der österreichische Lloyd infolge Intervention des Präsidenten des Z. K. ein weiteres .Entgegenkommen bewies, namentlich dadurch, daß er eine Filiale des Informationsbüros in Triest bewilligte. Durch das Büro ließ das Z. K. einen kleinenR e i s e f ü h r e r für Palästina edieren. Hiedurch wurde einem seit langen gefühlten Bedürfnis abgeholfen, welches darin bestand, daß der jüdische Tourist an den bestehenden Reisehandbüchern, welche systematisch alles jüdische verschweigen, keinen geeigneten Führer hatte. Das- Werkchen, welches von kompetenten Fachmännern zusammengestellt wurde, fand überall eine gute Beurteilung und erzielte auch einen ziemlichen Absatz. Das Informationsbüro . versuchte auch G esellschaf tsreisen nach Palästina zu arrangieren und es gelang ihm tatsächlich, eine solche Fahrt zustande zu bringen. Es ist zu hoffen, daß im folgenden Jahre die Zahl der Gesellschaftsreisen sich vervielfältigen wird. Presse. Das Z. K. besaß kein eigenes Organ und entsendete auch in die Organe der DKs. keine Vertreter. Die „Jüdische Zeitung“ ist in der Berichtsperiode in vorübergehende finanzielle Schwierigkeiten geraten, welchen Moment das Z. K. dazu benützen wollte, die Zeitung zu erwerben, Es war ihm jedoch trotz eifrigster Agitation nicht möglich, die erforderlichen großen Mittel auch nur annähernd zustande zu bringen. Dagegen glückte es einigen Gesinnungsgenossen, welche die „Jüdische Zeitung“ übernahmen, dieselbe wieder finanziell flott zu machen und der Innerösterreichische D. T. vom 22. Jänner 1911 erklärte das Blatt zum offiziellen Organ des Distriktes. Das D. K. für Böhmen hat sich mit Zustimmung und unter Mitwirkung des Z. K. bei dem in Prag erscheinenden zionistischen Blatte „Selbstwehr“ soweit Einfluß gesichert, daß dieses Blatt unter ständiger Kontrolle des D. K. erscheint. Das D. K. für Mähren und Schlesien gab einige Nummern seiner „M i 11 e i 1 u n g e n“ heraus. In Bezug auf die Presse hat der letzte Zionistentag die Schaffung eines Tagblattes ais wünschenswert erklärt, was übrigens schon auf dem ersten westästerreichischen Zionistentag ausgesprochen wurde. Bei der Lage der Dinge war es natürlich dem Z. K. nicht möglich, diesen Beschluß zu verwirklichen. Es wird Aufgabe des künftigen Z. K. sein, die bestehenden Organe irgendwie unter seine Oberleitung zu bringen. Kultusgemeindenaktion. Der 11. westösterr. Zionisten.ag e "klärte in seinen Resolutionen neuerdings, daß die Kultusgemeinden gewonnen und zu jüdischen Voiksgetneinden ausgestaltet werden müssen. Er sprach sich für die Eroberung des allgemeinen, gleichen und di-ekten Wahlrechtes für die Kultusgemeinden sowie für einen Gemeindebund aus, dessen Vorstand gleichfalls auf Grund dieses Wahlrechtes gewählt werden soll. Fe-p.cr wünschte er die Einleitung einer allgemeinen Waliirechtsbewegung durch das ZK, wobei die Taktik den Lokaiorganisationen überlassen bleiben möge. Doch dürften Wählkompromisse nur mit ztustimmung des DK abgeschlossen werden. . Das ZK hielt wiederholt Sitzungen wegen der Einleitung der Wahirechtsbewgung ab. doch ergäbet: sich große Schwierigkeiten für die Durchführung derselben infolge der lokalen Verschiedenheiten namentlich zwischen W'ien und der Provinz. Es wurde' daher beschlossen, zunächst Materialien für eine Aktion zu sammeln, um einerseits eine Aenderung der Judengesetzgebung in Oesterreich zu propagieren, andererseits in den einzelnen Orten bei Neuwahlen in den ‘Wahlkampf zu treten. Die Sammlung der Materialien ist eingeleitet worden, außerdem wurden in einem ausführlichen Zirkular an die zionistischen Vereine alle nötigen Daten über die einzelnen Gemeinden eingeholt. Wahlkämpfe wurden in verschiedenen Orten geführt. In Wien wurde unter Leitung des DK eine großzügige Kampagne im November 1910 absolviert, welche einen starken, moralischen Erfolg zeitigte, ferner gelang es in den Städten Bielitz (wo eine umfassende Kampagne siegreich durchgeführt wurde) Iglau, Oderberg, Teplitz und Troppau Zionisten in den Kultusvorstand zu bringen. Diverses. Der ZT sprach den Wunsch aus, daß das ZK anläßlich der österreichischen Volkszählung 1910 eine Aktion dafür einleiten möge, daß eine Rubrik „Nationalität“ in den Zählbogen aufgenommen werde. Die Führung dieser Aktion, welche eine vorwiegend politische war, wurde vom Z. K. an die jüdische Nationalpartei abgetreten. Es ist bekannt, daß die Regierung aus hochpolitischen Gründen trotz der Rechtsansehauung'hervorragender Juristen die Aufnahme dieser Rubrik ablehnte und daß jene Juden, welche als Umgangssprache „Jüdisch“ angaben, mit Strafen belegt wurden, gegen welche Rekurse an die obersten Instanzen wirkungslos blieben. Die vom Z. K. geplante Einrichtung eines Rednerbüros konnte nicht ausgeführt werdet) .weil in Westösterreich keine genügende Zahl von Rednern, die sich zu einer bestimmten Anzahl von Vorträgen bereit gefunden hätten, zu finden waren. Immerhin konnte das Z. B. wiederholt in einzelnen Fällen Redner vermitteln. Das Z. B. hat ferner die Ausgestaltung der Wiener Filiale des Jüdischen Verlages’ in Aussicht genommen.und darüber Verhandlungen geführt, die erst nach der Uebersiedlung der Ünternehmung nach Berlin konkrete Formen angenommen haben. Die Verhandlungen werden in ganz kurzer Frist ihren günstigen Abschluß finden. Für den Presse-Fonds des EAC. sowie für den Garantiefonds desselben hat das Z. K. wiederholt Aktionen durchgeführt, welche auch einen, allerdings bescheidenen, Erfolg hatten. Ueber den Nationalfond wird ein besonderer Bericht erstattet werden.