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Jüdische Zeitung · 1911-12-08 · 49 (8.12.1911) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr 49 a) Palästina (Referent: Adolf Böhm). b) Jüdischer Nationalfond . (Referent: Dr. Egon Zweig). c) Die nationalen Aufgaben dei österreichischen Juden (Referent: Dr. Jakob Ehrlich). 8. Eventualia: Für die bis spätestens 14. Dezember 1. J. vorzunehmenden Delegiertenwahlen bringen wir den Organisationen den § 9 unseres Organisationsstatutes in Erinnerung, er lautet: Am Zionistentag nehmen teil mit Sitz und Stimme : a) Die Delegierten der in den Verbandsdistrikten bestehenden zionistischen Vereine. Das aktive und passive Wahlrecht zum Zionistentag ist bedingt durch den Besitz dieses Wahlrechtes zum Distriktstag des betreffenden Verbandsdistriktes, und zwar wählen 15 bis 20 Wahlberechtigte einen Delegierten, bis 50 zwei, bis 100 drei, bis 200 vier und über 200 Wahlberechtigte für jedes begonnene Hundert einen Delegierten mehr. Die Zusammenlegung mehrerer Vereine zur Vornahme der Wahl ist nicht zulässig; b) die Mitglieder des Zentralkomitees; c) je drei Mitglieder der Distriktsleitung; d) die für Westösterreich gewählten Mitglieder des A. C. e) die Mitglieder des E. A. C. Das zionistische Zentralbüro für Westösterreich : Der Präsident: Adolf Böhm. * * * Mitteilungen des innerösterr. Distriktskonritees. Delegiertenwahlen zum III. westösterreichischen Zionisten tag. Die Wahlen zu dem am 25. und 26. Dezember 1. J. in Brünn stattfindenden III. westösterreichischen Parteitag müssen gemäß den geltenden, in vorstehender Verlautbarung des zion. Zentralbüros mitgeteilten Bestimmungen nach § 10 des zu Recht bestehenden Organisations- Statuts des Distriktsverbandes „Westösterreich“ spätestens 10 Tage vor der Tagung durchgeführt sein. ' Es ergeht somit an sämtliche Vereine des innerösterr. Distriktes seitens des D. K. die dringende Weisung, die Wahlen bis längstens 14. d. M. vorzunehmen und das Ergebnis (Namen und Wohnungsadresse der Delegierten und Ersatzdelegierten) sowohl dem i. ö. D. K. als audi dem zion. Zentralbüro, Wien, IX., Türkenstraße 9, sofort bekanntzugeben. Die gewählten Delegierten und Ersatzdelegierten erhalten eine Legitimationskarte. Nur gegen Vorweisung derselben ist der Eintritt in die Beratungssäle des Parteitages gestattet. Diejenigen Delegierten, welche eine Zuweisung von Wohnungen in Brünn wünschen, mögen dies bis längstens 18. d. M. dem D. K. bekanntgeben. Delegiertenversammlung. Für die Delegierten des innerösterr. Distrikts ist noch in Wien eine Zusammenkunft in Aussicht genommen, bei welcher die Tagesordnung des Zionistentages diskutiert und die Vorschläge für die Wahlen in das Prisidialbüro, in den Permanenzausschuß und die anderen Ausschüsse des Parteitages fixiert werden sollen. Die Einladung für diese Delegiertenversammlung erfolgt auf schriftlichem Wege. Plenarversammlung des zionistischen Zentralvereines in Wien. Donnerstag den 14. d. M., präzise 8 Uhr abends, findet im großen Saale des „J ü d i; sehen Volksheimes“, II., Stefaniestraße Nr. 12, eine ordentliche Plenarversammlung des „Zion. Zentralvereines“ statt, bei welcher der Sekretär der zion. Parteileitung' in Berlin, Gg. Kurt Blumenfeld, über „O rganisation und Propaganda“ sprechen wird. , Im Anschluß an den Vortrag finden die Delegiertenwahlen für den JII. westösterr. Parteitag statt. Die bei der letzten Plenar- . Versammlung vom 11. Oktober 1. J. vorgenommenen Delegiertenwahlen hatten lediglich für den außerordentl. Distriktstag Giltigkeit. Zionistischer Distriktstag für Böhmen. Von unserem Korrespondenten. Am 3. Dezember hat der zionistische Distriktstag für Böhmen in Prag, im Festsaale des jüdischen Rathauses stattgefunden. Mit großer Erwartung hat die zionistische Oeffentlichkeit die Diskussion der Organisationsfrage verfolgt, die schon seit einigen Wochen in gründlicher und gewissenhafter Weise gepflogen . worden war. Es standen einander zwar nur verschiedene Auffassungen in organisatorischen Dingen gegenüber; aber das Organisatorische gab nur die Form ab für das Prinzipielle. Und es hat sich herausgestellt, daß die Majorität der zionistischen Organisationen Böhmens für jenes Prinzip einsteht, das eben im Wesen der zionistischen Organisation, ja der Organisation überhaupt begründet äst. iDer(Pistriktstag hat jene Resolution (Dr. Margulies-Resek) angenommen, die sich für die straffere Zentralisierung Westösterreichs ausspricht; der Distriktstag hat sich dann im besonderen die in dem Statutenentwurf des Herrn Dr. Emil Margulies durchgeführten — den Forderungen des Zentralkomitees entsprechenden — Grundsätze zueigen gemacht. Dadurch scheint schon jetzt der Ausgang des Brünner westösterreichischen Zionistentages (25. und 26. Dezember) vorausbestimmt. * * * An dem Distriktstage nahmen ungefähr 70 Delegierte von 25 Organisationen teil. Vom zionistischen Zentralkomitee für Westöst erreich waren alle drei Delegierten aus Böhmen erschienen. Nachdem Gg. Dr. Engel die Tagung um 10 Uhr vormittags im Namen des Distrikts? komitees eröffnet hatte, wurden ins Präsidium die Gg. Jak. Wertheimer und Max Saude k gewählt, zu Schriftführern jur. Otto Stern und ehern. Camill Kohn. Herr Dr. Margulies, Vizepräsident des Z.-K., brachte ein Begrüßungsschreiben des Z.-K.-Präsidenten Adolf Böhm zur Verlesung, worin der Sinn und die Absicht der Zentralisierung nochmals deutlich klargelegt wurde. Auch eine Begrüßung des mährisch-schlesichen Distriktskomitees lag vor. Herr Dr. A. Engel übergab mit einigen einleitenden Worten den Rechenschaftsbericht des abtretenden Distriktskomitees der Kritik der Versammlung. Dem schriftlichen Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, daß auf Grundlage der Rayonisierungsarbeit Schekelzahlergruppen in Falkenau a. E., in Königsberg und in Warnsdorfgegründet wurden. Als Bürgervereine wurden der jüdische Volksverein Theodor Herzl in Aussig und der Volksverein in Reichenberg gegründet. Eine besondere Stellung nimmt die Arbeit für den Bezalel ein. Bisher haben unsere Ortsgruppen in Pilsen, Budweis und Böhm.-Leipa Bezalelausstellungen veranstaltet — in Prag selbst wirkt ja der Prager Kunstgewerbeverein Belel —; Ausstellungen in Trautenau, Teplitz, Kolin und Karlsbad werden in Bälde folgen. Der Wert der in Böhmen für den Bezalel verkauften Erzeugnisse beträgt zirka 9000 K. Für die Siedlungsgenossenschaft wurden K 687.36, für das hebräische Gymnasium in Jaffa K 1698.87 aufgebracht. Der Kassabericht der Nationalfondskommission weist für die Zeit vom 4. Oktober 1910 bis Ende November 1911 eine Gesamtsumme von K 20.919.45 auf. Auch die Zahl der Schekelzahler hat wiederum zugenommen: 2400 gegen 1700 im Jahre 1900 und gegen 2200 im vorletzten Kongreßjahre. In der Debatte über den Rechenschaftsbericht stellten die Herren Karl Resek, Neubauer, Wittmann, E. Fleischer und Franz Steiner Anfragen, die sich auf den Kassabericht, das Verhältnis zum Z.-K. und zur „Selbstwehr“ bezogen. Das von Herrn Dr. Emil Margulies beantragte Absolutorium für das gesamte Distriktskomitee wurde einstimmig angenommen. Die Nachmittagssitzung war der Organisationsfrage gewidmet. Das bisherige Distriktskomitee erstattete durch seinen S chriftführer Herrn Ing. Slonitz ein Referat, das die Forderungen des Zentralkomitees bekämpfte und dem Wunsche nach einer strafferen Zentralisierung das Verlangen nach unveränderter Beibehaltung der absoluten Autonomi eder Distrikte entgegensetzte. Die beabsichtigte Aenderung sei formell unnötig] ,fin der historischen Entwicklung nicht begründet und widerspreche den tatsächlichen Bedürfnissen; sie führe auch zur vollen Entrechtung der Distrikte und zur Oligarchie der Wiener Leitung. Darum lehnte die Resolution des Referenten das Prinzip der Zentralisierung und im besonderen den Stätutenentwutf des Gg. Dr. Margulies-Leitmeritz als eine Privatarbeit ab. Herr Dr. Emil Margulies erstattete hierauf das Korreferat, das den gerade entgegengesetzten Standpunkt vertrat. Der Redner begründete zunächst, warum der Entwurf im prinzipiellen Teil als Vorlage des Zentralkomitees anzusehen sei. Die geforderte Organisationsveränderung sei formell absolut notwendig, weil das neue Kongreßstatut als Legislative einer Landsmannschaft nur souveräne Gesamtparteitage' anerkenne, deren Exekutive demgemäß auch souverän sein müßte; diese Exekutive, das Zentralkomitee, müsse deshalb wirkliche Machtbefugnisse erhalten, es müsse jenes System der Zentralisierung wieder Geltung erhalten, das vor dem durch die Lostrennung Galiziens entstandenen anarchischen Uebergangsstadium in Kraft stand. Ein Rückblick über die verschiedenen Entwicklungsphasen unserer Organisation erhellte die Tendenzen, die heute an der Entwicklung wirken. Scharf w u r d e d a s Schlag- 4v o rt Iv o n den lokalen {Interessen verurteilt, das mehr assimilatorischen als zionistischen Gedankengängen entstammt. Der Redner stellte zum Scliluß seines Referats die Prinzipien auf, die mit der Annahme »der Ablehnung der Z.-K.-Resolution beschlossen, resp. abgelehnt würden: 1. Unterordnung der Distrikte unter die Gesamtlegislative und Gesamteexkutive (Zionistentag und Zentralkomitee); ■ 2. Die untergeordneten Distriktskomitees haben als solche keine Vertreter im Z.-K. 3. Das Zentralkomitee hat das Recht des direkten Verkehrs mit den Vereinen. 4. Schekel und Parteisteuer sind direkt an das Zentralkomitee abzuführen, das die Distriktszuschläge ' den Distriktskomitees zurückerstattet. Es kam nun zu einer Generaldebatte, in der als Generalredner Herr Wittmann und Herr Advokat Dr. Gustav Kuh den Standpunkt des bisherigen Distriktskomitees (Resolution Ing. Slonitz), die Herren Beutler-Ko'.in und Dir. Karl Resek den Standpunkt des Zentralkomitees (Resolution Resek—Dr. Margulies) verfochten, ln der namentlichen Abstimmung wurde die Resolution des Distriktskomitees mit 33 gegen 27 Stimmen verworfen, die Resolution Dr. Margulies—Resek mit 34 gegen 26 Stimmen angenommen. Die angenommene Resolution lautet: „Der zionistische Distriktstag für Böhmen erklärt seine volle Uebereinstimmung mit der Resolution I des Zentral-Komitees vom 22. Oktober 1911 über die Notwendigkeit einer strafferen Zentralisierung dejwestösterreichischen Organisation. Er billigt die Prinzipien, auf denen der von D r. Mar- . gulies ausgearbeitete St'atutentwurf aufgebaut is t.“ In namentlicher Abstimmung wurden hierauf die Wahlen ins Distriktskomitee vorgenommen. Es wurden, ohne daß eine andere Liste aufgestellt wurde, folgende Herren gewählt: JUDr. Ludw. Singer, Fabrikant Emil Thein, Buchdruckereibesitzer . Richard Brand e i s, -Prof. J. Wertheimer, Prof. V. Freud, jUDr. Ernst Gütig und Dr. Hugo Herrmann. Als Mitglieder des Zentralkomitees präsentierte der Distriktstag dem Zionistentag für Böhmen: Ernst Becher t—Teplitz, Dr. Alfred Enge 1—Prag, Dr. Herrman H i r s ch—Komotau, Dr. Emil Margulies-Leitmeritz, Lbdwig Markus— Kuttenberg, Frau Elisabeth Perutz— Teplitz, Max Saudek in Kolin, Dr. Ludwig Singer in Prag. Zu1 Revisoren des Distrikts-Komitees wurden die Herren Karl Resek und Ignaz Karpeles gewählt. Im Namen des neugewählten Drstriktskomitees erklärte Herr Dr. Ludwig S i n g e r, daß die neue Distriktsleitung in absolut objektiver lyid positiver Arbeit dem weiteren Fortschritt der zionistischen Bewegung in Böhmen und in Oesterreich Bahn brechen wolle und hiefür die Unterstützung aller Zionisten erwarte. Nach einem Dank ans Präsidium für die objektive Leitung' der Verhandlungen wurde die bedeutungsvolle Tagung geschlossen, die besonders im zweiten Teile ein politisch reifer parlamentarischer Geist auf ein hohes Niveau sachlicher Diskussion gehoben hatte. Briefe aus dem russifdien Ghetto. Von Maxim A n i n. Wieder unter dem Schutze der Flügel des zweiköpfigen russischen Adlers. . . . Unter dem Schutze? O, nein, die Flügel haben eine andere Bestimmung — den Verrat, die Fäulnis, die Korruption, den Meuchelmord zu bedecken ■und beschirmen. Für uns Juden gilt der Schulz eben nicht. Das Ghetto spürt nur die eisernen Krallen des blutdürstigen Adlers .... Und zum Ersticken ist es hier im Ghetto vor Schmerz und Schande, vor Zorn und Verzweiflung. Der Schmerz sinnloser 1 unmenschlicher Drangsalierung. Die Schande der mit rohen! Füßen getretenen Menschenwürde. Der Zorn schuldlos Gemarterter. Die Verzweiflung der völligen. Ohnmacht, ‘der Aussichtslosigkeit, der Empörung .... Die uns Juden gegenüber durch und durch heuchlerisch-lügenhafte moderne Gesittung hat hier mit zynischer Offenheit das Feigenblatt der „Menschlichkeit“ fallen lassen. „20. Jahrhundert!“ . . . „Menschlichkeit!“ . - . Wer wagt es diese Worte ohne Sarkasmus auszusprechen

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