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Jüdische Zeitung · 1911-12-08 · 49 (8.12.1911) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49 aller Voraussicht nach bedeutender sein, als man vorläufig zu bestimmen vermag. Der Hebräertag hat bewiesen, iflaß schon jetzt in Galizien Tausende vorhanden sind, für welche die Kenntnis des Hebräischen nicht lediglich Wunsch, sondern bereits Erfüllung ist. Er hat weiters bekundet, daß sehr viele junge Elemente, die nie im Cheder gelernt haben, fließend hebräisch sprechen. Kurz: der Erfolg jahrelanger Arbeit ist plötzlich sichtbar geworden. Selbstverständlich schafft derartige Erkenntnis Mut zu weiterer Betätigung im Dienste der nationalen Idee. Die wichtigste Lehre, die man aus dem Hebräertag ziehen kann, ist, daß wir in Galizien ein ausgezeichnetes Menschenmaterial besitzen, daß die jüdischen Massen aufnahms- und bildungsfähig sind und daß es nur richtiger Leitung bedarf, um Galizien zum klassischen Lande der zionistischen Bewegung zu machen Der Hebräertag wird laut Beschluß der Teilnehmer eine beständige Einrichtung bleiben. Der erste hat alle national fühlenden Elemente des Landes, sei es als Teilnehmer, sei es als wohlwollende Förderer vereinigt. Mögen die folgenden in dieser Rallierungsarbeit fortschreiten und Zeugnis immer blühenderen Wachstums ablegen! * * ' Der Ausgang der Ersatzwahlen wird eifrig besprochen. Löwensteins Sieg und Dulembas Niederlage riefen in der polnischen Presse gemischte Gefühle hervor.. Die „Gazeta wieczorna“, das Organ der polnischen Demokraten freut sich über die „politische Reife“ der Drohobyczer Wähler, beklagt jedoch das „Unverständnis“ der Zloczower Juden. Zusammenfassend droht diese Zeitung, daß die polnische Politik den Juden gegenüber ganz andere Saiten aufziehen wird, weil es nur unverzeihliche Naivität wäre, geduldig zuzuschauen, wie die Brücken, welche man zwischen Juden und Polen baut, vom jüdischen Separatismus immer wieder vernichtet werden. Das (ist der entsprechende Lohn für Löwensteins Wahl!' Also' nicht > einmal dieses politische Harikiri hat genügt, um die polnischen Herren sanfter zu stimmen. Kaum wagt es irgendwo ein Jude mannhaft aufzutreten, sofort wird allen Juden, selbst den Hausmoschkos, die Freundschaft gekündigt und mit Repressalien gedroht. Die zionistische Presse freut sich über den Sieg des jüdisch-oppositionellen Reizes und sieht im Siege Löwensteins mit Recht keinen Sieg der Assimilation, sondern der Korruption und des Wahlschwindels. Denn auch jetzt wurde geschwindelt! Ueber 1-100 falsche Legitimationen von toten und nicht existierenden Wählern, sowie 1200 gekaufte ruthenische Stimmen haben dem' Wahlglücke Löwensteins inachgeholfen. Immerhin müssen'die zionistischen Zeitungen zugeben, daß in Bolechow Skole und in Turka viele Zionisten es an Energie im Kampfe gegen Löwenstein fehlen 'ließen. Diesen pflichtvergessenen Parteigenossen wird im „Lemberger Tagblatt“ in gehöriger Weise der Text gelesen. Ganz recht! Nur bleibe man nicht bei diesen kleinstädtischen Gesinnungsgenossen stehen! Auch die anderen, verantwortlichen sind mitschuldig, indem sie implicite .für den freien Polenklubs-Kandidaten Dr. Sega! eintraten. Sollten die jüdischen Wähler des Drohobyczer Wahlkreises sich zugunsten Segals den Schikanen der Behörden aussetzen? Ihre Psychologie bewegte sich in konsequenten .Bahnen: Wenn schon ein Moschko gewählt werden soll, dann lohnt es sich nicht mehr, alle Höllenmächte zu provozieren. In Zloczow .leisteten unsere Genossen gute Arbeit .und retteten die Ehre der jüdischen Wählerschaft Galiziens. Es muß noch hinzugefügt werden, daß sie in dieser Arbeit .hauptsächlich auf die :eigenen Kräfte angewiesen waren, da die Partei als solche, vielleicht mit einem gewissen Rechte, es vorzog, sich nicht übermäßig zu engagieren. * * * Die Tagesordnung der am 24. und 25. Dezember in Stanislau .stattfindenden X. Landeskonferenz der galizischen Zionisten lautet: Eröffnug: Adolf Stand; Wahl des Bureaus; Be¬ JÜDISCHE ZEITUNG richterstattung: Dr. Ringel; Palästinaarbeit: Dr. Dawid Spindel; Landespolitik: Dr. Reich; Wirtschaftliche Aufgaben: Dr. Zipper; Kulturelle Aufgaben: Dr. O. Thon; . Anträge und Resolutionen; Wahlen der Exekutive und Kommissionen. Die Wahlen für die Konferenz werden auf Grundlage der auf der vorigen Konferenz beschlossenen Organisationsbestimmungen vorgenommen werden. Je 30 organisierte Mitglieder wählen einen Delegierten. Eine Lokalorganisation kann aber höchstens sechs Delegierte entsenden. Die Landeskonferenz wird, aller Voraussicht nach, einen bewegten Verlauf nehmen. Die Verhältnisse in der galizischen Partei schreien nach einer Reformation 'nicht so sehr an den Gliedern als am Haupte. Das Zentralkomitee hat viele und umfassende Aufgaben zu erfüllen. Es wird notwendig sein, ein ständiges Bureau mit fest angestellten Beamten zu errichten. Zwischen Einfluß und .tatsächlicher Arbeitsleistung wird Gleichgewicht hergestellt werden müssen. Uns erscheinen die Fragen der zukünftigen Leitung, sowie die Finanzfrage als die richtigsten. Daher muß es befremden, daß in der Tagesordnung für Organisationsfragen kein Raum vorgesehen wurde. * * m Die „Jednosc“ hat sich vorige Woche ein Stückchen eigener Art geleistet. Sie hat nämlich den Gg. Dr. O. Thon wegen seines Artikels gegen die „Allianz“ in der „Welt“ vor der polnischen Oeffentlichkeit vernadert. Das ist die Rache für seine Teilnahme am Hebräertag und für seine Rede gegen die Assimilation auf dem großen Lemberger Meeting. Diese Flegelhaftigkeit des Assimilationsblattes kommt nicht unerwartet. Liegt es doch in der Psychologie Löwensteins und derer um ihn, jede Waffe zu gebrauchen,, auch die schmutzigste! Wir berichten darüber lediglich aus dem Grunde, um noch einmal auf die überall gleichbleibende Moral der Mauschel und ihrer 'Leibjournalisten hinzuweisen-.' > . In einigen Tagen wird die Agitationstournee Dr. Lewins in Galizien absolviert sein. Ihr Wert kann nicht genug hoch eingeschätzt werden. Dr. Lewins Persönlichkeit, sowie seine außerordentliche Rednergabe haben die in allen größeren Städten abgehaltenen Versammlungen zu grandiosen zionistischen Manifestationen gestaltet. Allerdings muß betont werden, daß Dr. Lewin in einer sehr günstigen Zeit nach Galizien kam. Man kann nämlich nicht genug nachdrücklich hervorheben, daß die zionistische Arbeit im Lande immer umfassender, gründlicher und eifriger wird und zwar nicht auf Grund äußerer Initiative, sondern infolge der inneren nach Betätigung und Befreiung ringenden Volkskräfte. Grobe Mabbabäerfeier. Für die am 12. d. M. in den Sofiensälen stattfindende große Makkabäerfeier der Zionistischen Korporationen unter Leitung des innerösterreichischen Distriktskomitees gibt sich nicht nur in den zionistischen, sondern auch in weiteren jüdischen Kreisen das lebhafteste Interesse kund. Die Feier wird zweifellos ein gesellschaftliches Ereignis Wiens bilden. Das rührige Exekutivkomitee hat für ein reichhaltiges Programm Vorsorge getroffen. Nach seiner Begrüßungsansprache durch den Obmann des Distriktes, Dr. I. H. -K ö r n e r, wird das Fest durch einen Chor eröffnet, nach welchem Dr. Scnemarjahu L e w i n die Festrede halten wird. Derselben wird mit größter Spannung entgegengesehen, zumal Gg. Lewin als einer der hervorragendsten Redner, die die zionistische Organisation besitzt, gilt. Nach einer zweiten Choraufführung werden die für den Abend engagierten ersten Wiener Kunstkräfte, k. k. Hofburgschauspieler Konrad L o e w e, Frl. Vika Engel von der Volksoper und Herr Egon Brecher mit ihren Vorträgen zum Worte gelangen. Schließlich finden Vorführungen einer Musterriege des Ersten Wiener jüdischen Turnvereines statt, dessen glänzende Darbietungen in Wien schon einen Ruf besitzen. Das Arrangement Seite 3 für den darauffolgenden Tanz hat Herr Professor Jacques Löw übernommen. Das ausführliche Programm wird an der Abendkasse der Sofiensäle und im Saale selbst erhältlich sein. Kartenvorverkauf (Neue Sitzkategorie) Nach den Karten für die Makkabäerfeier herrscht bei allen Verkaufsstellen die regste Nachfrage. Im Einvernehmen mit der Direktion der Sofiensäle hat das Komitee neue Sitzkategorien geschaffen, um dem größeren Bedarf an Plätzen gerecht zu werden. Es gelangen somit im Zentralbureau, IX.. Türkenstraße (), ne u e Sitzplätze zum Preise von K 10.-, 8.—, 7.- und 5.— zum Verkauf. Die Gg. und Freunde werden darauf aufmerksam gemacht, daß die bestellten Karten nur bis Montag Mittag reserviert bleiben können. Sie werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, die Karten bis zu dieser Zeit bestimmt zu beheben, da sie sonst weitergegeben werden. Ueber Wunsch werden nach telephonischem Aufruf (14.1QÖ) die Karten persönlich überwiesen. Diejenigen Damen und Herren, welche Karten zum Verkaufe übernommen haben, werden dringend ersucht, dieselben bis spätestens Dienstag, 12 LMt r mittag im Zentralbureau, IX., Türkenstraße 0, zu verrechnen. Daselbst wurde für Montag und Dienstag der nächsten Woche ein Permanenzdienst von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends eingerichtet. Großes Damen- und Herren-Komitee. Mittwoch, den 6. d. M. fand im großen Saale des Jüdischen Volksheims ein Komiteeabend statt, welcher sehr animiert verlief. Das Damen- und Herren-Komitee besteht nunmehr aus 118 Paaren. Dieselben versammeln sich unmittelbar nach dem Schlußchor im großen Komiteezimmer der Sofiensäle, wo das Arrangement für den Einzug des Komitees getroffen wird. Chorproben für die Makkabäerfeier. Die nächste Chorprobe findet Freitag, de.v S. d. M., Q Uhr vorm., im Lokale der jüdischakademischen Verbindung „Ivria“, IX., Glasergasse 4 ä, statt. Die Sänger werden dringend gebeten, pünktlich und zuverlässig zu erscheinen. — Die folgenden Proben finden ab Samsstag täglich um 1 - 8 Uhr abends im selben Lokale statt.. PapteisNachrichten. III. Westösterreichischer Zionistentag. Wir geben hiemit bekannt, daß der Hi. Westösterr. Zionistentag am 25. und 26. Dezember 1911 in den Stadt. Redoutensälen in Brünn stattfin'det. Beginn Montag den 25. Dezember 10> i Uhr vormittags. Tagesordnung: 1. Bericht des Zentralkomitees für Westösterreich. 2. Organisation. a) Sta^utenentu urf Dr. Emil Margulies. b) Anträge des Zentralkomitees. I. Das Zentralkomitee hält es für notwendig, daß das Statut der westösterreichischen Organisation in Anpassung an die Bestimmungen des am X. Kongreß beschlossenen Parteistatutes umgewarideit werde, wobei die Befugnisse des Zentralkomitees im Sinne der Bestimmungen dieses Sta'uts auszugestalten und zu erweitern sind. II. Das Zentralkomitee schlägt vor: Dem Zionistentag für Westösterreich ist eine Resolution zu unterbreiten, wonach die jüdisch politische Betätigung im Einvernehmen mit dem „Jüdischen National verein für Oesterreich" zu erfolgen habe. Zur Herstellung dieses Einvernehmens ist eine Vermittlungsinstanz zu nominieren. 3. Wahlen in das Zentralkomitee. 4. Budget. 5. Die Lage des Zionismus nach dem X. Kongreß (Referent Dr. Emil Margulies). 6. Wahlen in den Zentral-Ausschuß der Oesamtorganisation. 7. Referate:

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