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Jüdische Zeitung · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 48 Sammelpunkt für diese Arbeit werden wir im „Jüdischen Volksheim“ haben, das demnächst bereits eröffnet werden wird. Die Versammlung erklärte sich mit dem vom Referenten skizzierten Programme des Vereines einverstanden und erteilte den Proponenten über Antrag der Revisoren Dr. Leo Groß und David Blatt das Absolutorium. Bei der darauf folgenden Ausschußwahl wurden in den Ausschuß und als Beiräte nachstehende Gg. entsendet: Jakob Auerbach, Bankbeamter, jakob Brandstätter, Kaufmann, Aforitz B e r 1, Fabrikant, Hermann A p s - I e r, Buchhalter, Ignaz B a r b e r, Agent, Moses Feldstein, Hausierer, Dr. R. Glücklich, Bahnbeamter, J. H a 1 p e r n, Kaufmann, Doktor Pinkas H e i n r i ch, Beamter, 'Sigmund Jonas, Kaufmann, JUDr. Leopold;P 1 a s c h k e s, Markus Rosenberg, Kaufmann, Salomon Rubel, Kaufmann, Ignaz Sinnreich, Kaufmann, Dr. S. Sternberg, Arzt, Nathan Starer, Disponent, Max Wassermann, Privatbeamter, ' H. Wert heim er, Kaufmann, JUDr. Chaim W olfman, Hirsch Zauderer, Lederhändler. Zu Revisoren wurden Josef Fiedler, Lederhändler, und Samuel I n s 1 i c h t, Kaufmann, gewählt. Zum Präsidenten des Vereines wurde hierauf per acclamationem Gg. Ing. Robert Stricker gewählt, weicher sodann, von der Versammlung mit stürmischem Beifall begrüßt, den Vorsitz übernahm und die nächsten Aufgaben, v die der junge Verein zu erfüllen hat, besprach. Die fortwährenden Zustimmungskundgebungen zeigten, daß alle Mitglieder gewillt sind, ihre Kraft in den Dienst der Sache zu stellen und den Ausschuß tatkräftigst zu unterstützen. Zum Schlüsse gab Gg. Hermann P1 a s c h - k e s seiner Freude und Genugtuung Ausdruck, daß sich junge Kräfte - gefunden haben, die trotz aller Apathie es auf sich genommen haben, den Gedanken, die der einstige „Jüdische Volksvereifi“ Vertreten hat, wieder im Bezirke zu vertreten. Er bitte den Ausschuß, sich durch .etwaige Widerstände im Bezirke nicht beirren zu lassen, und erwarte für die Arbeit der neuen Organisation den besten Erfolg. Damit fand die Versammlung, auf Grund welcher man für die weitere Arbeit des Volksvereins das Beste erwarten kann, ihr Ende. In der ersten Sitzung-des neuen Ausschusses am 27. November wurden gewählt zum I. Vizeobmann Herr Moritz Berl, Fabrikant, zum II. Vizeobmann Herr JUDr. Leop. Plaschkes, zum I. Schriftführer Herr Herrn. Apsler, Buchhalter, zum I. Kassier Herr Sal. Rubel, Kaufmann, zum II. Kassier Herr Ignaz Barber, Agent; zu Beisitzern die Herren MedDr. Sternberg, , Ignaz Sinnreich, Kaufmann, Josef H a I p e r n, Kaufmann. Turnerifdies aus Erez Israel. Der nationale Jude Palästinas, der sein ganzes Leben und Wirken in den Dienst seines Volkes gestellt hat und der täglich Opfer für den Gedanken der nationalen Renaissance des jüdischen Volkes bringt, erbat auch unsere Idee der Regeneration des jüdischen Körpers voll und ganz begriffen. Daher turnt er (mit ganz anderem Eifer, man könnte fast sagen, mit Enthusiasmus. Weiß er doch, dan es gilt, jüdische Kraft zu erwerben, um das Land der Ahnen, das durch jahrtausendelange Atißwirtschaft vorödet und verwüstet liegt, zu neuer, ungeahnter Blüte zu bringen. Vielleicht hat er auch den heute erlernten Mut, die erworbene Geschicklichkeit iund Geistesgegenwart morgen oder übermorgen nötig, um jüdisches Leben und Eigentum gegen feindliche Angriffe von Beduinen zu schützen. So'ist für ihn das Turnen das, was den anderen Nationen der Dienst bei der Fahne ist: die Vorbereitung für die Vcr-» teidigung der Ehre und des Besitzes der Nation. Der Araber soll auch nicht mehr vom Juden als vom „,toten /Kinde“ (sprechen. Der Chalukajude hat ihm keinen Respekt einflößen können; der jüdische Turner, der den stärksten Lastträger niederwirft, und der sich bei Ueberfällen energisch zu wehren versteht, erweckt sein Erstaunen und seine Achtung. Selbstverständlich steht der jüdische Turner in Erez Israel in den ersten Reihen der Vorkämpfer für unsere nationale Sprache. Eine andere Sprache, als die hebräische, könnte auch nicht zu der eines Vereines gemacht werden, denn sie ist die einzige Sprache, dib von allen dortigen Juden, Aschkenasim und Sephardim, gemeinsam verstanden wird. Seit dem Tode Bar Kochbas, der als Letzter jüdische Krieger unter hebräischem Kommando in die Schlacht führte, hat man in der ganzen Welt keinen hebräischen Befehlgehört, der Juden zu mutigem, willensstarkem Handeln für ihre nationale Ehre aufrief. Der jüdische Turner hat als Erster diese uralte Tradition wieder aufgenommen und stählt seine Muskeln, prüft seinen Mut und seine Energie nach hebräischem Befehl des Turnleiters. Und das Hebräische hat bis heute, da es nach 1800 jährigem Todesschlummer zu neuem Leben erwacht, seine volle Geschmeidigkeit und den alten Wohlklang erhalten. Es witd allen Anforderungen gerecht, die an ein turnerisches Kommando zu stellen sind, und läßt, ohne seinen Regeln Gewalt an? zutun, die Bildung einwandfreier Kommandoworte zu. Das hebräische Kommando erscheint uns als etwas überwältigendes Neues und Großes, obwohl wir es schon lange zur offiziellen Turnsprache unseres Verbandes gemacht haben. Aber dies war bis jetzt nichts als eine leere Demonstration und wurde es queh geblieben sein, wenn nicht in Palästina der Anfang gemacht worden wäre, der im, ganzen Orient begeisterte Nachahmung gefunden hat. Das ist eine Kulturtat von hohem ideellen Wert für die gesamte Judenheit, die wir allein dem neuen Jischub in Erez Israel verdanken. Wir sind berechtigt, weitere Erwartungen von Palästina zu hegen. Leider hat die jüdische Turnerei in Palästina bis jetzt mit großen Widerständen zu kämpfen gehabt. Da ist vor allem der große Mangel an technisch vorgebildeten Lehrkräften, das Fehlen von Turnstätten und Geräten zu erwähnen. Nichts ist vorhanden, als der gute Wille, und dieser hat schon viel erreicht jund .wird in naher Zukunft einen Teil der Hindernisse beseitigen. Fast ganz aus sich selbst heraus ist die Bewegung entstanden, ohne Hilfe von außen. Wer die Geschichte der jüdischen Turnerei kennt, wird sich erinnern, daß vor Jahren ein Turnlehrer von Berlin nach Jaffa gesandt werden sollte, und daß diese Angelegenheit erst erledigt wurde, als Z w y O r 1 o f f, der Sohn eines Kolonisten in Petach Tikwah, sich zu diesem Amte meldete. In systematischer Arbeit während vier Jahren ist jetzt der Grundstock gelegt worden, um eine weitere Entwicklung zu ermöglichen. Aber noch ist ungeheuer viel zu tun. Gerade jetzt bearbeitet Herr Orloff, der eine vollendete turnerische Ausbildung in der Schweiz, in Dänemark, und Berlin erhielt, einen hebräischen Leitfaden für das Turnen, in dem auch die hebräische Kommandosprache vorläufig festgelegt werden soll. Es wird geplant, aen Turnunterricht an allen Schulen Palästinas einzuführen, eine Frage, mit der sich der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft in allerletzter Zeit beschäftigt hat und die in der Hauptsache rein finanzieller Natur ist. Nachstehend sei ein kurzer Bericht über die turnerischen Vorkommnisse der letzten Zeit gegeben, ln den früheren Jahren, als man im hebräischen Gymnasium turnte, das in Tel Awiw, außerhalb der eigentlichen Stadt Jaffa, liegt, aber über eine verhältnismäßig vollkommene Turneinrichtung verfügt, kamen wegen der weiten Entfernung nur wenige Unentwegte aus der Stadt zum Turnen. Jetzt wird aus diesem'Grunde in der Mädchenschule des Odessaer Komitees geturnt. In jeder Turnstunde (Montag und Mittwoch von halb 8 bis 9 Uhr) •wird nach den Freiübungen in drei Riegen geturnt, die fast jeden Abend an denselben Geräten üben. In der Mädchenschule' ist bereits mit dem Bau einer dem dortigen' Klima angepaßten offenen Turnhalle begonnen worden, die im Laufe des Wintersemesters fertiggestellt sein wird. Auch das Gymnasium plant den Bau einer Turnhalle, doch fehlen hiezu noch die Mittel. Für beide Hallen fehlen ferner sämtliche Geräte, und wir würden uns große Verdienste um die jüdische Turnbewegung in Palästina erwerben, wenn wir die für die Einrichtung der Hallen notwendigen Fonds aufbringen würden. Die Organisation ’ des Vereins läßt infolge der schwierigen Umstände noch viel zu wünschen übrig, doch wird sie nach dem geplanten Beitritt zum „Makkabi“ in Konstantinopel eine bessere werden. Leider haben die bemittelten jüdischen Kreise in Jaffa bis jetzt nur wenig Interesse an der Sache . genommen, doch ist zu hoffen, daß mit der heranwachsenden Jugend auch dieses sich ändern wird. Um so ertreulicher ist das turnerische Leben außerhalb der Turnstunden. Jeden freien Tag morgens 6 Uhr treffen sich die Turner am Meeresstrand. Um zu baden. Darauf bleiben die Turner bei allerhand Spielen, Laufen, Springen etc. bis 9 Uhr zusammen und treffen sich am Nachmittag wieder zum volkstümlichen Turnen, vor allem zum Fußballspiel. Wenn: es möglich jst, werden Turnmärsche in die benachbarten jüdischen Kolonien unternommen. Die Turner werden dort freundlichst aufgenommen und haben bei ihren Spielen und anderen Turnübungen stets eine große Zahl begeisterter Zuschauer. Gerade in den Kolonien könnte man auf eine gute Entwicklung von Turnvereinen rechnen, da dort fast jeder junge Mann für unsere Idee begeistert ist. Ein besonders erfreuliches Zeichen sind die großen Turn- und Sportfeste, die alljährlich an den Halbfeiertagen des Pessach oder Sukkoth in Rechoboth stattfinden und die eine Art jüdischer Olympia zu werden versprechen. Aus allen Kolonien Palästinas kommen dann die. Kolonistensöhne und Arbeiter zusammen, um im Wettkampf ihre Kräfte zu messen. In der zum IV. Turntag herausgegebenen Festschrift „Körperliche Renaissance der Juden“ findet sich eine Schilderung dieser Wettkämpfe, auf die hier nur hingewiesen sei, aus der Feder zweier jetzt in Palästina ansässigen Bar. Kochbabaner. Eine erfreuliche Nachricht kommt auch aus Jerusalem. Dort ist nach langem Bemühen endlich wieder ein jüdischer Turnverein gegründet worden und der!Makkabiorganisation beigetreteri. Es Ist zu hoffen, daß der gut geleitete Verein, der einen regelmäßig guten Besuch von über 20 Turnern aufzuweisen hat, weitere Fortschritte macht und sein Bestehen damit gesichert wird. Dem neuen Verein in der ewigen Stadt, wie der jungen Turnbewegung im alten Ahnenlande, ein Hedad! (Jüd. Turnztg., Berlin.) Nathan Kaminski. PapteisNacfirichten. III. Westösterreichischer Zionistentag. Die ziön. Kreisleitung Brünn hat für den am 25. und 26. Dezember I. J. stattfindenden III. westösterr. Zionistentag ein Büro eingerichtet, welches alle auf die Tagung bezügliche Auskünfte erteilt. Insbesonders wollen sich die Delegierten rechtzeitig an das Büro wenden, damit für ihre Unterkunft gesorgt werden kann. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an Herrn Dr. Albert Schönhof, Brünn, Franziskanergasse 7, zu richten. Das zion. Zentralbüro für West: Österreich richtet an alle zion. Vereine das dringende Ersuchen, die erhaltenen Fragebogen unvermittelt und genauest' auszufüllcn und sie sodann ehebaldigst an das Büro Wien, IX., Türkenstraße 9 einzusenden, da das Material für den 'Hauptbericht, welcher dein Zionistentag vorgelegt wird, Verwendung finden soll. * 4 * * Nationalfondskommission. Die nächste Sitzung der Vereinskommissäre findet Mittwoch den 6. Dezember 1911, präzise 8 Uhr, statt. Die Vereinskommissäre werden ersucht das letzte vom Distriktskommissär an sic gerichtete Schreiben betreffs der Bücher mitzubringen. Akademie des zion. Mädchenvereines „Moria“. Anläßlich der Eröffnung des Jüdischen Volksheimes in 'der Leopoldstadt (II., (Stefaniestraße 12) veranstaltet der zion. Mädchen verein „Moria“ im großen Saale des neuen Vereinshauses Samstag, den 2. Dezember d. J. eine Akademie mit nachfolgendem Tanz. Ihre Mitwirkung haben gütigst zugesagt: Frl. Sonja Singer, Opernsängerin Herr Wiesenthal, Komiker, der bekannte Violinvirtuose Mischka S t i 11 m a n n, Herr Otto Füllenbaum, Opernsänger u. a. m. Der rührige Verein, dessen gelungener Ball vom März d. J. noch in aller Erinnerung sein dürfte, erfreut sich dank iseiner intensiven Betätigung auf zionistischem Gebiete allseitiger Sympathien und ist ein zahlreicher Besuch der Akademie | bestimmt zu erwarten. Regiebeitrag SO Heller. Beginn halb 9 Uhr abends.

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