Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 41 (13.10.1911)
- Date
- 1911-10-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Reihenfolge der Länder nach der absoluten Höhe ihrer Beiträge (L Jänner 1910 bis 30. Ju n i 1911.) 1. Rußland 2. Oesterreich 3. Nordamerika 4. Deutschland 5. Südafrika 6. Rumänien 7. Canada 8. Ungarn . 9. England . 10. Belgien . 11. Holland . 12. Kroatien . 13. Argentina 14. Bulgarien 15. Türkei . 16. Australien 17. Schweiz . 18. Frankreich 19. Serbien . ’ 20. Italien . . 21. Aegypten , 22. Brasilien 23. Schweden . 21. Ostasien . 25. Dänemark 26. Griechenland Rus dem juäista Reben. Mariahilfer Zentralpalast. Unter diesem Titel schreibt „Der Jüdische Handelsangestellte“: An der Ecke der Kaiser- und Mariahilferstraße erhebt sich seit Mitte August ein stattliches Gebäude, an dessen Fassade der Titel „Mariahilfer Zentralpalast“ zu lesen ist. Es soll dies eine Vereinigung verschiedener Geschäftsinhaber in einem Warenhaus darstellen. Das Geschäftshaus (wurde'von dem christlichsozialen Architekten Wohlschläger erbaut und bestand ursprünglich die Absicht, keinem Juden ein Lokal in diesem „Zentralpalast“ zu vermieten. Schließlich mußten die- Herrschaften dochin den sauren Apfel beißen und so finden sich auch einige jüdische Firmen dort vertreten. Was uns an dem Unternehmen besonders interessiert, ■ ist der Umstand, daß in der Verwaltung, Kassa etc. kein jüdischer Angestellter aufgenommen wird, es sei denn, daß er einen - Taufschein vorzuweisen in der Lage ist. Wie uns übrigens von Eingeweihten versichert wird, soll, falls sich das jetzige Kollektivivvarenhaus nicht bewähren würde, — was u. E. auch der Fall sein dürfte — ein Warenhausbesitzer aus dem Rheinland, natürlich ein Arier, die ganze Sache übernehmen, wodurch die Aussichten für die jüdischen Angestellten, dort vielleicht unterzukommen nicht besser werden. Während die meisten größeren Geschäfte der Umgebung dieses „Kaufhauses“ um 7 oder halb S Uhr schließen, geschieht dies im „Zentralpalast“ erst nach 8 Uhr abends, was natürlich auch für die übrigen Firmen einen billigen Vorwand zum späteren Ladenschluß bildet und bereits Anlaß zu Demonstrationen gegeben hat. Trotz alledem wird der „Zentralpalast“ von der „Arbeiter-Zeitung“ bestens empfohlen. — Non ölet. „ 123.113.76 „ 91.123.12 „ 83.794.76 „ 42.534.74 „ 27.882.93 „ 23.866.09 , 14.829.73 „ 14.049.01 „ 10.443.53 „ 8.710.54 „ 8.162.36 „ 5.858.69 „ 5.328.S0 „ 5.247.91 „ 3.076.48 „ 2.818.49 „ 2.171.29 „ 1.183.73 „ 851.69 „ 827.81 „ 671.- „ 429.69 „ 351.40 „ 194.69 26.35 Jüdische Professoren an der Budapester Universität. Ein Freund unseres Blattes macht 'uns aufmerksam, daß die in der jüngsten Nummer unseres Blattes, unter gleichlautender Spitzmarke erschienene Nachricht einige sachliche Unrichtigkeiten enthält. Mit dem neuerannten Professor Fejer gibt es nämlich insgesamt nicht fünf, sondern bloß vier ordentliche Professoren an der ^■Budapester Universität, da der erwähnte Prof. Moriz v. Karman es nur zur -außerordentlichen Professur gebracht hat. Es ist auch ferner unrichtig, daß es außer an der philosophischen an keiner anderen Fakultät einen jüdischen Ordinarius gegeben hat. Der vor vier Jahren verstorbene Ladislaus Fayer, Professor des Strafrechtes, blieb-jbis an sein Lebensende Jude. Dagegen ist es wahr, daß es gegenwärtig nur an der philosophischen Fakultät jüdische ordentliche Professoren gibt, was umso mehr ins Auge sticht, als im ungarischen Juristenleben die Juden eine hervorragende Rolle spielen und auch bekanntlich die besten Aerzte des Landes Juden oder Judenstämmlinge sind. Die Täuflinge werden am Budapester Athenäum begünstigt, wo es -von ihnen förmlich wimmelt. Dagegen sind Dermathologen, wie Dr. von Herczl, Augenärzte, wie Dr. Szili und Chirurgen, wie Dr. Schächter, Privatdozenten. Die Universität richtet sich aber nur nach der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, die unter ihren so zahlreichen Mitgliedern (jeder des Lesens und Schreibens notdürftig kundige Aristokrat ist Mitglied der Akademie) insgesamt drei Juden zählt. Die Juden in Cypern. In seinem Buche „Cypern“ schreibt David Trietsch: „Es scheint, daß Juden schon seit den Zeiten Salomos auf Cypern lebten. Gewisse Funde der neueren Zeit deuten auch darauf hin, daß Hiram und seine Leute das für den Tempelbau in Jerusalem benötigte Erz in Cypern fanden und zum Teil wohl schon dort verarbeitet haben. Um das Jahr 100 vor übl. Zt. waren die Juden Cyperns jedenfalls sehr zahlreich und mächtig. Sie veranlaßten den König Ptolemäus Lathyrus zu seinem Feldzuge gegen Alexander Jannai und zur Hilfeleistung für die Städte Gaza und Ptolemais (Akko). ln dem großen Aufstand der Juden unter Trajan spielte Cypern eine besondere Rolle .Hier sollen die Juden die griechische Bevölkerung fast ausgerottet haben und die besten römischen Generäle mußten von Germanien und Britanien herbeigerufen werden, um den Aufstand der Juden zu unterdrücken. Dies gelang, die Juden wurden in die Verbannung geführt und es sollte ihnen bei Todesstrafe — „sogar im Fall von Schiffbruch und für ewige Zeiten“ — verboten sein, die Ins’el zu betreten. Zur Zeit der späteren Kreuzzüge sind dann wieder die ersten kleinen jüdischen Gemeinden in Cypern entstanden und in den folgenden Jahrhunderten wird von den verschiedenen Reisenden über das Vorhandensein jüdischer Gemeinden in den Hauptstädten der Insel berichtet. In neuerer Zeit sind von den früheren jüdischen Einwohnern kaum noch welche auf der Insel anzutreffen gewesen und erst seit der englischen Okkupation sind wieder Versuche gemacht worden, Juden, besonders solche europäischen Ursprungs, auf der Insel anzusiedeln. Bei dem ersten Versuche (18S3) handelte es sich darum, einige hundert Juden, die vor den russischen Verfolgungen nach London geflüchtet waren, in Syrien anzusiedeln. Wegen der Schwierigkeiten, die dort der Niederlassung von türkischer Seite in den Weg gelegt wurden, versuchte dann die englische Gesellschaft, die sich, ihrer angenommen hatte, die Leute in Cypern unterzubringen, wobei sie auch von der Regierung alle mögliche Förderung erfuhr. Trotzdem war die erste Ansiedlung (in Ktima bei Paphos) ein völliger Mißerfolg und erst etwa fünfzehn Jahre später versuchte eine weitere Gruppe von osteuropäischen Juden — ebenfalls via England — auf Cypern Fuß zu fassen. Es wurde zwischen Larnaca und Nicosia ein Stück Land erworben und später besiedelt, das trotz vieler Wechselfälle sich zu einer ständigen Kolonie entwickelte. Im weiteren Verlauf wurden noch einige Landstücke dazu erworben (durch die Jewish Colonisation Association), und diese Ansiedlung dürfte sich im Laufe der Jahre wohl entwickeln. Mit den Kolonisten kann man sich in deutscher Sprache verständigen. Außer diesen Kolonien gibt es eine kleine jüdische Gemeinde in Larnaca, die in der Hauptsache aus arabisierten Juden besteht. Die Gesamtzahl der Juden auf der Insel dürfte zurzeit zwischen hundert und zweihundert schwanken. Blindenstenographie für Jiddisch. Die „British and Foreign Blind Association“ in London beschäftigt sich gegenwärtig mit einem interessanten Versuch. Es handelt sich um die Anwendung des englischen Baille-Systems für Stenographie auf hebräische Buchstaben, um es für die stenographische Aufnahme jüdischer Vorträge verwenden zu können. Dieses jiddische Stenographie-System soll hauptsächlich den vielen blinden Kindern zugute kommen, die das Londoner East End aufzuweisen hat. Auf der letzten Konferenz für Blinden-Erziehung, die in London stattfand, fungierte als offizieller Protokollführer der blinde Maurice J. Meyers, ein Jude, der nicht nur selbst ein hervorragender Stenograph und Maschinschreiber ist, sondern ein eigenes System für Stenographie erfunden hat, das in England sehr verbreitet ist. Die Juden in Russisch-Polen. Pro 1909 betrug die Gesamtbevölkerung Polens 11,953.31S Personen, davon waren 1,747.655 Juden, gleich 14,64 Prozent. In Warschau waren in dem Jahre 1910 bei 782.641 Einwohnern 308.488 Juden, gleich 39,1 Prozent, in Lodz bei 408.641 Einwohnern 92.558 Juden, gleich 22,7 Prozent. Diese beiden Städte umfassen allein den vierten Teil der gesamten polni'sch-jüdischen Bevölkerung. In Lublin wohnen 31.607, in Bendzin 22.074, in Czenstochau 22.024, in Radom 16.976, in Kalisch 14.740, in Pettikau 13.960, in Siedgce 13.470, in Suwalki 13.364, ,in Sosnowice 13.261 und Lomza 12.038 Juden. Allein in Lublin beträgt' die Anzahl der jüdischen Einwohner 50,7 Prozent. Es gibt, aber auch Städte mit überwiegend jüdischer Bevölkerung, so Kaluszin mit 85 Prozent, Nazielsk mit 80 Prozent, Dzialoschin mit 84 Prozent, Chielnik mit 79 Prozent, Terespol mit 82 Prozent, Wlodaic mit 80 Prozent und Przedborz mit 80 Prozent. Von 1827 bis 1909 hat sich die jüdische Bevölkerung in Polen verfünTfacht. Sport. Jüdischer Sportklub „Hakoah“. Die kürzlich eingesetzte Herbstsaison fand „Hakoah“ bereits im Kampfe gegen Szombathely Athle thi k-K I u b, an welchem Orte die Blau-Weißen das drittemal antraten und stets den besten Eindruck .hinterließen. Am letzten Sonntag gelangte über Aufforderung des Oesterreichischen Fußballverbandes ein Qualifikations- und Meisterschafts- Wettspiel auf dem idyllisch gelegenen Sportplatz Rudolfshügel gegen die gutqualifizierte Rennweger Sportvereinigung ii Anwesenheit vieler Freunde des Klubs, unter denen 'man auch den Obmann des D. K., Herrn Dr. Körner bemerkte, zur Austragung. Die beiden Mannschaften sind alte Gegner von früher her und konnte „Hakoah“ im Vorjahre trotz heldenhafter Verteidigung ein Resultat von 6:1 nicht verhindern und auch dem Meisterschafts-Match sahen die „Hakoah“-Leute mit nicht ganz unberechtigtem Pessimismus entgegen. Umso überraschender und erfreulicher mußte der Ausgang dieses wichtigen Matches aufgenommen werden und ist es besonders der Stil des Spiels, der „Hakoah“ aus dem Wettstreit gegen einen tüchtigen und schlagfertigen Gegner als Sieger hervorgehen ließ. Es muß anerkannt werden, daß die Mannschaft ihr Letztes gab, das im Verein mit technischer Feinfühligkeit ausschlaggebend war. Im Spiele ragten besonders hervor der neue Goal - Keep Halpern, der im Tor Zukunft hat, in der Verteidigung brillierte das Backpaar Rosenthal- Sträußler, Malfs spielen wie gewohnt, die Angriffe des Sturmes sind meisterhaft und wäre mit weniger Pech der ziffernmäßige Ausgang noch anders gewesen. Den Zentralpunkt des Bader und Spitzer und den beiden Flügelstürmern unhaltbar nach vorne dringt. Das Team in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung ist eine würdige Repräsentation des jüdischen Sports in Wien. Spielverlauf. 2:0. Halbzeit 1:0. Die erste Halbzeit sieht unsere Mannschaft im Kampfe gegen Wind, Sonne und Terrain. Dennoch ist „Hakoah“ an der Tete und gelang es gleich in der ersten Minute durch einen schönen Vorleger des Centre-Half Weinberger, der vom rechten Flügel vorbildlich weitergezentert wird, an das gegnerische Tor zu gelangen. Gleich hier soll bemerkt sein, daß, ebenso in diesem Momente, wie in vieien andern, den Spielern vor dem Goal die sichere Abschluß- Arbeit des Angriffes, der .Schuß fehlt. Weiß- Blau bleibt im Angriff, bombardiert das gegnerische Ziel, doch landen die Schüsse ebenso häufig drüber, drunter oder auf den beiden Seiten des Tors, als in den Händen des Keep. In der fünften Minute gelang es einem gewaltigen Rush des linken Flügel, die feindlichen Halfs zu überrennen, ein eleganter Paß bringt das Leder dem schußbereiten Zentrc-Forward Gansl I, der unhaltbar einsendet. Nach Seitenwechsel versucht der Gegner durch Stöße in verschiedene Schienbeine das verlorengegangene Gleichgewicht herzustellen, man zahlt auch zurück. In der 24. Minute verschafft Bader durch einen in die linke Ecke plazierten Schuß für „Hakoah“ das zweite Tor und den endgültigen Sieg. Ein drei Minuten