Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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' Nr. 40 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 und immer hilfsbereit zur Seite stand, in steter Treue bewahren. Für das z i o n. D i s t r i k t s k o m i t e e für Innerösterreich: Der Obmann: Dr. J. H. Körner. * * * Außerordentlicher Distriktstag. Das i.-ö. D.-K. beruft, für Sonntag den 22. Oktober dieses Jahres, 9 Uhr vorm., im Saale XL, Türkenstraße 9, einen a. o. Distriktstag ein. Tagesordnung: 1. Referat über die Neuregelung der westösterr. Organisation. 2. Diskussion. 3. Beratung über den westösterr. Parteitag. -1. Eventualia. Auszug aus dem Distriktsstatut. § S. Beschließende Stimme am D.-T. haben lediglich Delegierte der dem Distrikte angehörenden Vereine, die ihrer Verpflichtung zur Entrichtung des Verbandsbeitrages (Parteisteuer) entsprochen haben. § 9. Außer der ord. Parteisteuer, die für Studenten und Arbeiter 60 h, für Bürger Kl.— beträgt, haben die Bürgervereine 50°,o, die Studentenvereine 100'Y" der von ihren Mitgliedern gezahlten Parteisteuer an das D.-K. zu entrichten. Befreit von dieser Steuer sind Vereine, die noch nicht zwei Jahre bestehen. * * * Plenarversammlung des „Zion. Z;ntralvsreins“. Mittwoch den 11. d. M„ präz. 8 Uhr abends, findet im Restaurationssaale des Hotel „New- York“, II., Kl. Sperlgasse 5, eine Plenarversammlung des „Zion. Zentralvereins“ statt mit folgender Tagesordnung: 1. Referate der Kongreßdelegierten über den X. Kongreß. (Referenten: Dr. Egon Zweig und Ludwig B a 16.) 2. Referat über die westösterr. Organisationsfrage, erstattet vom Präsidenten des westösterr. Zentralkomitees, Gg. Adolf Böhm. 3. Delegiertenwahlen zum i.-ö. Distriktstag und zum westösterr. Parteitag. 4. Eventualia. Hebräische Sprachkurse. In der zweiten Hälfte Oktober eröffnet das i.-ö. D.-K. mehrere hebräische Sprachkurse sowohl für Anfänger als auch für Vorgeschrittene unter unter der Leitung tüchtiger und erprobter Lehrer. Die Teilnehmerzahl an den einzelnen Kursen ist aus pädagogischen Gründen eine beschränkte, doch wird durch Errichtung einer genügenden Anzahl von Kursen den weitesten Kreisen die Möglichkeit geboten .werden, sich die Kenntnisse der hebräischen Sprache anzueignen, deren Wichtigkeit und Bedeutung am X. Kongreß so überzeugend zum Ausdruck kamen. Die studentischen Korp rationen werden gebeten, den Besuch der Sprachkurse für ihre Mitglieder obligatorisch zu machen. Anmeldungen für die bürgerlichen, studentischen, sowie Frauen-, Mädchen-, und Kinderkurse sind an das Distriktskomitee für Innerösterreich, IX., Türkenstr. 9, zu richten, woselbst Anmeldungsformulare jederzeit erhältlich sind. Das hebräische 6ymnasium in Jaffa.*) Das wichtigste äußere Erei jnis im Leben des Gymnasiums ist der Bau des neuen Gebäudes, das wir der Munifizenz unseres Freundes und Gönners, Herrn Lord Major Jakob Moser, verdanken. Als Herr Moser mit seiner Gattin zweimal nacheinander Palästina und das Gymnasium besuchte, machte das innere Leben der Schu'e einen so riefen Eindruck auf ihn, daß er in großartiger Weise zu den bereits gespendeten 80.000 Frcs. noch weitere 15.000 Frcs. hinzufügte. Jetzt ist dank ihm das Werk, das den Namen Theodor Herzls trägt, bereits zur- Tat geworden. An dem einen-Ende von Tel-Awiw erhebt sich der Bau, die Herzlstraßc mit seinem mächtigen Portal abschließend, ein Wahrzeichen der neuen Siedlung, von überall sichtbar, alles überragend-. Es ist ein Werk des begabten Architekten Barskv, in einem ganz originellen Stil, mit Benutzung alter semitischer Motive gebaut. Innen ist es mit geräumigen, lichten, luftigen Sälen und mit breiten Wandelhallen ausgestattet; im ersten Stockwerk befindet sich die Aula des Gymnasiums, die auch für die Abhaltung von Versammlungen und Theatervorstellungen verwendet werden soll. Von einzelnen Zimmern genießt man einen entzückenden Blick auf das malerisch gelegene Jaffa und auf das Meer. An das Gebäude schließt sich ein großer Hof an, binnen kurzem wird auch ein botanischer Garten angelegt werden. Das Haus ist bereits von außen und innen vollständig fertiggestellt, so daß wir schon mit Beginn des neuen Jahres die Arbeit darin beginnen können. Den 'Aufschwung, den das Gymnasium im letzten Jahre genommen hat, erkennen wir äußerlich, wenn wir den Stand der Schüler in diesem Jahre mit dem Stand der Schüler im Vorjahre vergleichen. Folgende Tabelle wird die Sache veranschaulichen: Anzahl der Schüler in den einzelnen Klassen im Jah. 5669 im Jah. 5670 8 13 1. Vorbereitungskl. 16 11 9 —• » 17 25 3. 23 22 1. Klasse 21 31 2. 11 28 3. „ 29 28 4* »» — 35 5. „ Zus. 125 Schüler 193 Schüler im Jah. 5669 im Jah. 5670 Der Zuwachs beträgt also 68 Schüler. Von den Schülern waren Knaben Mädchen 11 2 1. Vorbereitungski. 9 9 9 13 12 3. 11 11 1. Klasse 18 13 9 17 11 3. „ 9 19 24 11 5. „ Zus. 105 Knaben 88 Mädchen *) Aus dem Berichte des Aktionskomitees an den 10. Zionistenkongreß. sinniger Blätter nur zu genau, keiner von uns hätte jedoch vor vier Wochen noch an die Möglichkeit eines Pogroms in England geglaubt. Die Freunde des Dunkels und des Schweigens, die heute so überlegen tun, am wenigsten. Und uns allen schwebt die Frage auf der Lippe: Was nun? Nach den Judenverfolgungen anno 1189 ging man mit den Juden streng ins Gericht: es brach über sie ’ eine Schreckenszeit herein, die hundert Jahre lang dauerte und unter der weisen Regierung Eduard -I. mit ihrer Vertreibung aus England endete. Nicht kühne Folgerungen zu ziehen oder übereilt den Propheten zu spielen, ist unsere Aufgabe. Wir wollen vielmehr, daß die Juden in ihrer Geschichte lesen, um zu begreifen, daß es in der jüdischen Geschichte keine Unmöglichkeiten gibt, um zu begreifen, daß das Schweigen hier am allerwenigsten am Platze ‘ ist. Selbsterkenntnis, Zusammenschluß und Selbstwehr tut. not! Mögen wir doch an das Beispiel der englischen Juden denken, die während der Schreckenszeit im 13. Jahrhundert sich des Yorker Schlosses bemächtigt und bis auf den letzten Mann gegen den Feind verteidigt haben! Möge doch die bittere Enttäuschung, die T redegar brachte, die Juden allenthalben aufrütteln und ihnen die Ueberzeugung beibringen, daß wir unter den gegebenen Verhältnissen in keinem Lande der Diaspora unser Haupt ruhig niederlegen können. Und alle müssen zu dem Schlüsse kommen: Organisation, straffer Zusammenschluß des jüdischen Volkes. Nur auf diese Weise kann die Zukunft des Volkes gesichert werden, damit sie uns nicht traurige Enttäuschungen beschere, damit sie nicht mehr ein Gebiet der unbeschränkten Möglichkeiten sei. Die jüdische Zukunft soll ein Land sein ohne 1189 und 1911, ohne London und Tredegar, ein Land, wo sich der Jude in Frieden ausleben kann, ohne von einem Tage zum anderen eine barbarische Ueberrumpelung befürchten zu müssen. Ludwig Batö. ParteisNachpichten. Mitteilungen des i.-ö. D.-K. Wir geben hiemit allen Freunden und Gesinnungsgenossen die traurige Nachricht von dem Hinscheiden unseres D.-K. Mitgliedes und Nationalfonds-Kommissärs Hugo Eben. Wir werden das Andenken dieses arbeitsfreudigen und opferwilligen Gg., der uns ein Jahr lang beratend gische Schönheit des frei gewordenen Juden. Hell lodert in ihm der mächtige Wille auf — sich gegen eine Welt zu behaupten und schaffend die höchsten und tiefsten Potenzen der in ihm verborgenen' Kulturmacht zu entfalten. Sein! um sein Ich zu behaupten! „Sein“ heißt für Jechiel kraft seiner innersten Kulturpotenz — (der erste Jude lebt in seiner Seele . . .) — Jude sein. Jude sein und den Judenschmerz verneinen, heißt: ein freies weltlichstarkes Judentum — durch die heilsam wirkende Kraft der Natur und der schaffenden Arbeit regeneriert — in sich bejahen und in der Außenwelt errichten. In sich bejahen! das heißt: daraus die Kraft schöpfen, das leidvolle Erbe klaglos stolz zu tragen und den hehren Zukunftsbau kraftvoll zu fördern. In sich bejahen — das heißt: nicht daran mit der Vernunft deuten, noch den Zweifel der Unvernunft daran dulden. In sich bejahen — das heißt: mit allen Ausstrahlungen der Seele und des Willens darin wurzeln, das ganze Trachten und Tun daran knüpfen und — den neuen Glauben .darauf erricht e n, den Glauben des neuen Juden, den Glauben der erlösenden Tat. . Und es reift dieser Glaube, der den alten Glauben des. Quietismus und der rassiven Anschauung ersetzen wird. In einem nur wird der Kontinuität des alten und neuen Judenglaubens sich offenbaren — in dem Glauben an die Unsterblichkeit Israels. Denn wie es im Gedächtnis unseres Volkes bisher keine Kulturmenschheit ohne Israel gegeben hat, so können und wollen auch wir die Zukunft nicht ohne das Judentum fassen .... Dem neuen Judenglauben wird Jechiel in seiner starken und freien Seele einen Tempel errichten .... Kleines Feuilleton. Die Juden in der russischen Armee. - Bekanntlich arbeiten die Antisemiten in Rußland mit dem Lügenmärchen, daß die Juden in Rußland gerne und oft die Gelegenheit ergreifen zu desertieren, d. h. sich der Militärdienstpflicht zu entziehen, und die Antisemiten im Auslande verbreiten diese boshafte Lüge sehr eifrig. Nun, erklärlich wäre ja eine solche Neigung gewiß. Mütterchen Rußland ist seinen jüdischen Kindern nicht so zärtlich, als daß dieselben mit Begeisterung für den Pogromzaren und seine Sippe Gut und Blut opfern sollten. Und doch erweisen die amtlichen Ziffern, daß der russische Jude seiner Dienstpflicht in höherem Maße genügt als die christlichen Untertanen der blutigen Pogrommajestät. Trotz ihrer immensen Auswanderung, einer Auswanderung, die etwa 1 Vi-Millionen Seelen erfaßt hat, haben die russischen Juden während der Zeit von 1880—1909 im sogenannten Ansiedlungsgebiet statt der auf sie entfallenden Zahl von 410.000 Soldaten insgesamt 425.512 gestellt. Es hat aber Jahre gegeben, in denen die ' von den russischen Juden gestellte Soldatenzahl die auf sie entfallende um 25—33°'o übertroffen hat. Von 1886—1903 haben sie Jahr für Jahr weit größere Militärpflichten g e - t r a.g en, als ihnen laut ihrem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung zukam. Gemäß der Statistik von 1897 bildeten nämlich die Juden in der männlichen Bevölkerung des jüdischen Ansiedlungsgebietes 11,5"», wogegen die Zahlen der von ihnen gestellten Soldaten auf diesem Gebiet folgendes Verhältnis aufwiesen: stellte die Gesamtbestellten die mehr als laut im Jahre vülkerung im Änsied- Juden ihreinProzentlungsgebiet Soldaten Soldaten satz entlädt um 1900 117.313 16.083 2845 1901 122.867 16.969 3110 1902 123.596 17.255 3246 1903 129.714 17.281 2516 Erst in den letzten Jahren haben die Juden geringere Soldatenzahlen zu stellen begonnen, als ihrem Verhältnis von 1897 zukommen würde. Die Ursachen liegen auf der Hand: die Regierung verlangt jetzt überhaupt aus den Aushebungspflichtigen einen größeren Prozentsatz Soldaten, und mit ihren etwa 1S.000 jährlich neuen Soldaten können die Juden dem auf sie laut der Statistik von 1897 entfallenden Teil nicht mehr ganz nachkommen, da ihre Auswanganz außerordentliche Dimensionen angenommen hat. Ihr gesamter Zuwachs wird durch die Auswanderung von etwa 100—150.000 Juden pro Jahr bei weitem überschritten, so daß das durch die Statistik von 1897 geschaffene Bild längst nicht mehr maßgebend ist. Es ist sicher, daß die kommende Statistik für die Juden einen weit geringeren Prozentsatz ergeben wird, und dann wird das Defizit sich in einen Ueberschuß verwandeln. „Russ. Korresp.“ Die Juden in Preußen. Nach der Zusammenstellung der Statistischen Korrespondenz hat die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 folgende endgültigen Ergebnisse ge-