Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2438141-2438327-2438367--2653-2442350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 40 Die erste Tabelle zeigt uns, daß die Schülerzahi von den untern Klassen gegen die obern Klassen zunimmt. Dies findet seine Erklärung in dem Umstand, daß ein großer Teil der Schüler aus andern Schulen und andern Ländern an unsere Anstalt kommt, nachdem er sich für eine der höheren Klassen vorbereitet hat. Unsere Anstalt wird so ein Sammelort der Verbannten, ein JTpfa Wir haben außer den Palästinensern, Schüler aus Amerika, Südafrika, aus allen Teiien Rußlands, aus Rumänien und Portugal. Das, was die Schüler trotz all ihrer Verschiedenheiten einigt und un- .tereinänder verbindet, ist die Sprache — das Hebräische,' und die Liebe zum Lande — zu Palästina. Mit dem Ende des fünften Jahrgangs haben wir den mittleren Teilunseres Programms beendigt; wir bemühten uns, in den fünf ersten Klassen, denen drei Vorbereitungsklassen vorausgehen, den Schülern ein System von Kenntnissen zu vermitteln, das sie befähigt, in Palästina die kommerzielle Laufbahn einzuschlagen. Abgesehen von der hebräischen Sprache und den jüdischen Lehrfächern erhielten die Schü’er Unterricht in den allgemeinen Lehrgegenständen, wie Mathematik. Naturkunde, allgemeine und kommerzielle Geographie usw.; von Sprachen wurden Französisch, Deutsch, Arabisch und Türkisch, die für das kommerzielle Leben im Lande von .Bedeutung sind, unterrichtet. Mit dem sechsten Jahrgang, der in diesem Jahr eröffnet wird, beginnen wir den oberen Teil unseres Programms. Dieser obere Kurs gliedert sich in eine humanistische und realistische Richtung, erstere entspricht in ihrem Programm dem europäischen Gymnasium, letztere der Realschule; nur ist überdies bei der Ausarbeitung des Lehrplans auf die speziellen Verhältnisse und Bedürfnisse des Landes Rücksicht genommen. Durch Beendigung einer dieser beiden Abteilungen soll den Schülern der Zugang zur Universität oder zum Polytechnikum ermöglicht werden. (Nebenbei sei erwähnt, daß ein Teil der Schüler beabsichtigt, nach Beendigung seiner Gymnasialstudien in die Konstantinopeler Militärakademie einzutreten, um nach d r e i J ahren, mit der Offizierscharge ausgestattet, aktiven Heeresdienst zu leisten.) Das Budget des Gymnasiums wurde in diesem Jahre entlastet durch die bedeutenden Spenden der Herren Ephraimsohn und Emil Moser, beide vermittelt durch die Bemühung unseres Freundes Herrn Jakob Moser. Dieses Geld wird zum größten Teil für die Errichtung eines physikalisch-chemischen Kabinetts -verwendet; Avir bestellten Lehrmittel für Physik und Chemie: im Betrag von 10.000 Frcs.; die restlichen 3000 Frcs. dienen zum Ankauf von Möbeln für das physikalische Kabinett, die Aula, den Zeichensaai und die neu eröffnete sechste Klasse. Trotz dieser Spenden werden sich die Ausgaben in diesem liefert: Ortsanwesende Personen 40,165.215. Die Verteilung der Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnisse ergibt auf 1000 Personen: Evan- Römisch- Juden Andere gelische katholische und unbekannt im Staate . . 618.22 363.04 10.35 8.39 in den Städten 653.51 315.03 19.15 12.31 in den ländl. Ort. 586.65 405.99 2.48 4.88 Die Juden sind nächst der Reichshauptstad c (43.43 v. T.) am häufigsten in Hessen-Nassau (21.31 v. T.), Brandenburg (14.99 v. T.) und Posen (12.63 v. T.). Die Gesamtzahl der Juden in Preußen betrug 415.067. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung ist sich wesentlich gleich geblieben, eine geringe Abnahme zeigt er seit langem (1871 noch l,3"o, 1910 nur noch wenig über l0t>). Die Abnahme hat in allen altpreußischen Provinzen stattgefunden außer in Brandenburg (wegen der großen Berliner Vororte), in den westlichen und neueren Provinzen hat die absolute Zahl etwas zugenommen. Die Juden in Holland. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung gab es in Amsterdam: 1899 "n 1909 Protestanten. . . 298.062 5S,34 295.634 52,22 Katholiken . . . 120.701 23,23 134.148 23,68 Juden. 59.065 11,56 60.970 10,73 Andere Religionen 2.866 0,56 3.476 0,61 Konfessionslose . 30.157 5,90 66.902 11,81 * 510.851 561.130 Danach haben die Rubriken: katholische und andere Religionen eine geringe Zunahme erfahren, Protestanten und Juden sich erheblich vermindert. Die Konfessionslosen aber haben sich mehr als verdoppelt, offenbar auf Kosten der beiden letztgenannten Gruppen. Jahr noch auf etwa 40.000 Frcs. belaufen;. von dieser Summe glauben wir etwa 25.000 Frcs. als Schulgeld hereinzubekommen; 5000 Frcs. erhalten wir vom Odessaer Komitee, das_. auch für das ganze Budget verantwortlich ist; 3000 Frcs. ungefähr betragen die Zinsen unserer Fonds; den Rest, weitere 7000 Frcs., aufzubringen, hat der Aufsichtsrat des Gymnasiums übernommen. Vereinsnadiridifen. Wien. (Jüdischer Handlungsgeh ilfen-Verband, 11., Taborstraße Nr. 20.) Sonntag den 8. Oktober 1911, findet in den Souterrainsälen des Cafe P r ü c k 1, I., Stubenring Nr. 24 (Ecke WoUzeile) eine Vortrags-Akademie unter freundlicher Mitwirkung folgender Kunstkräfte : Frau Elsa W i n d t (Gesang); Max Steiner, Mitglied des Hamburger Stadttheaters (G_esang); Fred-Fred (heitere Rezitationen); niedrich Epstein (Violin-Solo); Brüder W a I d en (hum. Gesangsduett); .am Klavier: Adolf Rohr und Emänuel Scharfberg, statt. Damen Schönheitskonkurrenz (3 wertvolle Preise). Nach Schluß der Vorträge: Tanzkränzchen. Regiebeitrag K —.60. Beginn 8 Uhr abends. Eingeführte Gäste willkommen. Bielitz. Der zionistische Bürgerverein „Haschahar“ begann seine Herbsttätigkeit mit einem Vortragsabend am 16. September 1911, in dem Gg. Dr. W. Wagner als Kongreßdelegierter den Bericht über den X. Zionistenkongreß abstaftete. In seinen Ausführungen gab der Referent, ein Bild des Köhgreßverlaufes. Ganz besonders wies der Referent auf die Fortschritte der Arbeit in Palästina und auf den günstigen Stand des Nationalfondes hin. Neben diesen praktischen Arbeitserfolgen des Kongresses wurde die bedeutsame Neubelebung der jüdischen Kultur hervorgehoben. Eine unmittelbare Folge des Referates wird vor allem die Inaugurierung eines hebräischen Kurses sein. Gg. Dr. Wagner wird auch in Oderberg und in Teschen über den Kongreß berichten. Fünfzigjähriges Vereinsjubiläum. Am 2. Dezember werden fünfzig Jahre verflosssen sein,, seitdem der „Verein zur Unterstützung mittelloser isrealitischer Studierender in Wien“ die Aufgabe erfüllt, würdigen Hörern der Wiener Hochschulen Beiträge zu den Kollegiengeldern, Rigorosen-, Promotions- und sonstigen Taxen zu gewähren. Mehr als 15.000 Hilfeleistungen mit einem Aufwande von einer halben Million Kronen verzeichnet die Statistik über die bisherige Vereinstätigkeit und man kann wohl annehmen, daß dem größten Teile der Petenten nur durch die vom Vereine erlangte Hilfe die Beendigung der Studien und späterhin die Erlangung angesehener Lebensstellungen ermöglicht wurde. Der Verein beabsichtigt anläßlich der Jubiläumsfeier die Herausgabe einer Festschrift, welche dadurch besonderen und bleibenden Wert erhalten soil, daß literarische und künstlerische Beiträge der bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten sie zieren. Die Versendung der Festschrift an die Freunde und Gönner der Institution sowie an die ehemaligen Schützlinge soll . bezwecken, dem Vereine neue Mittel zuzuführen und vielleicht auch in manchen Herzen an Dankesschuld zu erinnern. Demgemäß hat sich, der Vereinsvorstand an eine große Reihe von Persönlichkeiten um literarische und künstlerische Schöpfungen als Beiträge für diese Festschrift gewendet und es ist nach den bisherigen Zusagen ein volles Gelingen der Aktion zu erwarten. Zuschriften in Angelegenheiten des Vereines oder der Denkschrift wolle man an die Vereinskanzlei: I., Seitenstettengasse 2 adressieren. IIIIIIIBIIIIIII JacqiiBS Mai»-' ‘ für distinguierte Kreise. II. Bezirk, Taborstrake Hr. 20 a Geschlossene Kurse für Hochschüler. Die P. T. Studierenden sowie Korporationen erhalten auf Wunsch :-: Honorarbegünstigungen. :-: ■ ■■■■■!■ I ■■■■■■ Jüdischer Volhsuerein für Oie Leopoldstadt. Die nächste Zusammenkunft der Proponenten und Vertrauensmänner findet Dienstag den 10.' Oktober, um halb 9 Uhr abends im Cafe Neptun, Mathildenplatz statt. Die Vertrauensmänner werden gebeten, die Mitgliederblocks, mitzubringen. Stipendien. Folgende Stipendien gelangen seitens der Wiener Kultusgemeinde zur Vergebung: Dr. Adolf Sacks-Stiftung für Techniker: 14 Plätze im Betrage von je K 600.— Wolf Isak Nassau’sche-Stiftung für Mediziner: 1 Platz im Betrage von K 84.— Abel Rappaport-Stiftung für Studierende: 1 Platz im Beträge von K 1100.— Dr. Jacob Goldenthal-Stiftung für Rabbinats- und Lehramtskandidaten: 1 Platz im Betrage von K 95.— Dr. Ignaz Brunn’sche-Stiftung für Mediziener: 1 Platz im Betrage von K 630.— Albert Baum-Stiftung für Techniker: 12 Plätze von je K 200.— Dr. Karl Bauer-Widmung für Reehtsliörer: Anzahl der Plätze unbestimmt im Betrage von K 900.— Isak Wolf Nassau'sche-Stiftung für Kunstakademiker: 1 Platz im Betrage von K 84.— Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Oktober 1911. Einreichstelle: I., Seit e n'stfet ten gasse 4, II., Stock (Einreichungs-Protokoll). Näheres in den von der Einreichstelle unentgeltlich zu beziehenden Gesuchsbögen. Vom Magistrate der Stadt Wien (Abteilung XIII., letzter Einreichungstag: 20. November 1911) werden verliehen: Das Dr. Gustav Figdor’scheStipendium: 3 Plätze im Betrage von je K 1000 für je einen Juristen, Mediziner und Philosophen (Naturwissenschaften u. z. wird beteilt je ein Katholik, Protestant und Jude. Zehn Jonas Freiherr V. Königswarter’sche Stipendien von je K 800.—, drei für Hörer der Rechte, zwei für Hörer der Medizin an der k. k. Universität in Wien, drei für Hürer der k. k. technischen Hochschule in Wien und zwei für Schüler der k. k. Akademie der bildenden Künste oder eiaer behördlich autorisierten Meisterschule in Wien, sämtliche Stiftplätze ohne Unterschied der Konfession. Einreichstelle: Magistrats-Abteilung XU1. Letzter Einreichüngstag: 20. Oktober 19.11. Der Verlag der Der Verlag der erlaubt sich alle Gesinnungsgenossen auf seine Ansichtskarten, Palästinakarten, Zionisten- und Hiinstlerharten in Heliogravüren (Sorte 1) und Buchdruck (Sorte II)' aufmerksam zu machen, welche ein ausgezeichnetes Propägandamittel darstellen. Einzelpreis: (SorteI) 12 Heller, (SorteII) 6 Heller, per Stück. Das vornehmste und schönste Ge- -- schenk für alle Gelegenheiten -- Erhältlich in allen Buch- und Kunsthandlungen, besseren Papier- und Ansichtskartenhandlungen.Traiiken, beiVerschleißern, Vertrauensmännern, Nationallondskommissären und allen Landessammelstellen des J.-N.-F. sowie direkt bei der Verlags- Verkaufsabteilung des Jüdisctieii. STationalfonda (Sammelstelle für Oesterreich) Wien, IX., Türkenstraße 9. Liste der Überläufer. Vom 26. September bis 4. Oktober 1911. Mosez Hans, 1887, Wien, ledig, Geschäftsreisender, IX., Seegasse 28. Weiß, Dr. Richard, 1870, Pardubitz, verheiratet, k. k. Finanzkommissär,- IX., Nußdorferstraße 42. Hoffenreich Anna geb. Horn,. T883, Leitmeritz, gerichtlich geschieden, VIII., Pfeilgasse 34. Singer Walter Ernst, 1905, Wien, römisch-katholisch. Die Böhmisdie IndustrialsBanteEiiiale in Wien, I., Idiplingerstrabe 2 Telephonnummern 23067, 23068,23069, 18347, 21813 . ' ■■■ . Aktienkapital 30 Millionen Kronen verzinst Einlagen auf Einß| •c*d lagsbücher mit <*>• |ö emittiert eigene Bank-Schuld- Verschreibungen <*>® II -fii! |2 |0ige 4 A823.-^^