Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr: 37 wähnt, daß die Kolonie Chedera unentgeltlich' einen Bauplatz und die dortigen Kolonisten ebenfalls unentgeltlich die .für den Bau nötigen Gespanndieste geleistet haben Auch die Kolonie Pethach-Tikwä hat zur Errichtung des dortigen Ledigenheims einen namhaften Beitrag beigesteuert. In letzter Zeit wurde von dem Kiewer Palästinafreünde Kommerzienrat Moise Halperin unserer Jaffaer Verr' tretung der Betrag von Frs. 30.000.— für den Bau von Arbeiterwohnungen zur Verfügung gestellt. Aus dem mit dem N. F. nunmehr vereinigten David- und. Fanny-Wolffsohntonds sind bisher fünf Häuser in Pethach- Tikwah und ein Haus in Wadi-Chanin fertig gebaut. Vier' Häuser in Risc‘hon-le-Zion und fünf in Rechoboth werden in nächster Zeit fertig werden. ' Als ein Mittelding zwischen ländlicher und städtischer Siedlung ist die Begründung der ersten- Arbeiterkolonie des Bezalei in unserer Wirtschaft Benschemen zu betrachten, die ebenfalls durch einen Kredit des J. N. F. von zirka 27.000 Frs. ermöglicht wurde. Die zehn schmucken Wohnungen mit dem schönen Bau der Werkstatt bilden bereits jetzt einen Anziehungspunkt mehr für jeden, der den Herzlwald in Benschemen besucht. Bewährt sich dieser erste Versuch, Kunstgewerbe treibende Juden aut dem Lande anzusiedeln, so werden bald weitere derartige Kolonien zu begründen sein. Mehrere bestehende Kolonien haben sich bereits an den Bezalei mit dem Ersuchen gewandt, daß die bevorstehenden ähnlichen Niederlassungen bei ihnen erfolgen mögen. Leider konnte bis jetzt die Zusammenlegung der dem J. N. F. gehörenden Parzellen in Hattin am Tiberias-See nicht durchgeführt werden. Jedoch sind die darauf hinzielenden Verhandlungen so weit fortgeschritten, daß wir eine Erledigung dieser Angelegenheit in der nächsten Zukunft erwarten können. B. Städtische Siedlung. In unserem Bericht von 1909 hieß es: „Vielleicht nichts berührt den jüdischen Reisenden, der nach Palästina kommt, unangenehmer, als die Unsauberkeit und Enge, in welcher die jüdische Bevölkerung in Palästina wohnt. Wenn man die deutschen Kolonien in Jaffa und Haita mit ihren schönen Häusern, breiten reinlichen Straßen, ihrem üppigen Baumwuchs betrachtet, so sieht man, welche herrlichen Stadtvietel in Palästina geschaffen werden können.“ Heute braucht der jüdische Reisende nicht mehr diesen Hinweis, da das neuerrichtete jüdische Stadtviertel „Te 1-Awiw“ in seiner raschen Entstehung wie in seiner sChönen und den Gesetzen der Hygiene entsprechenden Ausführung von der Schaffensfreude und dem Hang zur gesunden Natur, die unverwüstlich1 im. jüdischen Volke fortwirken, ein beredtes Zeugnis ablegt. Die Entstehung dieses Kulturwerkes hat der Jüdische Nationaltonds durch ein Darlehen von 250.000 Frs., das von der A. P. C. garantiert wurde, möglich gemacht. Bis jetzt sind 67 Häuser fertig gebaut, in denen zirka 800 Seelen wohnen. Einstimmig wird von "den Aerzten in Jaffa konstatiert, daß der Gesundheitszustand in Tel-Awiw unvergleichlich besser ist als im übrigen Jaffa.. Besonders ist dies bei den Kindern zu merken, die in Tel-Awiw die besten städtischen Bedingungen vorfinden, um sich körperlich gesund zu entwickeln. Aut der zionistischen Jahreskonferenz vom 27. Juni 1910'sagte darüber Herr Dr. Ruppin folgendes: „Das neue jüdische Stadtviertel gehört zu . dem Schönsten und Gelungensten, was der Zionismus' in Palästina geschaffen hat.“ „Man gibt .heute überall zu, daß diese Sache das gehalten hat, wofür sie begründet wurde, nämlich die Position und das Prestige der Juden in Palästina zu erhöhen. Wenn Sie früher nach Palästina kamen, so fanden Sie das jüdische Leben atomisiert. Wollten Sie es aut einem Punkte sehen, so entglitt es Ihnen unter den Händen. Wenn Sie jetzt nach Jaffa kommen, so sehen Sie in dem jüdischen Stadtviertel jüdisches Leben pulsieren, wie Vielleicht nirgendwo sonst in der Welt. Das jüdische Viertel ist ein um so größerer Erfolg, als der Nationaltonds sein Geld sicher angelegt hat.“ Die guten Erfahrungen mit Tel-Awiw haben den J. N. F. ermutigt, die' Rückzahlungen von ■Tel-Awiw einer neuen Häuserbaugesellschaft „NaChlath -Benjamin“ in Jaffa, die aus Handwerkern, Handels- und Bureauangestellten besteht, als Darlehen zur Verfügung zu stellen. Das neue Stadtviertel wird sich an Tel-Awiw anschließen, und in mehreren Beziehungen —Schulen, Synagoge, Wasserleitung, Bewachung usw. — werden beide vereinigt sein. Das Hebräische Gymnasium in Jaffa, das mit einem Kostenaufwand von zirka 125.000 Frs. an der Herzlstraße in der Mitte von Tel-Awiw gebaut wurde, ist von seinem Erbauer, Herrn Lordmajor Moser in Bradford, dem Jüdischen Nationalfonds, der seinerzeit zu den Kosten ■ des Grunderwerbes 30.000 Frs. beigesteuert hat, als Eigentum überlassen worden. In ähnlicher Weise wie in Jaffa, hat der J. N. F. auch in Haifa einer Häuserbaugesellschaft ein Darlehen von 50.000 Frs. gewährt. Ebenso hat sich der J. N. F. an den Kosten des Grunderwerb's' für das in Haifa zu errichtende Technikum beteiligt und der Verwaltung desselben ein unkündbares Darlehen von 100.000 Frs. zur Verfügung gestellt. Dank-dem Montefiore-Fonds, der seit jeher speziell für Jerusalemer Häuserbaugesellschaften verwendet wird, besteht seit Jahren in Jerusalem trotz der stetigen Zunahme der jüdischen Bevölkerung kein dringendes Bedürfnis nach Errichtung neuer Stadtviertel. Ja, durch die Krisis, die in Jerusalem in diesem Jahre in manchen Wohlfahrtsinstituten eingetreten ist und die im Verein mit anderen Ursachen eine Einkommensverminderung der jüdischen Einwohnerschaft zur Folge hatte, ist dort die Miete für die Wohnungen erheblich gesunken. Ueberhaupt hat die genannte Krises samt ihren Begleiterscheinungen klar bewiesen, daß der „B e z a 1 e 1“ mit seinem Plan, die Chalukkahgaben, von welchen jetzt fast die Hälfte der Jerusalemer Bevölkerung ganz oder teilweise lebt, durch Einführung lohnender Arbeit abzulösen, auf dem richtigen Wege ist. Der J. N. F. hat daher, in richtiger Würdigung der großen Aufgabe der Bezalei, die beiden großen und schönen Häuser, die er vor zweieinhalb- Jahren erworben hat, dieser KünstgewerbesChule zur Verfügung gestellt. Als sich im letzten Jahre die Notwendigkeit des Baues eines TeppiChatelierSj das die Aufstellung großer Webstühle und die Aufnahme von ' 100—150 Knüpferinnen ermöglichen sollte, herausstellte, hat der J. N. F. dies dadurch ermöglicht, daß er an den Baukosten von 25.500 Frs. sich mit einem Beitrag von 15.000 Frs. beteiligte und den Rest dem Bezalei als Darlehen gegen Rückzahlung in sieben Jahresraten vorstreckt. Aus dem jüdischen Leben. Wieder ein Attentatsversuch auf Feuerstein? Das Lerajberger „Tagblatt“ meldet aus Droho>- b y cz: f Vor einigen Tagen kam nach Drohobycz iein junger Student N. |T. aus Wien, der Sohn eines bekannten hiesigen Kaufmannes. Gegen T. wurde bei der Polizei die Anzeige erstattet, er habe sich geäußert, daß er nach DrohobyCz gekommen sei, um gegen Jakob Feuerstein aus Reche für die Bluttaten am 19. Juni ein Attentat Zu verüben. T. wurde verhaftet, die Untersuchung wird zweifellos die Haltlosigkeit der Beschuldigung ergeben. In der Stadt sind Gerüchte verbreitet, daß der Student keinen Revolver bei sich batte, sondern daß einer der Polizisten ihm bei der Verhaftung einen Revolver in die Tasche steckte. * Englische Judenplünderer vor Gericht. Dem B. T. wird aus London telegraphiert: Sechs!-' undvierzig Angeklagte, die sich wegen der Plünderung jüdischer Geschäfte in Tredegar in Südwales zu verantworten hatten, sind jetzt Zu Gefängnisstrafen von drei Wochen bis zu drei Monaten verurteilt worden. Die Leute, die die Plünderungen begingen, standen mit dem Ei-- senbahnstreik in keinerlei Zusaidjmenbang. Es waren vielmehr zumeist Bergarbeiter mit ihren Frauen. Was sie bei den Plünderungen erbeuteten, war Zumeist nicht für den persönlichen Gebrauch Zu verwenden. * Juden werdet aus Bayern auagewiesen. Die Münchener Polizei hat einige seit vielen Jahren dort ansäßige, aus Galizien und Rußland eingewanderte jüdische Hausiererfamilien plötzlich ausgewiesen. Weitere Ausweisungen . osteuropäischer Juden stehen bevor. Vor kurzem veranstaltete die Polizei eine förmliche Razzia in dem von ausländischen Juden bewohnten Stadtteile und notierte sämtliche Familien, die keinen Gewerbeschein vorzeigen oder nicht nachveisen konnten, woher sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Mehrzahl dieser’Familien soll ausgewiesen werden. * Ein hebräischer Kindergarten In Damaskus. Zum Leiter der hiesigen jüdischen Gemeindeschule wurde Herr Abraham Ahnaliah aus Jerusalem, vormals Direktor der jüdischen Gemeindeschule in Konstantinopel ernannt. Herr Almaliah knüpfte die Annahme der Stelle an die Bedingung, daß die Gemeinde einen Kindergarten mit hebräischer Unterrichtssprache einriChte. Auf diesen Vorschlag ging die Gemeindeleitung bereitwillig ein, und der hebräische Kindergarten , ist bereits vor kurzem eröffnet worden. Der neue Schulleiter, der in seiner frühem Amts», tätigkeit in hervorragender und überaus er-» folgreicher Weise für die Verbreitung der he* brätschen Sprache tätig war, hofft in Damaskus ein besonders günstiges Arbeitsfeld für seine Bestrebungen zur Hebräisierung der Sepbardischen Schuljugend zu finden. * Kolonisationisbestrebungen in Hebron. Unter der jüdischen Jugend in Hebron ist eine Bewegung im Zuge, die auf die Schaffung jüdischer Ackerbaukolonien in der Umgebung von Hebron abzielt. In einem Brief aus Hebron, der in der Jerusalemer hebräischen Zeitung „Hacheruth“ abgedruckt war, werden die vielen Vorteile erörtert, die solche landwirtschaftliche Ansiedlungen von Hebron für das gesamte jüdische Kolonisationswerk in Palästina im Gefolge hätten. Insbesondere wird auf die Aussichten eines rationellen Weinbaus und einer großzügigen Milchwirtschaft nebst Molkereibetrieb in dieser Gegend hingewiesen. Auch wird das freundschaftliche Verhältnis hervorgehoben, das Zwischen der jüdischen Bevölkerung in Hebron und ihrer arabischen Nachbarschaft besteht, im Gegensatz z. B. zu den teilweise recht unfreundlichen Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Galiläa. m Uebertritte jüdischer Mädchen zum Islam. Saloniki. Wie die hier in spanioliscber Sprache erscheinende Zeitung „Epoca“ mitteilt; ind ‘in diesem Jahre nicht weniger als 32 jüdische Mädchen in Saloniki zum Islam übergetreten. Der Grund dieser beklagenswerten Erscheinung liegt in der. durchaus unjüdischen Erziehung, die die jüdischen Ettern in der Regel ihren Töchtern angedeihen lassen. Die Zustände hinsichtlich' der Mädchenerziehung in Saloniki erinnern vielfach an die Verhältnisse in Galizien, wo bekanntlich ebenfalls gewaltsame und frei»* willige Taufen jüdischer Mädchen häufig Vorkommen. * Russisch-Polen. Warschau. Hier wurde vor kurzem eine neue Spar- und Leihkasse eröffnet, die statutengemäß Juden keinen Kredit gewährt. Die Zahlderartiger ausgesprochen judenfeindlicher Finanzinstitute steigt in Russisch-Polen überhaupt von Tag zu Tag. Zivnostenskä banka Filialo Wi©n ■- Herrengasse §2 4 Aktienkapital und Reserven: K 95 Hillic 01 T Wechselstuben ln Wien; 1. Herreng. 12» U. Praterstr. 24» VH» MariahUferstr. 84» X. Favoritenstrasse 95, XVI. Neulercbenfelderstrasse 41. EINLAGEN auf Büchels EINLAGEN im Konto naeh Vereinbarung. -- Zentrale in Prag, gern; 1868. — Filialen: Brünn, Budweis, Friedek-Mistek, ^“u. Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg, Melnik, Olxnfttz, Mähr.-Ostrau, Parduhic, Pilsen, Pilaek, Proßnit** Reichenberg, Tabor, Triest. " 0 *^uIante Bcgofgung aller Bank-, and Börsentransaktionen. gBgfilt InkSEhlll- ^StohltammermRvmipietbmenSA^anj ’ ygTKllfSiklllifllI