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Jüdische Zeitung · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE 'ZEITUNG Nr. 37 Ein roter Moschko. ln Galizien gingen während der letzten Reichsratswahlen die Vertreter der bürgerlichen und sogenannten sozialdemokratischen Assimilation Hand in Hand. Die „ethischen“ Qualitäten der Führer der galizisehen Arbeiterpartei sind damit genügend gekennzeichnet. Diese Verbrüderung der korrupten Moschkos.a la Löwenstein mit dem Sozialistenführer Dr. Diamant ist aber nicht bloß eine zeitweilige. Das Renegatentum' •und «die Gesdhäftspolitäk erweisen sich als so haltbarer Kitt, daß nicht einmal die schrecklichen Vorgänge in Drohobycz den* Abg. Diamant . von i.öwenstein Zu entfernen vermochten. Das „Lembergcr Tagblatt“ veröffentlichte, einen Artikel ausi der Feder eines wohlinformierten galizisdien Sozialdemok:r aten, welcher mitteilt, daß Dr. Diamant mit allen Kräften die neuerliche Kandidatur Löwenstein s in Drohobycz fördert. Seine Unterstützung des berüchtigten Assimilationshäuptlings Löwenstein geht so weit, daß er, obwohl er selbst zugibt, Drohobycz sei ein Arbeiterbezirk, die Drohobyczer sozialdemokratische Organisation durch' verschiedene Umtriebe und un- . ter Aufbietung seines ganzen' Einflusses als Führer der polnischen Arbeiterpartei hindern will, dem Löwenstein einen sozialdemokratischen Kandidaten entgegenzustellen . In der Debatte über die entsetzlichen Mordtaten der Löwensteinklique in Drohobycz hat Dr .Diamant das große Wort geführt. Schon damals war zu merken, daß er lediglich gegen das Vorgehen der Soldaten und der lokalen Behörden protestierte, aber kein Wort der Verurteilung für Löwenstein und seine Drohobyczer . Zutreiber fand. Wohl hatte er die Stirn, die zionistische Kandidatur zu verschweigen und die perfide Lüge vorzubringen, daß nur persönliche Differenzen im Kampfe maßgebend waren, daß die Zionisten kein Programm haben, sondern nur gegen die Person Löwensteins.kämpfen. Gegen Löwenstein kein Wort! Nun liegt die Ursache dieser Zurückhaltung klar zutage. Der Sozialistenführer Dr. Diamant war und ist der treue Spießgeselle von Löwenstein und Feuerstein, die'-ihm für seine DienstedieStimmender Kultus^ Juden in Lemberg zubrachten. . Um des Lemberger Mandats willen arbeitet er der Mörderbande von Drohobycz in die Hände und hindert seine eigenen Parteigenossen daran, den Lakaien und Hausjuden des Statthalters von Galizien in den Weg Zu treten. Und das ist ein Wortführer der großen sozialdemokratischen Partei in Oesterreich'! Hätte die ehrliche arische Arbeiterschaft nur eine Ahnung von diesen Vorgängen, so hätte dem „Sozialisten“ Diamand das lehrte Ständlein geschlagen. Die polnische Arbeiterschaft.. verdient es wirklich nicht, von einem solchen Manne vertreten zu werden. Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina. (Aus dem Tätigkeitsberichte des zionistischen Aktionskomitees an dem X. Kongreß.) A. Ländliche Siedlung. Den Zweck des Jüdischen Nationalfonds bildet der Erwerb von Grund und Boden für das jüdische Volk und che Ueberführung der Juden Zur produktiven landwirtschaftlichen Tätigkeit. Nur!soweit der Jüdische Nationalfonds zeitweilig in diesem Rahmen keine Verwendung für seine * Mittel findet, ' wendet er sich privaten Koloni- . sationsunterpehmungen in Palästina, der eben-; 'falls ungemein wichtigen städtischen Siedlung ■" und verwandten Aufgaben zu. .. Durch Erhöhung des seitens des J. Ni F. der r^.Ralestine. LäBd Development-Company gewährten ..'Kredits vtm 3000' Phxnd -SterUng auf 10.000 Pfund. Sterling ist eS - *die^ : •'Gesellschaft :mög- ,, Rch geworden, in Galiläa; ein an; gutem •Verkehfs;- . weg gelege»es,.sehr .iruditba:rfe ^roBeS. Terrain zd;erwer&mA^/h.ätsibh^t?laläjd?La'l*'c™6iPl|h‘r- ~ tergenossenSchaftjaMsdem.^eijse^fffirengr/laj ^.wirtschaftlicher. Arbeiter gebildet, dS£^uefe*i?eij2 dieses Terrains bewirtschaftet - und ■ ■ mit' 'gleicher ' Arbeitelust und Zähigkeit, wie die Pächtergends.-: senschaft "in' Umdjuni; bei ungleich schwerem..Ber^ai..1 dingungen ihre-Ar-beit-' durchführt. Ein zwejf-~ i Schaft bestimmt, für die .auch bereits* die ersten I I Arbeiten unter der'Leitüng [eines erfahrenen Agror nomen in Angriff genommen werden.. Mit dem Erwerb dieses Terrains ist der Stillstand in der landwirtschaftlichen Kolonisation, der nun Jahre angehalten hat, gebrochen, und es ist bei einer glücklichen Durchführung dieser Arbeit mit Zuversicht zu erwarten, daß weitere ähnliche Un- : ternehmungen folgen werden. | Umdjuni, das an der Ostseite des Jordans! bei seinem Heraustreten aus dem See Kinereth liegt, wurde ursprünglich von der Farm Kinereth, die aut der Westseite des Jordans liegt, bewirtschaftet. Da dies sich jedoch als nicht rationell herausgestellt hat, wurde daselbst im Jahre 1910 eine Baracke erbaut und eine: Pscktergenossenschaft gebildet, die sich sehr gut bewährt. Bei der großen symptomatischen ' Bedeutung dieses Versuches sei es gestattet, hier etwas ausführlicher darüber zu berichten. Bekanntlich ist der Boden von Umdjuni wie auch der Boden der Farm Kinereth vom J. N-. F. an die Palestine Land Development Company für die Dauer von zweimal ‘49 Jahren verr pachtet. Zur Einrichtung der Pächtergenossenschaft „Umdjuni“ hat der J. N. F. ein Darlehen von 12.000 Frs. gewährt, das im Laufe von sechs Jahren zu tilgen ist. Im laufenden Jahre besteht die dortige Pächtergenossenschaft aus Arbeitern, die ihre landwirtschaftliche Ausbildung aut der Farm Kinereth erhalten haben, und es muß anerkannt werden, daß sich zu dem Arbeitseifer und Sparsamkeitssinn, der diese Gruppe auszeichnet, eine gewisse technische Fertigkeit hinzugesellt und der Betrieb in bester Ordnung vor sich geht. Wir haben also bereits hier die Gelegenheit wahrzunehmen, wie sich unsere verschiedenen Institutionen in die Hände arbeiten und die eine auch1 für die andere segensreich werden kann. Der Vertrag, der mit den Arbeitern im Jahre 1910 geschlossen wurde, lautete im wesentlichen folgendermaßen: „Wir Unterzeichnete Arbeiter verpflichten uns, vom 1. Dezember 1909 bis zum 30. September 1910 als Arbeiter der P. L. D. C. auf der Wirt-* schaff der Gesellschaft in Umdjuni zu arbeiten. Der vereinbarte Lohn beträgt 45 Frs. pro Monat und freie Wohnung. Außerdem erhalten wir von dem Reingewinn der Wirtschaft die Hälfte. Der Reingewinn wird in der Weise berechnet, daß von dem Bruttoertrag des Getreides - alle Steuern und alle von der Gesellschaft für die Wirtschaft verausgabten Beträge abgezogen werden; ebenso werden in Abzug gebracht 10 o/o Abschreibungen von dem Werte der Maschinen und 5 o/0 von dem Werte der anderen Arbeitsgeräte.“ Die Gewinn-'/und . Verlustrechnung, die am Ende des Wirtschaftsjahres vorgenommen wurde, ergab für die von der Pächtergenossenschaft bewirtschafteten 1000 Dunam einen Reingewinn von Frs. 4437.80, wovon die Arbeiter vertragsgemäß die Hälfte, d. h. Frs. 2218.90 erhielten (die andere Hälfte fiel der P. L. D. C\ zu) so da ß a.uf jeden der sieben Arbeiter ejn Gewinn von Frs. 320 e,ntfiel. Außerdem hatte jeder Arbeiter während der ganzen Zeit einen Monatslohn von Frs. 45 erhalten, der zur Bestreitung seines Unterhaltes ausreichte, so daß ihm der Gewinn am Ende des Jahres.als reiner Ueberschuß verblieb. Dieses Resultat kann als ein durchaus günstiges bezeichnet werden und ermutigt, aut dem beschrittenen Wege in größerem Maßstabe fortzufahren, wozu sich gerade jetzt Gelegenheit bietet Infolge der jüngst erfolgten Mafruzierung unseres Bodens in Umdjurii ergibt sich nämlich die Notwendigkeit, eine bedeutend größere Fläche zu bewirtschaften. Dies kann am besten durch die Genossenschaft erfolgen, indem die Zahl der Arbeiter aut 20 bi9 25 vermehrt, die nötigen Gebäude errichtet und totes und lebendes Inventar angeschafft. werden. Nachdem die Siedlungsgenossenschaft sich bereit erklärt haL diese Genossenschaft zu übernehmen und auch der Nationalfonds bereit ist, ihr den Boden . und die zu errichtenden Gebäude unter denselben-Modalitäten wie der Genossenschaft in- Merchawja zu verpachten, kann an deren Ausgestaltung nunmehr geschritten werden. Auf diese Weise kann die Siedlungsgenossenschaft ohne größere Kosten und fast ohne Risiko eine zweite ■Genossenschaft unterhalten, und die beiden Genossenschaften in Merchawja und Uind-jüni könnten pich in ihren Erfahrungen ergänzen. . . Kinereth, die erste mit Hilfe des J. N. F. begründete Farm, nähert sich immer mehr ihrer ursprünglichen Bestimmung, einen rationell geleiteten Großbetrieb - zu bilden und zugleich den •Arbeitern eine Stätte zu bieteri, wo sie sich .in den verschiedenen Zweigen der Landwirtschaft ■ aüsbilden können. Nur bei ' Vorhandensein von; Lehrt artneir wird man einen geeigneten IandwirtschäftlicKen.Nach wuchs, sowohl als Arbeiter bei ^löüi^eiji.iöiär^Lc&tern, wie. auch als .künftige RjbJfonisteu -^Kolonisation sichern gRqnjfciuNeBendemJCöfherbaUi;䣣gle£chhei der aingungen mre -Ar-oeunurcnnmrt. rin zweiter,i-Jic^uiat K'ein' grööesf JJgwässö^ßgg; vom N. F. gekaufter Teil ist Jür die von Dr. j und mit'dein'Anbau ^tm 'ßSuS^ Oppenheimer geplante Siedlung,sge'no ss enbegonnen. •' Es verdient hier erwähnt zu werden, daß die Dessauer Israelitische Kultusgemeinde eine .Oelbaumpflanzung von zirka 10 ha in Kinereth anlegen läßt, deren Nutznießung bis 99 Jahre nach -der - Anlegung der genannten Kultusgemeinde gehört. Nadi Verlaut der 99 Jahre geht die Pflanzung in den vollständigen Benitz des J. Nv. F .über. Hoffentlich werden auch andere Kultusjgemeinden dem nun gegebenen schönen Beispiel folgen. Aut Initiative 'des Jüdischen Frauenve rbandes für Kulturarbeit in Palästina und mit Unterstützung desselben werden jetzt sechs Mädchen und eine diplomierte Gärtnerin beim Gemüsebau und bei der Milchwirtschaft in Kinereth beschäftigt. Auch die Anlage der HerzlWaldungen in Hulda und Ben Schemen, die der Verein „Oelbaumspende“ aut dem dortigen N. F.-Boden ausführt, stellt sich immer mehr als eine Arbeit von großer Bedeutung für die Kolonisation heraus. ln den letzten anderthalb Jahren wurden zirka 1300 Dunam mit Oliven- und anderen Nutz- und Zierbäumen in Hulda und Benschemen unter der Leitung des Agronomen Wilkansky angepflanzt. Es finden durchschnittlich an beiden Stellen zusammen-60 bis 100 Arbeiter, darunter mehrere Familien, lohnende Beschäftigung. Um die Arbeiter das ganze Jahr hindurch wirtschaftlich rationell beschäftigen zu können, mußte man in beiden -Wirtschaften auch, den Köraerbau in den Wirtschaftplan autnehmen, wobei wir im vorigen Jahre' einen angemessenen Gewinn erzielten, während für das laufende Jahr die Bilanz noch nicht abgeschlossen ist. In Benschemen wird auch' in kleinem Maßstabe mit Viehzucht der Anfang gemacht. Besondere Ausgaben cemtstanden in der Berichtsperiode durch die Errichtung der notwendigen Wirtschaftsgebäude wie auch der Wohnungen für die ledigen Arbeiter. In beiden Wirtschaften haben sich die ledigen Arbeiter gute Arbeitsküchen eingerichtet, für die die Verwaltung die nötigen Räumlichkeiten lu’nd Ausstattung gegeben üat. '. Eine weitere Olivenpflanzung aut dem von Herrn J. Goldberg -in Wilna dem J. N. F. geschenkten Terrain von zirka 10 ha befindet sich in der Kolonie Chedera. Ebenfalls in Chedera befindet sich der Gan-Schmuel, der zum Andenken des seligen Rabbiners Samuel Mohilewer von Bialystok angelegt und vom Odessaer Komitee dem J. N. F. geschenkt wurde. Der Gan-Schmuel besteht aus einer fruchttragenden Orangenpflanzung von zirka ' 41/* ha, die noch aut einige Jahre der Gesellschaft „Itzhar“-verpachtet ist, und aus mehreren Dunam mit Ethrogimbäumen, von deren Früchten bereite jm vorigen Jahre mehrere Hundert verkauft .wurden. Da im'laufenden. Jahre viel Sorgfalt auf die Pflege der Ethrogim verwendet wird, so ist aut eine zufriedenstellende Ernte zu rechnen. Palästinaliebende Juden werden sich gewiß bestreben, Ethrogim aus dem Gan-Schmuel, der unter der Aufsicht des Jaffaer Rabbinats Steht, sich zu verschaffen. Außer den direkten' Besiedlungsarbeiten, die der J. N. F. selbst oder durch die ihm nahestehenden Institutionen: Oelbaumspende, Palestine Land Development Company und neuerlich die Oppenheimersche Siedlungsgesellschaft „Erez Israe'l“ ausführt, ist er auch bemüht, durch Gewährung von Darlehen bereits bestehende Kolonien zu fördern und neue begründen zu helfen. So hat er durch die Vermittlung .der Anglo Palestine. Company einen Kredit von Zirka 200.000 Frs. an landwirtschaftliche kooperative Genossenschaften bewilligt, der sowohl von Orangen- und Mandel- ' besitzern in P e t h ach -Tik w a, Re ch ö b o t hy Risch on-ie-Zion, Wadi-el-Chanin, wie auch von den Arbeiterkolonisten in B i r - Jakob in Ain-Ganim für die Anlage von Bewässerungswerken zwecks 'Einführung r a t i o ne llenGem üs e bau s in Anspruch genommen wurde. Soweit dies noch imvorigen Jahre erfolgte, ist der große Nutzen der Kreditgewährung bereits sichtbar, und die Rückzahlungen gehen regelmäßig von statten. Zur . Erleichterung der Begründung von Ain-Ganim hat bekanntlich der J. N. F. bereits-früher dem Odessaer Komitee der ChowewerZion ein Darlehen von 20.000 Frs. gewährt, und diese Arbeiterkolonie scheint die in sie gesetzten Hoffnungen zu.erfüllen. Besonders ist die Tüchtigr keit und der. große Arbeitseifer der meisten dieser Kolonisten hervorzuheben, die es ihnen' bei der kleinen Fläche 1 Bodens, die sie besitzen, ermöglichen, ihren Lebensunterhalt dein Stückchen Gartenland abzuringen. Seit jeher .waren die mißlichen Wohnungsverhältnisse der ledigen Arbeiter ein Gegenstand der Klage für alle Freunde der palästinensischen -Kolonisation. Als daher im vorigen Jahre - die Vertreter der verschiedenen Institutionen' - sich' dieses Uebelstandes annahmen und. die-Schäftung eines,.eigenen Fonds für Anbeiterheimst. äffen,'der dem J. N.'F. angegliedert werden Sollte, änregten, -hat der J.'ff. F. dazu seiqe Zustimmung gegeben und sofort zu' diesem Zwecke-20.000 Frs. zur Verfügung gestellt. Durch! - difesei Bewilligung des' J.~ N.. F. 'wurde es möglich^ ji^fpj^T^. dig;%rrichtung von- Arbeiterhäusern in den Kolonien' Petha'ch-Tik'wa und ”Gfaed e r a heranzutreten. Es sei hier mit: Dank er-

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