Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 37 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 1 i eni s c h e Universität vorenthaiten? Anderseits ist es nicht-ebenso sonderbar, daß dieselben Elemente; welche gerade in T rii e st die italienische;llniVersität.'fordern, den 30:0 OOTrie-sterS lo.v enen sogar eine 'Vakssc;hul.e' verweigern;! c Direkt skandalös sind aber fdie Schulverhältnisse in Ungarn, wo die magyarische Oligarchie die Schulen einfach zu Mäg/yarisierungsins t runvein te n -herabwürdigen ,und den 12 Millionen Deutschen* :Slaven.und;Rumänen nicht nur jede Hochschule--^verweigert, . sondern auch ' die notwendigen Mittelschulen yorenth.ältl! Diese Zustände -sind mit den Aufgaben eines Kulturstaates .".unvereinbar.''-Sie aufrecht erhalten zii wollen und überdies noch als vereinbar zu erklären’ mit den Grundprizipien wahr er Freiheit und echter Demokratie, das ist. nur in unserer Monarchie infolge der allgemeinen Begriffsverwirrung möglich. : Hier kann nur die nationaleAutohÖhue Wandlung schaffen. ‘Ihre Vertreter verlangen vor allem nationale Gemeinden mit dem Selbstbesteuerungsrechte und dem .Rechte derV-erwendung derSteuern der Konnationalen für die eigenen Ku 1 turzwecke. Die nationalen Gemeinden würden zusammengefaßt werden in Land esverbänd e* und diese-in einen R e i c h s v e r b a n d. Die Bedeutung dieser Organisationen, speziell für die Juden, bestünde darin, daß sie Herren in eigenem Schulwesen wären, claß sie die Schulen nach ihren eigenen Bedürfnissen einrichten können, daß die jüdischen Lehrer und Beamten, eine entsprechende Verwendungfänden und daß aus den Steuern der J u d e n auch die Mittel für die eigenen kulturellen und sozialen Zwecke geschöpft -Werden können. 'Diese Mittel sind in manchen Orten keineswegs gering. In Wien-allein zahlen die: Juden 30 Prozent: Gemeinde- ••-steuern.; :. in Die Judenunruhen England. (Eigenbericht der .'»Jüdischen Zeitung«.) Unser Korrespondent schreibt uns aus London: $ Seit meinem' letzten^ Berichte, den ich ihnen aus Leamington sandte, hat i«ich-Mdies;Situatiori, nichtuwesentlich.,gebessert:'-Die Neigung^ der> Masse,ran den jüdischen; Geschäftsinbaibernihr. Mütchen ,;zu ‘ kühleu;ün"d rBeute,zu. machen j i;!bält-^n. nln, Bair-g v,e d>versammeitenisich,arh;ietzten Möntag’ f die JLeute am ^/frühen- Morgen; in ■ ..‘den^Straßen.^die;:unt 8; jjhr,. bereits' .ri jpht ..aZUi-pässieren waren/;Qb.zwar,sie sich 4iemi 'Iich?’ruhig verhielten, war:,.dochnidie -böse '• i/AbSiCht'unverkennbar,/Es war ein Lauem atäüfc eine; ^.günstige';. Gelegenheit,;;ydie 'seit .i-WbehentgeÜbteit^iündeK^b^^rt?^^6"- ' >Um$halb .asUhr* qjadimaer Sturm iaufir’äie -j jüdischen'- Läden-Und Häuser auch wirklich; ,,jos.fIh.;den;lHsuptstr2i.ßdn ^gelang; es!; ^rohl . i e deryRol^ei,vdietl^ngg m^iacft, zu, halten, ',;dbch,im:den«N^)'engasseiv.erWieaisie.isich Aim kächübs^^ywtnde^her telephonisch udaüs;^emVjben?C^fien:^|^^eyi;JftiStär, uasia&f dort;geit ^BggMn Bi^eit- - -tddhaffc'hält^TeqnieiertJ Irrifünfzehn^Mmuten war die mnitärißChe>4Asisistenawwohfczur Sf=iSfi§lI<& ab^^j^diiserJküfzejrjSp^he Zeit ljü(fische^p»nHieh^zu- --|^tpiw;«sjFi^cht4'' teilung vertrieb die yielhundertköpfige Menge mit den Bajonetten. (Ich mußte' an die Metzeleien in Dro.hoby cz denken. Hier1 genügte der' Anblick des;,kalten Stahles“,'rühi hunderte' wilder Gesellenin Zäum zu halten, dort war; die' Soldateska „genötigt“, ein paar Greise, Kinder und Frauen mit einem Kugelregen zn überschütten). : " ' Trotzdem kann man konstatieren, daß die Situation.durch Beendigung des Streiks gemildert würde. Ob alte geflüchteten jüdischen Bürger zurückkehren, ob die antijüdische Bewegung abflauen wird, das sind Fragen, die man noch: nicht beantworten kann. ' " Die Haltung der englischen. Gesellschaft und Presse ist eine geteilte. Die einen Wollen die krassen Vorgänge teilweise bemänteln,; indem sie die Plünderer als verkommenes Gesindel bezeichnen, das die allgemeine Unruhe als günstige Gelegenheit zum. Rauben ausgenützt und es nicht speziell auf die Juden, abgesehen hat. Doch die Tatsachen stehen zu dieser Erklärung im Widerspruche. Die Mehrzahl gibt freimütig zu, daß es sich um antijüdische Pogroms gehandelt hat. Zu den Beschwichtigtigem und Beschönigern gehören natürlich auch Juden, die Assimilantenund Antizionisten, die auch angesichts solcher Ereignisse es nicht lassen können, der „herrlichen“ englischen Nation hündischen Respekt zu beweisen. JheJewish World,“ eine Zeitung, die eine Zeit zionistisch schillerte, sich derzeit aber streng „englisch-national“ gebärdet, spricht zwar ihre Entrüstung aus, fügt aber hinzu: „Wir wollen in dieser Angelegenheit ganz aufrichtig sein. Die Anschuldigungen gegen die ganzen Judengemeinden sind grundlos, aber einige Leute haben durch ihr Tun und Lassen eine Handhabe gegeben, die Ausschreitungen des Pöbels zu entschuldigen.“ Natürlich hat sich, ejn Teil der Öffentlichkeit gierig auf die : Äußerung des „Jewish World“ gestürzt und sie als den Ausdruck der „jüdischen öffentlichen Mei- .nung“..zur Entschuldigung . der / Plünderer ailsposaunt Dabei stellen die „aufrichtigen“ Äußerungen des . jüdischen Blattes unverschämte Verleumdungen dar. Die anständige englische . Presse' hat unumwunden zugegeben, daß die. jüdischen Geschäftsleute in den Streikbezirkeri an Reellität ünd ,im geschäftlichen Gebaren in keinerWeise •hinter :den ^christlichen.. zurück&tehen..- In der-. Sucht, der christlichen- .Öffentlichkeit .!schon, zu, tun, gehenWe Assimilänten "eben JJms zur,Dününzi’ätiön.: des eigenen, Volkes. Zur Charakteristik dt ene.übrigens, daß in der gleichen- Nummer des Blattes gegen 1den .Ziorifsnius schärf ' gemacht; und; der l.„ pojiu^cheV Zioft^Ismus: fürs; Uöit“.erklärt wird.. . Der ..englische Jude, .so; sagt' das Blatt, darf .höclßtens-'Kpronisationsbejsfrebiingen . „im.; kleinen“1 'fördert^; Vom -.jüdischen, Nätipnäjjsmus aber,' /müsse er. sichabwenden; et sei und, bleibe. Eng- .'Järiäeh. ,J! ■' *• -u'-- - ,5p.erF:ftng^der,rpre(uBi?^eti0Spj^ler ■ Im. hacbasiseh^n. .Rußland-, werdet» die Juden t( . aut dem. Wegedpr GeSetzgebung-. -ius^ allen: Be- 1 :-d." -'-1: - * ^. r-. i. „ ’ : t. : - , ■ U ,auch i Ai©Ütwf§«Mng^r(#Ig («tsS Äir ■»hi nöS- Mits-o beceebtigiwig;‘‘\:unl}erührti aber d(e Beböcden. und^ •dreefbörgetljdie. Gesdlsehaff.- wissen:-, es';tre{flicftc- _s.-» «JLSwiW,- iefe ans; i bärfpund; -+»£***■ * -HUI :.ae ,zäf-;ärzü»cijeh Praxis,*< , s“,lDc)lcforgfadö _ s^jetzt .;yJarök;ä^,.'’^f^teste-' ‘WH vergebens, da der Herr Reichskanzler in eigener Person die brutalen antisemitischen Krankenhausdirektoren schützt. Das Breslauer „Jüdische Voiksbtatt“ schreibt 'über diesen Gegenständ:; : „Es ist bekanntlich in letzter Zeit zu verschiedenenmalen vorgekommen, daß jüdische Medizinalpraktikanten, die ihr praktisches Jahr in einer Krankenanstalt absolvieren wollten, dort, wohin sie sich meldeten, abgewiesen wurden, weit die („christlichen Kollegen.“, in ihrer Mitte keinen Juden wünschten oder weil der Leiter der Anstalt aus persönlichen antisemitischen Motiven die Ablehnung aussprach. Da die Absolvierung; einer solchen Krankenhausstation die unumgängliche Voraussetzung für Zulassung zum großen Staatsexamen -ist, so erscheint es verständlich, daß eine etwaige Ausdehnung der antisemitischen Praxis der Nichtannahme von: Juden letztenendes wie eine Ausschließung der Staatsbürger jüdische n Glaubens vom Studium der Medizin wirken müßte. Wenn nun gär eine solche Zurückweisung jüdischer Medizinalpraktikanten von Seiten der Leitung von Krankenanstalten erfolgt, die aus öffentlichen Mitteln, zu denen auch die Juden. beisteuern, unterhalten werden, dann, so sollte man meinen, hätte die Regierung allen Anlaß, gegen ein Solches offen antisemitisches Gebaren einzuschreiten. Man weiß nun, daß anläßlich eines bestimmten Falles im Kreise Teltow die Angelegenheit auch, im Parlamente zur Sprache gelangte und es erst der mehrfachen und beharrlichen „Neugierde“ des Landtagsabgeordneten Kassel bedurfte, ehe vom Ministertische wenigstens ein entschiedenes Wort der Mißbilligung jener antisemitischen Praxis erfolgte. Freilich irgend welche praktischen Folgen hatte dieserein theoretische Mißbilligung des Herrn Ministers nicht. Eine Remendur dieses antisemitischen Verhaltenstrat nicht ein. Die ärztlichen Standesvertretungen, wie die Berliner und andere Aerztekammern griffen gleichfalls ein und verurteilten in Resolutionen und Beschlüssen auf das Entschiedenste, daß bei der Annahme von; Medizinalpraktikanten die Konfession des um Aufnahme Ansuchenden in Betracht gezogen würde. Irgend einen faßbaren Erfolg aber hatte auch diese Stellungnahme der Aerztekreise nicht. Daraufhin hat denn der Ausschuß der preußischen Aerztekammern. sich direkt mit einer Eingabe an den Herrn Reichskanzler gewandt, in der unter Hinweis aut die vorgekommenen Fälle der Abweisung von Medizinalpraktikanten jüdischen Glaubens das Ersuchen ausgesprochen wurde, die Annahme oder Ablehnung von Medizinalpraktikanten nicht mehr von dem Ermessen der Anstalisleitungen abhängig zu machen, vielmehr zu bestimmen, daß jeder unbescholtene Medizinalpraktikant, soweit Vakanzen vorhanden sind, aufzunehmen sei. Nunmehr ist die Antwort des Herrn Reichskanzlers aut diese Eingabe erfolgt. Sie ist so charakteristisch, daß es sich; lohnt, sie 'hier im Wortlaute folgen, zulassen. Siei lautet: „Zu einem behördlichen Eingriff,' in die den Kandidaten (2 Red.), wie den Anstalten eingeräumte, wechselseitige Freiheit „von Meldung und Annahme scheint mir um so weniger Veranlassung' vorzutiegen, als die- Zahl-der in ' Preußen ' vorhandenen - Präktikantensteüen diejenige der geprüften Kandidaten um weit mehr als das Doppelte übersteigt, und es daher jedem Kandidaten möglich sein dürfte, eine seinen berechtigten Wünschen. (?)■ entsprechende Praktikäntenstefle zu-1 finden. ■ -Ein< > behördliches Vorgehen im*-Sinne der Eingabe .würde , nur dazu beitragen, aut dem seinem Wesen nach konfessionell neutralem Gebiet der ärztlichen Vorbildung konfessionelle Gegensätze zu schaffen; Oder zu' beleben.- Ich-(möchte -daher von einem Votg'ehen in dieser- Richtung absehen.“ ' Um das Letzte zuerst zunehmen: d.er!Herr Reichskanzler erklärt also, von einem' Vorgehen .iin dieser Richtung“ absehen.zu wollen. Et betont der» - konfessionell 'neutralen . Charakter des Gebietes der ärztlichen Vorbildung und will doch nichts, untehnehtifien \ümt:diesen neutralen Cha-; räktei1' frtrschützen und jenen Anstaltsleitern, die ' offenbar'dfese”Auffäs^ung 'däs'-HetEh ReÜehskanzrlÄs. nicht'/ tfeifen,;ünd -ähr‘-Zuwider ^verfahren, rde(i': Stahäpünfct’ fellu''fca mache», daSnsleeidiese 'yÖm'Hefrn1-Relfc'hskanzIer'bertonteiNei*tralitä4:äufs ''ÖrÖbliefisfe’ ^effetzen; wemiisik'tMediatnalprakti- 'l&nteir hnr ybgen des :jüdische»/Bekenntnisses 'tferselben ÄkJjt'ahnehmfirttfDienAÄWaek desthlerrn rRefChskäfl'zrers"ist afeö hTdtt somtartidc geeignet, dje antjsenptis'chett-AhdthltsIeiteüicm entmutigen, ’d Herrii ‘ RefcSiä&wzIers.' <K4- KontessioneHh ■ Rück- *%lcIrtnäfndehtieFder Annahme voinMedizHialprak- ^fiftahteii fö/mif "bftrtithortet, daßf eF> befürchte, es ‘.fcöinurtö^erlt 'fd^srng^feiilttfeten,!- was.-heyte' aut r<SjriinÖ deS,JVÖrlh;gencfet;-fEatsächen'matf3,ial8' be- /ferts^bfestfeht. äzh'ist'aIsb>t(C&.fkkibhbt»<lent dfe^altelöften difcJiidisäito'fhsakHiiiüser iweigem tsidutme zur-arzflidieli Praxis.^ liRfefdaraiizlfch ttfÄt lziidJefürdttCn./idaßl-fiBa« sie ' Äte^mltisehenrAfeebältfen -9töä»fe.‘fef -tili r1-,